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Article #339

Re: bzgl. *.dbp.de

#339
From: Toerless Eckert
Date: Tue, 13 Nov 1990 10:19
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From article <1990Nov12.191849@mailgzrz.tu-berlin.de>, by woks4000@mailgzrz.tu-berlin.de (Wolfgang Ksoll):

> Ich finde es gut, dass der DFN (als Verein von Anwendern), Hersteller dazu
> anhaelt, Protokolle einzuhalten. Dass er sich die OSI-Protokolle auf die Fahne
> geschrieben hat, ist eigentlich nur der natuerliche Gang der Geschichte und 
> spiegelt auch die Entwicklung in der Industrie (in Hannover zeigt selbst IBM 
> immer X.400-Produkte und nicht EARN).

Es ist nichts dagegen zu sagen, dass der DFN OSI foerdert, das ist im
Gegenteil sehr unterstuetzenswert. Problematisch ist oft nur die
Art und Weise, wie dies geschieht, naemlich oft zu Lasten der Mitglieder
des DFN (wie das Beispiel von Axel Mahler zeigte). OSI alleine reicht
halt nicht, es muss auch funktionieren.

> Ich finde es schade, dass es immer noch nicht die Sitte ist, einen Rechner
> auszuliefern, der Kommunikation auf Basis der OSI-Protokolle abwickelt
> und alle heute modernen Dienste (interaktiven Zugang, Filetranfer, mail und
> news) ohne zusaetzliche Kosten erbringt.

Ja, natuerlich ist dies schlecht, und dagegen muss man angehen. Allerdings
glaube ich nicht, das das DFN in allen Faellen den besten Weg gewaehlt
hat, hiergegen etwas zu tun: Die Foerderung von rein kommerzieller
Softwareentwickelung, wie das Beispiel Ositel zeigt, hat keinen
so durchsclagenden Charakter, wie andere Verfahren. Mir haette es
zum Beispiel sehr gut gefallen, wenn das DFN mehr darauf bedacht
waere, frei verfuegbare (zumindest fuer den akademischen Bereich)
Software zu foerdern (das Ositel fuer DFN Mitglieder frei ist, ist
nicht dasselbe, sondern das frei bezieht sich mit auf die Quellen,
zwecks einfacherer Portierbarkeit und eigenstaendiger Wartung). Es
hat ja auch ziemlich lange gedauert, bis wir den DFN vom Nutzen solcher
Programmpakete wie ISODE ueberzeugen zu koennen, die eigentlich ideal
fuer den akademischen Bereich die Nutzung neuer Protokolle mit
existierenden Netzen verbinden.
Aber noch einmal zurueck zu den Firmen: sosehr ich OSI befuehrworte,
halte ich es finanziell nicht fuer vertretbar zu einem Zeitpunkt,
wo die OSI Implementierungen der Hersteller mehrere Zehntausend DM
kosten, solche Produkte zu empfehlen fuer einem flaechendeckenden
Einsatz. Wie richtig bemerkt, muessen Kommunikationsprotokolle mit
zum Standardumfang eines Betriebsystems gehoeren, und solange die
Hersteller versuchen mit exporbitanten Preisen ihre Entwicklungskosten
reinzuholen, sollte man lieber auf frei verfuegbare Produkte ausweichen.

> Aber beim Schimpfen ueber den DFN-Verein sollte man auf dem Teppich bleiben.
> Von den ca. 1000 Rechnern an der TU-Berlin sind die meisten UNIX oder MS-DOS-
> Rechner und sprechen fast alle TCP/IP auf irgendeinem Weg. Kein einziger
> kommt vom Hersteller mit fertig konfigurierten News, oder?

Das stimmt, aber andererseits kenne ich kein X.400 System, das ich
einfach per ftp kopieren kann, und dann problemlos installieren kann
(ja, es gibt inzwischen PP, aber ich betrachte doch mal nur den
 Kreis der Produkte, die mir vom DFN empfohlen werden ;-))

Uebrigens ist netnews bei mehreren Herstellern in installationsfaehiger
binaerer Form bei den Contributions zum Betriebsystem dabei,
u.a. bei Ultrix.

> Ca. 15 Rechner sprechen seit Jahren X.25, zum Teil mit kommerziellen, 
> zum Teil mit DFN-Produkten. (ean, ft, usw.)

X.25 hat es bis zum heutigen Tage versaeumt, seinen Weg in eine Rechnerwelt
zu finden, die im lokalen Netz aus mehr als wenigen zentralen Rechnern
besteht (lies: "Workstationnetz"). Wenn wir uns jetzt bemuehen, dies
zu aendern, wird sich zeigen, dass (bzw.: ob) X.25 auch fuer
einen Einsatz im lokalen Netz ein brauchbares Protokoll ist. Dies ist aber
fuer den Anwender nicht das Problem. Dem geht es naemlich nicht darum
mit welchem Protokoll er arbeitet, sondern welche Personen er damit
erreicht. Da muss man dann einfach sehen, dass ueber das Internet mehr
als 2 Millionen Personen direkt zu erreichen sind.

> Alle 1000 Rechner koennen X.400-, SMTP- oder EARN-Post auf dem einen oder
> anderen Umweg direkt auf ihre Platte bekommen, wenn es denn sein muss.
> Ermoeglicht wird das unter anderem durch das Wissenschaftsnetz (WIN), dass
> der DFN, die Bundespost und wer weiss wer ausgehandelt haben. Zum Glueck
> kann man auf X.25 auch IP fahren.

Das WiN ist ja auch ein sehr schoener Kompromiss zwischen den politischen
Ideen des BMFT und den Beduerfnissen der akademischen Gemeinde. Man
darf allerdings nicht uebersehen, dass wir in Deutschland sowohl
kostenmaessig, als auch leistungsmaessig mit dem WiN noch Jahre
hinter dem Stand der USA hinterher sind. Wenn, wie zu hoffen ist, die
2Mbit Aufruestung des WiN funktionieren wird, und vernuenftige
Durchsatzahlen bringt, bleibt immer noch abzuwarten, wie sich die Kosten
entwickeln. Hier ist meine Befuerchtung, dass die Post weiterhin teuer
bleibt - inwieweit diese Preise mit von den notwendigen Investitions-
kosten von X.25 im Vergleich zu anderen Netzwerkenstack/Diensten
beeinflusst ist, ist eine Diskussion, die auch noch nicht ausgetragen wurde.

> Ja, aber: Besitzer von UNIX-Anlagen sind in der gluecklicher Lage, die Software
> preisguenstig zu bekommen. Aber ist Netnews auch gebrauechlich unter VM, BS2000,
> NOS/VE und anderen Exoten? (Was allerdings auch nicht entschuldigt, dass es
> aehnliches in der OSI-Welt ueberhaupt nicht gibt).

Also unter NOS/VE kann man unter VX bestimmt netnews compilieren, wenn
es denn nicht gerade mit NNTP laufen soll (meine Erfahrung). unter VM
gibt es auch Netnews.

-- 

Toerless Eckert          | /C=de/A=dbp/P=uni-erlangen/OU=informatik/S=eckert
V.4: Noah's ark of Unix  | X.400 ^ Internet> eckert@informatik.uni-erlangen.de
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From: eckert@medusa.informatik.uni-erlangen.de (Toerless Eckert)
Newsgroups: dnet.inet
Subject: Re:  bzgl. *.dbp.de
Message-ID: <3258@medusa.informatik.uni-erlangen.de>
Date: 13 Nov 90 10:19:54 GMT
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Organization: CSD, University of Erlangen, W-Germany
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Posted: Tue Nov 13 11:19:54 1990