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Article #490VATICAL(tm) - Die Apokalypse der Programmiersprachen
From: Bernd Stiller
Date: Fri, 07 Apr 1989 14:26
Date: Fri, 07 Apr 1989 14:26
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Im Heyne-Verlag ist unter dem Titel "Denk, Maschine!, Geschichten ueber Roboter,
Computer und kuenstliche Intelligenz" eine Textsammlung von SF-Geschichten,
Gedichten und Auszuegen erschienen, die sich positiv mit dem Thema KI befassen.
Obwohl die Lektuere zumeist nicht lohnenswert ist, fand ich eine Geschichte,
die ich, ohne irgendwelche Rechte verletzen zu wollen, hier anreissen will :
Buelow, Ralf (Hrg): Denk, Maschine!, Heyne Verlag Muenchen, 1988 : "
- V A T I C A L (tm) -
Die Apokalypse der Programmiersprachen
User-Guide
Version 2.0
Allgemeines
VATICAL(tm) erschien im Jahre des Herrn 1983 als Kreation der legendaeren
Haeuser CUSHYWARE & GRADDLERSOFT und erhielt 1984 trotz Bedenken ansonsten gut
informierter Kreise die Serienreife.
VATICAL(tm) ist in der endgueltigen Fassung absolut und vorsaetzlich inkompa-
tibel zu allen bekannten Betriebssystemen, Expertenmeinungen und Prozessoren
und hat, nicht zuletzt deshalb, die allerbesten Marktchancen. Ursrpuenglich
war VATICAL(tm) nahe an Pascal orientiert, jedoch konnte erfreulicherweise eine
Annaeherung an Basic und Fortran erreicht werden, ohne jedoch auf Unzulaenglich-
keiten von Pascal zu verzichten und sattsam bekannte Maengel von Basic und
Fortran zu uebergehen.
VATICAL(tm) ist weder ueber Compiler noch Interpreter lauffaehig, sondern
arbeitet ueber einen Absoluter, welcher im Gegensatz zu schaebigen Forth-Versio-
nen keinen Stapelspeicher besitzt, sondern eine ewige Liste. Letztere kann weder
ueberschrieben noch geloescht werden. Allenfalls der Befehl DOOMSDAY erstellt
eine kommentierte Liste der erfolgten Eingaben und laesst VATICAL(tm) ent-
sprechnede Entscheidungen treffen, die sich nicht unbedingt mit Absicht und
Willen des Benutzers decken muessen.
VATICAL(tm) besitzt verschiedene Schnittstellen. Z.B. wird das Druckerinter-
face ueber PRAY angesprochen. VATICAL(tm) ueberprueft alle Ausgaben an den
Drucker und behaelt sich leichte Korrekturen und Kommentare vor. Mit nicht
gelinder Ueberraschung der Erfinder besitzt VATICAL(tm) auch ein Disketten-
Interface und betreibt dieses ueber die Befehle MISSION und MERCY. Es koennen
ausschliesslich indexgepruefte Holy-Access-Dateien bearbeitet werden.
VATICAL(tm) besitzt einen Default-Index und vermerkt Aenderungen an ihm in der
ewigen Liste. VATICAL(tm) erlaubt den Betrieb von maximal drei Laufwerken,
welche bindend die Bezeichnung FATHER, SON und SAINT haben. Dateien und andere
Files werden grundsaetzlich ueber das Laufwerk SAINT bearbeitet. Das Laufwerk
SON bietet Hilfs- und Utility-Funktionen; das Laufwerk FATHER verwaltet das
Betriebssystem.
Im Gegensatz zu herkoemmlichen meistens veralteten Betriebssystemen kennt
VATICAL(tm) weder Inhaltsverzeichnis noch Sektoren oder Spuren. Der Disketten-
platz wird in sieben Buecher aufgeteilt und jene wieder in zwoelf Kapitel. Die
jeweiligen Inhalte der Kapitel verwaltet das Laufwerk FATHER in der Datei
APOCALYPSE. Selbige wird grundaetzlich und vollstaendig mitgeliefert und erlaubt
dem Benutzer keinerlei Aenderungen. Zu jener Datei nichtkonforme Aufzeichnungen
werden nicht am Bestimmungsort abgelegt, sondern landen in der ewigen Liste.
Befehlsaufbau/ Errorhandling
VATICAL(tm) erlaubt die Befehlseingabe sowohl in lateinischer als auch in eng-
lischer Sprache. Im Folgenden wird jeweils der bekanntere Begriff angegeben;
naehere Uebersetzungshilfen leistet jedes Lexikon.
Nach dem Einschalten des Rechners meldet sich VATICAL(tm) mit einem Cursor +
und erwartet den Aufruf oder die Eingabe eines Programms.
Programme muessen grundaetzlich mit LITURGY: beginnen und mit AMEN. enden.
Im Programm selbst darf nach Lebenslust umhergespungen werden; auf festgelegte
oder zufaellige Labels, auf Zeilennummern und an jede beliebige Stelle einer
Zeile. Sieht man das Programm als beschriebenes Blatt Papier an, so darf mit
VATICAL(tm) praktisch beliebig darauf gesprungen werden - und nicht nur dies -
es darf auch beliebig ueber die Programmgrenzen hinausgespungen werden, was
immer auch dies bedeuten und im einzelenen bewirken mag.
So kennt VATICAL(tm) die Befehle GOLEFT, GORIGHT, GOSUB, GOUP, GODOWN, GOAWAY,
GOHOME, GOASCENSION, GOHELL, GOGO, GOWEST, GOELSE, GOANYWHERE, GONOT und
WAITING FOR GODOT."
...
Autor ist als anonym gekennzeichnet
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Bernd Stiller
Franz-Egon-Str. 25
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