Article View: dnet.mod-ki
Article #452Workshop-Bericht "Raeumliches Wissen"
From: Hans-Werner Hein
Date: Thu, 30 Mar 1989 11:09
Date: Thu, 30 Mar 1989 11:09
326 lines
21155 bytes
21155 bytes
mod-ki message 0230
************************************************************************
Bericht ueber den Workshop "Repraesentation und Verarbeitung raeumlichen
Wissens"
Der erste Workshop ueber "Repraesentation und Verarbeitung raeumlichen
Wissens" fand vom 28.11. - 30.11. in der Carl Friedrich von Siemens
Stiftung auf dem Gelaende des Schlosses Nymphenburg bei Muenchen statt.
An dem Workshop nahmen ca. 40 Personen (von denen zumindest einige nicht
aus dem Bereich der KI kamen) aus den Bereichen KI, Elektrotechnik,
(Computer-) Linguistik, Psycholinguistik, Verhaltensphysiologie und
Neurologie teil. Diese Interdisziplinaritaet wurde von allen Teilnehmern
sehr begruesst.
An den ersten beiden Tagen fanden Vortraege statt und der dritte Tag war
fuer einen Besuch im Max-Planck-Institut fuer Verhaltensphysiologie in
Seewiesen in der Abteilung von Prof. Mittelstaedt vorgesehen.
Im folgenden nun einige Bemerkungen zu den jeweiligen Vortraegen.
Christian Freksa (TU Muenchen) stellte in seinem Vortrag, sozusagen zur
Erinnerung, einige Raumkonzepte der Physik, der Mathematik, der
Psychologie und der Linguistik vor. Fuer die Kognitionsforschung stellt
sich die Frage, wie diese Konzepte fuer raeumliches Argumentieren
repraesentiert werden koennen (als interne Repraesentationen fuer
raeumliches Wissen bei Menschen angenommen werden koennen). Er
erlaeuterte das Workshopthema dahingehend, dass Konzepte zur Darstellung
und Verarbeitung raeumlichen Wissens diskutiert werden sollen, ohne
dabei die sprachliche Realisierung von raeumlichen Konzepten in den
Vordergrund zu stellen.
Im Vortrag von Peter Ruhrberg und Heike Rutz wurde das System KLEIST
vorgestellt, das an der Universitaet Bielefeld entwickelt wurde. Ziel
dieses Systems ist die Generierung von Wegauskuenften. Wesentliches
Merkmal des Ansatzes ist, dass empirische Untersuchungen an einer
Spielstadt durchgefuehrt wurden, um festzustellen, wie Menschen
Wegauskuenfte generieren und um die Textstruktur solcher Auskuenfte zu
ermitteln. Das System verfuegt ueber ein Repertoire von
Teilbeschreibungsplaenen und waehlt zur Generierung einer
Wegbeschreibung mehrere davon aus und generiert den Beschreibungstext.
Ein Weg von A nach B setzt sich aus mehreren Segmenten zusammen. Jedes
Segment kann mit einem Teilbeschreibungsplan verbalisiert werden. Das
Ergebnis dieser Planung ist eine komplexe Beschreibung, die mithilfe
einer LFG-Grammatik in eine entsprechende Oberflaechenstruktur
ueberfuehrt wird.
Michael Mohnhaupt (Uni Hamburg) stellte in seinem Vortrag eine analoge
Repraesentation fuer Ereignisse (z.B. abbiegen, ueberholen, etc.) vor.
Zur Darstellung von Trajektorien wird dabei ein vierdimensionales
Zaehlerfeld verwendet. Die Koordinaten sind die x, y-Koordinate in einem
rechtwinkligen System, die beobachtete Geschwindigkeitsrichtung und der
beobachtete Geschwindigkeitsbetrag. Teilt man nun diesen
Beobachtungsraum in Zellen auf und ordnet jeder Zelle einen Zaehler zu,
so kann angegeben werden, wie oft die Trajektorie eines Objektes mit
einer Zelle zusammenfaellt. Ausgehend von dieser Repraesentation wird
nun versucht von konkreten Trajektorien zu abstrahieren
(generalisieren), um zu prototypischen Trajektorien fuer bestimmte
Bewegungen zu gelangen. Dies kann von der Szenenanalyse dahingehend
ausgenutzt werden, dass zur Erkennung eines Abbiegevorgangs nicht mehr
die gesamte Trajektorie analysiert werden muss, sondern ueberpruefbare
Voraussagen ueber den weiteren Verlauf gemacht werden koennen. Dieser
Ansatz strebt eine gemeinsame Repraesentation von perzeptuellen und
kognitiven Prozessen an.
Ellen Hays (Gastwissenschaftlerin von der University of Pittsburgh, z.Z.
Uni Saarbruecken) ging in ihrem Vortrag auf die Frage ein, wie eine
Repraesentation fuer Bewegungsverben und Praepositionen aussehen
koennte. Ein Hauptproblem bei der Erstellung einer solchen
Repraesentation ist die Tatsache, dass die Merkmale, die den Gebrauch
von Fortbewegungsverben und Praepositionen steuern multidimensional
sind, d.h. sowohl syntaktische als auch semantische, pragmatische und
perzeptuelle Merkmale beeinflussen den Gebrauch dieser Wortarten. Sie
schlug vor, zuerst mit einer Objekttaxonomie anzufangen und dann weitere
Merkmale nach Bedarf hinzuzufuegen.
Marie-Luise und Horst Mittelstaedt (Max-Planck-Institut, Seewiesen)
zeigten in ihrem Vortrag eindrucksvoll, dass zur Erklaerung der
Navigationsfaehigkeit von Lebewesen keine interne raeumliche
Repraesentation angenommen werden muss, sondern dass die Orientierung
durch ein selbstreferentielles System stattfinden kann. Dazu werden nur
mehrere Integratoren benoetigt. Sie wiesen in ihrem Vortrag nochmals auf
die in der Psychologie hinreichend bekannten Ergebnisse aus der
Wahrnehmung hin. Dort wird Wahrnehmung als ein aktiver Prozess
betrachtet, der darin besteht, Wahrgenommenes mit vorgefertigten Mustern
und mit Erwartungen zu vergleichen, um zu einem Aehnlichkeitsmass mit
etwas Bekanntem oder zu einer Identifikation zu gelangen. Das bedeutet
insbesondere, dass unsere Raumerfahrung in frueher Kindheit erlernt wird
und unsere interne Repraesentation von vielen Faktoren waehrend dieser
Lernphase gesteuert wird.
Reinhard Koy-Oberthuer berichtete von einem Projekt, das an der TU
Clausthal-Zellerfeld durchgefuehrt wird. Dort wurde eine Konturkamera
entwickelt, die Blinden als Hilfsmittel dienen soll. Damit die von der
Kamera detektierten Kanten (Konturen) von den Blinden auch wahrgenommen
werden koennen, wurde ein ringfoermiger Geber konstruiert, der um den
Unterarm getragen wird. Bei gegebener Orientierung des Unterarmes
liefert der Geber einen Reiz an der Stelle, die der Orientierung der
gefundenen Kante entspricht. Voraussetzung fuer das korrekte Erfahren
der Kanten ist auch, dass die Kamera eine feste Orientierung besitzt
(das wurde durch Benutzung eines Stativs sichergestellt). Das
Hauptproblem bei der Interpretation der Daten besteht darin, dass keine
Tiefeninformation geliefert wird (an einer Kopplung der Kamera mit einem
Laserentfernungsmesser und angemessenem Geber wird zur Zeit gearbeitet),
so dass schraege Kanten, die in der Wirklichkeit zu einem rechteckigen
Objekt gehoeren (man denke an eine geoeffnete Tuer, bei der die obere
Kante dann schraeg verlaeuft) nicht wahrgenommen werden. Untersucht
werden Konturabfahrstrategien, sowie Erwartungen ueber den weiteren
Verlauf einer Kontur. Zwei verschiedene interne Repraesentationen bei
Blinden wurden unterschieden: eine Gesamtrepraesentation, die nur bei
spaeter erblindeten Personen vorhanden ist und die
Routenrepraesentation, die nur gelernte Verbindungen zwischen Orten
enthaelt, nicht umkehrbar ist und der Person auch keine Umwege erlaubt.
Im Vortrag von Gudula Retz-Schmidt und Gerd Herzog (Uni Saarbruecken)
wurde zuerst das gesamte VITRA Projekt vorgestellt, wobei auch ein neues
Projekt erwaehnt wurde, das am DFKI angesiedelt sein wird: WIP -
wissensbasierte Informationspraesentation. An diesem Projekt arbeiten
zur Zeit Thomas Rist und Elisabeth Andre. Gerd Herzog stellte die
Systemarchitektur von SOCCER vor, einem System zur simultanen
Beschreibung von Fussballszenen. Der wesentliche Unterschied von SOCCER
zu einem System wie NAOS, bei dem auch Szenenfolgen beschrieben werden,
liegt darin, dass bei SOCCER nicht alle Ereignisse bekannt sind, wenn
mit der Verbalisierung begonnen wird. Fuer das System wurde daher eine
inkrementelle Ereigniserkennung realisiert.
Sabine Mueller (Uni Saarbruecken) beschrieb in ihrem Vortrag das System
CITYGUIDE, das ebenfalls im Kontext von VITRA entstand. Dieses System
ist eine Weiterentwicklung von CITYTOUR, bei dem es im wesentlichen um
die Verarbeitung raeumlicher Ausdruecke ging. CITYGUIDE generiert
Wegbeschreibungen von Ort A nach Ort B in der CITYTOUR Domaene. Dazu
wird aus der CITYTOUR Darstellung der Saarbruecker Innenstadt ein
Wegegraph erzeugt, bei dem es verschiedene Kantentypen gibt, fuer
Fussgaenger, Pkws, etc. Die kuerzeste Verbindung zwischen zwei Orten
wird mithilfe von Dijkstra's Algorithmus zur Wegfindung berechnet. Damit
der gefundene Weg verbalisiert werden kann, sind Schemata fuer die
Verbalisierung von Wegabschnitten als Datenstruktur im System abgelegt.
Die tatsaechliche Verbalisierung findet dann durch Instantiierung dieser
Schemata statt.
Joerg Schirra (Uni Saarbruecken) behandelte in seinem Vortrag die
Motivation fuer ANTLIMA, eine Visualisierungskomponente fuer das SOCCER
System. Diese Komponente soll das System in die Lage versetzen, sich
Vorstellungen von den eigenen Aeusserungen zu machen, um die
Verbalisierung geeignet zu steuern. Da der Begriff Vorstellung in der
Philosophie schon belegt ist, versuchte er zu motivieren, dass ein
System, das sich Vorstellungen macht oder dem Vorstellungen
zugeschrieben werden koennen als ein kognitives System aufgefasst werden
muss.
Bernd Tischer (Uni Muenchen) diskutierte psycholinguistische Experimente
zur Verarbeitung richtungsraeumlicher Objektrelationen. Den
Versuchspersonen war dabei jeweils ein Bild, das eine raeumliche
Relation zwischen zwei Objekten darstellt und ein Satz als Stimulus
dargeboten worden. Die Relationen waren auf/unter, vor/hinter und
rechts/links. Zu jedem Bild existieren vier Saetze, zwei beschreiben die
Relation korrekt und zwei sind falsch. Wird auf einem Bild z.B. A rechts
von B dargestellt, so lauten die vier Saetze:
A ist rechts von B.
B ist links von A.
A ist links von B.
B ist rechts von A.
Gemessen wurden nun Verifikationszeiten fuer einen Satz 'A ist --_ von
B', differenziert nach den sechs Praepositionen und den sechs
Darbietungsarten: zuerst Satz, dann Bildwahrnehmung; zuerst Bild, dann
Satzwahrnehmung; simultane Darbietung von Satz und Bild; sequentielle
Darbietung von Satz und Bild; sequentielle Darbietung mit
visuell-raeumlicher Repraesentation des Satzes / mit verbaler
Repraesentation des Bildes. Ein interessantes Ergebnis ist, dass bei
rechts/links Symmetrie vorliegt und keine ausgezeichnete Richtung oder
Orientierung wie bei vor/hinter eine Rolle spielt. Bei Anweisungen,
Gegenstaende zu plazieren, ist die vertikale Dimension weniger mit
Fehlern behaftet als die laterale und horizontale Dimension. Bei den
Aufgaben, bei denen auch Saetze erzeugt werden sollten, faellt auf, dass
das kleinere Objekt praeferiert in Subjektposition verbalisiert wird.
Wolfgang Hoeppner (EWH Koblenz) berichtete in seinem Vortrag vom Projekt
KOBW, das universitaetsintern durchgefuehrt wird. Ziel des Projektes ist
die Konzeption eines Systems, das im Bereich eines Stadtgebietes
optimale Wege und adaequate Wegbeschreibungen erzeugt. Die Interessen,
die mit dem Projekt verfolgt werden, sind: Repraesentationen fuer Bild
und Sprache, Kriterien fuer die Praesentation einer adaequaten
Wegbeschreibung und die Praesentation selbst durch Sprache und Bild. In
diesem Projekt soll auch versucht werden, Kriterien fuer die
Mitteilbarkeit eines Weges in Abhaengigkeit von seiner Beschreibbarkeit
zu entwickeln Manche Wege werden vom Auskunftgebenden deshalb nicht
genannt, da er merkt, dass die Beschreibung so kompliziert ist, dass sie
kaum verstanden werden kann. Christopher Habel steuerte ein Beispiel aus
seiner Erhebung von Wegauskuenften in Trier bei, bei dem der
Auskunftgebende seine Beschreibung mit den Worten beendete: 'Das finden
Sie nie'. Wolfgang Hoeppner stellte folgende Annahmen vor, die vom
System getroffen werden koennen, wenn jemand nach dem Weg fragt:
die Zeit ist 'jetzt';
es wird nach einem bestimmten Verkehrsmittel gefragt;
der Fragende moechte auf die angenehmste Art zum Ziel gelangen;
der Weg soll leicht merkbar sein;
der Weg soll leicht verifizierbar sein.
Das bedeutet insbesondere, dass bei einer zu gebenden Auskunft nicht
alle moeglichen Wege betrachtet werden. Weiterhin soll modelliert
werden, dass Attribute eines Weges dynamisch sein koennen (eine
Landmarke fuer einen Weg kann Nachts eine andere sein als tagsueber).
Untersucht werden muss auch was eindeutig merkbar ist.
Erwin Prassler (TU Muenchen) stellte in seinem Vortrag ein
konnektionistisches Modell zur parallelen Wegsuche vor. Im Gegensatz zur
sequentiellen Wegsuche, bei der die obere Schranke O(n*n) ist, ist bei
der parallelen Suche die Schranke O(n). Versuche mit der Simulation
eines Netzwerkes mit 400 Knoten haben dies bestaetigt. Im Schnitt war
ein Netz mit 400 Knoten nach 200 Schritten in einem stabilen Zustand.
Die Versuche zeigten, dass in 85 Prozent der Faelle das Netz nach 2d
Schritten stabil war (mit d = Distanz zwischen Start und Ziel). Probleme
treten an den Raendern des Netzwerkes auf. Das Relaxationsverfahren
fuehrt dazu, dass Wege in der Naehe der Raender zu diesen hingezogen
werden. Auch in diesem Modell koennen Teilpfade angegeben werden,
problematisch ist dann jedoch das Einsammeln der Teilpfade, die den
gesamten Weg ausmachen.
Anton Hartl (TU Muenchen) beschaeftigte sich in seinem Vortrag ebenfalls
mit dem Finden von Wegen in staedtischen Umgebungen. Sein Hauptaugenmerk
richtete er auf die Beachtung kognitiver Karten und die Repraesentation
von Unschaerfe. Ziel ist die Repraesentation unscharfen
Richtungswissens. Dazu werden z.B. die Richtungen an einer Kreuzung nur
relativ zueinander und nicht in Absolutbetraegen angegeben. Somit
entsteht ein Netz aus Richtungen und Beziehungen dazwischen, das die
Freiheitsgrade der einzelnen Richtungen einschraenkt. Angestrebt ist
eine Verallgemeinerung dieser Repraesentation auch auf Entfernungen und
eine Anwendung auf die Wegplanung.
Mohammed Khenkhar (Uni Hamburg) stellte ein formales Geruest fuer die
Repraesentation von Depiktionen als Zellmatrizen dar. Nach Kosslyn sind
Depiktionen mentale Vorstellungsbilder. Im Vortrag wurde vorgestellt,
wie Depiktionen in das Konzept der Referentiellen Netze von Ch. Habel
integriert werden koennen, das eine objektorientierte Repraesentation
darstellt. Mohammed Khenkhar gab eine formale Definition der beiden
grundlegenden Prozesse, die auf Depiktionen arbeiten: Imagination und
Inspektion. Imagination ist der Prozess, der aus sprachlichen Eingaben
Depiktionen erzeugt und Inspektion derjenige, der Depiktionen auf das
Vorhandensein spezieller Eigenschaften hin untersucht (z.B. ob ein
Objekt A vor einem Objekt B ist). Depiktionen haben skizzenhaften
Charakter, d.h. man legt sich beim Erstellen einer Depiktion auf eine
bestimmte Groesse der Objekte fest und auch auf eine topologische
Anordnung. Untersucht werden muss, inwieweit Prototypen von Objekten
fuer Depiktionen genutzt werden sollen.
Simone Pribbenow (Uni Hamburg) stellte dar, wie und welche Informationen
ueber die raeumliche Lage von Objekten aus Praepositionalphrasen
mithilfe propositionaler Darstellungen gewonnen werden koennen.
Weiterhin zeigte sie, dass auch bei propositionaler Darstellung ein
Regelmechanismus aufgestellt werden kann, der die Ableitung einer 'bei'
Beziehung aus einer sprachlich gegebenen 'an' Beziehung erlaubt. Die
Hauptfrage, auf die allerdings noch keine Antwort gegeben werden kann,
ist die nach der Interaktion von propositionaler und depiktionaler
Darstellung. Von Kosslyn wurde hierzu das 'Race' Modell vorgestellt, das
besagt, dass zur Loesung eines Problems beide Repraesentationen und
Verarbeitungsmechanismen parallel benutzt werden und derjenige das
Ergebnis liefert, der zuerst zu einem solchen kommt.
Im letzten Vortrag ging Christoph Schlieder (Uni Hamburg) von
sprachlichen Beschreibungen von Ansichten aus ('der Fernsehturm ist
rechts von der Kirche') und strebte ebenfalls eine bildhafte
Repraesentation an, die der Orientierung an Landmarken dienen soll.
Dabei geht es um die Abbildung der Lagebeziehung von Objekten und die
Simulation von Ansichten. Angestrebt ist eine Repraesentation
angesiedelt zwischen metrischer und topologischer Repraesentation.
Ausgangspunkt fuer seine Betrachtungen ist der geometrische
Anordnungsbegriff.
Zum Schluss des Workshops fand eine gemeinsame Diskussion statt, die
sich an Zusammenfassungen von Ch. Habel und Herrn Kriechbaum von der
Neurologischen Universitaetsklinik in Tuebingen anschloss. Von den
beiden Zusammenfassungen hier nur die wichtigsten Punkte.
Christopher Habel hob noch einmal hervor, dass man sich mit dem
Raumproblem auch immer das Zeitproblem einhandelt. Er schlug deshalb als
Forschungsstrategie vor, sich zuerst mit statischen raeumlichen
Relationen zu beschaeftigen, da man dann das Zeitproblem ausser acht
lassen kann. Eine zentrale Stellung nimmt seiner Meinung nach die Frage
nach den Repraesentationsformaten fuer raeumliches Wissen ein, da
bekannt ist, dass propositionale Formate fuer einige Zwecke inadaequat
sind. Ein weiteres wesentliches Problem bei der Verarbeitung raeumlichen
Wissens stellt die 'closed-world vs. open-world Annahme' dar. Ist es so,
dass die Repraesentationsformate fuer closed-world und open-world
propositional bzw. depiktional sind? Eine der Aufgaben besteht darin,
fuer diese Frage Entscheidungshilfen
zu finden.
Herr Kriechbaum fuehrte ein Beispiel aus der Neurophysiologie an, das
verdeutlichen sollte, dass die Prozesse beim Sprachverstehen und beim
Produzieren von Sprache nicht dieselben sind. Einem Patienten wurde
eine Skizze vorgelegt, auf der eine Sonne, ein Liegestuhl, eine Palme
und Wasser zu sehen war und er wurde gebeten zu sagen, welche
Gegenstaende auf dem Bild seien. Er konnte diese Frage nicht
beantworten, sondern hoechstens nach einiger Zeit sagen: 'Irgendwo im
Sueden'. Bat man ihn jedoch, eine Palme, einen Liegestuhl und die
anderen Gegenstaende zu zeichnen, so war ihm dies ohne weiteres
moeglich. Weiter fuehrte er noch aus, dass die Neurophysiologie nichts
ueber Kognition aussage und dass Repraesentationen natuerlicher Systeme
'evolutionsgetestet' sind.
Am Mittwoch Vormittag fand eine Exkursion nach Seewiesen zum
Max-Planck-Institut fuer Verhaltensphysiologie, Abt. Prof. Mittelstaedt
statt. In diesem Institut werden verschiedene Menschen- und Tierversuche
zur Ermittlung des Navigationsverhaltens bei Lebewesen gemacht. Mehrere
der Workshopteilnehmer nahmen aktiv an den Versuchen teil. Besonders
hervorzuheben ist hier der Einsatz von Gerd Herzog, der sich in der
Horizontalen um seine Laengsachse rotieren liess und dabei angeben
sollte, wann ihm ein vor ihm auf einem Monitor erscheinender Strich
senkrecht erschien und das bei verschiedenen Rotationsgeschwindigkeiten.
Fuer ihn interessant war, dass sein subjektiver Eindruck seiner Bewegung
ueberhaupt nicht der tatsaechlichen Bewegung entsprach.
Der insgesamt sehr interessante und produktive Workshop fand im Besuch
des Instituts einen hervorragenden Abschluss. Ich moechte den
Veranstaltern (Ch. Freksa und Ch. Habel) und Organisatoren des Workshops
meinen Dank aussprechen. Die Proceedings sollen nach der Einarbeitung
des Gedankenaustausches waehrend des Workshops erscheinen. Obige
Zusammenfassungen der Vortraege sollen einen kleinen Vorgeschmack auf
die Proceedings geben.
Hans-Joachim Novak
IBM Deutschland
Institut fuer wissensbasierte Systeme
Projekt LILOG
Postfach 80 08 80
7000 Stuttgart 80
************************************************************************
Technical Details
Message-ID:
<436@unido.UUCP>Path:
arc1-ca.pugleaf.net!gmdzi!unido!mod-kiShow Full Headers
Complete Article Headers
X-Google-Language: GERMAN,ASCII-7-bit X-Google-Thread: 1684e7,fd522fe42408decc,start X-Google-Attributes: gid1684e7,public X-Google-ArrivalTime: 1989-03-30 04:12:16 PST Path: arc1-ca.pugleaf.net!gmdzi!unido!mod-ki From: mod-ki@unido.UUCP (Hans-Werner Hein) Newsgroups: dnet.mod-ki Subject: Workshop-Bericht "Raeumliches Wissen" Keywords: Berichte Message-ID: <436@unido.UUCP> Date: 30 Mar 89 11:09:05 GMT Reply-To: unido!DS0LILOG.BITNET!NOVAK Distribution: dnet Organization: Institut fuer Roboterforschung (IRF), Uni Dortmund Lines: 326 Approved: mod-ki@unido.UUCP (Hans-Werner Hein) Posted: Thu Mar 30 12:09:05 1989 To: mod-ki@unido.uucp