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Article #71Re: Wem gehoert der Backbone ?
From: Bodo M. Weiss
Date: Thu, 14 Mar 1996 00:00
Date: Thu, 14 Mar 1996 00:00
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Christa Keil wrote: > > Hallo, > > obwohl ich mit meiner Meinung unter den "Domainverantwortlichen" > von ruhr.de ziemlich allein stehe, und mir zu verstehen gegeben > wurde, das ich mit "Konsequenzen rechnen" muss, moechte ich hier > folgende Frage stellen: > > Hat sich eigentlich schon mal jemand die Frage gestellt, wem > nun der Backbone gehoert ? > > Nicht? > > Nun mir hat sich diese Frage in den letzten Tagen/Wochen des oefteren > gestellt und ich bzw. die Domainverantwortlichen (in Person von Thomas > Neumann, Olaf Klein und mir) haben in den letzten Tagen/Wochen hierzu > keine eindeutige Klaerung finden koennen. > > Die Frage hat sich uns gestellt, nachdem wir von einem Steuerberater > darauf aufmerksam gemacht wurden, wieviel Geld ueberhaupt ueber das > (Geld-)Konto des Backbones laeuft und das wir steuerpflichtig sind > damit. > > Tom, Olaf und ich haben alle moeglichen Rechtsformen ueberlegt und > blieben irgendwann einmal an der GmbH (Gesellschaft mit beschraenkter > Haftung) haengen. > > Irgendwann in den letzten Wochen kamen mir jedoch Zweifel, ob dies > auch wirklich die richtige Rechtsform ist, da wir (die DV's) nach > meinem Rechtsempfinden eigentlich nicht ueber das Vermoegen des > Backbones nach 'Gutduenken' verfuegen duerfen, weil es uns nicht > gehoert, bzw. ich sehe mich eher in der Rolle des Verwalters des > ganzen. > > Daher stellt sich mir nun die Frage: > Wem gehoert der Backbone, und die in der Vergangenheit (und Zukunft) > erworbene Hardware, wem die Vorauszahlungen der Nutzer? > > Gehoert er a) den Domainverantwortlichen? (*) > b) den Backbonebenutzern = Backbonebetreibergemeinschaft? Weil ich mich schon immer nach der Rechtsform des Backbone gefragt habe und ich diese Frage f�r die weitere Entwicklung des Backbone als sehr bedeutsam halte, habe ich versucht mich etwas schlau zu machen. Man k�nnte den Backbone wie einen Tennisverein auch als Verein konstituieren. Wie ein Tennisverein, der f�r ein Klubhaus, Tennispl�tze, Ausr�stung usw. von seinen Mitgliedern Beitr�ge einsammelt, sammelt der Backbone f�r Rechner und IP-Anschlu� Beitr�ge ein. Wichtig, wenn es um die Beitr�ge geht, ist beim e.V. die Gemeinn�tzigkeit. Da aber die kommerzielle Nutzung des Backbone bekanntermassen ausgeschlossen ist, d�rfte das kein Problem sein. Alles wesentliche zu Vereinen ist im BGB �21-�54 geregelt. Man braucht eine Satzung (�25), einen Vorstand (�26) und es mu� im Vereinsregister des Amtsgerichts (�21) ein Eintrag erfolgen. Ich denke allerdings, da� man f�r die Gr�ndung eines Vereins einen Rechtsanwalt einschalten sollte, weil es ja wohl Vereine dieser Art wohl bisher noch nicht so h�ufig gibt, was bei der Genehmigung der Satzungsformulierungen beim Amtsgericht bestimmt zu Schwierigkeiten f�hren d�rfte. Steuerlich betrachtet hat ein Verein den Vorteil, da� die Mitgliedsbeitr�ge nicht versteuert werden brauchen, was es erlaubt niedrigere Beitr�ge zu erheben. Zum GmbH-Vorschlag ist zu sagen, da� dann alle Eigentums- und Verf�gungsrechte bei den Gesellschaftern liegen. Die Frage w�re dann, wer Gesellschafter sein w�rde. Sollte jeder Nutzer des Backbone Gesellschafter sein, m��te bei jeder Neuaufnahme das Handelsregister (�10 GmbHG) benachrichtigt werden, was jeweils ordentlich was kostet. W�rden nur bestimmte Personen Gesellschafter sein, m��te mit den Nutzern ein Nutzungsvertrag abgeschlossen werden. Bei der Gr�ndung einer GmbH mu� 50000.- DM Stammkapital von den Gesellschaftern aufgebracht werden (�5 GmbHG). Allerdings sind auch Sacheinlagen (etwa Rechner) mit Wert in dieser H�he m�glich. Bei der Gr�ndung einer GmbH w�re der Backbone dann faktisch ein kommerzieller Internet-Provider. Jochen Teufel wrote: > > Auch wenn es Christa ehrt, dass sie ueberhaupt b) zur Diskussion stellt, > wuerde ich a) nicht widersprechen - aufgrund folgender Rechnung: > > Thomas sagte einmal, er und Olaf investierten taeglich im > Schnitt vier Stunden fuer den Backbone. Selbst wenn die anderen > Admins nicht einbezogen werden, ergibt sich ein monatlicher > Aufwand von > 2 Personen x 4 h/Tag x 30 Tage/Monat (Durchschnitt) = > 240 "Mannstunden"/Monat > > Thomas und Olaf sind beide "gut qualifizierte Arbeitskraefte", > deren "Wert" auf dem "freien Markt" ich auf mindestens 30 DM/h > schaetze. Demzufolge hat ihre Monatsleistung einen Wert von > 7200 DM. Dieser Betrag ist aus meiner Sicht sehr niedrig gesch�tzt. Generell kann man die derzeitige Situation ja wohl ohne Zweifel so beschreiben, da� alle Backbone-Nutzer von der unverg�teten Arbeit der Admins durch absolut unschlagbar niedrige Internet-Zugangsgeb�hren profitieren. Ich k�nnte gro�es Verst�ndnis daf�r aufbringen, wenn die Admins irgendeine Gegenleistung f�r die Administration bekommen wollten. Die von Jochen Teufel vorgeschlagene L�sung w�rde beinhalten, da� die Administrationst�tigkeit mit dem Eigentum am Backbone verg�tet. Grunds�tzlich ist es aber nicht zwingend, die Eigentumsfrage des Backbones mit der Verg�tungsfrage f�r die Admins zu verkn�pfen. Ein Verein hat auch die M�glichkeit, Leute anzustellen und zu bezahlen (ein vielleicht nicht so ganz treffender Vergleich w�re ein Platzwart eines Golfvereins). So k�nnen die Admins, wenn sie das w�nschen, nat�rlich auch von einem Verein f�r die Administration eine Verg�tung ausgezahlt bekommen. Solch eine L�sung w�rde nat�rlich die Geb�hren der Nutzer deutlich in die H�he treiben. Zusammenfassend kann man wohl sagen: Bei einem Verein hat der einzelne Nutzer mehr Mitbestimmungsrechte, sollen dort aber die Admins verg�tet werden, deutlich h�here Geb�hren. Bei einer GmbH hat ein Nutzer keine Mitbestimmungsrechte und vermutlich niedrigere Geb�hren. Jeder einzelne sollte sich nun fragen, ob ihm Mitbestimmungsrechte oder niedrigere Geb�hren wichtiger sind. Im �brigen ist zu sagen, da� nach meiner Einsch�tzung der Rechtslage die Backbone-Nutzer derzeit keinerlei Besitzanspruch am Backbone haben, weil die Hardware von den Admins gekauft ist. Au�erdem sind sie die IN-Domainverantwortlichen und gegen�ber der Telekom Nutzer der Telefonanschl�sse. Jeder, der vorschlagt einen Verein zu gr�nden, sollte sich bewu�t sein, da� er damit vorschl�gt, den Admins Besitz- und Verf�gungsrechte zugunsten der Backbone-Nutzer abzunehmen, ohne da� die Admins daf�r eine Gegenleistung erhalten. Ich pers�nlich kann mit der derzeitigen Situation, die wie folgt beschreibbar ist: - niedrige Geb�hren bei gutem Service - keine gesetzlich abgesicherte Besitz- und Mitbestimmungsrechte sehr gut leben. Bodo Wei� Herdecke
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