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Article #52

Produktinfo CADMUS TCP/IP (BSD) V2.0

#52
From: Rudi Wildgruber
Date: Thu, 21 Feb 1991 13:47
169 lines
9274 bytes
1. Einfuehrung
==============
TCP/IP (BSD) V.2.0 ist die Nachfolgeversion  von  TCP/IP  (BSD)  V.1.2
fuer  CADMUS/M  und CADMUS/R Systeme. Mit dieser Version wurden einige
neue Dienste eingefuehrt. Weiterhin  wurde  der  "Virtual  Information
Service (VIS)" implementiert. Optional kann eine Zugangskontrolle fuer 
TCP basierende Dienste installiert werden. 

2. VIS Virtual Information Service
==================================
2.1. Konfiguration
Mittels VIS besteht die  Moeglichkeit  vorhandene  Informationsdienste
global, bzw. benutzerspezifisch zu nutzen. Folgende Dienste werden zur 
Zeit unterstuetzt: 

 nis 	SUN's Network Information Service (YP)
 dns 	DARPA Domain Name Service
 files 	Standard UNIX Konfigurationsdateien
 
Die Festlegung,  welche  Informationsdienste  wann  und  wo  verwendet
werden   sollen,  wird  in  der  Datei  /etc/vis.conf  definiert.  Die
Informationsdienste stehen fuer folgende Bereiche zur Verfuegung: 

host       Hostnamen bzw. IP-Adressen
passwd     Loginnamen, UID, Passwoerter, ...
group      Gruppennamen, GID
net        Netzwerknamen
netgroup   NFS Netzwerkgruppen
services   Servicenamen, Portnummern
proto      Protokollnamen, IP-Protokollnummern

Neben der globalen Verwaltung  (  /etc/vis.conf  ),  kann  sich  jeder
Benutzer   ueber   die   Shellvariable   VIS_SERVICES   seine   eigene
Konfigurationsdatei  erstellen.   Bei   der   Erstellung   der   Datei
(VIS_SERVICES)  ist  zu beachten, dass die Dateistruktur identisch mit
der von /etc/vis.conf sein muss. Falls /etc/vis.conf  nicht  vorhanden
bzw.  VIS_SERVICES  nicht  belegt  ist,  wird  standardmaessig auf die
lokalen Datenbestaende zugegriffen. Dies trifft bei der Aufloesung von 
rechnerspezifischen Daten (host) nicht zu. Hier wird zuerst  versucht,
die  Adresse  bzw.  den Namen des entsprechenden Rechners ueber DNS zu
erhalten. Falls dies nicht moeglich ist wird auch hier auf die lokalen 
UNIX Dateien zugegriffen. 

2.2. Nutzung mit eigenen Applikationen
Zur Erstellung benutzerspezifischer Applikationen, welche VIS benutzen 
sollen, steht die Bibliothek /usr/lib/lib_vis.a zur  Verfuegung.  Beim
Binden  des Programms muessen dazu die Bibliotheken -l_vis -lrpc -lbsd
angegeben werden. 

3. BIND (Berkeley Internet Name Domain Server)
==============================================
3.1 Einfuehrung
In  einem  weitverzweigten  Netzwerk,  bestehend  aus  einer  Vielzahl
lokaler Netze, die ueber Wide Area Networks (WANs) gekoppelt sind, ist 
die  Verwaltung der IP-Adressen ueber die Datei /etc/hosts bzw. Yellow
Pages nicht mehr zweckmaessig. Damit die  Verwaltung  der  IP-Adressen
nicht  einer  einzigen  Institution  obliegt,  werden  die Aufgaben an
Unterorganisationen delegiert. Hierzu wird der Namensraum  des  Netzes
in  Bereiche  (Domains)  aufgeteilt.  Die  Anordnung  der Bereiche ist
baumartig strukturiert. Es gibt eine Wurzel von der aus sog. Top Level 
Domains ausgehen, die wiederum  in  weitere  Unterbereiche  aufgeteilt
sind. 

Rechnernamen bestehen nun nicht mehr aus einer einfachen  Zeichenfolge
sondern  werden  aus  mehreren  Zeichenfolgen  zu einem hierarchischen
Namen zusammengesetzt. 

Ein Bestandteil (Domain) eines hierarchischen  Namens  kann  z.B.  die
Bezeichnung   einer   Unterorganisation   sein,   ein   weiterer  eine
Laenderkennung. Der  Name  pluto.bst.pcs.com  bezeichnet  den  Rechner
pluto  der  Abteilung BST in der Firma PCS Computer Systeme in der top
level domain com (com bedeutet kommerziell). 

Um die  IP-Adresse  eines  Rechners  zu  bekommen,  wird  ein  Rechner
(Nameserver),  der  sich in jeder Unterorganisation befindet, befragt.
Kann der Rechner die Anfrage beantworten, schickt  er  die  IP-Adresse
zurueck.  Kann  der Name nicht aufgeloest werden, wird eine Anfrage an
den Nameserver der naechsthoeheren Hierarchie gesendet usw. 

3.2. DNS
Der in TCP/IP (BSD) V.2.0 gelieferte  Berkeley  Internet  Name  Domain
Server  (BIND)  ist eine vollstaendige Implementierung des Domain Name
Services (DNS). Er ist unter dem Programmnamen  named  verfuegbar  und
wird ueber eine Reihe von Dateien konfiguriert. 

DNS Name Server verwalten sogenannnte Domains. In jeder Domain sollten 
aus Sicherheitsgruenden mindestens zwei aktive  Name  Server  (primary
und secondary) vorhanden sein. 

Der named fuehrt Caching sowie rekursive Queries  durch  und  kann  in
drei   verschiedenen   Modi   konfiguriert   werden:   als  primaerer,
sekundaerer Server oder rein zum Caching. 

3.3. Resolver
Der Resolver uebernimmt fuer die Applikationsprogramme und damit  fuer
den   Benutzer   die  Anfrage  beim  Name  Server.  Der  Resolver  ist
angehalten, die so ermittelte Information - soweit moeglich - lokal zu 
speichern (Caching), um sie bei weiteren gleichartigen  Anfragen  ohne
weitere Kommunikation mit dem Name Server liefern zu koennen. 

Fuer Anfragen kann der Resolver sowohl UDP als auch TCP verwenden. UDP 
stellt  das  Standardprotokoll  dar.   Eine   eigene   Fehlersicherung
(Anfragewiederholung) wurde hier implementiert. 

Soll ein Rechner mit  den  Resolver  Funktionen  betrieben  werden  so
muessen  der  dazugehoerige  Domainname  und  Nameserver bekannt sein.
Diese  Daten  werden  in  der  Datei  /etc/resolv.conf  gehalten.  Die
Resolver Funktionen befinden sich in der Bibliothek /usr/lib/lib_vis.a.

4. Neue Dienste
===============
Mit TCP/IP Version 2.0 werden die Dienste talk und talkd , finger  und
fingerd  ,  sowie  fuer  die  RCU  Systeme  timedc  und  timed  , eine
Implementierung des Network Time Protocol (NTP) , ausgeliefert. 

Talk und talkd dienen  der  Kommunikation  zweier  Benutzer  auch  auf
entfernten  Systemen. Dabei erscheinen auf dem Bildschirm bzw. Fenster
zwei durch einen Strich getrennte Bereiche. Im oberen Bereich schreibt 
der Benutzer seine Nachricht, im unteren Teil wird die  Nachricht  des
entfernten Benutzers empfangen. 

Finger und fingerd sind Dienste, die Informationen ueber Benutzer auch 
auf entfernten Systemen erlangen. 

Timed wird zur Synchronisation der Zeit zwischen  Rechnern  auf  einem
Netzwerk eingesetzt. Dies ist vor allem bei NFS und MUNIX/Net wichtig. 
Zur Kontrolle der Zeit ist das Programm timedc noetig. 

5. Zugangskontrolle
===================
5.1. Funktionen
Fuer alle TCP basierenden Dienste, die durch den Internet Daemon inetd 
gestartet werden (rlogind, telnetd, ftpd, rshd,  rexecd  und  fingerd)
kann  eine  Zugangskontrolle  installiert  werden.  Dabei  besteht die
Moeglichkeit bestimmte Dienste bestimmten Rechnern bzw. Rechnergruppen 
zu  verweigern  bzw.  zur  Verfuegung  zu  stellen.   Nach   erfolgter
Installation    werden    bei   Verbindungswunsch   die   gewuenschten
Serverprogramme   nicht   sofort   gestartet   sondern   durch   einen
vorgeschalteten Serverprozess ausgefuehrt. Dieser Serverprozess prueft 
die  Zugangsberechtigung  des  rufenden  Rechners  mittels der Dateien
/etc/hosts.allow und /etc/hosts.deny ab. 

Weiterhin koennen alle erlaubten bzw.  zurueckgewiesenen  Verbindungen
auf  unterschiedliche  Weise  angezeigt  und  gespeichert  werden. Die
Konfiguration des vorgeschalteten Serverprozesses  erfolgt  durch  die
Datei  /usr/lib/inet/secure/tcpd.conf  .  Mit  dieser  Datei  wird die
Ausgabe der Logging Informationen gesteuert. 

5.2. Installation der Zugriffskontrolle
Die  Installation  der  Zugriffskontrolle  erfolgt  durch  Aufruf  des
Programmes /usr/lib/inet/secure/inst_secure . Das Installations-Script 
erzeugt     alle     notwendigen     Eintraege     in     der    Datei
/usr/lib/inet/inetd.conf  .   Die   urspruengliche   Datei   wird   in
/usr/lib/inet/inetd.conf.org  gesichert. Danach wird der Prozess inetd
durch    ein    Signal    HANGUP    dazu    gebracht,    die     Datei
/usr/lib/inet/inetd.conf erneut zu lesen. 

Soll keine Zugangskontrolle mehr stattfinden, muessen nur die  Dateien
/etc/hosts.allow  und /etc/hosts.deny umbenannt bzw. geloescht werden.
Die  zweite  Moeglichkeit  besteht  darin,  die  urspruengliche  Datei
/usr/lib/inet/inetd.conf.org nach /usr/lib/inet/inetd.conf zu kopieren 
und  dem  inetd  ein  Signal  HANGUP zu senden. Dazu benoetigt man die
Prozess ID (PID) von inetd (ps -ef|grep inetd) und sendet  das  Signal
an  den  Prozess (kill -1 PID). Ein nochmaliger Aufruf von inst_secure
bewirkt dann wieder den Zugangsschutz. 
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=
Rudi Wildgruber                    PCS-Mail: rw
PCS Computer Systeme GmbH            DOMAIN: rw@pcsbst.pcs.com
D-8000 Muenchen 90                     UUCP: ...unido!pcsbst!rw
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From: wild@rks32.pcs.com (Rudi Wildgruber)
Newsgroups: dnet.comp.pcs
Subject: Produktinfo CADMUS TCP/IP (BSD) V2.0
Message-ID: <1156@pcsbst.pcs.com>
Date: 21 Feb 91 13:47:53 GMT
Sender: news@pcsbst.pcs.com
Reply-To: wild@rks32.pcs.com (Rudi Wildgruber)
Distribution: dnet
Organization: PCS Computer Systeme GmbH, D-8000 Muenchen 90
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