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Article #2105

Backbone - News

#2105
From: Axel Pawlik
Date: Sun, 30 Jul 1989 12:46
239 lines
11306 bytes
 
		B A C K B O N E  -  N E W S
		+++++++++++++++++++++++++++

	Tarife
	------

Im Beiblatt zu den EUnet-Rechnungen zum 2. Quartal sind sie schon 
erwaehnt, hier noch einmal fuer alle die, die die Rechnungen nicht 
hoechstselbst bezahlen muessen, oder die noch nicht am Netz sind: 

Die neuen EUnet-Tarife.

Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl (180 Knoten im Wirkbetrieb) sowie 
der hohen Nutzungsrate (80 News-Kunden, ca 100 MB News, 54.073 Mails 
mit insg. 231 MB auf sendmail-Ebene im Mai, 59.210 / 281 MB im Juni) 
konnten wir rueckwirkend fuer das zweite Quartal `89 sowohl den Mail-
Tarif wie auch die News-Volumentarife senken.
Hier also die aktuellen Zahlen:

	Mail-Grundgebuehr:	DM 70,--	monatlich
	Mail-Volumen:		DM -,60	/ kB	aussereurop.
				DM -,20 / kB	innereurop.
	
	News-Gebuehr incl.	DM 105,--	10%
	Mail-Grundgebuehr:	DM 140,--	20%
	jeweils monatlich	DM 175,--	35%
				DM 210,--	60%
				DM 260,--	maximal

	Vermischtes
	-----------

Wir rechnen derzeit mit Ankunft unserer Standleitung nach Amsterdam
fuer etwa Mitte August.
Die Standleitung sollte nochmals Auswirkungen auf die EUnet-Tarife
haben. Ausserdem werden wir Internet-Dienste anbieten, sobald der
Standleitung-Betrieb laeuft. 

Zur schnellen Erweiterung unserer X.25-Bandbreite haben wir kurz-
fristig einen weiteren PAD angemietet. Zusammen mit dem von Michael 
Pickers installierten X.25-uucp-Version sollte uns das im Hinblick 
auf die Portbelegung vorerst wieder Luft verschaffen. Zusaetzlich 
wollen wir etwas an der Bandbreite unseres Hauptanschlusses drehen.

Der Backbone-Rechner ist mittlerweile auf 10 Prozessoren aufgeruestet.
Mangelnde CPU-Power ist damit auf einige Zeit kein Thema. Mitte Juli 
haben wir auf eine neuere SINIX-Version umgestellt, nach einigen 
anfaenglichen Ueberraschungen laeuft der Betrieb mittlerweile wieder 
problemlos.

Um unseren mittelfristig ausscheidenden uucp-Guru Michael ersetzen 
zu koennen, wird derzeit Marc Sheldon, ms@unido.uucp, in die tieferen 
Abgruende von uucp eingeweiht. 
Ein weiterer neuer Mitarbeiter ist Chris Schmidt, cs@unido.uucp, der 
vordringlich Jan-Hinrich bei der News-Verwaltung entlastet. Mittel-
fristig soll der "info-server" in den Zustaendigkeits-Bereich der 
News-Kollegen uebergehen.

	EUnet-Backbone Arbeitstreffen
	-----------------------------

Am 24./25. Juli fand in Utrecht ein Arbeitstreffen der europaeischen
EUnet-Backbones bzw. deren Betreiber statt.
Es trafen sich 24 EUnetter aus fast allen europaeischen EUnet-Landen,
nur drei Laender waren aus verschiedenen Gruenden nicht vertreten.

Diese Zusammenkunft sollte die regelmaessig im Umfeld der EUUG-
Konferenzen stattfindenden Meetings ergaenzen und uns etwas mehr 
Gelegenheit als sonst ueblich sowohl zum Arbeiten als auch zum 
gegenseitigen Kennenlernen geben. (Die erste Generation von einer 
kleinen Handvoll EUnet-Gurus ist inzwischen deutlich gewachsen, und 
hat zum Teil auch dem "Nachwuchs" Platz gemacht, sodass der Kennenlern-
Aspekt durchaus gefragt war.)

Themen-Schwerpunkte waren User-Services, Dokumentation, "how to manage 
an EUnet-Backbone" und Beziehungen zu anderen Netzwerken.  Zu jedem 
Bereich gebe ich eine kurze Zusammenfassung.

	User-Services

Nach langer lange Zeit ist endlich eine Software-Liste fuer das fast 
schon legendaere EUnet-Starter Kit gemacht worden.  Das "Starter Kit" 
soll fuer EUnet-Anfaenger zusammengestellt werden und ihnen ein 
Sortiment "Standard-EUnet"-Software mit einigen weisen Ratschlaegen 
an die Hand geben. 

Ein weiterer Punkt war noch einmal der EUnet info-server, der moeg-
lichst bis zur Wiener EUUG-Konferenz bei allen Backbones installiert 
werden soll. Wichtiger als die pure Installation ist ein europaweit 
einheitliches Schema, die vorhandenen Daten den Benutzern zu praesen-
tieren. Daran wird jetzt gearbeitet.

Die (der, das ?) EUnet-BOF in Wien soll etwas geordneter vonstatten 
gehen als in Bruessel, d.h. es werden als Diskussions-Grundlage 
Mini-Talks gegeben werden, jeweils etwa fuenf Minuten zu Internet-
Diensten im EUnet, zum info-server sowie zum Starter-Kit.

	Dokumentation

Im Umfeld zum Starter-Kit soll ein Satz schriftlicher Dokumentation
erstellt werden. Dafuer wird gerade saemtliche in Europa vorhandenes
Papier von allen Backbones gesammelt, ein gemeinsames Inhaltsverzeichnis
wird erstellt, und dann darf/soll jeder Backbone dieses Verzeichnis
mit nationaler Dokumentation auffuellen.

Anke und Daniel haben ein sehr schoenes Glossy gemacht, das man 
seinem Chef auf den Schreibtisch knallen kann, wenn er nochmal fragt,
was denn EUnet eigentlich sei. Natuerlich kann man's auch zu anderen
Gelegenheiten verwenden. Etwas muss noch am Erscheinungsbild gebastelt 
werden, aber wie gesagt: Die Beta-Release ist schon vielversprechend.

	Backbone-Management

Im wesentlichen wurden in dieser Arbeitsgruppe Methoden zum moeglichst 
schmerzfreien Betrieb ausgekungelt. Erste Shellskripten sind seit dem 
Treffen schon ueber das Netz geflossen.

Ein weiterer, sehr kontroverse Punkt war eine einheitliche europaeische 
Adress-Rewriting-Strategie. Dies ist besonders im Hinblick auf die 
zunehmende Internet-Konnektivitaet erstrebenswert. Zwei Fraktionen waren 
knapp davor, sich mit Steinen zu bewerfen: Einerseits die religioes 
RFC-Treuen, andrerseits die Pragmatiker, die die Rewriting-Strategie
so benutzertransparent wie moeglich machen wollen.  Zum Schluss haben 
sich aber doch beide Parteien auf einen Kompromiss geeinigt. Siehe dazu 
den Absatz am Schluss des Artikels.

	"Andere Netze"

Hauptsaechlich verwandte diese Untergruppe ihre Zeit darauf, eine 
"EUnet-Verfassung", die im Rohentwurf aus der Feder Daniels stammt, 
in die endgueltige Fassung zu bringen.
Mit zum Thema gehoert etwa Gateway-Benutzung, Vorbedingungen zur 
Teilnahme am EUnet-Service, Sicherheitsbedingungen usw.  
Sobald ich den Originaltext habe, wird er uebersetzt, und bildet 
dann die Grundlage der EUnet-Teilnahmeerklaerungen.


	Internet-Dienste
	----------------

Mit Ankunft der Standleitung nach Amsterdam zur europaeischen 
EUnet-Zentrale sind wir mit einigen weiteren EUnet-Backbones 
(Frankreich, Skandinavien und England) per IP vernetzt. Zusaetzlich 
haben wir Zugriff auf das amerikanischen Internet. Davon soll 
natuerlich nicht nur der Backbone profitieren. Daher werden wir 
Internet-Dienste (im wesentlichen smtp, ftp, telnet) anbieten. 
Eine separate Ankuendigung an alle EUnet-Teilnehmer geht diese 
Woche per snail-mail heraus.

	Info-Server und Archive-Server
	------------------------------

Wie schon bei verschiedenster Gelegenheit erwaehnt, wird europaweit
ein einheitliches Archiv-System installiert. Dieses wird den 
"archive-server@unido.uucp" ersetzen. Es handelt sich dabei um den 
sog. "info-server" aus England, der gegenueber dem "archive-server" 
verteilt arbeiten wird. Zur Mitarbeit an diesem neuen EUnet-Service 
sind alle EUnet-Teilnehmer und solche, die es werden wollen, aufgefordert. 
Wer also etwas CPU-Power, Plattenplatz und Kommunikations-Bandbreite 
fuer europaeische Zusammenarbeit aufbringen kann und will, moege sich 
bitte bei "info-admin@unido.uucp" melden.

  Der "archive-server" laeuft zunaechst mal weiter, seine Datenbestaende
sind inzwischen auch ueber den "info-server" verfuegbar. Wie der 
"info-server" zu bedienen ist, kann der "help"-Seite entnommen werden,
die er bei fehlerhaften requests oder auf speziellen Wunsch hin verschickt.


	Adressierungs-Schlachten
	------------------------

Der folgende Absatz ist im wesentlichen fuer die Adressierungs-Gurus
gedacht, Laien seien hiermit gewarnt...:-)

Worum ging's eigentlich genau? Die Religioesen waren der ganz festen 
Ansicht, man sollte sich genau an RFC822 halten, mit der besonderen 
Auswirkung, dass man in Adressen der Form user%something@dom.ain den 
localpart, also alles links vom Klammeraffen, nicht interpretieren darf.
Die Pragmatiker waren eher der Meinung, dass selbst die Amerikaner
-- im Widerspruch zum Buchsteben des RFC822 -- empfehlen, das Prozent 
als Routingcharacter einzusetzen. Unter diesem Aspekt darf der 
localpart interpretiert werden.

Was heisst hier eigentlich "Interpretation des localpart"?
Wenn ich ihn interpretiere, also nicht als gottgegeben und
unantastbar aufasse, kann ich Rerouting und Authorisierung 
auf die Strings zwischen Prozent und Klammeraffen anwenden.
(Es kann mehr als ein Prozent vorkommen.)
Wenn ich nicht interpretiere, werde ich den localpart nicht
anfassen, und die Mail an die Domain rechts vom Klammeraffen 
weiterschicken.

Die eigentliche Kontroverse wurde durch die Rerouting-Praxis
ausgeloest: Mit Rerouting und Interpretation des Prozent als 
Routingcharakter schaue ich mir die Strings hinter dem Prozent an.
Wenn es sich dabei um mit bekannte Domains oder den Namen
von registrierten uucp-hosts handelt, schmeisse ich den
Rest der Adresse weg und umgehe damit einen langen und u.U.
teuren Weg. Darf ich nicht interpretieren, darf ich auch nicht
rerouten. Punkt.

Was waere der Unterschied zwischen beiden Vorgehensweisen?
Fast keiner. Wenn da nicht der Fall der beiden Hosts mit gleichen
uucp-Namen waere, einer von ihnen in den Maps registriert, der andere
nicht. Mit Rerouting werden alle Mails an user%knownhost@somewhere
an den knownhost geschickt -- auch wenn sie eigentlich fuer den
nichtregistrierten Host gleichen Namens bestimmt waren, der sich 
hinter somewhere versteckt.  Meiner Meinung nach nicht schlimm, 
einer ist schliesslich registriert und damit etwas mehr "im Recht".

Aber das passte den RFC822-Fanatikern ueberhaupt nicht in den Kram.
Sie wollen auch den unregistrierten Host erreichen. Fuer einfach 
unbekannte Hosts, ohne bekanntes Gegenstueck mit registriertem Namen,
schlaegt das Rerouting nicht zu, man weiss halt keinen Weg dorthin
und nimmt auf jeden Fall den vom Benutzer angegebenen Pfad.

Der Kompromiss: nach laengeren Debatten sind wir der Einheitlichkeit
zuliebe ueberein gekommen, das Rerouting nur bis zum letzten Prozent 
anzuwenden, der String zwischen dem letzten Prozent und dem Klammer-
affen wird tatsaechlich als localpart aufgefasst -- es sei denn, es 
werden hier voll qualifizierte TopLevelDomains einschliesslich .uucp 
und .bitnet verwendet.

Alles klar?  :-)


  So, das war der erste Status-Bericht ein einer ganzen Reihe, 
wir wollen in Zukunft etwa monatlich berichten, was sich bei 
uns in Dortmund so tut, was wir planen, und was wir gerade
fetiggemacht haben. Bis demnaechst also.

	schoene Gruesse,	Axel


PS Mit zu den Plaenen gehoert, dass ich waehrend des August
   wg. Urlaub nicht zu erreichen bin. :-)
   Melde mich im September wieder.
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From: ap@unido.UUCP (Axel Pawlik)
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Date: 30 Jul 89 12:46:59 GMT
Reply-To: ap@unido.UUCP (Axel Pawlik)
Distribution: dnet
Organization: University of Dortmund, West Germany
Lines: 239
Posted: Sun Jul 30 13:46:59 1989