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Started by Redaktion Akin
Sat, 20 Feb 1999 00:00
Glosse: Spiritualitaet und linke Politik
Author: Redaktion Akin
Date: Sat, 20 Feb 1999 00:00
Date: Sat, 20 Feb 1999 00:00
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Aussendezeitpunkt: Sa, 20.02.99, 16:03 *
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Prinzipielles:
> Es rettet uns kein hoeh'res Wesen
Wilde Vermutungen zu einer linken Spiritualitaet
"I've seen the light" (The Blues Brothers)
*
In unserer Redaktion landete vor kurzem eine Buchrezension, die
sich mit Psychiatriekritik und Spiritualitaet beschaeftigte. Der
Text war unserer Ansicht nach nicht wirklich brauchbar, warum, sei
hier nicht weiter eroertert. Die Verfasserin protestierte, dasz
wir Linken einfach vielzuwenig von Spiritualitaet wissen wollten
und damit beispielweise unser heiszgeliebtes Kuba ueberhaupt nicht
verstehen koennten. Auch wenn ich kein groszer Castro-Fan bin, tat
mir das doch in meiner materialistischen Seele weh.
Ich kam ins Gruebeln: Was ist uns Linken Spiritualitaet? Wen man
sich diese Frage stellt, stockt man unwillkuerlich. Denn was ist
das ueberhaupt: Spiritualitaet? Spiritus ist der Geist. "Geistiges
Wesen, inneres Leben" habe ich im Brockhaus von 1906 gefunden, das
war alles. Moderne Lexika kennen meist ueberhaupt nur das Adjektiv
und uebersetzen ueblicherweise mit "geistig, geistlich" -- also
einmal rational, einmal religioes. Aber bitte: Was ist Geist, was
ist ein Geist? Geist ist das UNBEGREIFBARE, also etwas, das wir
nicht fassen koennen. Wir versuchen es aber dennoch zu erhaschen.
Goethes Faust zweifelt an sich, da sein ganzes Wissen ihm nicht
weiterhilft: "Wo packe ich Dich unendliche Natur, deine Brueste,
wo?" In seiner Verzweifelung wendet er sich der Magie zu -- eben
dem Spirituellen.
Spiritualitaet kann als die Empfaenglichkeit fuer das
UeBERSINNLICHE gesehen werden. Was wir nicht mit unseren Sinnen
erfassen koennen, ist uns schwer erklaerlich. Phaenomene, die
frueher Geistern -- meist im Sinne nichtorganischer Intelligenz --
zugeordnet wurden, sind heute wissenschaftlich erklaerbar. Manche
sind es immer noch nicht, dennoch neigt der moderne Mensch meist
nicht dazu, die Goetter dafuer verantwortlich zu machen.
Aber selbst die erklaerbaren Phaenomene floessen uns Respekt oder
gar Furcht ein -- davon hat vor allem die Umwelt- und
Antiatombewegung profitiert: Radioaktivitaet und
Umweltverschmutzung sind unsichtbare Feinde. Nur folgerichtig ist
die starke Ueberlagerung der Sorge um die Erhaltung der
materiellen Lebensgrundlage durch naturreligioese und
pantheistische Fanatisierung. Ohne diese spirituelle
Motivationskruecke waeren diese Bewegungen nie so stark geworden.
*Ein Kategorisierungsversuch*
Wir stoszen auf das grosze Miszverstaendnis des Spirituellen. Denn
wenn wir von Spiritualitaet sprechen, sprechen wir von --
zumindest -- dreierlei.
Erstens: S. als Religion im Sinne eines Glaubens an
nichtorganische Intelligenzen. Diese Intelligenzen koennen uns
schaden -- dann muessen wir sie besaenftigen -- oder helfen --
dann muessen wir sie um Hilfe bitten. Da das eine nur die
Kehrseite des anderen ist, hat die juedische und damit dann auch
die christliche Religion in einen einzigen Geist gepackt, den
lieben, aber auch strafenden Gott - die gerechte Vaterfigur also.
Zweitens: S. als der Glaube an Dinge, deren Existenz oder
Machbarkeit man annimmt, ohne eine naturwissenschaftliche
Erklaerung dafuer zu haben. Das geht von Telepathie ueber
Auraphotographie bis zum Tischerlruecken. Fuer diese
Kategorisierung ist es auch nicht von Belang, ob die
Naturwissenschaft Nachweise fuer die Effektivitaet einer Technik
hat. Akupuktur gehoert daher genauso hierher wie Homoeopathie.
Denn dasz die Schulmedizin sie mittlerweile schweren Herzens
anerkannt hat, aendert nichts daran, dasz die mangelnde rationale
Erklaerung ihnen eine aehnliche Aura verleiht wie Dingen, die
aufgeklaerte Menschen als esotherischen Hokuspokus qualifizieren.
Ob serioes oder nicht, diese Dinge koennen sich mit Religion
vermischen, wenn sie erklaert werden mit den sprachlichen Mitteln
der Mysthik. Um uns das nicht Erklaerbare zu vermitteln, bedient
man sich oft einer poetischen Sprache, die bisweilen unser
kognitives Verstehen direkter ansprechen kann -- so wie wir
manchmal ein Gedicht verstehen koennen, ohne im Stande zu sein,
den Sinn in Prosa wiederzugeben. Diese poetische Sprache kann
mitunter Inhalte dieser Spiritualitaet in Metaphern fassen, die in
ihrer figuralen Auspraegung durchaus goettlichen Charakter
annehmen koennen. Die Grenze ist dort zu ziehen, wo das Individuum
von der Kenntnis der Metapher abrueckt hin zum Glauben an eine
tatsaechlich existente Gottheit oder irgendein ueberirdisches
Prinzip.
Drittens: S. als Beschaeftigung mit dem eigenen Geist und
eventuell noch mit dem anderer Menschen. Das ist der Bereich der
gottlosen Meditation. Wir versenken uns in uns selbst und
versuchen die Tiefen unseres Denkens und unseres Empfindens
auszuloten. Ob das jetzt im Tanz, im Radfahren oder im
Stillsitzen, allein oder in einer Gruppe betrieben wird, ist nur
eine Frage der individuellen Vorlieben oder des spezifischen
Zwecks der Meditation. Auch hier gilt natuerlich, dasz ein
spiritueller Lehrer gewollt oder ungewollt mittels Poesie die
Schwelle zum Religioesen ueberwinden kann.
*Die Religionsfalle*
Es scheint, dasz kein Herumkommen um die Religositaet ist.
Alsdann, wie stehen wir zur Religion? Wir Linke erklaeren, dasz
die Pfaffen jeglicher Konfession scheiszen gehen koennen. Religion
ist Opium fuer das Volk, heiszt die Parole. Woran liegt das? Liegt
das an unsere prinzipiellen Ablehnung von Spiritualitaet und
Religion oder ist das vielmehr - aus dem Blickwinkel der
mitteleuropaeischen Metropole - der Geschichte der katholischen
Kirche geschuldet?
Religion ist geronnene Spiritualitaet. Den Religionen ist
hierarchische Struktur prinzipiell eigen, da sie sich im Sinne
einer GlaubensWAHRHEIT verstehen (siehe Kurt Krenn), die nicht
kritisierbar ist. Die religioese Ethik -- die auch bei den
tolerantesten Vertretern der Oekumene als die einzig moegliche
angesehen wird -- baut darauf auf und damit auch die Moral.
Die orthodoxe kommunistische Ideologie steht dem um nichts nach -
auch sie kennt ein einziges Prinzip, ein einziges Ziel: Den
Sozialismus.
Innerhalb der beiden Bewegungen koennte es zwar theoretisch eine
egalitaere Debatte ueber den Weg zu Gott oder den Sozialismus
geben. Beiden ist eigen, dasz es sich um sehr komplexe Ideologien
handelt, die Erloesungsvorstellung sowohl der einen als auch der
anderen jedoch sehr einfach den Menschen nahezubringen sind. Denn
um diesen Vorstellungen also Verbreitung zu geben, braucht es nur
ein gesellschaftliches Defizit. Detailfragen hingegen ueberlaeszt
man Schriftgelehrten -- das ist die wichtigste Grundlage des
Machtgefaelles. Hat sich eine Gruppe einmal etabliert, kann sie
innerhalb des Systems jeden als dumm und unwissend hinstellen, der
nicht ihrer Meinung ist.
An der Geschichte des Wortes Religion laeszt sich dieser
Mechanismus ablesen. Religion kommt von religio, was im
lateinischen soviel wie Sorgfalt, Beruecksichtigung oder gar
Zweifel bedeutet. Auf den Kirchenlehrer Lactantius hingegen geht
die hoechstwahrscheinlich bewuszt falsche und vielleicht auch nur
agitatorisch gemeinte Etymologie des Wortes Religion zurueck.
Dieser behauptete im 4.Jh., das Wort leite sich von religo ab, was
mit Rueckbindung oder gar Fesselung zu uebersetzen ist. Zu diesem
Zeitpunkt war das Christentum bereits gefestigt, die Hierarchie
liesz sich nicht mehr hinterfragen. Abweichende Haltung war nur
mehr durch das Verlassen oder Spaltung der christlichen Instution
zu bewerkstelligen.
Die Interpretation des Weges zur Erloesung erstarrte nach dem
selben Prinzip im orthodoxen Kommunismus -- es ist fuer diesen
Mechanismus letztendlich egal, ob es um die sozialistische
Weltrepublik oder das himmlische Jerusalem geht.
Noch etwas ist an diesem Lactantius-Wort bemerkenswert: Ich habe
einen kleinen Umweg gemacht, und siehe da: Ich bin wieder dem
Begriff der Spiritualitaet auf der Spur. Denn genau in diesem
Rahmen bewegt sich das Verstaendnis von Spiritualitaet: Zwischen
der Sorgfalt -- wie sie bspw. im Zen-Buddhismus beschworen wird --
und der Dogmatik, der Fesselung also.
*Prinzip Hoffnung*
Somit komme ich zu einer anderen Herangehensweise an das Wort
Spiritualitaet: Dem Glauben an die Utopie. Und da hab' ich jetzt
einmal ein spirituelles Erlebnis: Vor meinem geistigen Auge
erscheint ein weiszhaariger Herr, der mich mit bedaechtigem und
leicht vorwurfsvollen Blick durch seine stark geraenderten Brillen
ansieht. Ja, ich gestehe demuetig, Herr Bloch, wo immer Sie jetzt
auch sein moegen, ich habe ihre 1600 Seiten ueber "Das Prinzip
Hoffnung" nicht gelesen. Die koennten mir jetzt sicher
weiterhelfen, ich weisz. Soviel aber ist mir bekannt, und da
treffe ich mich mit Ihnen wahrscheinlich auch, dasz fuer sie
Spiritualitaet, Mysthik das essentielle Movens der
gesellschaftlichen Veraenderung darstellt. Wenn wir auf das "Noch-
nicht-Seiende" hoffen, brauchen wir so etwas wie "Glauben" -- denn
die Geschichte widerlegt jede rationale Ueberzeugung einer
besseren Welt. Jura Soyfer -- auch nicht unbedingt ein
Kerzelschlicker -- schrieb zu Nazi-Zeiten: "Wir sind das schlecht
entworfene Skizzenbild des Menschen, den es noch zu zeichnen
gilt". Und bei Ihnen ist zu lesen: "Der Mensch lebt noch ueberall
in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor der
Erschaffung der Welt, als einer rechten. (...) Hat er sich erfaszt
und das Seine ohne Ent-aeuszerung und Entfremdung in realer
Demokratie begruendet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in
die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat." Und noch
ein Unverdaechtiger stolpert mir da ohne Vorwarnung herein, Brecht
naemlich: "Lobet den Zweifel, aber nicht den Zweifel, der ein
Verzweifeln ist".
Ecco! Es geht um Zweifel am Bestehenden, um ernsthafte
Beschaeftigung mit der Zukunft, gar um Sorgfalt. Das ist alles
meilenweit weg von Religion, kommt aber dem Begriff der religio
ziemlich nahe. "The future is unwritten" war frueher einmal
haeufig auf Haeuserwaenden zu lesen. Das hat sehr wohl etwas
Spirituelles, dieser Glauben, dasz die Tatsache, dasz die
Geschichte der Zukunft noch nicht geschrieben ist, uns Raum
laeszt, sie schoener zu gestalten. Ein anderer Sponti-Spruch geht
in die gleiche Richtung: "Wir haben keine Chance, aber wir nutzen
sie!"
Die Sprueche sind uebermalt, neu werden sie nur mehr selten
gesprayt. Wir leben in einer utopielosen Zeit, das "Ende der
Geschichte" laeszt grueszen. So sieht es danach aus, als
braeuchten wir Weltverbesserer doch wieder eine gehoerige Portion
vom Spirituellen. Aber irgendwie hat das doch einen Hautgout...
*Das Feuer*
Ich gehe also noch einmal zurueck zum "Geist". Wer sich von ihm
packen laeszt, ist begeistert. Grundlage der Begeisterung ist die
Widerspruchslosigkeit des Gedankens. Diese widerspruchslose
Begeisterung ist wiederum Grundlage jeder revolutionaere oder auch
nur radikal gesellschaftsveraendernden Bewegung. Solch romantisch-
antithetisches Denken eignet sich zwar fuer die Muehen der Berge,
aber nicht fuer die der Ebenen. Fuer die Revolution (im weitesten
Sinne) langt der reine Geist. Die etablierte Institution benoetigt
aber den dialektischen Verstand. Und da ist der Haken: Denn zum
einen beginnt die Instutionalisierung nicht erst nach der
Revolution, sondern schon damit, dasz sich zwei Menschen auf ein
Ziel einigen; zum anderen ist die Institutionalisierung eines
Machtgefaelles spaeter nicht mehr so leicht zu revidieren. Macht
ohne Miszbrauch gibt es nicht. D.h. Macht musz, wenn schon nicht
zerschlagen, so doch zumindest durch Kritik kontrolliert werden.
Religion aber -- egal, ob mit Gott oder irgendeinem anderen
hoechsten Prinzip, ob katholisch oder stalinistisch -- ist ein
gutes Mittel gegen die Kontrolle. Denn Religion ist die logische
Folge der Institutionalisierung der urspruenglich privaten
Spiritualitaet. Und dann sagt eben ein charismatische Fuehrer:
"Wer nicht fuer mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir
sammelt, der zerstreut" (Mt, 12,30).
Beispiel Lateinamerika: Solange die oekonomischen Verhaeltnisse
sind, wie sie derzeit sind, solange erfuellt die Jesus Christus-
Che Guevara-Spiritualitaet vulgo "Theologie der Befreiung"
durchaus die Funktion einer treibenden Kraft emanzipatorischer
Bewegung. Auch mir imponiert so mancher Bischof in Brasilien oder
Mexiko. Aber wehe, diese Bewegungen kommen zur Macht! Ich glaube
nicht, dasz der Vergleich allzusehr hinkt, wenn ich an die
islamischen Bewegungen erinnere. Wie wird man sie wieder los, die
Geister, die man rief...?
Dazu noch einmal eine Lexikondefinition. In einem Meyer von 1909
fand ich das Wort "spirituoes" mit der Definition: "voll Geist und
Feuer". Da ist sie wieder, die Verwandtschaft von Geist und Feuer.
Spirituelle Ansaetze -- selbst wenn sie vorderhand areligioes sind
-- sind immer ein Spiel mit dem Feuer. Und das Feuer ist genauso
Grundbestandteil des Lichts, ohne das wir blind sind, und der
Inquisition, die vernichtet.
*Spiritualitaet versus Religion*
Der Mensch ist reflexionsfaehig. Das heiszt, er ist sich bewuszt,
dasz er irren kann. Das hoehere Wesen ist dem Individuum noetig,
um sein Selbstbewusztsein zu ersetzen, das durch die Kenntnis
seiner Fehlbarkeit angeknackst ist. Frei wird es erst durch die
Akzeptanz seiner Unvollkommenheit. Karl Marx schreibt dazu: "Und
zwar ist die Religion das Selbstbewusztsein und das
Selbstwertgefuehl des Menschen, der sich selbst noch nicht
erworben oder schon wieder verloren hat." Und weiter ueber die
Emanzipation davon: "Der Mensch, der in der phantastischen
Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Uebermenschen suchte, nur
den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr
geneigt sein, nur den Schein seiner selbst, nur den Unmenschen zu
finden, wo er seine wahre Wirklichkeit sucht und suchen musz."
Aber gibt es nicht doch eine befreiende Spiritualitaet abseits der
Fesseln der Religion? Mit faellt dazu Jean Anouilhs Drama "Jeanne
oder die Lerche"ein -- eine Variante des Jeanne d'Arc-Stoffes. Der
Inquisitor will, dasz Jeanne abschwoert. Denn Jeanne hatte ein
spirituelles Erlebnis gehabt. Ihr war Erzengel Michael erschienen
und hatte ihr einen Auftrag erteilt. Indem sie entsprechend dieses
Auftrages handelte, hatte sie sich in den Konflikt mit dem Dogma
gesetzt -- denn sie hatte fuer sich die Spiritualitaet der Kirche
entrissen und reprivatisiert. Die private Spiritualitaet legt sich
mit der religioes-dogmatischen Macht an. Der Inquisitor laeszt
Jeanne verbrennen, weil er sich gezwungen sieht, ein Exempel zu
statuieren. Aber er ist ungluecklich darueber, dasz er damit nicht
den selbstbewuszten Einzelmenschen Jeanne besiegen kann. Vor dem
Scheiterhaufen laeszt Anouilh den Inquisitor sagen: "Schaut doch
hinauf auf den Holzstosz, wie der Mensch uns verhoehnt. Werden wir
denn niemals ueber ihn triumphieren?"
Einmal abgesehen von der naiv-christlichen Vorstellung des
Erzengel Michaels ist das vielleicht ein Ansatz fuer den Umgang
mit Spiritualitaet. Ist das religioese Kleid erst einmal
abgestreift, schafft solche eine meditativ-private Spiritualitaet
den Einzelmenschen erst, anstatt ihn zu zerstoeren. Wenn der
Mensch bereit ist, "begeistert" von sich selbst zu sein, dann erst
ist er in der Lage, mit anderen sich freiwillig zu verbinden, ohne
sich selbst dabei aufzugeben.
Ich glaube, das nennt man dann utopischen Sozialismus -- ohne
Gott, ohne Kaiser und auch ohne Tribun. *Bernhard Redl*
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Re: Glosse: Spiritualitaet und linke Politik
Author: Michael Resch
Date: Sun, 21 Feb 1999 00:00
Date: Sun, 21 Feb 1999 00:00
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Redaktion Akin (REDAKTION.AKIN@SIGNALE.comlink.apc.org) wrote: : Moderne Lexika kennen meist ueberhaupt nur das Adjektiv mein uralter Duden aus dem jahr 1990 kennt auch noch das substantiv. : Geist ist das UNBEGREIFBARE unbegreifbar ist der geist nur insofern als nicht be-greifbar wird, wieso ein mit geist ausgestattetes wesen meint, sich mit einer derart simplem definition ueber das problem der spiritualitaet hinwegretten meint zu koennen. : Spiritualitaet kann als die Empfaenglichkeit fuer das : UeBERSINNLICHE gesehen werden. womit wir mitten drin sind im kuddelmuddel indem wir das Uebersinnliche gleich einmal als gegeben voraussetzen und wir erinnern uns an den einleitungsirrtum von der "materialistischen seele". : Aber selbst die erklaerbaren Phaenomene floessen uns Respekt oder : gar Furcht ein -- davon hat vor allem die Umwelt- und : Antiatombewegung profitiert: Radioaktivitaet und : Umweltverschmutzung sind unsichtbare Feinde. ein blinder wird vermutlich wirklich nicht in der lage sein die umweltverschmutzung zu sehen. alle anderen sollten ihren augenarzt konsultieren wenn sie die umweltverschmutzung tatsaechlich nicht sehen meinen zu koennen. : Drittens: S. als Beschaeftigung mit dem eigenen Geist und : eventuell noch mit dem anderer Menschen. Das ist der Bereich der : gottlosen Meditation. Wir versenken uns in uns selbst und : versuchen die Tiefen unseres Denkens und unseres Empfindens : auszuloten. Ob das jetzt im Tanz, im Radfahren oder im : Stillsitzen, allein oder in einer Gruppe betrieben wird, ist nur : eine Frage der individuellen Vorlieben oder des spezifischen : Zwecks der Meditation. Auch hier gilt natuerlich, dasz ein : spiritueller Lehrer gewollt oder ungewollt mittels Poesie die : Schwelle zum Religioesen ueberwinden kann. ich greif mir nur noch ans hirn. das also ist die linke jugend in diesem land? die sich beim radfahren in sich selber versenkt um den eigenen geist endlich zu finden? : Es scheint, dasz kein Herumkommen um die Religositaet ist. ah so. scheint das? und weiter? is dass scheinen mittlerweile auch schon zu einer kategorie geworden? wie sagte schon ein grosser materialistischer oesterreichischer philosoph: mir scheint ich bin beim lainer. halten wir uns alle nicht lange damit auf dem schein auf den grund zu gehen (dort traefen wir womoeglich den geist der sich aus angst vor der materialistischen seele gemuetlich in einem sofa von ikea eingerichtet hat.) : Alsdann, wie stehen wir zur Religion? die grosse frage! : Wir Linke erklaeren, dasz : die Pfaffen jeglicher Konfession scheiszen gehen koennen. na dass ist aber jetzt fast noch ein groesserer philosphischer wurf als die gschicht mit dem lainer. : Religion ist geronnene Spiritualitaet. bauu. das sitzt. und vorher war die spiritualitaet fluessig oder was? oder ueberfluessig? : einer GlaubensWAHRHEIT verstehen (siehe Kurt Krenn) na herzig. kurt krenn erklaert der linken dass sich religionen als glaubenswahrheit verstehen. wenn er wuesst dass die linke das vorher gar nicht gemerkt hat wuerd er sich in den arsch beissen. was fatal waer denn dort ist ja schon der linke geist. : Die orthodoxe kommunistische Ideologie steht dem um nichts nach - : auch sie kennt ein einziges Prinzip, ein einziges Ziel: Den : Sozialismus. genau. is schon so eine perle der vergleich von religion und sozialismus. sollt ma nicht den rechten ueberlassen uns diese plattituede immer wieder zu erzaehlen. schliesslich will man auch etwas vom applaus im buergerlichen lager haben. : Innerhalb der beiden Bewegungen koennte es zwar theoretisch eine : egalitaere Debatte ueber den Weg zu Gott oder den Sozialismus : geben. na wo es die theoretische debatte je in der katholischen kirche gegeben haette wuerd ich ja gern wissen. : Detailfragen hingegen ueberlaeszt : man Schriftgelehrten. oder schlaegt im brockhaus der jahrhundertwende nach. selber denken macht womoeglich arbeit. : Hat sich eine Gruppe einmal etabliert, kann sie : innerhalb des Systems jeden als dumm und unwissend hinstellen, der : nicht ihrer Meinung ist. hey. wieder so ein fragment linker politikwissenschaft und philosophie. erinnert mich an die sticker aus den 70ern. nix dahinter aber immerhin irgendwas linkes. : An der Geschichte des Wortes Religion laeszt sich dieser : Mechanismus ablesen. der mechanismus vom sozialismus? oder der von krenn? : Religion kommt von religio, ziemlich ueberraschend, nicht? also ich haette geschworen es kommt von was anderem. : Zu diesem : Zeitpunkt war das Christentum bereits gefestigt, die Hierarchie : liesz sich nicht mehr hinterfragen. und das blieb so bis zum ende des 2ten jahrtausends. und wenn sie nicht gestorben sind kaempfen sie noch heute mit spiritualitaet, dem spirituellem, dem geist, der brust der natur, dem faust und allen kirchenlehrern dieser jahrtausende von paulus bis krenn. an dieser stelle bricht jedoch die rezension ab. die junge linke mag sich allein mit der religion spielen. michael (MiR)
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