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Article #81

Re: Auspaehen von Daten, was: Re: "Hardcore-Pornos im Computer-Raum"

#81
From: Lars Soltau
Date: Fri, 10 Jan 1992 13:12
99 lines
5696 bytes
sanio@netmbx.netmbx.de (Erhard Sanio) gibt mal wieder eine fundierte
juristische Stellungnahme ab. Ist doch gut, wenn man Experten zur
Hand hat...

>In article <boerp.694783121@midget.saar.sub.org> boerp@midget.saar.sub.org (Arnd Vehling) writes:

>>Der entsprechende Paragraph im StGB ueber das "Ausspaehen von Daten"
>>(Ich glaube es war 202a) auf den du dich offensichtlich beziehst,
>>besagt das diese Daten "besonders gesichert im sinne des paragraphen"
>>sein muessen. Obwohl, IMHO noch kein praezedenzfall aufgezeigt hat
>>was denn nun "besonders gesicherte Daten" sind, glaube ich kaum das
>>es sich bei gif Bildern im news-spool-directory eines Rechners um solche
>>handelt.

Um das Spool-Directory ging es mir nicht. Wenn ich richtig informiert
bin, wurden Home-Verzeichnisse ausspioniert und sogar Daten (Files)
geloescht.

>Zur Information:
[Zwei Paragraphen aus dem StGB, auf die auch ich mich bezog]

>"Besonders gesichert" sind alle Daten, die mit den der jeweiligen Anlage
>zur Verfuegung stehenden Mitteln vor fremdem Zugriff geschuetzt sind
>(chmod 600 file, chmod 700 dir bei Unix-Boxen, ebenso eine Gruppenzugangs-
>sicherung, wenn die jeweilige Gruppe erkennbar beschraenkt ist und der
>Eindringling nicht rechtmaessig zu ihr gehoert).

So habe ich das eigentlich auch immer gesehen. Ich fuehle mich
bestaetigt.

>[...] Wieweit darueber hinaus Rechtsprechung ueber den Schutz privater
>Bereiche (analog den ueberlassenen Schreibtischen in Betrieben, die als
>teilweise privat gelten und nur auf besondere Aufforderung durch befugte
>Personen kontrolliert werden duerfen) existiert, weiss ich nicht.

Das wuerde mich auch interessieren. Ich glaube aber, solange in dieser
Richtung kein Grundsatzurteil existiert, kann man sich nicht sicher
sein, ob man Recht bekaeme oder nicht, wenn der Sysadm private Dateien
im Home-Verzeichnis durchstoebert.

>>Ja, der Staatsanwalt hat bestimmt nichts besseres zu tun als kleinen
>>Denunzianten nachzujagen!

Eine Denunziation ist fuer mich immer noch ein Melden eines
Tatbestandes, der einen selber nichts angeht bzw. durch den einem kein
Schaden zugefuegt wurde.

>>Ich bitte dich. Glaubst du das dass eine
>>realistiche reaktion auf diese angelegenheit ist? Hol mal tief luft,
>>beruhige dich ein wenig und denk dann noch mal nach.

>Wieweit Anzeigeerstattung der richtige Weg waere, bezweifle auch ich.
>Freilich wuerde ich in so einem Fall (mensch schwaerzt mich wegen Daten
>in meinem Privatverzeichnis an) zu den Verantwortlichen gehen und auf
>die Tatsache hinweisen, dass die vorliegenden Informationen unter Ver-
>letzung von Strafvorschriften erlangt wurden. Ich wuerde auf einer 
>Entschuldigung des Eindringlings bestehen und darauf, dass auf die
>Strafbarkeit solcher Handlungen hingewiesen wird.
>Wahrscheinlich ist solchen Datenspionen die Rechtswidrigkeit ihres Tuns
>gar nicht bewusst, ihnen gleich eine Vorstrafe ueberzubraten, scheint
>mir uebermaessig hart.

Hmm. Vermutlich habe ich wirklich etwas zu hart reagiert. Die
Vorgehensweise von Erhard scheint mir mit etwas Abstand betrachtet
doch besser, schliesslich musste ich selbst und wohl so ziemlich jeder
andere auch schon einmal die Gnade anderer in Anspruch nehmen, wenn
ich Bockmist gebaut hatte.

Wobei ich jedoch bleibe, ist: In die Offensive gehen. Nicht
einschuechtern lassen. Es sollte allen Beteiligten glasklar werden,
dass es fuer solche Faelle Gesetze gibt, und das ein Strafverfahren
etwas ist, ohne das man eigentlich ganz gut auskommt. Wahrscheinlich
ist es ganz heilsam (so habe ich es zumindest als Taeter stets
empfunden) wenn die Uebeltaeter eine Weile ordentlich Fracksausen
haben.

>Da die Bestimmungen ziemlich eindeutig sind und der Vorsatz eigentlich
>immer gegeben ist (man/frau geraet nicht versehentlich in ein zugriffs-
>geschuetztes Verzeichnis und macht das auch noch publik), waere eine
>Strafverfolgung nicht unwahrscheinlich.  Freilich waere eine Einstellung
>des Verfahrens (ggfs. gegen Auflage, meist Geldbusse nach 153a StPO) bei
>nichtvorbestraften Ersttaeter/innen eher wahrscheinlich, insbesondere
>in Faellen des 202a.

Dass die Uebeltaeter gleich verknackt werden, habe ich auch nicht
erwartet. So ein Verfahren ist aber auch dann aeusserst unangenehm
(und sei's nur in finanzieller Hinsicht), wenn es eingestellt wird.

>regards, es

Danke fuer die Erlaeuterungen, keep up the good work.  Wir Laien haben
halt doch nur unseren "gesunden Menschenverstand", um solche Faelle zu
beurteilen, und dass DER bei Juristen nicht viel zaehlt, weiss man ja.
Da ist jemand mit etwas mehr Sachverstand wirklich sehr nuetzlich.
-- 
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Subject: Re: Auspaehen von Daten, was: Re: "Hardcore-Pornos im Computer-Raum"
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