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Article #121StZ (21.12.91) "Pornos im Uni-Computer abbestellt - Kontrolle nicht moeglich
From: Kurt Jaeger
Date: Sat, 21 Dec 1991 19:59
Date: Sat, 21 Dec 1991 19:59
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Enthuellungsstory der Frauenzeitschrift "Emma" sorgt fuer Aufregung an der Uni Stuttgart Pornos im Uni-Computer abbestellt - Kontrolle nicht moeglich (Stuttgarter Zeitung, 21.12.91), reprinted without permission Sex und Sadismus im Wissenschaftsprogramm - Universitaet droht mit dienstrechtlichen Konsequenzen - Studenten sprechen von Zensur "Mit Steuergeldern macht der Professor sein Uni-Buero zur Peep-Show" - diese Enthuellungsgeschichte der Frauenzeitschrift "Emma" ueber "Pornos im Uni-Computer" hat auch die Universitaet Stuttgart augeschreckt. Denn natuerlich ist die Uni Stuttgart Teilnehmerin am weltweiten Wissenschaftsnetz "Usenet", und so kann an jedem Institutsrechner die elektronische Informationsboerse "News" aufgerufen werden und mit anderen Teilnehmern ueber die sogenannte "elektronische Mailbox" Kontakt aufgenommen werden. So wollte ein Professor laut "Emma" Informationen darueber, wie man "eine Frau am effektivsten mit Stromstoeszen" traktieren koenne, ohne Spuren zu hinterlassen. Die Antwort in der Sex-Gruppe "alt.sex.bondage" (Sklaverei) kam prompt: "Pasz auf, dasz der Strom von Herz und Zentralnervensystem wegbleibt - dann duerfte sie ueberleben... Wenn Du ihren Kopf nach unten haengen laeszt, bleibt sie eher bei Bewusztsein." Doch im Sexprogramm gibt's nicht nur verbale Folterratschlaege, sondern auch pornographische Bilder, statische und bewegte wie die Gruppenvergewaltigung einer gefesselten Frau. Die Informationsmanagerin im Rechenzentrum der Universitaet Stuttgart, Barbara Burr, hat sich - alarmiert von diesem Bericht - "kundig gemacht" und selbst elektronische Recherche durchgefuehrt. "So etwas moechte ich nie wieder sehen", sagt sie angewidert. Die Universitaet Stuttgart hat, wie die meisten deutschen Universitaeten, prompt reagiert und inzwischen die bekannten Sex-Gruppen "abbestellt". Auch deswegen, weil es den Landesrechnungshof interessieren koennte, was Angestellte in ihrer Dienstzeit auf mit oeffentlichen Geldern finanzierten Computern treiben. Ob damit jedoch alle Porno-, Sex- und Sadismusgruppen erfaszt sind, bezweifelt Barbara Burr. Denn die "News-Diskussionsgruppen" umfassen 600 Megabyte, vergleichbar mit 200000 Seiten Papier - und diese Menge Daten koennten unmoeglich durchgeforstet werden. Zumal die Sex-Gruppen umbenannt werden koennen. "Eine dauerhafte Kontrolle ist nicht moeglich", gibt sich die Informationsmanagerin keiner Illusion hin. Da baut sie lieber auf die Illusion, dasz das Thema "Pornos im Uni-Computer" hierzulande fuer Professoren und Studenten uninteressant sei aufgrund liberalerer Gesetze als in den prueden USA. Dort naemlich sitzen (vorlaeufig noch) die Computerpornoproduzenten und der Groszteil der Voyeure. Laut einer Statistik die die "Informatiker" der Uni Stuttgart erstellt haetten, laege der Zugriff auf die Pornoprogramme "unter einem Prozent", sagt Burr. Obwohl das Rechenzentrum technisch in der Lage waere, jeden Rechner, also jeden Personal Computer und jede Work-Station, zu orten, von dem aus diese Programme aufgerufen werden, werde dies nicht geschehen, betont sie. Sollte allerdings ein Angestellter oder Professor in flagranti erwischt werden, werde dies "dienstrechtliche Konsequenzen" haben, kuendigte die Pressesprecherin der Universitaet, Ursula Zitzler, an. Ebenso strafrechtliche nach dem Paragraphen 184 ueber die Verbreitung pornographischer Schriften. Wobei es natuerlich auch Konsequenzen fuer ertappte Studenten geben kann. Die Informatikstudenten jedenfalls, so berichtet Fachschaftsvertreter Christof Ullwer, fuehlen sich verunglimpft durch den "Emma"-Artikel. "Wir sind nicht pervers und ziehen uns keine sadistischen Pornos am Computer rein", sagt Ullwer. Die meisten haetten gar nichts von diesen Sex-Programmen gewuszt und seien jetzt neugierig geworden. Und es haette einen "Aufschrei" gegeben ueber die "Zensur" des Rechenzentrums - aus grundsaetzlichen Ueberlegungen, dasz "von oben entschieden wird, was gelesen werden darf". Wer's darauf anlege, koennte diese lokale Zensur voellig unterlaufen - im weltweiten Netz auf andere Rechner in anderen Staedten oder eben auch in den USA auf die Programme zugegriffen werden. (awk) -- pi@complx.stgt.sub.org, K.Jaeger, D7K/FRG, +49 711 8701309 Q, 29 years to go !
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