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Article #537

HRG-Novelle a la BMBF

#537
From: Marcus Gottsleben
Date: Fri, 08 Nov 1996 00:00
137 lines
6213 bytes
Schon vor ein paar Wochen wurde hier in den News auf ein 'Diskussionspapier'
aus dem BMBF zur Novelle des Hochschulrahmengesetzes hingewiesen.

Inzwischen habe ich mir das Teil besorgt und durchgelesen, und ich habe es
auch eingescannt und aufs WWW gelegt. Wer also wissen will, wie man sich im
Hause von Zukunftsminister J"urgen R"ckw"arts die ,,Hochschulen f"ur das 21.
Jahrhundert'' vorstellt, schaue unter

  http://www.th-darmstadt.de/fsmathe/hopo/BMBF.HRG-Novelle.html

nach. (Wer keinen WWW-Zugang hat, kann das Teil von mir per Mail bekommen.)



In Stichworten geht es in dem Papier um Folgendes:

Grundannahmen, Prinzipien:

 - Rohstoff Information als Produktionsfaktor, Hochschulen als Standortfaktor

 - Nur noch Mindeststandard soll garantiert werden; Rest regeln Markt und
   Wettbewerb


Ziele:

 - die bestehenden Hochschulen reichen f"ur die ca. 2 Mio. Studierenden,
   m"ussen aber ,,auf die z"ugige Vermittlung berufsqualifizierender
   Abschl"usse eingestellt und f"ur diesen ersten Zweck auch neu
   ausbalanciert werden''

 - Amerikanische Abschl"usse Bachelor, Master, PhD einf"uhren;
   Diplom etc. als Auslaufmodell

 - LehrerInnenausbildung in wesentlichen Teilen an die FHs verlagern und
   umstrukturieren

 - ,,duale Studieng"ange durch Lernortkombination von Betrieb und Hochschule''

 - HS-Zugang nicht mehr durch Abitur garantiert, sondern Auswahl durch die
   Hochschule (soweit verfassungsrechtlich m"oglich): In ZVS-F"achern soll
   ein Teil der Strudienpl"atze f"ur die ,,leistungsst"arksten''
   BewerberInnen reserviert werden

 - StudienabbrecherInnenquote: Hauptproblem ist ,,- nach Abzug einer
   gew"unschten Selektion - nicht in erster Linie die H"ohe der Quote,
   sondern der oft erst zu sp"ate Zeitpunkt des Abbruchs.''

 - Regelstudienzeiten sollen ,,von der "uberwiegenden Mehrzahl der Studenten
   eingehalten werden''

 - K"urzere Studienzeiten durch mehr ,,F"uhrung, Betreuung und Leistungs-
   hinweise'';  klare und verbindliche Gliederung der Studieng"ange:
   Leistungsnachweise und Zwischenpr"ufungen obligatorisch

 - Freischu"sregelung

 - ,,Eine Studenten-Chipkarte ist zugleich Studienausweis, Studienbuch, An-
   und Abmelderegistratur, Parkausweis und Mensa-Karte.''

 - Frage nach Studiengeb"uhren ist ,,zul"assig'', aber Studiengeb"uhren
   w"ahrend des Studiums erscheinen ,,nicht sinnvoll''

 - Betrachtung eines Gesamtpakets: Studiengeb"uhren, Refinanzierung, BAf"oG,
   Stipendien

 - BAf"oG als ,,soziale Basis-Ausbildungsf"orderung'' plus Stipendien als
   ,,besonderer Anreiz f"ur ein hohes Qualit"atsniveau''. Dazu n"otig: ,,tat-
   s"achliche, notwendigerweise studienbegleitende Leistungsfeststellung''

 - Berufungen: ,,hochschulp"adagogische Eignung'' st"arker ber"ucksichtigen; 
   auf Habilitation verzichten

 - Lehr'professorInnen' ,,ohne eigene Forschungsaufgaben, aber mit der
   Pflicht zur st"andigen Rezeption der aktuellen Forschung ihres
   Fachgebietes''

 - Vorlesungen von CD-ROM oder via Internet

 - wissenschaftliche Erkenntnisse schneller wirtschaftlich verwertbar machen


Umsetzungsinstrumente:

 - Novelle des HRG, aufbauend auf Eckwertepapier (1993) etc.

 - ,,Anpassungen sollten im Detail nicht staatlich verordnet werden, sondern
   sich im Wettbewerb aller Hochschulen entwickeln''

 -  leistungsorientierte Hochschulfinanzierung, Globalhaushalte

 - Studienzeitverk"urzung sollen die Hochschulen erledigen; dazu ,,sollen
   zuk"unftig die Zahl der Studierenden und der Abschl"usse innerhalb der
   Regelstudienzeit entscheidende Kriterien bei der Verteilung der
   staatlichen Mittel f"ur die Lehre auf die Hochschulen sein.''

 - Weitere Kriterien (Forschung): Umfang der eingeworbenen Drittmittel;
   Patentanmeldungen; bewertete Publikationen; wissenschaftliche Preise

 - Hochschulen sollen Drittmittel voll behalten k"onnen, ,,um das
   Leistungsspektrum der einzelnen Hochschule in Forschung und Lehre nach
   Ma"sgabe der Zweckbestimmung zu erweitern''

 - ,,Forschungsverg"utung f"ur Professoren, die private Drittmittel einwerben
   und entsprechende Forschungsvorhaben durchf"uhren''

 - ,,entscheidungsf"ahiges Hochschulmanagement'' entsprechend den ,,betriebs-
   wirtschaftlichen Anforderungen, die heute an die effiziente F"uhrung eines
   Dienstleistungsbetrieb dieser Gr"o"senordnung zu stellen sind''

 - St"arkung der Leitungs-/Managementorgane innerhalb der Hochschulen bzw.
   fachbereiche; ,,Entlastung'' der Gremien von ,,Alltagsentscheidungen''

 - Evaluation (interne und externe) als Teil von ,,Qualit"atssicherung und
   Leistungsoptimierung''

 - Personalhoheit von L"andern auf Hochschulen verlagern (auch bei Berufungen)

 - F"orderung privater Hochschulen, um neue Modelle in Forschung, Lehre,
   Organisation und Finanzierung einzuf"uhren; Wettbewerb zwischen
   staatlichen und privaten Hochschulen


Soviel f"ur heute -- auf da"s sich eine rege Diskussion entspinnen m"oge
(Z"undstoff d"urfte das ja genug bieten).

Gru"s,

  Marcus Gottsleben

--
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