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Article #448Claudia Schiffer laesst StuPa-Wahlen platzen und weiss von nichts
From: Stefen Niemeyer
Date: Tue, 06 Feb 1996 00:00
Date: Tue, 06 Feb 1996 00:00
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Die OZ osi zeitung berichtet in ihrer neuesten Ausgabe ueber das
vorlaeufige Wahlergebnis der Wahlen zum StudentInnenparlament der Freien
Universtitaet (OZ Nr. 28, S.8/9): (leider keine Beruecksichtigung der
Umlaute)
Claudia Schiffer laesst StuPa-Wahlen platzen und weiss von nichts
Unbekannte hatten Zugang zu persoenlichen Daten / "Kandidaten" wussten von
nichts / FU erstattet Anzeige wegen geflschter Unterschriften / Von Henry
Lohmar
Marion Pinkpank staunte nicht schlecht, als sie sich am 18. Januar auf
der "Liste der lustigen Namen" wiederfand. Sie hatte nmlich gar nicht
kandidiert. "Ich bin zwar daran gewhnt, da mit meinem Namen Witze gemacht
werden, doch das geht zu weit", sagte die Germanistikstudentin im fnften
Semester gegenber der OZ. Auch Sylvia Frhstck, die mitten im
Englisch-Examen steckt, findet den Streich mit den "lustigen" Namen gar
nicht so lustig. Irgend jemand hat ihren Namen, ihre Adresse, ihr
Geburtsjahr und die
Hatte jemand Zugang zu den Imma-Listen?
Matrikelnummer gewut - und auch noch ihre Unterschrift geflscht. Ebenso
geht es elf weiteren Kommilitonen (unter ihnen die Studentin der
Veterinrmedizin Claudia Schiffer), die - ohne es zu wissen - fr die Liste
"...das gibt's doch gar nicht!" oder die "Liste der lustigen Namen"
kandidierten. Unklar ist, wie der oder die Initiator(en) der Aktion an
die Daten der Studierenden gekommen sind. Listen mit den persnlichen
Daten der Studenten liegen im Immatrikulationsbro und unterliegen dem
Datenschutz.
Fr den Leiter der FU-Rechtsabteilung Hardy Grafunder ist das ein klarer
Fall von Urkundenflschung. Grafunder geht davon aus, da der Wahlvorstand
auf seiner nchsten Sitzung am 13. Februar die Wahlen fr ungltig erklren
wird. Das wrde Neuwahlen notwendig machen. Zwar ist keinem der
"Kandidaten wider Willen" der Einzug in das Studentenparlament gelungen,
doch reichen die Stimmen beider Listen aus, um ein Mandat zu gewinnen.
Wegen der Urkundenflschung will Grafunder Anzeige gegen Unbekannt
erstatten. Den Flschern drohe im Falle einer Verurteilung eine Geldstrafe
von etwa vierzig Tagesstzen sowie Schadensersatz, so der Rechtsexperte.
Die Sachkosten fr die StuPa-Wahlen belaufen sich auf rund 20 000 Mark.
Von den Ttern fehlt bisher jede Spur. Sollte es dabei bleiben, beginnt
der nchste AStA seinen Haushalt mit einem Loch: Neuwahlen mten von der
Studentenschaft finanziert werden. Noch ist unklar, ob die Wahlen FU-weit
wiederholt werden mssen oder nur an den betroffenen Instituten, das heit
dort, wo die unfreiwilligen Kandidaten Stimmen bekommen haben. In jedem
Fall wre das OSI betroffen. An der FU wird man nun klren mssen, wie die
Daten der unfreiwilligen Kandidaten nach auen dringen konnten.
Neuwahlen mten von Studis finanziert werden
Die Wahlen vom 17. und 18. Januar haben - vorbehaltlich einer mglichen
Neuwahl - an den Mehrheitsverhltnissen im StuPa nicht viel gendert.
Lediglich eine kleine Verschiebung zugunsten des wertkonservativen bis
sozialliberalen Lagers (oder der etablierten Parteien, je nachdem) hat
stattgefunden. Die Listenverbindung der Fachschaftsinitiativen bleibt
trotz erneuter Verluste strkste Fraktion. 15 der insgesamt 60 Sitze
fallen auf die vereinten Fachschaftslisten. Im letzten Jahr waren es 21.
Strkste Einzelliste wurde die Grn-alternative Liste/UL, auf die sechs
Mandate entfielen. Fnf Pltze im neuen StuPa kann die liberale Liste
"Demokratisches Forum - Unabhngige" besetzen, die Hochschulgruppe der
Jusos ist mit vier Studenten vertreten. Die PDS-nahe Liste "UL/UDS
Unabhngige Demokratische SozialistInnen" hat zwei Mandate im neuen
Studentenparlament.
Die bis dato den AStA dominierenden Fachschaftsinitiativen wrden zusammen
mit den
Grnen, der schwul-lesbischen und der AuslnderInnen-Liste, der UL/UDS und
einer autonomen Listenverbindung ber eine ausreichende Mehrheit verfgen.
"Wolfgang vom AStA-ffentlichkeitsreferat" wollte gegenber der OZ kein
Statement zum Wahlausgang abgeben. Man sehe noch nicht, welche Koalition
zustande kommen knnte. Von konkreten Gerchten ber eine Anfechtung der
Wahl wollte Wolfgang noch nichts wissen. Barbara Fried vom
Fachschaftsreferat wute mehr: "Immer noch gibt es die Mglichkeit, die
Parteien aus dem AStA rauszuhalten", sagte sie der OZ. Ein erstes Treffen
linker Gruppen habe bereits stattgefunden, ein weiteres sei geplant.
Auf welchem Wege eine linke Mehrheit ohne die insgesamt acht Stimmen von
GAL und UL/ UDS zustandekommen kann, konnte Barbara nicht sagen. ber den
Verdacht der Wahlflschung wute sie sehr wohl Bescheid: "Der AStA erwgt
selbst, den Datenschutzbeauftragten einzuschalten." Die konstituierende
StuPa-Sitzung werde nicht vor der Sitzung des Zentralen Wahlvorstands am
13. Februar, wahrscheinlich erst im April, abgehalten.
Die RCDS-Listen erreichten zusammen sechs Mandate. Eins davon fllt auf
die Liste "RCDS am OSI fr die OZ" - eine Namensschpfung, die ohne
Kenntnis der osi-zeitung zustande kam und niemals deren Billigung
erhalten htte. Thomas Krieger, StuPa-Mitglied des RCDS, meinte dazu, man
habe halt ein Thema gesucht, das "die Studis vor Ort interessiert und uns
klar von den Fachschaftslisten abgrenzt." Dem RCDS sei zwar klar, da sich
die OZ nicht von ihm vereinnahmen lasse, aber die Wahl des Listennamens
sei nun mal seine Sache. Die voraussichtlich AStA-bildende Mehrheit im
neuen StuPa nannte Krieger aufgrund der Stimmenverluste vor allem der
Fachschaftslisten eine "Koalition der Verlierer".
OSI mit "hoher"
Wahlbeteiligung: 13,11 %
Sollten die Wahlen doch fr gltig erklrt werden, knnen sich das StuPa und
der von ihm zu whlende AStA in der neuen Legislaturperiode wieder auf ein
"machtvolles" Votum der Studentenschaft sttzen: 7,2 Prozent gingen zur
Wahl. (Vor zwei Jahren waren es noch 11,2 Prozent) Wenigstens etwas
besser sah die Wahlbeteiligung am OSI aus: 13,11 Prozent - deutlich ber
dem Durchschnitt. Wie im Vorjahr wurde die "Fachschaft am OSI" strkste
Liste am Institut, diesmal mit 59 Stimmen. Ausschlaggebend fr den Einzug
ins StuPa ist natrlich die Gesamtzahl der Stimmen an der Uni. Die
Politikstudentin Nina Sartori schaffte es als einzige Vertreterin der
"Fachschaft am OSI". 40 OSIaner whlten den "RCDS am OSI fr die OZ", 39
OSI-Stimmen konnte die GAL auf sich verbuchen, gefolgt von der
Feministischen FrauenLesbenliste (24 Stimmen) und der Hochschulgruppe der
Jusos (22). Ebenfalls 22 Stimmen erreichte die PDS-nahe "UL/UDS
Unabhngige Demokratische SozialistInnen" an unserem Institut. Die
stellvertretende PDS-Vorsitzende und OSI-Studentin Angela Marquardt,
deren Name nicht auf dem Wahlzettel stand, erhielt uniweit 2 Stimmen.
Laut FU-Satzung und Berliner Hochschulgesetz vertritt der AStA die
Studentenschaft als Quasi-Exekutivorgan. Zudem kontrolliert er einen
Haushalt von derzeit rund 1,3 Millionen DM. Dieser setzt sich fast
ausschlielich aus den obligatorischen Semesterbeitrgen der Studis
zusammen. Bezahlt haben auch die 92,8 Prozent, die nicht zur Wahl
gegangen sind.
Sollte die Wahl fr ungltig erklrt werden, bleibt das alte StuPa bis zu
Neuwahlen im Amt. Den "Opfern" der Flschungsaktion kann man nur
empfehlen, in die Politik zu gehen. Lustige Namen reichen offenbar aus,
um gewhlt zu werden. Die beiden geflschten Listen konnten zusammen 29
Stimmen auf sich verbuchen. Das Rennen bei der Liste "...das gibt's doch
gar nicht!" machte Claudia Schiffer mit neun Stimmen vor Hans Albers
(acht). Von der "Liste der lustigen Namen" bekamen Robert Real, Marion
Pinkpank und Sonja Tittelfitz je drei Stimmen.
Die Februarausgabe der OZ liegt voraussichtlich ab dem 12. Februar am
Fachbereich Politische Wissenschaft aus.
WIR BRAUCHEN NOCH SPENDEN!!!
Das Konto des OZ-Foerdervereins hat die Nummer 415 381 83 43 bei der
Berliner Sparkasse
(BLZ 100 500 00). Ab Mitte Februar wird der Verein eingetragen sein. Bis
dahin ist Stefen Niemeyer der Kontoinhaber.
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