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Article #203Der Datenraub, Teil I
From: Joerg Anslik
Date: Thu, 02 Jan 1992 17:12
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-- * In eigener Sache: ich entschuldige mich hiermit fuer das Umlaut-Chaos im "Anwender"-Text und verspreche, diese in Zukunft vor dem Absenden zu kon- vertieren. Weiterhin werde ich mich, um meine Schuld zu suehnen, taeglich bis zum 15.01.1992 sechzig Minuten lang mit meinem RS-232-Kabel geisseln. * Wer den "Anwender"-Text ohne Umlaute haben will, der kann mir ja Bescheid sagen. Ich wollte ihn nochmal hier ablegen, aber hinterher werde ich wieder angemacht, weil ich Sachen zweimal poste. Ihr seid ja alle so gemein! ;-) * Prost! ============================================================================== ===== ===== ===== Der Datenraub ===== ===== ===== ===== Ein Kriminalstueck nach einem Roman von Agatha Christeee ===== ===== ===== ===== TEIL I ===== ===== ===== ============================================================================== Die Personen: - Kurt Kackmann, Kommissar des Koelner Datendezernates - Hansi Frueh, Assistent von Kommissar Kackmann - Magic "Bytelord" Ceee, Student der Philosophie und Wirtschaftsinformatik - Die Rockerbande "Hell's Harddisks": "Uncle" Tom Becker, Chef der Bande "The Duke", Faelscher und Hersteller zweitklassiger Plagiate Frodo, Intellektueller und Gruendungsmitglied Karsten "Kicket", Bandendepp Udo Werner, Mitlaeufer - Udo Schroeder, Agent der AOK im Aussendienst - Stefan "SAL" Brain, Strohmann an der Universitaet Koeln - Rudolf Schnee, Betreiber eines illegalen Datenbanksystems ------------------------------------------------------------------------------ Erstes Buch Kapitel I Ganz Koeln erstarrte in den ersten Novembertagen des Jahres 1991 in der eisigen Umklammerung des nahenden Winters. Noch war kein Schnee gefallen, doch die schmutziggrauen, tiefhaengenden Wolken verhiessen nichts Gutes und verbreiteten eine traurige Stimmung von Melancholie, die auf die Menschen dieser Stadt abzufaerben schien. Fast pausenlos regnete es, so dass der Rhein, der waehrend des heissen Sommers einem Rinnsal glich, sich nun in seinem Bette breitmachte und nur darauf zu warten schien, wieder einmal ueber die Ufer treten zu koennen, um den Menschen, die ihn seit Generationen vergifteten, ihren Unrat wieder vor die Haustueren spuelen zu koennen. Das nasskalte Wetter hielt die Menschen in ihren Haeusern und Wohnungen zurueck, nur diejenigen, die arbeiten mussten oder vorweihnachtliche Einkaeufe machten, stapften dick vermummt durch die nebligen Strassen, die mit ihren nassen Fassaden und dem von einem Teppich faulender Blaetter bedeckten Asphalt den trueben Charakter dieser trueben Jahreszeit noch unterstrichen. Alle Parks und Gruenanlagen waren wie vom feuchten Wind leergefegt; nur hier und da sass ein Rentner mit dickem Mantel einsam auf einer verwitterten Bank, nachdenkend oder in Ruhe ein Kreuzwortraetsel loesend. Mit dem Abschied des Sommers verschwand auch das Lachen und Schreien der herumtollenden Kinder aus der Stadt, die jeden Tag mit ihren Eltern in den Botanischen Garten oder den Zoo kamen, um frische, warme Luft in ihre Lungen zu saugen und der vom Sonnenlicht entwoehnten Haut ein wenig Grossstadtbraeune angedeihen zu lassen. Jung und Alt lebten dann friedlich miteinander bei der Begegnung in einer der zahlrei- chen Oasen der Stadt, nickten sich freundlich zu und gruessten sich, und nie- mand regte sich auf, wenn ein spielendes Kind Laerm machte. All dies schien nun bereits weit in der Vergangenheit zu liegen, und die Herz- lichkeit der Menschen wich einer dumpfen Aggressivitaet, die jedoch nur selten zutage trat, auch wenn man sich zuweilen auf der Strasse unbeabsichtigt anrem- pelte, wenn man den Kopf tief in den Kragen gesenkt und den Blick auf den Buergersteig geheftet hatte, um nicht permanent durch die Pfuetzen zu laufen. Jeder war froh, wenn er nicht im Freien sein musste, sondern in molliger Waerme daheim oder auf der Arbeit war. Nicht anders ging es Kurt Kackmann, als er an diesem Morgen sein Buero betrat und ueber die kleinen Pfuetzen schimpfte, die seine nassen Schuhe auf dem Linoleumboden hinterliessen. Seufzend liess er sich auf seinem von den langen Jahren abgenutzten Stuhl nie- der und rieb sich noch leicht froestelnd die klammen Haende, als sein Assistent, Oberinspektor Hansi Frueh, mit einer Tasse dampfenden Kaffees das Buero betrat, wobei er wie immer vergass, vorher anzuklopfen. Kommissar Kack- mann, der versunken aus seinem Fenster auf die kahlen Baeume geschaut hatte, zuckte unmerklich zusammen, als sein Assistent ihn so aus seinen Gedanken riss. "Herrgott nochmal, Frueh! Wie oft soll ich Ihnen noch sagen, dass Sie gefaelligst klopfen sollen, bevor Sie hereinkommen? Geht das denn nicht in Ihren kahlgeschorenen Kopf, verdammt nochmal? Egal. Was gibt's denn heute? Irgendwelche Ueberfaelle auf Computerlaeden? Mord an einem Programmierer? Na?" "Noe, nix. War ziemlich ruhig letzte Nacht, so wie's aussieht. Nur'n paar Punks haben 'ner alten Frau ihre Handtasche mit vier Originaldisketten aus der Hand gerissen, als Sie bei Vobis am Barbarossaplatz aus der Tuer kam. 'n Taxi- fahrer von der anderen Strassenseite hat die Typen dann mit'n paar Kollegen in der Kyffhaeuser geschnappt und sie hergebracht. Schmitz verhoert sie gerade." "Wird auch nicht gross was bringen. Die kriegen dann 'n paar Sozialstunden in 'nem Rechenzentrum verpasst und laufen dann wieder frei 'rum. Zum Kotzen. Aber immer noch besser als diese sinnlosen Verfolgungsjagden in den Datennetzen, wo wir am Ende eh nur unsere Rechner zu Schrott fahren und die Typen sich in ihrem Gehaeuse dann halb tot lachen. Echt'n Scheissjob, das koenn'se mir glauben. Miese Bezahlung, zu wenig Hauptspeicher, veraltete Modems und vor jedem Login erstmal 'n Stapel Formulare, damit die Typen in der Verwaltung sich beim Eingeben der Daten einen auf ihr Kalkulationsprogramm 'runterholen koennen." "So sieht's aus! Naja, hol's der Teufel. Lieber 'n lauen Job als vor lauter Stress Pickel am Arsch, ist doch so." "Adrenalin, Junge! Adrenalin! Ich brauch' mal wieder was fuer'n Kreislauf! Meine Alte noergelt sowieso schon mit mir 'rum, von wegen 'traeger Sack' und so. Ich werd' wohl mal dem Rudlowski vonner Mordkommission 'n paar Raubkopien abdruecken, damit er dann die Anklage wegen Mordes gegen mich fallen laesst, wenn ich mein treues Eheweib demnaechst in's NIL kopiere! Haehae! Koestlich, was?" ------------------------------------------------------------------------------ Kapitel II Der Neubau in der Froebelstrasse sah aus wie alle anderen Neubauten Koelns auch; unscheinbar in ihrer auf Funktionalitaet ausgerichteten Bauweise und im Hinblick auf den verfuegbaren Wohnraum nicht gerade ueppig zu nennen, wie dies zum Beispiel bei den modernisierten Altbauten rings um den Botanischen Garten der Fall war. Die Anwohner der Haeuser in der Froebelstrasse gehoerten zum Mittelstand der Bevoelkerung, gingen ihrer geregelten Arbeit nach und genossen nach Feierabend die beschauliche Ruhe ihrer Wohnzimmer, die ihnen gerade jetzt, wo die Tage kuerzer und kaelter wurden, wie eine Oase des Friedens und der Ruhe inmitten hektischer Geschaeftigkeit der Stadt vorkamen. Hier wurde man in Ruhe gelassen, hier passierte nichts Ungewoehnliches. Haetten die Leute von dem gewusst, was sich in unmittelbarer Nachbarschaft zusammenbraute - sie haetten den Glauben an ihr kleines Stueckchen Glueck verloren. Udo Werner ging an diesem Morgen nicht zur Arbeit, sondern meldete sich unter dem Vorwand einer Magenverstimmung krank, die er sich am Telefon durch eine am Vorabend genossene und wohl verdorbene Pizza erklaerte. Als er den Hoerer wieder auf die Gabel legte, schaute er kurz auf seinen Wecker, der neben sei- nem Bett auf dem Nachttisch stand, und beschloss, noch ein wenig im Bett liegen zu bleiben und dann in Ruhe zu fruehstuecken. Er grinste haemisch, als er zurueck in die Kissen sank und sich vorstellte, wie in der Firma nun seine fluchenden Kollegen seine Arbeit zusaetzlich erledigen mussten. Sollten sie doch ruhig ueber ihn schimpfen und herziehen! Lange genug hatte er das Ge- tuschel hinter seinem Ruecken ertragen, als dass es ihn nun noch stoeren koennte. Sollten sie doch nach Feierabend am Stammtisch ihre Witzchen ueber ihn machen! Er, der Versager, wie man ihn zu nennen pflegte, wuerde es ihnen schon bald zeigen. Bald wuerde er soviel Geld besitzen, dass er seinen Computer zur Darstellung der Summe brauchen wuerde. Bald! Bald! Er hasste dieses Wort und konnte es kaum erwarten, bis aus dem Bald das Jetzt wurde. Ein wenig unwohl war ihm schon bei dem Gedanken daran, mit welchen Leuten er es bei der Realisierung ihres "Projektes" zu tun haben wuerde. Konnte man ihnen trauen? Vertrauenswuerdig sahen sie gerade nicht aus, als er sie vor ei- nigen Monaten im Kueppers Brauhaus zum ersten Mal traf. Da war der Kopf der Bande, ein gewisser Tom Becker, von allen "Uncle Tom" ge- nannt, der bereits mehrere Jahre in verschiedenen Haftanstalten verbuesst hatte und staendig damit beschaeftigt war, beim Reden seine Brille mit dem Zeigefinger der rechten Hand nach oben zu schieben. Dann ein zwielichtiger Typ mit Namen "Frodo", was zweifellos ein Pseudonym war und der so aussah, als wuerde er fuer Geld alles tun. Er redete ununterbrochen irgendwelche Sachen ohne jeglichen Zusammenhang und bekam mehr als einmal ein barsches "Halt's Maul, du Idiot!" vom "Uncle" zu hoeren. "The Duke", ein weiteres Mitglied der Bande, war den ganzen Abend ueber recht schweigsam gewesen, doch die wenigen Sachen, die er zum Gespraech beisteuerte, ueberzeugten Udo Werner davon, dass er es hier mit einem eingebildeten Grossmaul zu tun hatte, das fest davon ueberzeugt war, alles besser machen zu koennen. Der letzte Angehoerige jener dubiosen Vereinigung war Karsten, ein ungebildeter Prolet mit erheblichen Sprachstoerungen, der noch nicht einmal in der Lage war, seinen eigenen Namen auszusprechen und stattdessen immer nur etwas ueber die Lippen brachte, was wie "Kicket" klang. Und mit diesen Leuten hatte er sich eingelassen! Mehr als einmal hatte er sich gefragt, ob er denn noch bei Sinnen war, als er sozusagen das fuenfte Mitglied der "Hell's Harddisks" wurde und vorschlug, alle weiteren Treffen in seiner Wohnung abzuhalten. War dies schon strafbar? Konnte man ihn belangen, weil er vorbestrafte Leute in seinen vier Waenden empfing? Sicher nicht, doch sein Wissen um den von ihnen verfolgten Plan stellte ihn mit diesen Leuten auf eine Stufe und hatte wohl kaum strafmildernde Umstaende. Die Angst, dass bei der Ausfuehrung ihres Planes etwas schiefging, liess ihn seit dem ersten Treffen nicht mehr los. Sicher, der Plan war gut - aber wuerde die Theorie mit der Praxis schritthalten? War nicht doch irgendwo eine kleine Unebenheit, die, nicht beachtet, sich zum riesigen Stolperstein entwickeln wuerde? Er schuettelte den Kopf, als wolle er auf diese Weise die trueben Gedanken verjagen und stand dann - nun schon zum zweiten Mal an diesem Morgen, wie er belustigt feststellte - auf, schluepfte in seine Pantoffeln und ging in Kueche, wo er bei heissem Kaffee und Toast mit Honig seine Stimmung ein wenig aufbessern wollte. Zum Glueck hatte er es nicht eilig, der ganze Tag stand ihm zur Verfuegung, bevor dann am Abend das letzte Treffen vor ihrem grossen Schlag stattfinden sollte. Verdammt, worauf hatte er sich da nur eingelassen! ------------------------------------------------------------------------------ Kapitel III An der Universitaet waren, wie immer, wenn das Semester im Gange war, nicht nur die Hoersaele, sondern auch die Parkplaetze hoffnungslos ueberfuellt. Das stellte auch Magic Ceee, Student der Philosophie und der Wirtschaftsinforma- tik (eine Faecherkombination, die ihm bei der Einschreibung unglaeubige Blicke von allen Seiten einbrachte), fest, als er nun schon zum siebten Mal mit sei- nem grossen amerikanischen Wagen um die Haeuserblocks des Univiertels kurvte. Durch die aus der Stereoanlage beruhigend auf ihn einwirkende Bluesmusik ent- schloss er sich, eine weitere Runde zu drehen, anstatt sein Oldsmobile einfach irgendwo entnervt abzustellen. Grosse Wagen mit noch groesseren Motoren waren ja zweifellos ein Segen fuer die Menschheit, verwandelten sich jedoch nach einer durchzechten Nacht und dem daraus resultierenden zu spaetem Aufstehen in einen wahren Fluch. Schliesslich fand er eine kleine Luecke in der Naehe der Mensa, die er jedoch zuvor durch behutsames Wegschieben zweier Muelltonnen unter Einsatz der vorderen Stossstange passend machen musste. Er schaltete die Alarmanlage ein und hastete dann mit grossen Schritten durch den staerker werdenden Regen und kam knapp zu Beginn seiner Vorlesung im Hoer- saal an, wo ihm sein Kumpel und Studienkollege Rolf einen Platz freigehalten hatte. "Oh, der Herr haben sich ueberwinden koennen, uns doch noch mit seiner Anwe- senheit zu begluecken? Wie koemmt's?" "Lass' mich bloss in Ruhe, du Sack! Ich hab 'n Kopf wie 'ne Eckkneipe und jetzt muss ich mir auch noch dein Gelalle 'reinziehen! Tu mir 'n Gefallen - bleib ruhig, sag' nix, sondern beobachte das Volumen meines Kopfes waehrend dieser Vorlesung auf den normalen Level zurueckgehen." "Aeaeh...biste sicher, dass du's dann nachher noch packst hier 'rauszukommen? Ich meine, ohne Kopf?" "Urkomisch, wirklich! Ich mach' gleich unter mich! Welch' koestlich Posse!" "Egal. Pass' mal auf, ich geh' heute abend mit Juergen und Andre auf Zechtour durch Nippes, haste auch Bock drauf? Kommt mal wieder gut nach so langer Zeit, denke ich." "Ist ja auch schon 'ne Woche her, als ihr das letzte Mal abgepumpt habt...nee, lass' mal stecken, ich hab noch genug von gestern." "Na, dann mach doch, was du willst. Ist das jetzt die neue Masche, sich im trauten Heim einen 'reinzuziehen oder was? In letzter Zeit stuerzte ja nur noch unter den Augen deiner Mutter ab! Angst vor Infektionen, oder warum haengste dauernd in der Bude?" "Quatsch, ich programmier' da grade an so 'nem Teil. Wird hoffentlich die Tage fertig, dann koenn' wa mal wieder anstaendig einen abgaffeln, hehe!" "Was'n fuer'n Teil? Immer noch die komische Datenbank?" "Nee, was anderes. Iss ja auch egal." "Immer, wenn du nicht mit der Sprache 'rausrueckst, ist doch was im Busch, und das nahm bisher immer 'n schlimmes Ende! Darf ich dich an dein tolles Forma- tierprogramm erinnern, was nicht nur die eine leere, sondern auch alle anderen Disketten in meinen Laufwerken geloescht hat? Da waren Dokumente drauf, Baby! Hoerst du! Dokumente! Wichtige Texte, die ich nun alle nochmal tippen darf! Ich will gar nicht wissen, was fuer'n Schwachsinn diesmal wieder ansteht!" "Selbst Schuld, was laesste den Kram auch in den Laufwerken. Ich hafte nie fuer durch Dummheit entstandenen Schaden bei der Anwendung meiner Programme. Und jetzt halt' die Klappe, da kommt unser Herr und Meister." ------------------------------------------------------------------------------ Kapitel IV Den Tag verbrachte Udo Werner mit dem Anfertigen illegaler Raubkopien von Pro- grammen, die seiner Meinung nach als Original ihr teures Geld in den wenigsten Faellen auch wert waren. Um sein Gewissen zu beruhigen und die Leute seines Bekanntenkreises von seinem wahren Tun abzulenken, stellte er im Anschluss noch einige andere Programme zusammen, die jedoch von jedem frei vervielfael- tigt und weitergegeben werden durften. Er rief eine Datenbank in Ehrenfeld an, wo er seit Jahren eingetragener Nutzer war und sich durch kontinuierliches Be- reitstellen dieser frei kopierbaren Software einen gewissen Namen gemacht hat- te. Nachdem er die Programme an die Datenbank uebertragen hatte, unterbrach er die Verbindung, um beim "Uncle" anzurufen. Er waehlte die Nummer, haengte jedoch bereits nach der dritten Ziffer wieder ein. Der "Uncle" wuerde sicherlich wie- der einen Tobsuchtsanfall bekommen, wenn er ihn nun anrief. Eigentlich war es ja auch ueberfluessig, schliesslich haette der "Uncle" sich rechtzeitig bei ihm gemeldet, wenn das Treffen nicht stattfinden konnte. Er blickte auf die Uhr. Es war kurz vor fuenf, doch draussen war das spaerliche Tageslicht nach der kurzen Abenddaemmerung der Dunkelheit gewichen, die mit jedem Tag das Ringen zwischen Tag und Nacht ein klein wenig frueher gewann. Was fuer eine Scheisse! dachte er sich, als er sein Arbeitszimmer verliess um noch ein wenig fernzusehen. Er schaltete sich durch saemtliche Kanaele, fand jedoch keine Sendung, die ihn interessierte. Veraergert legte er die Fernbedienung zur Seite, schloss die Augen und reckte sich auf dem Sofa. Was war denn nur los? In der letzten Zeit war er staendig nervoes und reizbar, selbst kleine Dinge brachten ihn auf die Palme, worueber seine Arbeitskollegen sich natuerlich koestlich amuesierten und ihn absichtlich aergerten. Pah! Ueber kurz oder lang koennten die ihn alle mal am Arsch lecken, diese Vollidioten. Wenn er erstmal auf Hawaii oder irgendwo in Brasilien in einer Haengematte liegend kuehle Longdrinks schluerfte, umgeben von kaffeebraunen Schoenheiten, von denen dann jede Nacht eine andere mit ihm sein Himmelbett teilte, dann wuerde er es sein, der ueber die anderen lacht! Vielleicht schrieb er ihnen auch mal eine Postkarte von da, wo er es sich gerade gut gehen und die Sonne auf den Bauch scheinen liess. Ja, dann wuerden sich die Herrn Kollegen aber verwundert anglotzen und jeder wird sagen, dass er schon immer wusste, dass Kollege Werner irgendwann einmal ganz oben steht. Ploetzlich schrak er hoch. Hatte es geklingelt? Ein wenig verwirrt strich er sich ein paar klebrige Haarstraehnen aus der Stirn. Ich muss eingedoest sein! dachte er sich, als er sich erhob und zur Tuer ging, an der nun wieder irgend- jemand wie verrueckt laeutete. Die Wanduhr zeigte kurz nach zwanzig Uhr, kein Zweifel: er war beim Fantasieren und dem Ausspinnen seiner Zukunftsplaene ein- geschlafen, und nun stand sein - hm - "Besuch" konnte man die Typen schlecht nennen - vor der Tuer. Er drueckte auf den Knopf, um die Haustuere zu oeffnen und wenige Minuten spaeter sassen alle "Hell's Harddisks" im Wohnzimmer. "Warum drueckste nicht direkt auf, du Penner? Frier'n uns vor der Tuer die Eier ab, waehrend du dir hier Pornos 'reinziehst! Demnaechst gibt's was auf die Fresse, klar?" - es war der "Uncle", der Udo Werner anschnautzte. "Hoehoe, Fresse hau'n, hoehoe!", grunzte Karsten. "Maul halten jetzt!", zischte der "Uncle", "und zuhoeren. Das ist das letzte Mal, dass wir uns vor dem Coup treffen, also haltet gefaelligst die Schnauze! Wir werden jetzt nochmal den gesamten Zeitplan durchgehen, damit ihr Idioten im entscheidenden Moment keine Scheisse baut. Fein. Also der Ablauf: innerhalb der naechsten Tage - wann genau, wird uns Frodo sagen - wird Magic Ceee eine riesige Anzahl Daten von sich aus per Telefon in den Rechner der Universi- taetsdatenbank uebermitteln. Diese Datenmenge duerfte alles, was bisher ueber die Telefonleitung verschickt wurde, uebertreffen - was bedeutet, dass ihr Wert kaum schaetzbar ist. Unsere Aufgabe ist es jetzt, diese Daten auf unsere Rechner umzuleiten, ohne das Magic Ceee davon was merkt. Geht alles gut, dann verticken wir die Festplatte mit den Daten noch am selben Abend an den SysOp der "Macro", teilen die Kohle und trennen uns auf Nimmerwiedersehen. Soweit alles klar?" "Eine Frage, Chef. Wie bekommen wir 'raus, wann der Transfer stattfindet?" - Der "Duke" hakte hier nach. "Wie gesagt, Frodo gibt uns rechtzeitig Bescheid." "Genau. Ich stehe seit kurzem in intensiven Kontakt mit Magic Ceee und habe mich soweit eingeschleimt, dass er mir sozusagen blind vertraut, oder, wie die alten Lateiner zu sagen pflegten: 'Quidquid agis, prudenter agas et respice finem'. Daher weiss ich, dass er an einem Kriminalstueck - wie witzig, wenn man bedenkt, was wir vorhaben! - schreibt und den Kram in naher Zukunft in der Uni ablegen wird. Da er mich mittlerweile jedesmal um Rat fragt, bevor er et- was abschickt, haben wir natuerlich den Trumpf in der Hand." "So sieht's aus. Weiter also. Sobald wir wissen, wann die Daten uebertragen werden, beginnt Phase zwei des Plans. Hier kommt Karsten in's Spiel: Er wartet an der Kreuzung Innere Kanalstrasse und Zuelpicher als Fernmeldetechniker ge- tarnt neben dem Verteilerkasten. Auf mein Zeichen hin klemmt er die Anschluesse, die zur Uni gehen, auf die Leitung von Udo Werner, der die Daten dann auf Festplatte ablegt und sie anschliessend ausbaut. Ich bring' sie dann direkt zur "Macro" und kassier' die Knete. Wir treffen uns dann alle wieder hier und teilen die Lavunzen. Hol' mal 'n paar Bier, Udo!" ------------------------------------------------------------------------------ Teil 2 demnaechst auf diesem Bildschirm! Bis dann, Magic Ceee 8*) _ _ // Barbarus hic ego sum quia non intellegor ulli. \X/ Anyway, life's a Bratwurst.
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