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1 total messages Started by Radio feelings Mon, 19 Dec 1994 20:08
HOME - Thesen zur Zukunft
#6
Author: Radio feelings
Date: Mon, 19 Dec 1994 20:08
136 lines
7609 bytes
BASE.......: rf940014

TITEL......: HOME - Thesen zur Zukunft
QUELLE.....: mimikry
SIGNATUR...: 12/94, S. 4/5
AUTOR......: Dieter Riehl
DATUM......: 941201

===[TEXT]=================================================================
>
>_Thesen zur Zukunft des HOME-Zentrums_  (Hannover)
>

  Zusammenkommen k�nnen ist ja ganz sch�n. Aber der Zustand ist bedroht.  
Nicht von au�en. �u�erlich geht's dem Zentrum und dem Verein HOME so  
blendend, da� Viele geblendet sind. Aber von innen droht Verfall. Durch  
Sorglosigkeit, Routine, Selbstgen�gsamkeit.

>_Selbstverst�ndnis_

  Historisch betrachtet ist das HOME-Zentrum eine Organisation, die R�ume  
bereitstellt f�r verschiedenste Aktivit�ten; welche das sind, obliegt der  
Phantasie der Nutzer/innen. Dies sind nicht nur die Mitglieder des Ver- 
eins, sondern prinzipiell die gesamte schwul-lesbische Szene von Hannover  
und Umland. Diese Funktion ist lobenswert und mu� erhalten bleiben.
  Doch sie allein reicht zur Definition der Eigenart des Zentrums nicht  
mehr aus. Das Zentrum ist eine Dienstleistungseinrichtung geworden, hat  
aber die hierzu n�tigen Strukturen noch nicht entwickelt.

>_Switchboard-Funktion des Zentrums_

  Die offenen Abende sind eine feine Sache und werden gern besucht, auch  
von vielen Nichtmitgliedern. Ungepr�ft ist der Bedarf nach einer nichtkom- 
merziellen Anlaufstelle tags�ber: Tagescaf�, Kontaktb�rse, Mitwohnzentrale  
w�ren hier die Stichworte.

>_Arbeitsvermittlung_

  Es gibt mittlerweile eine erhebliche Zahl emanzipierter schwuler Selb- 
st�ndiger, Firmenbesitzer, Freischaffender. Die Gr�ndung des Verbandes  
schwuler Unternehmer ist ein Indiz hierf�r. Warum sollten diese nicht  
interessiert sein, das HOME-Zentrum als Arbeitsmarkt zu nutzen? Zu der  
Switchboard-Funktion des Zentrums k�nnte die Funktion als halbkommerzielle  
Vermittlungsstelle f�r schwule Arbeitskr�fte kommen. Dies auch unter dem  
Gesichtspunkt, die finanzielle Unabh�ngigkeit des Vereins zu st�rken.

>_Beratungsstelle_

  Die Beratungsstelle ist eine wichtige Errungenschaft und unverzichtbar.  
Aber sie ist nicht Sinn und Zweck des Zentrums, sondern eine unter mehre- 
ren Serviceeinrichtungen. Die Finanzierung dieser Stelle ist eine �ffent- 
liche Angelegenheit, sie geh�rt in eine institutionelle F�rderung �ber- 
f�hrt. Die M�glichkeit, Beratungsgespr�che �ber Krankenkassen abzurechnen,  
sollte nochmals nachhaltig gepr�ft werden.

>_Gruppenkontakte_

  Die verschiedenen, nebeneinander her werkelnden Gruppen brauchen eine  
Vernetzung. Das Einfach-machen-lassen reicht nicht mehr. Es mu� Personen  
geben, deren Aufgabe es ist, zwischen den Gruppen regelm��ige Kontakte und  
Informationen zu vermitteln. Diese Funktion geh�rt fest in den Vorstand  
verankert.

>_Lesben_

  Die F�rderung der Zusammenarbeit zwischen Schwulen und Lesben und die  
unabl�ssige Bem�hung um mehr lesbische Aktivit�ten im Zentrum geh�rt als  
eigenes Ressort in die Arbeit des Vorstands verankert. Die Signalwirkung,  
die eine solche Verankerung haben w�rde, sollte nicht untersch�tzt werden.

>_Die R�ume reichen nicht mehr_

  Der Terminkalender des Zentrums ist eng geworden, jedenfalls was die  
Abende betrifft. Wenn Gruppenaktivit�ten zunehmen, was wir doch hoffen,  
sind die Kapazit�ten bald ersch�pft. Denkbar w�re: Gruppen treffen sich  
tags�ber (schlecht machbar); Ausbau des Kellers (machbar?); gr��ere R�ume  
(vielleicht _mu�_ ja umgezogen werden, wenn der Vermiter n�chstes Jahr den  
Vertrag nicht verl�ngert...).

>_Auftreten in der �ffentlichkeit_

  Der Verein braucht eine institutionalisierte �ffentlichkeitsarbeit, die  
nicht nur reagiert, sondern agiert. Schwule und lesbische Positionen  
m�ssen offensiv, ja radikal vertreten werden. Da� der Paragraph 175  
abgeschafft ist, bedeutet nicht, da� nicht mehr diskriminiert wird. �f- 
fentlichkeitsarbeit hei�t: mit sachlichen Informationen versorgen,  
Forderungen vertreten, sensibilisieren. Die Mittel d�rfen unkonventionell  
sein. Ein Arbeitsauftrag hierzu geh�rt dem n�chsten Vorstand mit auf den  
Weg gegeben.

>_EXPO_

  Wir brauchen _jetzt_ eine Diskussion dar�ber, in welcher Form Hannovers  
Lesben und Schwule auf die Herausforderung EXPO reagieren werden. Man kann  
f�r die EXPO sein (ich z.B. bin daf�r) oder dagegen: stattfinden wird die  
Veranstaltung wohl in jedem Fall, ob mit uns oder ohne uns. Man kann sie  
nutzen, um Anliegen zu pr�sentieren in einer Form, die Aufmerksamkeit  
erregen wird. Wie, w�re zu �berlegen. Vielleicht ein Geb�ude auf dem  
Gel�nde, vielleicht au�erhalb; vielleicht eine Gro�veranstaltung; viel-
leicht eine Veranstaltungsserie. Weil die Beteiligung sich jedenfalls in  
einer Gr��enordnung bewegen m��te, die mehrere Jahre Vorbereitungszeit  
erfordert, bleibt da nicht mehr viel Zeit zum �berlegen.

>_Finanzierung_

  Schwule und Lesben sind offenbar ziemlich kaufkr�ftig. Leider schl�gt  
sich dieses Potential bisher nicht in einer soliden Eigenkapitalbasis des  
Vereins nieder. Von �ffentlichen Geldern unabh�ngig zu sein, bedeutet  
auch, politisch unabh�ngig sein zu k�nnen und niemandem nach dem Mund  
reden zu m�ssen.
  Ernsthaft angegangen werden sollte eine Kampagne f�r Sponsoring- 
Vertr�ge.

>_Mitgliederwerbung_

  Die Stagnation der Mitgliederzahl mu� �berwunden werden. Mittel hierzu  
k�nnten sein: M�glichkeit einer F�rdermitgliedschaft f�r Einzelpersonen  
und Firmen; ein Preisausschreiben als Anreiz f�r die Mitglieder, neue  
Mitglieder zu werben; die Ausschreibung eines Wettbewerbs f�r Gruppen und  
kreative Menschen �ber die witzigste, spritzigste Performance zur Gewin- 
nung von neuen Mitgliedern.

>_Nachsatz_

  Wem die skizzierten �berlegungen unoriginell vorkommen, hat vermutlich  
recht. Aber Originalit�t ist dem Einzelnen nicht gegeben bei f�nf Milliar- 
den Erdenbewohnern (frei nach Arno Schmidt).

Dieter Riehl

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feelings - Das etwas andere Radio. Radio Westfalica: 95,7 und 106,6 MHz
N�chste Sendung: 1. Januar 1995, 18.00 Uhr.
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