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Article #384Angst vor der Freiheit: Was brachte der Studi-Kongress in Berlin?
From: Stefen Niemeyer
Date: Thu, 15 Jan 1998 00:00
Date: Thu, 15 Jan 1998 00:00
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Hallo liebe Interessierte,
am vergangenen Wochenende fand der Kongress "Bildung und Gesellschaft"
auf einem wenig hoffnungsfroh stimmenden Niveau statt.
Anbei zwei Kommentare, die am Montag in der Berliner Morgenpost
erschienen sind. Eure Meinung?
Der erste Kommentar stammt von mir selbst. Ich bin fuer das
FU-Buendnis, einer ueberparteilichen und faecheruebergreifenden
Hochschulgruppe, Abgeordneter des FU-Studentenparlamentes.
12. Januar 1998
"Angst vor der Freiheit"
Von Stefen Niemeyer
Nahezu ohne erfreuliche Ergebnisse ging gestern der Kongre� "Bildung
und Gesellschaft" zu Ende. Die vorliegenden Forderungen bedeuten im
wesentlichen ein "Zur�ck in die siebziger Jahre" mit
"Gesamthochschule", "parit�tisch besetzten Gremien", "Abschaffung
aller Zulassungsvoraussetzungen" und als neuem Punkt dem "Verbot von
Studiengeb�hren".
Hinzu kommt die Verherrlichung des "Aktivb�rgers". So soll in das
Hochschulrahmengesetz aufgenommen werden, da� "Beschl�sse und Wahlen
von (studentischen) Vollversammlungen bindend sind". Doch
Vollversammlungen sind zuf�llig zusammengew�rfelt. Es herrscht ein
emotional aufgeheiztes Klima der Einsch�chterung gegen�ber
abweichenden Meinungen, und es fehlt die Chance zum n�chternen
Abw�gen.
Zudem ist in den Kongre�forderungen ein ambivalentes Verh�ltnis zum
Staat deutlich geworden. Neben die Verteufelung als Instrument "der
Monopole" und "des Kapitalismus" tritt immer wieder die
"Verantwortung des Staates f�r Bildung".
Leider spielte die gro�artige Rede des Bundespr�sidenten auf dem
Kongre� praktisch keine Rolle. Im Gegenteil, die Hochschulen sollen
nicht "in die Freiheit entlassen" (Herzog), sondern an den Staat
gefesselt werden: "Alle Hochschulen m�ssen K�rperschaften
�ffentlichen Rechts sein", lautet eine Forderung. Mit diesem Versuch
des Rollback in die siebziger Jahre zeigt sich, da� die hier
versammelten Studenten eines eint: die Angst vor der Freiheit.
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Nichts wird "weggestimmt"
Von Ren� Majer
Eigentlich hatte die Vorbereitungsgruppe vorgesehen, da� am Sonntag
nachmittag die Abstimmung �ber die Forderungen erfolgen sollte. Die
Basis aber denkt anders. Alle Gruppen sehen noch Kl�rungsbedarf:
Thesen, die nicht ausreichend diskutiert wurden, d�rfe man nicht
einfach "wegstimmen".
Hier kann man schon aufmerken: Noch nie, so ein Teilnehmer auf einer
der hitzigen Podiumsdiskussionen, habe es einen studentischen Kongre�
gegeben, der so beweglich und konfliktfreudig war, ohne seine
Handlungsf�higkeit einzub��en: Die TeilnehmerInnen sind mit der
Produktivit�t der Gruppen zufrieden. Der Kongre� vereint die gesamte
Bandbreite der bisherigen studentischen Protestbewegung: Von
�ffentlichen Diskussionen, die �berkochen, bis hin zu Arbeitsgruppen,
die ihre differenziert ausgearbeiteten Referate gegeneinanderhalten.
Es ist dieser Situation leicht, die Veranstaltungen zu diffamieren.
Man kann einen Redner, der 15 Minuten lang ruhig vor einer
konzentrierten Zuh�rerschaft spricht, als "Volkstribun" verunglimpfen.
Und man kann auch, wenn man seine eigene Meinung nicht in
Mehrheitsbeschl�ssen wiederfindet, ressentimentgeladene Artikel
schreiben. Die Vorbereitungsgruppe kann demokratische
Entscheidungen des Abschlu�plenums nicht voraussehen. Sie dankt daher
f�r die interessante Vorabinformation, da� die Mehrzahl der
Kongre�teilnehmerInnen keine begeisterten Anh�nger der herrschenden
Bildungs- und Gesellschaftspolitik sind.
Der Autor studiert Philosophie an der FU und
ist Mitglied der Vorbereitungsgruppe.
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