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Article #2103

Re: Re^2: GUUG jetzt OSF-Mitglied? (lang)

#2103
From: franzen Marco Franzen
Date: Sat, 29 Jul 1989 16:43
212 lines
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[Ich habe lange gez"ogert, "offentlich mehr zu diesem Thema zu sagen,
um nicht die GUUG in Verruf zu bringen. Aber dieser Punkt bedarf der
Diskussion, und vielleicht gelingt es auf diese Weise ein paar mehr
Mitglieder zur Mitgliederversammlung nach Wiesbaden am 26. September
zu bringen.]

In article <512@unido.UUCP> ap@unido.UUCP (Axel Pawlik) writes:
>>GUUG sei der OSF beigetreten.
>>Ist das wirklich wahr?
>[...]
>  ob das jetzt schon wahr ist, kann ich nicht sagen. Wohl aber,
>dass es auf der letzten Vorstandssitzung beschlossen worden ist.

In article <673@uniol.UUCP> lehners@uniol.UUCP (Joerg Lehners) writes:
>Was wird denn das eigentlich fuer Auswirkungen haben ??

An dem Ger"ucht st"ort mich (au"ser da"s es "uberhaupt eins ist)
eigentlich zweierlei:

1. Formal (GUUG-intern):

   (Unter der Voraussetzung, da"s das Ger"ucht wahr ist. Kann ich
   Deine Aussage als offizielle Vorstandsverlautbarung auffassen,
   Axel?:-)

   Diese Entscheidung ist eine sehr schwerwiegende (inwiefern? Siehe
   Punkt 2) und stellt eine grundlegende "Anderung der bisherigen
   Politik des Vereins dar. Noch auf der vorigen Mitgliederversammlung
   wurde die Frage nach Kontakten zur Sun-User-Group mit dem Hinweis
   auf die Herstellerunabh"angigkeit der GUUG vom Vorstand (ich glaube
   vom Kassierer) verneint. (Ich habe nichts mit Sun zu tun, sollte
   ich die Gruppe falsch geschrieben haben: tschuldigung!)

   Deshalb w"are es sauberer gewesen, der Vorstand h"atte sich vorher
   R"uckendeckung (oder Widerspruch!) von der Mitgliederversammlung
   geholt. Meiner Ansicht nach w"are eine Zustimmung gar nicht so
   sicher gewesen; ich jedenfalls h"atte dagegen gestimmt.
   (War es etwa deshalb so eilig, da"s man nicht die paar Monate bis
   zur sowieso einberufenen Versammlung h"atte warten k"onnen? Ich
   hoffe [und glaube] nicht!)
   Stattdessen werden die Mitglieder vor vollendete Tatsachen gestellt
   und erfahren diese dann nur aus der Zeitung (nicht einmal der
   Vereinszeitung; zumindest bis jetzt). Dies ist kein guter Stil.

   Mir ist zwar bekannt, da"s (mindestens) zwei Vorstandsmitglieder
   hauptamtlich direkt f"ur die OSF arbeiten, ich hoffe aber nicht,
   da"s das Einflu"s auf die Politik des Vereins hat (was ich
   vorsichtshalber nicht unterstelle). (Was hat eigentlich die OSF
   f"ur die seitenlangen Anzeigen neulich in den GUUG-Nachrichten
   bezahlt?)

   Wenn ich mich recht erinnere, ist f"ur eine "Anderung des
   Vereinszwecks eine Zweidrittelmehrheit in der Mitgliederversammlung
   erforderlich, keine einfache(?) im Vorstand. (1/2 :-)

   Vielleicht sollte man sich wirklich "uberlegen, wie (ob?) man der
   "`Unterwanderung"' des Vereins durch gro"se Firmen, die mit ihren
   Abteilungen teilweise gleich mehrfach Mitglied sind, Einhalt
   gebieten sollte. (Im "ubrigen sind diese Firmen im wesentlichen die
   Gr"undungsmitglieder der OSF...)

   Das Problem ist wohl, das der Verein von diesen
   Firmen finanziell sehr abh"angig ist, nicht nur wegen der
   Mitgliedschaften, sondern vor allem wegen der Spenden.

   Wenn ich auch nicht behaupten m"ochte, da"s der Vorstand (schon
   gar nicht absichtlich) die Interessen der Mitglieder
   (Unix-_Benutzer_, Vgl. Punkt 2d) verr"at, so ist eine gewisse
   unbewu"ste Beeinflussung vor dem Hintergrund der Finanzlage doch
   nicht von vorn herein ganz auszuschlie"sen, oder? Was k"onnen wir
   tun?


2. Substantiell:

 a. Herstellerunabh"angigkeit

   Die GUUG gibt damit ihre Herstellerunabh"angigkeit auf. Die OSF ist
   zwar gegenw"artig eine Organisation von mehreren (nicht allen!)
   Herstellern, plant aber, selbst ein Hersteller zu werden.

   Allein aus Symmetriegr"unden m"u"ste die GUUG dann auch allen
   anderen Organisationen von (anderen? Im Spiel sind mit leichten
   Variationen immer dieselben!) Herstellern beitreten. Ein Beitritt
   zur UII allein (den ich ebenfalls ablehne) w"urde nicht gen"ugen.

   Dadurch w"urde sich die GUUG den Ruf einer Herstellervereinigung
   einhandeln, was noch schlimmer w"are als eine einseitige
   Parteinahme f"ur bestimmte Hersteller.

   Warum, wenn "uberhaupt ein derartige Beziehung sein mu"s, tritt
   dann nicht umgekehrt die OSF (wie andere Hersteller auch) in die
   GUUG/EUUG/UseNIX ein? Oder ist das unter ihrer W"urde? Und das
   unterst"utzen wir!?

 b. Einflu"s der GUUG

   Die GUUG schw"acht durch jeden Anschein der Aufgabe ihrer
   Unabh"angigkeit ihre Position, etwa in (wirklichen, s.u.)
   Normungsgremien. Sie hat die st"arkste Position als Vertretung der
   Interessen _der_ deutschen Unix-Benutzer. Jede Parteinahme f"ur
   eine Herstellergruppe schw"acht diese Position. Dies gilt
   insbesondere gegen"uber den jeweils anderen Herstellergruppen.

 c. Andere Anwender-Gruppen

   Die GUUG isoliert sich damit in der EUUG. Das schw"acht beide.
   Auch die UseNIX, die immer (im stillschweigenden Gegensatz zur
   [ehemaligen? wie hei"st sie inzwischen?] /usr/group, von Sp"ottern
   auch als /vendor/group bezeichnet) als (US-)amerikanische
   Schwesterorganisation angef"uhrt wird, hat meines Wissens keine
   Absicht, irgendwelchen Herstellerorganisationen beizutreten.

   Selbst wenn EUUG oder UseNIX so etwas tun (oder gar getan haben)
   sollten, w"urde dies allerdings nichts daran "andern, da"s es im
   Interesse der Anwender falsch ist.  (Vielleicht h"atte ich deshalb
   das Argument nicht bringen sollen...)

 d. Interessen der Anwender

   Die GU_U_G, Vereinigung deutscher Unix(TM)-_BENUTZER_, sollte
   (neben F"orderung der Kommunikation "uber das System usw.) die
   Interessen der Anwender vertreten.

   Es ist zwar sicherlich im Interesse der Anwender, da"s Unix sich
   weiterentwickelt (besser wird) und da"s die angebotenen Systeme
   vergleichbar bleiben (um einerseits die Angebote beurteilen zu
   k"onnen, andererseits ohne gro"se Portierungsprobleme jederzeit den
   Hersteller wechseln/mischen zu k"onnen). Wer mich kennt, wei"s,
   da"s ich alles andere als ein Feind von Standards bin.

   Aber die OSF (oder UII, erst recht ATT oder IBM) ist kein
   Normungsgremium! Nicht einmal sie selbst behauptet das!

   W"ahrend etwa POSIX _Schnittstellen_ festschreibt, die zum Teil
   eine echte Weiterentwicklung darstellen, versuchen OSF und UII im
   wesentlichen, (gegenw"artig je, aber das kann sich ja auch noch
   "andern) eine bestimmte _Implementierung_ als Produkt am Markt
   durchzusetzen. Solche Kartelle sind nicht im Interesse der
   Anwender, weil sie die Preise in die H"ohe treiben, auch durch ein
   verringertes Angebot.

   Da sich Software jederzeit unter (im Vergleich zur Entwicklung)
   vernachl"assigbaren Kosten kopieren l"a"st, ist die in die
   Marktgesetze einzusetzende Gr"o"se (zumindest auf der
   Angebotsseite, das Kopieren bleibt ja meist dem Anbieter
   vorbehalten) nicht die echte St"uckzahl, sondern die Typenvielfalt,
   sprich die Anzahl der Implementierungen. Dadurch wird das obige
   Argument noch gewichtiger.

   F"ur mich ist hier der Trend abzuwehren, da"s es bald auf dem Markt
   nur noch zwei wichtige Implementierungen geben soll, sp"ater
   vielleicht nur noch eine. (So spinnefeind sind sich OSF und UII ja
   gar nicht, wie es zun"achst den Anschein hatte/haben sollte.)
   Sobald dieser Zustand erreicht ist, wird es keine nennenswerte
   Weiterentwicklung mehr geben.

   Leider spielt f"ur den Erfolg am Markt die technische Qualit"at der
   angebotenen Systeme eine geradezu untergeordnete Rolle. (Anders
   l"a"st sich der Erfolg eines ganz bestimmten sogenannten
   Betriebssystems, und ich meine hier nicht UNIX, kaum erkl"aren.)
   In den meisten einschl"agigen Zeitschriften (ich nehme hier die
   Vereinszeitschriften von GUUG/EUUG und UseNIX ausdr"ucklich aus)
   wird nur "uber System V und Xenix geschrieben, meist auch noch auf
   eine bestimmte Prozessorfamilie beschr"ankt, und stellt v"ollig
   idiotische Vergleiche zwischen UNIX und dem oben angedeuteten
   System an. Aber das wirklich nur nebenbei.

   Jedenfalls wird schon heute den technisch "uberlegenen Systemen wie
   BSD (nein, keinen Glaubenskrieg bitte:-) oder (wie mir scheint)
   MACH in den sogenannten Marktbeobachtern kaum Beachtung geschenkt,
   obwohl die Lizenzen erheblich preisg"unstiger (oder vielleicht
   sogar gratis) sind. Umso mehr hat mich erstaunt, da"s nach einer
   Statistik, die Keith Bostic auf einer NLUUG-Veranstaltung
   vorgetragen hat, allein BSD 4.3 weiter verbreitet sein soll als
   alle System Vs und Xenixe zusammen (jeweils weltweit, in Europa
   sieht das vielleicht etwas anders aus).

   Der Trend zur Verd"unnung der Systemvielfalt l"a"st sich also nicht
   allein durch technische Offensiven verhindern.

   Zur Aufgabe eines Anwendervereins geh"ort es eher, solche Kartelle
   zu verhindern, als ihnen beizutreten. (Die Verbraucherzentrale e.V.
   tritt ja auch nicht etwa dem Verband des Einzelhandels bei.)

   Wie w"ars zum Beispiel, wenn die GUUG die _F_SF (_Free_ Software
   Foundation, bekannt durch das GNU-Projekt) unterst"utzen w"urde?
   (Ich wei"s, die OSF hat k"urzlich der FSF einen Geldbetrag
   gespendet, aber das ist ja wohl mehr ein publicity-Gag.) Auf jeden
   Fall n"utzt diese Organisation dem Unix-Anwender sicherlich mehr
   als die beiden anderen, die ihm sogar schaden.

   Es st"unde der GUUG als Anwendervertretung sicherlich auch gut an,
   der Verdummungspolitik so vieler Zeitschriften entgegenzutreten,
   die jedem Stirnrunzeln von IBM und jeder `neuen'
   Herstellervereinigung mehr Bedeutung zumessen als den vielen guten
   Softwareprodukten, die blo"s deshalb nicht erw"ahnt werden, weil
   sie nicht von finanzkr"aftigen Firmen stammen oder weil sie nichts
   kosten. (Ich meine hier nicht nur die GNU-Software, sondern auch
   die zahlreichen PD-Programme und Shareware. Ich kann mich immer
   wieder totlachen, wenn in irgendwelchen Anzeigen _BINARIES_ von
   Programmen wie TeX angeboten werden, die man dann auch noch
   _KAUFEN_ soll. Sollten diese Zeitschriften die Anwender wirklich
   schon so sehr unter Kontrolle haben, da"s irgendjemand so etwas
   kauft?)

Allen, die bis hierher gelesen haben, vielen Dank.

Marco

[Da es kein dnet.guug gibt (nicht einmal ein dnet.followup:-), poste
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From: franzen (Marco Franzen)
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Subject: Re: Re^2: GUUG jetzt OSF-Mitglied? (lang)
Summary: Das Interesse der UNIX-Anwender.
Keywords: neutral, guug, osf, uii, vorstand, anwender, hersteller, fsf, gnu
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Date: 29 Jul 89 16:43:13 GMT
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Posted: Sat Jul 29 17:43:13 1989