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Started by Christa Keil
Wed, 25 Dec 1991 01:12
Arikel in der Suedwest-Presse vom 20.12.1991 (was Re: Uni Ulm
Author: Christa Keil
Date: Wed, 25 Dec 1991 01:12
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>CCC_BREN@rzmain.rz.uni-ulm.de (Martin Brenner) writes: > >>Im Lokalteil der Suedwest-Presse erschien heute ein weiterer Artikel zum >>Thema Porno an der Uni Ulm. Der Artikel ist wirklich nicht schlecht, daher finde ich, sollte man ihn hier wieder geben. /* Artikel in der Suedwest-Presse vom 20.12.1991 */ von Frau Birgit Huebner-Dick Wenig Beifall, dafuer bissige Kommentare bekommt das Rechenzentrum der Uni wegen der Porno-Affaere im Com- puter zu hoeren, von der auch Ulm betroffen ist. Zwar sind saemtliche Zugaenge zu den Sex-Dateien von Usenet einer globalen "Informationsboerse", mittlerweile geloescht. Aber damit ist die Diskussion auch auf dem Oberen Eselsberg offenbar erst richtig an- gefacht worden. Die feminstische Zeitschrift "Emma" hatte vor kurzem enthuellt, das in den unzaehligen Programmschubladen von Usenet auch harte Pornografie lauert. Unter dem Suchbegriff "alt.sex", so die Schilderung kann man ausser harmlosen Busenbildern auch wueste Folteranleitungen und Demonstrationen von Verkehr mit Tieren finden. "Emma" war darueber zurecht empoert, zumal diese Zoten in einem Netz haengen, das an einigen deutschen Universitaeten verbreitet ist, etwa in Leipzig, Berlin, Freiburg, Stuttgart oder Ulm. Der Ulmer Frauentreff hatte Uni-Rektor Wolfgang Pechhold deshalb umgehend aufgefordert, die Bildschirme auf dem Eselsberg fuer die Pornos sperren zu lassen. Pechold kam diesem Wunsch nach, denn was da zu sehen sei, "ist kriminell und im hoechsten Masze beleidigend". So wurden im Rechenzentrum alle 21 Positionen mit dem Such- begriff "Sex" geloescht. Hans Peter Grossmann, der Leiter des Rechnenzentrum, ist ueber diese Eilentscheidung nicht ganz gluecklich. Keineswegs deshalb, weil er fuer Brutalo-Pornos waere. Im Gegenteil. Er sei zwar ein sehr liberaler Mensch, sagte er auf Anfrage der SUEDWEST-PRESSE, aber "ich bin sehr streng bei Dingen, die strafbar sind". Aber nicht alles, was bei Usenet unter der Rubrik Sex gespeichert sei, sei harte oder gar verbotene Pornografie. Viele Reaktionen von Studenten zeigten, das es sich hier offenbar auch um Programme von erheblichen Informationswert, handle. Deshalb haette man etwas differenzieren sollen. Noch entschiedener vertritt diesen Standpunk der Chemie- student Ulli Horlacher, der als "Hiwi" (Hilfswissenschaftler) im Rechenzentrum jobbt. Keiner kennt sich so bei Usenet so gut aus wie der Student im 13. Semester (*HUST* :-) Anmerkung der Tipperin :-) ), der den "Emma"-Artikel "zu 95 Prozent falsch" findet. Zwar schliesst er nicht aus, das die angegriffenen Beitraege bei Usenet gespeichert waren. Als er das Programm aufgrund der Publikation durch gelesen habe, habe er allerdings nichts entdecken koennen, was die ganze Aufregung rechtfertige. Moeglicherwise seien die harten Haemmer bereits geloescht gewesen, denn was nicht extra archiviert wird, verschwindet nach 3 Tagen. Auch sei an der Uni Ulm nicht das ganze Angebot zu bekommen. Wuetend ist Horlacher aber darueber, das "Emma" nur die Maenner angeschossen habe. Ihm haetten sogar Kommilitoninnen gesagt, das sich auch Frauen Folterpornos ansehen. Das eigentliche Aergernis liegt nach Ansicht des Computercracks aber darin, das durch die Anordnung des Rektors auch der Zugang zu vielen Informationen ueber Verhuetung oder Aids und eine wichtige Kommunikationsmoeglichkeit fuer Randgruppen und alle, die sich fuer Sex interessieren, verbaut worden sei. An keiner andere n Uni sei man so restriktiv gewesen. Durch Vertippen konnte jedenfalls niemand in den schluepfrigen Zonen von Usenet landen. Das demonstrierte Horlacher uns gestern im Rechenzentrum. Wer diese Programme anschauen oder lesen wollte, musste das System gut beherrschen und die Bilder "entschuesseln" koennen. Das merkte Horlacher auch daran, das er nach dem Emma-Artikel von einem knappen Dutzend Studenten gefragt wurde, wie diese Entschuesseln den funktioniere. Das einer der Ulmer Professoren je beim Arbeiten mit Usenet auf pornografische Abwege geraten ist, haelt der Chemiestudent fuer ziemlich ausgeschlossen, denn ausser den Leuten vom Rechenzentrum und den Informatikern blicke doch keiner bei dem System durch. Grossmann gibt auch zu bedenken, das die Pornografie durch das Loeschen der Zugange nicht ausgeraeumt sei. Denn es muesste nur jemand den Suchbegriff aendern, und schon waere das Verbot nicht mehr zu kontrollieren. Ausserdem brauche man nicht zwingend die Uni-Leitungen, um Usenet zu empfangen. Im Prinzip sei das mit jedem PC moeglich, sofern man ueber ein Modem und einen Zugang verfuege. Vor allem aber moechte Professor Grossman nicht, das Usenet ingesamt verunglimpft wird, "denn das ist eine tolle Sache". Dabei handle es sich um ein Netz, das sich selbst organisiert. Der Chef des Rechenzentrums vergleicht es mit einem globalen Schwarzen Brett, dan das jeder seine Bot- schaften haengen koenne. Es bietet eine Fuelle von Informationen in zahlreichen Sparten, angefangen von Kochen ueber Religion und Kultur bis zu den wissen- schaftlichen Disziplinen und Fragen des taeglichen Lebens und "kostet praktisch nix". Auch die Uni nuetze Usenet vor allem wegen den technischen Informationen ueber das System "Unix". Wie Usenet funktioniert, erhellt folgendes Beispiel: Das Rechenzentrum hatte kuerzlich Probleme mit seinem Rechnerpool. Staendig brach der Betrieb zusammen, die Ursache war nicht ausfindig zu machen. Schliesslich hab man bei Usenet eine Beschreibung der Schwierigkeiten ein und bat um Rat. Es kam von vier Seiten, darunter vom beruehmten Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Allein in Deutschland sind Grossmann zufolge 2000 Sparten verfuegbar, bei Amerika schaetzt Horlacher die Zahl auf mindestens 10000. Jeden Monat wuerden 500 Millionen Zeichen - Daten fuer Texte und Symbole fuer Bilder - einfliessen. Entsprechend gross ist auch der Zulauf an "Lesern". Ein wirklich gigantisches, weltumspannendes Netz. /*end of article */ Christa -- Hier war gerade die Chefredaktoese der Suedwest Presse. Morgen steh ich wohl als Ulms geilster Pornokonsument in der Zeitung. (p) Ulli Horlacher, C. Keil--Umv001@Dbnmeb1.bitnet-zotty@guug.de--ccc_keil@rzmain.rz.uni-ulm.de
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