Article View: dnet.general
Article #289Abtreibung
From: Holm Flachowsky
Date: Sat, 07 Dec 1991 18:44
Date: Sat, 07 Dec 1991 18:44
71 lines
5074 bytes
5074 bytes
hf@informatik.uni-kl.de (Harald Fuchs) writes: >Ich glaub, Du hast da was verwechselt. AbTreibung ist das, was ein >Arzt fuer eine Frau tun kann, wenn sie in Schwierigkeiten ist, und >Abreibung ist das, was er dafuer kriegt, wenn er dabei von >herumstreunenden Berufschristen erwischt wird. >^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ >Harald Fuchs <hf@informatik.uni-kl.de> ... da musz ich denn doch mal was dazu sagen. Sicherlich ist das Thema Abtreibung (meiner Meinung nach) kein so einfach abzuhakendes. Ich hoffe, wir sind uns einig, dasz sowohl die alte bundesdeutsche, wie auch die alte DeDeeR- Regelung nicht so das richtige waren bzw. sind. Schlieszlich sind in der DDR nicht nur Frauen zur Abtreibung gegangen, die in gravierenden Schwierigkeiten waren. Es war, so denke ich, ein wenig zu leicht gemacht. Womit ich aber keineswegs die seelischen Belastungen der Frauen (und auch Maenner) uebersehen will (und kann). Leider waren diese vielen Betroffenen erst im Nachhinein bewuszt (trotz teilweise recht guter Beratung durch Aerzte). Ob man dies einer Frau zum Vorwurf machen kann moechte ich doch stark bezweifeln. Der Staat wollte es den Frauen leicht machen, ueber ein Kind zu entscheiden. Man war (zumindest oeffentlich/offiziell) der Meinung, das zu einer solchen schwerwiegenden Entscheidung (fuer Kind, Frau und Mann) notwendige Bewusztsein (nenn's wie Du willst) bildet sich dann von selbst. Der Staat hat somit keinerlei Verantwortung mehr. Ich denke schon, dasz damit so manche Frau ueberfordert ist. Wie soll man auch vorher so genau wissen, wie ich persoenlich auf den Eingriff reagiere. Und nun zu den "Berufschristen". Voll recht geb' ich jedem, der bei einer solchen Bemerkung Namen wie Dyba (kath. Bischof in Fulda - siehe Spiegel) im Hinterkopf hat. Eine solche Art und Weise des Umgangs (so- weit das ueberhaupt so genannt werden kann) ist denke ich nicht zu akzeptieren. Und doch denken nicht wenige so (wenn auch nicht immer so verschaerft). Ich denke, wir duerfen nicht ganz vergessen, dasz wir alle (auszereuropaeische Auslaender evtl. ausgeschlossen) einer seit vielen Jahrhunderten christlich gepraegten Gesellschaft entstammen. Ich glaube nicht, dasz dies ein Relikt alter Zeiten ist, sondern ein nicht ganz kleiner Teil unserer geschichtlichen Idenditaet. Diese zu verleugnen hat wohl kaum Sinn - sie ist es nun mal. Notwendig ist es wohl eher, sich mit dieser Idenditaet auseinanderzusetzen. Wozu? Um zum Beispiel auch solche Leute wie Dyba zu verstehen (zumindest den INHALT deren Meinung) Ein solches Gedankengut wie - Abtreibung ist unchristlich - Abtreibung ist ein Verbrechen - Frau gehoert an den Herd und zu den Kindern -... kommt doch nicht (nur) aus der konservativen Ecke, sondern ist doch auch ein Produkt einer laengeren gesellschaftlichen Entwicklung. Ich bin sehr wohl der Meinung, dasz hier weitreichende Veraenderungen noetig sind. Allerdings glaube ich nicht, dasz sie sich so einfach umsetzen lassen. Und ob es mit dem Anhaengsel "In" getan ist, sei dahingestellt. Noch mal zur Sache... Verantwortung fuer die Familie ist meiner Meinung nach eine ungeheuer wichtige Sache. Fuer beide Seiten. Und ich denke, dasz es da eine Menge Christen gibt, die sich dieser stellen - auch um der Kinder willen. Abtreibungen dabei NICHT ausgeschlossen. Was ich sagen will: Etwas mehr sachliche Beitraege (nicht nur in den News hier) mit einem zumindest begreifenden Blick in unsere christlich-abend- laendische Geschichte taeten der 218- Diskussion wohl besser. Dyba's sind so nicht zu akzeptieren - doch wer auf sie schimpft und flamed blaest wohl eher Wind in ihr Feuer. Und noch was: Wenn solche Leute partout nicht sachlich reden wollen - hilft (manchmal) penetrante Ignoranz (manche merken dann, dasz sie was falsch machen). Was natuerlich nicht ausschlieszt, dasz man sie sowohl im Auge hat, wie auch dasz man jederzeit bereit sein sollte, das Gespraech wieder mit ihnen aufzu- nehmen. Auf die Nicht-Neue-Bundeslaender- Regelung gehe ich nicht weiter ein, da ich sie zu wenig kenne - daher meine Doch-Neue-Bundeslaender- Meinung. :-) Grusz Holmi -- | Name: Holm Flachowsky | Home: Paul-Buettner-Str. 2 | | Address: Vettersstr. 52-521 | Freital D-O-8210 | | Chemnitz D-O-9022 | | | E-Mail: flachow@hrz.tu-chemnitz.de | I'm a fan of Iceland ! |
Technical Details
Message-ID:
<1991Dec07.184437.124736@hrz.tu-chemnitz.de>Path:
arc1-ca.pugleaf.net!gmdzi!unido!math.fu-berlin.de!hrz.tu-chemnitz.de!flachowShow Full Headers
Complete Article Headers
X-Google-Language: GERMAN,ASCII-7-bit X-Google-Thread: 10dc06,7fe83caea22325bb,start X-Google-Attributes: gid10dc06,public X-Google-ArrivalTime: 1991-12-09 09:52:19 PST Path: arc1-ca.pugleaf.net!gmdzi!unido!math.fu-berlin.de!hrz.tu-chemnitz.de!flachow From: flachow@hrz.tu-chemnitz.de (Holm Flachowsky) Newsgroups: dnet.general Subject: Abtreibung Message-ID: <1991Dec07.184437.124736@hrz.tu-chemnitz.de> Date: 7 Dec 91 18:44:37 GMT Sender: bin@hrz.tu-chemnitz.de (Owner of all binaries) Distribution: dnet.general Organization: tu-chemnitz Lines: 71