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Article #59Re: Schoepfung oder Evolution?
From: Martin Schweikert
Date: Mon, 17 Feb 1992 12:32
Date: Mon, 17 Feb 1992 12:32
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holger@esfra.sub.org (Holger Stegemann) writes:
[ Einige Aussagen darueber, dass die Bibel in ihrer
Ueberlieferungsgeschichte verfaelscht worden sei, geloescht ]
Dass die Bibel das bestueberlieferte literarische Werk der Antike
ist, ist eine Tatsache der Literaturwissenschaft. Allein zum
Neuen Testament gibt es mehr als 5000 Manuskripte und Fragmente;
die kann man zaehlen. Das ist mit grossem Abstand mehr als fuer
andere Werke zur Verfuegung stehen.
Da diese Tatsache noch gar nichts mit Theologie zu tun hat,
sondern mit Literaturwissenschaft, duerfte es doch selbst
jemandem, der die Bibel in ihren Aussagen ablehnt, gar nicht so
schwerfallen, das zur Kenntnis zu nehmen ... ?
> Viele, viele Bibelstellen (wieder Einheitsuebersetzung) tragen den
> Vermerk "nicht bei aelteren Textzeugen", was immer bedeutet, dass der
> entsprechende Text spaeter hinzugedichtet wurde.
> Welchen Grundtext? Der Einheitsuebersetzung liegen doch mehrere Quellen
> zugrunde, einen wirklichen 'Grundtext', eine Ur-Bibel sozusagen, gibt
> es doch gar nicht. Die Sammlung, die in ihrer lateinischen Uebersetzung
> als Vulgata bekannt wurde und der katholischen Kirche noch heute als
> Grundlage dient, kannst Du damit wohl nicht meinen, oder?
Nein, die Vulgata meine ich nicht. Und Du hast voellig recht, eine
Ur-Bibel in dem Sinne, dass sie die Originaltexte enthielte, gibt
es tatsaechlich nicht.
Den "Grundtext" findet man in den wissenschaftlichen Ausgaben
des (hebraeischen) Alten Testaments und des (griechischen) Neuen
Testaments. Im fortlaufenden Text steht die Textfassung, die die
Herausgeber aufgrund komplizierter Verfahrensweisen als die
wahrscheinlich urspruengliche rekonstruiert haben. Dazu ist es
noetig, die tausende von Manuskripten und Fragmenten zu sichten
und zu vergleichen. Wenn sich im Manuskriptbestand Abweichungen
finden, werden diese in einem Anmerkungssystem dem fortlaufenden
Text beigegeben.
Insoweit ist es richtig, dass es die "Ur-Bibel" nicht gibt. Das
Auffaellige an all diesen Textvarianten ist allerdings, dass sie
sich in aller Regel auf Schreibweisen einzelner Woerter oder auf
Satzstellungen beziehen. In kaum einem Fall sind sie von
inhaltlicher Tragweite, in keinem Fall sind grundsaetzliche
biblische Aussagen betroffen.
Dadurch belegen die Varianten gerade das Gegenteil dessen, was Du
in ihnen gerne sehen wuerdest.
Noch ganz anders sieht es beim Alten Testament aus. Da die Texte
sehr frueh als heilig galten, wurde ihre Ueberlieferung mit
aeusserster Sorgfalt betrieben (mit Kontrollsummen, so eine Art
antikem CRC!). Die Schreiber wagten nicht, einfach Verbesserungen
am Text vorzunehmen, wenn sie meinten einen Abschreibefehler in
der Vorlage gefunden zu haben, sondern griffen zu anderen
Mitteln. Schriftrollen, die nachweislich Fehler enthielten,
mussten verbrannt werden. Und so weiter; das ist ein
faszinierendes Kapitel ...
BTW: Diese Grundtextausgaben liegen nicht nur der
Einheitsuebersetzung zugrunde, sondern fast allen modernen
Uebersetzungen.
> Heute weiss die historisch-kritische Bibelforschung, dass mindestens
> die Petrus-Briefe und von Paulus die Timotheus-Briefe und noch ein
> paar andere (ich habe meine Unterlagen grade nicht zur Hand) gefaelscht
> sind.
Das "weiss" die historisch-kritische Bibelforschung nicht. Das
hypothetisiert sie nur. Keine ihrer Aussagen ist auf Fakten (in
dieesm Fall: Handschriftenfunde) gegruendet.
Man braucht kein Theologe zu sein, um die Argumentationen der
hist.-krit. Methode zu verwerfen. Dazu reicht der gesunde
Menschenverstand und ein paar erkenntnistheoretische Kenntnisse.
Der beste Beweis fuer die Unzulaenglichkeit der hist.-krit. Methode
ist das Chaos der widerspruechlichen Lehrmeinungen, das man in
ihrer gesamten Geschichte beobachten kann.
Deshalb und auch aus anderen Gruenden geraet die hist.-krit.
Methode heute immer mehr unter Beschuss. Sie hat als Methode der
Erkenntnisgewinnung schlicht versagt.
> Die Apokryphen wurden zeitweise auch zu den heiligen Schriften gezaehlt.
Nur in der katholischen Kirche. Die Apokryphen (Du meinst sicher
die alttestamentlichen; die neutestamentlichen sind weniger
gaengig) waren nie Bestandteil der hebraeischen Bibel. Kein Wunder,
sind sie doch erst spaeter geschrieben worden, dazu noch in
Griechisch.
> Was viel interessanter zu werden verspricht, sind die Qumran-Schriften, die
> vor einigen Jahren gefunden wurden und die tatsaechlich noch nicht voll-
> staendig veroeffentlicht wurden.
Dazu meint ein befreundeter Pfarrer:
"Kuerzlich habe ich (Kann das sein: Gott und die Welt in WEST3?)
ein Interview mit einem westdeutschen Theol.Prof. gesehen. Er
gehoert zu den Wissenschaftlern, die die Fotos der Rollen seit
Jahr und Tag haben und studieren. Nix verheimlicht - bloss noch
nicht gedruckt. Die Fachleute ALLER Kirchen haben die Sachen
laengst und haben sie auch in ihren Buechern laengst
beruecksichtigt, wenn sie ueber Qumran (speziell ueber Qumran und
die fruehe Christenheit bzw. Qumran und Jesus) schreiben.
Der Prof (ich glaube, er hiess Hermann mit Nachnamen) sagte: Die
Amis, von denen das Buch stammt, haetten keine Ahnung und waeren
bloss enorm auf publicity aus. In den Rollen von Qumran stuende
nichts, was darauf hindeutete, Jesus waere im Grunde bloss ein
Essener (Betonung auf der zweiten Silbe...) gewesen (oder was
auch immer die Amis da rauslesen wollen).
Was mich angeht: Nix dran, nix drin, Entwarnung."
Das ist das, was ich mit "Sensationsjournalismus" meinte.
> Die Erzaehlung von der Erschaffung der Welt IST EIN MYTHOS !!!!
> Wenn es das nicht ist: Erklaere mir doch bitte mal, was da am zweiten
> Schoepfungstag geschaffen wurde...
In 1. Mose 1, 6-8 steht:
"Und Gott sprach: Es werde eine Woelbung mitten in den Wassern,
und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern!
Und Gott machte die Woelbung und schied die Wasser, die
unterhalb der Woelbung von den Wassern, die oberhalb der Woelbung
waren. Und es geschah so. Und Gott nannte die Woelbung Himmel. Und
es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein zweiter Tag."
(Wie man sieht, nicht Einheitsuebersetzung oder Luther, sondern
eine eher woertliche Uebersetzung namens "Elberfelder")
Dieser Vers besagt, dass Gott ein Teil des Wassers, das die Erde
urspruenglich komplett bedeckte, zu einem Wasserguertel gemacht
hat. (Die Gelehrten streiten sich, welchen Aggregatzustand
dieses Wasser anschliessend hatte). Dieses Wasser kommt uebrigens
spaeter in der Sintflut wieder runter.
Noch Fragen? :-)
> >Ich hatte in einer frueheren Diskussion schon
> >darauf hingewiesen, dass es - gar nicht so wenige - Naturwis-
> >senschaftler gibt, die dem Schoepfungsmodell vor dem Evolutions-
> >modell den Vorzug geben und auf dieser Basis saubere Naturwissen-
> >schaft betreiben.
>
> SAUBERE Naturwissenschaft? Jetzt wird's polemisch...
Wieso polemisch? Wenn Du etwas von Biologie verstehst, kannst Du
Dich ja mal mit dem Grundtypmodell von Prof. Scherer, Muenchen,
beschaeftigen; das ist eine schoepfungswissenschaftliche
Alternative zum traditionellen, evolutionaeren Artbegriff. Oder
mit dem Informationsbegriff von Prof. Gitt, Braunschweig; das ist
eine schoepfungswissenschaftliche Alternative zum traditionellen,
SHANNONschen Informationsbegriff.
> Es wuerde mich mal interessieren, was diese Schoepfungswissenschaftler
> so herausgefunden haben und wie sie es begruenden - WISSENSCHAFTLICH
> begruenden, und nicht nur unter Verweis auf die Genesis. Wo werden denn
> die Forschungsergebnisse veroeffentlicht?
Auf fachwissenschaftlichem Niveau hier, wie ich schon sagte:
> Wenn jemand an dieser alternativen Denkweise inte-
> >ressiert ist, kann ich waermstens die Fachtagungen "Biologie",
> >"Geowissenschaften", "Physik/Kosmologie" und "Informatik" des
> >wissenschaftlichen Vereins "Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN"
> >empfehlen. Naehere Informationen gibt es bei der Geschaeftsstelle
> >des Vereins, Sommerhalde 10, 7292 Baiersbronn-Roet, Tel. 07442 /
> >4472.
Ausserdem fallen mir 3 Baende der Reihe "Studium Integrale" ein:
Junker, R.: Rudimentaere Organe und Atavismen. Konstruktionsfehler
des Lebens?
Berlin, Verlag Zeitjournal
Hartwig-Scherer, S.: Ramapithecus. Vorfahr des Menschen?
Berlin, Verlag Zeitjournal
Brandt, M.: Gehirn und Sprache. Fossile Zeugnisse zum Ursprung
des Menschen
Berlin 1992, Pascal-Verlag
Ausserdem publizieren unsere Autoren natuerlich in normalen
wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Frag mich jetzt aber nicht
nach einer Bibliographie, da habe ich keine Uebersicht. Ich kann
aber gerne Kontakte oder Literaturhinweise vermitteln.
> Die Informationen, die ich von dort bekommen habe, haben mich nicht
> besonders beeindruckt. Philosophisches Geplaenkel ist nicht das, was
> ich unter Naturwissenschaft verstehe.
Vermutlich hast Du nicht genau genug gesagt, was Du haben willst;
das kann der Geschaeftsfuehrer natuerlich nicht ahnen und schickt
dann erstmal allgemein einfuehrendes Material.
> >| Dipl-Dok. Martin Schweikert
> Was ist ein Dipl-Dok. ?
"Dok." steht fuer "Dokumentar". Das ist einer, der zu jeder
wissenschaftlichen Fragestellung wenn auch nicht die Antwort, so
doch zumindest die Literatur findet, die die Antwort auf die
Frage enthaelt, wenn sie denn schon publiziert wurde. Jedenfalls
wenn er ausreichend gute Literaturdatenbanken zur Verfuegung hat.
Aber ich habe mich im Studium soviel wie eben moegich auf EDV
spezialisiert und arbeite jetzt als Programmierer. Das ist
wesentlich interessanter :-)
Schoene Gruesse
Martin
--
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| Dipl-Dok. Martin Schweikert Mail: schweik@cppob.ruhr.de |
| Essener Strasse 57 Life-Net: martin_schweikert@credo.zer |
| D-4200 Oberhausen <>< Fax: +49 208 85 97 108 |
| Germany Phone: +49 208 85 97 142 |
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| My life is based on two things: Belief in Christ and Murphy's Law |
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Technical Details
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