🚀 go-pugleaf

RetroBBS NetNews Server

Inspired by RockSolid Light RIP Retro Guy

Article View: dnet.chat
Article #175

Die Rufus-Story (nur fuer Liebhaber! 8^)

#175
From: Marc Winking
Date: Wed, 11 Dec 1991 12:27
189 lines
11643 bytes
Betreff: Aufklaerung der Herkunft meines nicks:
-------
                   "Rufus - Der Welt schoenster Jungdrache"

         Bei Desinteresse einfach ueberschlagen... nur fuer Fans ! =8^)



 Halloechen !

 Ich bin im Laufe des letzten Jahres immer wieder gefragt worden, woher
eigentlich mein nickname "Rufus" kaeme...
 Nein, ich bin nicht verknallt in irgendein gleichnamiges Terminalprogramm
auf dem Atari, bin nicht voellich hin und wech von dem gleichnamigen 
Zukunftsmenschen aus "Bill und Teds abenteuerliche Reise durch die Zeit"
("Volle Kanne, Hoschi !" - lustiger Film !), vertreibe nicht gleichnamiges
Hundefutter oder aehnliches... 
 Nein, nein... die Sachlage ist gaaaaanz anders.
 Meine Brieffreundin hat einen Knall... sie lebt naemlich mit einem Drachen
namens Leopold zusammen... Leopold ist einer der suessesten Jungdrachen, die
ich kenne. Eines Tages lernte er lesen - und stuerzte sich natuerlich sofort
auf saemtliche Maerchenbuecher ! Leider wurde er davon ganz traurig, weil
alle Drachen, die in den Geschichten erwaehnt wurden, entweder ganz 
"fuerchterbar boese" waren oder/und von Rittern getoetet wurden. Die einzigen
Drachen, die er toll fand, waren die chinesischen Gluecksdrachen.
 Aaalso: Leopold flog sofort nach China, um dort Gluecksdrache zu werden.
Meine arme Brieffreundin sass nun allein zu Haus und langweilte sich bald
sehr. Und dann schrieb sie mir einen tieftraurigen Brief, in dem sie mich
bat, ein Maerchen fuer sie zu schreiben, in dem es einem Drachen eben NICHT
schlecht ergeht. Um dieses Maerchen zu lesen wuerde Leopold bestimmt zurueck
kommen...
 Ich haette sie - ehrlich gesagt - in dem Moment erschlagen koennen... 
Da sass ich nun und durfte mir ein Drachenmaerchen aus den Fingern saugen!
Hm... wenn ich schon so ein Ding schreiben muss, dachte ich mir, dann soll
sich die gute Frau am Ende wenigstens etwas aergern, weil ich alle Klischees
ueber den Haufen werfe... Hier ein bisschen geklaut, da ein bisschen ge-
bastelt und schon stand die story. Ich sage nicht, dass sie von Weltruhm
ist, noch nicht mal, dass sie gut ist, aber ich werde halt immer wieder
darauf angesprochen, sie doch endlich mal zu posten...
 Okay... finally... here it comes...


 
                Die Geschichte von Rufus, dem Drachen


                           von Marc Winking 


 Ja, lieber Leser, Du hast richtig vermutet, diese Geschichte handelt
tatsaechlich von einem Drachen, und das ist ja nicht so ganz all-
taeglich. Oder mu_test Du beim Kaufmann schon mal laenger warten, weil
ein Fabelwesen mit gruenlichen Schuppen unbedingt Lavafliegen und
gestroechelte Pfefferminzmargarine haben wollte ? Na, siehst Du. So was
gibt`s ja nur in Maeaerschen, nicht ? Ach ja, so langsam sollte ich mal
anfangen mit meiner Geschichte, und da diese Geschichte halt ein
Maeaerschen ist, wollen wir das Ganze auch stilecht angehen:

 Es war einmal (soweit kann uns keiner unterstellen, wir haetten einen
Fehler begangen, ich bin mir vollkommen sicher, da_ alle echten Maeaer-
schen so anfangen) ein kleiner Drache. War ja auch zu erwarten. Also,
dieser Drache lebte im Drachenland Amvbnwer. Der Name ist natuerlich in
Drachensprache geschrieben, aber da wir davon nur sehr wenig ver-
stehen, will ich in Zukunft alles in unsere Sprache uebersetzen.
 Wo war ich ? Ach ja. Der Drache, von dem ich Dir hier erzaehlen will,
hie_ eigentlich Rufusimopar, aber alle seine Freunde nannten ihn nur
Rufus.
 Rufus war ueberaus beliebt bei den anderen Drachenkindern. Seine 
Schuppen glaenzten in einem satten Dunkelgruen, seine kleinen Fluegel
waren - und das war nun wirklich aussergewoehnlich - azurblau, und wie
die anderen Drachenkids hatte er noch rosa Zehennaegel (sie werden bei
Drachen naemlich erst im Laufe der Jahrhunderte dunkelrot, damit sie
dem Gegner Angst einjagen). Rufus hatte noch eine Eigenschaft, um die
er von den anderen beneidet wurde: Er konnte als einziger schon Feuer
spucken. Er war wirklich ein Naturtalent, denn er war darin ein
Meister und schon besser als viele der ueber tausend Jahre alten 
Drachen. War der Jungdrachen Rufus auch ein gefragter Spielkamerad
bei seinen Altersgenossen, so sahen die aelteren ihn mit etwas Abstand.
Viele munkelten, er waere zu verschieden von den anderen, als dass es
mit ihm ein gutes Ende nehmen koennte.
 Rufus war ein sehr neugieriges Drachenkind. Wo bei anderen ein Funke
Vorsicht eine Alarmglocke im Inneren klingeln liess, wagte er sich ohne
Bedenken noch weiter. Von vielen wurde er als mutig angesehen, andere
nannten ihn tollkuehn, doch die weisen Drachenaeltesten waren sich 
einig und bezeichneten ihn als leichtsinnig. Und so kam es dann auch 
eines Tages, wie es kommen musste. Waehrend einer "schwierigen Mission",
bei der es darum ging, zu ergruenden, was denn da in Mutters grossem
Kessel vor sich hin blubberte, fiel Rufus in den grossen Kochtopf !
 Doch statt der erhofften Leckerei war er in Seifenwasser gefallen.
 Mutter Drache hatte nicht gekocht, sondern gewaschen ! Du kannst dir 
sicherlich vorstellen, dass das unserem Rufus nicht gefallen hat. Die 
Drachenmammi aber hatte das laute "Platsch!" gehoert und rettete das 
kleine gruene Kind.
 "Hicks", sagte Rufus und dabei verliess eine grosse, runde Seifenblase
seinen Mund und stieg gen Himmel. Rufus erhielt jetzt natuerlich eine
Moralpredigt von seiner Mama, aber das war ja laengst nicht das 
Schlimmste, was ihm passiert war. Das Schlimmste war naemlich - Du hast
es sicherlich schon erraten - dass Rufus jetzt kein Feuer mehr speien
konnte ! War es ihm frueher moeglich, Flammen von ungefaehr vier Metern
zu spucken, so erschien an ihrer Stelle nur noch eine bunte Seifen- 
blase. Das ganze Drachenland lachte ueber Rufus. Wo gab es denn sowas, 
ein Drache, der statt Feuer Seifenblasen spuckte ?
 Rufus war kreuzungluecklich. Eines Nachts packte er seine sieben
Sachen (in Wirklichkeit waren es eigentlich nur zwei: seine Kuschel-
decke und sein Spielzeug-Urmel) und verliess das kleine Drachendorf.
 Weinend schlich er sich davon und versteckte sich im nahegelegenen
Wald. Er sass unter einer grossen, maechtigen Eiche und dachte darueber
nach, wohin er sollte. Bald kullerten wieder die Traenen, denn er 
kannte doch kein anderes Land ausser Drachenland. Ploetzlich raschelte
es neben ihm ! Aus einem Reflex heraus wollte er eine Feuerlohe in
diese Richtung schicken, verschreckt wie er war, aber nur eine grosse,
im Mondlicht violett schimmernde Seifenblase stieg langsam auf und
verschwand leise zwischen den Baumkronen.
  "Oh, ist die aber schoen !", sagte auf einmal eine Stimme neben ihm. 
Rufus schaute sich um und entdeckte einen kleinen Hasen im Mondlicht.
 "Wer bist Du denn ?", fragte er. "Ich bin Kasimir", antwortete der
weisse Hase freundlich. "Und Du bist sicherlich Rufus, der Drachen, der
kein Feuer mehr spucken kann, nicht wahr ?" - "Ja", sagte Rufus und 
begann wieder leise zu schluchzen. "Aber das ist doch nicht so 
schlimm", versuchte Kasimir ihn aufzumuntern, "deine Blasen sind doch
viel schoener als so ein furchtbares Feuer." - "Ach, hoer auf, Du hast
ja keine Ahnung ! Keiner in Drachenland hat mich noch lieb, auch
meine Eltern nicht." - "Bist Du sicher ? Haben sie Dir das gesagt ?",
hakte Kasimir nach. - "Nein, nicht direkt...", stotterte Rufus,"aber 
wie sollen sie mich denn noch liebhaben, wo ich doch kein richtiger 
Drachen mehr bin ?"
 Damit trottete Rufus davon. Kasimir hoppelte ihm hinterher. "Stell
Dir das doch mal vor", fing Rufus wieder an," ich habe mir gerade, so 
vielleicht in ein, zwei hundert Jahren, mal so eine huebsche Prinzessin
nach Hause eingeladen und wir sind gerade dabei, meine Wackelpudding- 
Sammlung zu begutachten, da steht ploetzlich ein Ritter vor meiner 
Hoehle und moechte mich toeten, nur damit er das Maedchen gegen ihren 
Willen mitnehmen kann. Und was mache ich dann, um mich zu ver- 
teidigen ? Soll ich ihn etwa in eine Seifenblase pusten,  mit der er 
dann davonfliegt ?" - "Jetzt rede mal keinen Bloedsinn",
sagte Kasimir,"Du weisst genausogut wie ich, dass die Ritter schon seit
Jahrtausenden ausgestorben sind." - "Aber die alten Drachen in ..." 
"Das ist Kriegsveteranen-Geschwaetz. Sie waren damals froh, mit heiler 
Haut aus dem Kampf gegen die Ritter rausgekommen zu sein und muessen 
damit heute furchtbar angeben." - "Hicks", sagte Rufus, und wieder 
verliess eine Blase seinen Mund. - "Schau mal", fing Kasimir wieder 
an,"es waere doch furchtbar langweilig, wenn jeder das gleiche koennte,
oder ? Dann gaebe es ja gar nichts mehr zu bestaunen. Deshalb solltest 
Du stolz auf dich sein !" Rufus schaute ihn unglaeubig an.
 "Ja ! Du bist Rufus, der erste Seifenblasen spuckende Drache der
Welt ! Du wirst in die Geschichte eingehen, Buecher werden ueber dich
geschrieben werden, Bestseller natuerlich, Funk und Fernsehen werden 
pausenlos ueber dein Leben berichten, schoene Drachenmaedchen sind dir 
zugetan und deine Verehrerinnen werden Dir die leckersten Wackel- 
puddinge zuschicken !"
 "Ehrlich ? Das ist ja toll !", Rufus sprang auf, "Das muss ich sofort 
Mama erzaehlen !" Und damit rannte er nach Hause, und mit ihm Kasimir.
Und Kasimir sollte in allen Punkten recht behalten. Seine Mutter war
schon ausser sich vor Sorge und konnte sich gar nicht beruhigen, dass
ihr einziger Sohn wieder da war. Jaa, und das mit dem Rummel hat auch
geklappt. Rufus wurde beruehmt. Ganze Serien wurden mit ihm gedreht,
Werbespots fuer Seifenpulver und Zahnpasta, denn durch die viele Seife 
in seinem Mund hatte er von allen Drachen die weissesten Zaehne. Kasimir
als sein Manager hatte natuerlich auch seinen Spass bei der Sache. Und 
wie das im Leben so ist, waren ploetzlich auch die anderen Bewohner 
von Drachenland stolz auf ihren Rufus. Tja, damit endet hier auch
schon mein kleines Maeaerschen, ich hoffe, es hat Dir einigermassen 
gefallen...
 Und falls Du mal irgendwo wunderschoene, bunte Seifenblasen siehst, 
dann denk doch an Rufus, er wird sich sicherlich freuen !


Und die Moral von der Geschicht: Die gibt`s hier nicht !




                                 E N D E


PS: Meine Brieffreundin hat mir uebrigens nie wieder geschrieben...
    Ich weiss nicht, ob es an der Geschichte lag... =8^) Rufus.

-------------------------------------------------------------------------------
     /\_   Rufus, the dragon    |  
    OO |_                       |      /\/\
   / _   |_  /\/\/\/\/\/\       |  ___/    \      ___P_R_O_D_U_C_T_I_O_N_S___
  (_) \   |_/            \  /\  |           \    /
   . o \             /    \/ /  |            \/\/     Marc Winking, Passau
  o O   \_          |       /   |
   O      | | |\_____\   __/    |
(Bubbles) / / /      /  /       |  --->  iws9037@eva.fmi.uni-passau.de  <---
         -- --      ----        |
-------------------------------------------------------------------------------
Technical Details
Message-ID: <1991Dec11.122740.1192@forwiss.uni-passau.de>
Path: arc1-ca.pugleaf.net!gmdzi!ira.uka.de!Sirius.dfn.de!fauern!forwiss.uni-passau.de!kirk.fmi.uni-passau.de!winking

Show Full Headers
Complete Article Headers
X-Google-Language: GERMAN,ASCII-7-bit
X-Google-Thread: 16a693,3a10b4499fdc60f7,start
X-Google-Attributes: gid16a693,public
X-Google-ArrivalTime: 1991-12-11 06:06:16 PST
Path: arc1-ca.pugleaf.net!gmdzi!ira.uka.de!Sirius.dfn.de!fauern!forwiss.uni-passau.de!kirk.fmi.uni-passau.de!winking
From: winking@kirk.fmi.uni-passau.de (Marc Winking)
Newsgroups: dnet.chat
Subject: Die Rufus-Story (nur fuer Liebhaber! 8^)
Message-ID: <1991Dec11.122740.1192@forwiss.uni-passau.de>
Date: 11 Dec 91 12:27:40 GMT
Sender: usenet@forwiss.uni-passau.de (USENET News System)
Distribution: dnet
Organization: University of Passau, Germany
Lines: 189
Nntp-Posting-Host: uhura.fmi.uni-passau.de