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Article #12388Re: Radioaktivitaet und Medien
From: Markus Kuhn
Date: Sun, 06 Mar 1994 15:53
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In article <CM3MGz.F7K@dscomsa.desy.de>, Dirk Feeken <feeken@desy.de> wrote: > Oder kurz: Durch eine Kette von Anreicherungen erhielt man einen > winzigen Bruchteil des Casiums das ueberall hingeregnet ist, und > wusste nicht wohin damit. > Und mit Millionenaufwand wurde es 'entsorgt', d.h. das Casium noch weiter > angereichert. Klar, dass man das Zeug nicht mehr essen sollte, aber > wieso diese grossartige Entsorgung? Ich will nichts verniedlichen, > aber wenn die ganze Gegend voll von dem Zeug ist, wieso dann diese > Aufregung um einen winzigen Bruchteil davon? > Das Ganze kommt mir vor, wie jemand, der am Strand sitzt und ein paar > Sandkoerner aus seinem Butterbrot klaubt und dann nicht weiss, wo er > die Sandkoerner hintun soll. > Oder sehe ich da was falsch? Du siehst das voellig richtig. Das zugrundeliegende Problem liegt darin, dass heute Politik im wesentlichen von Medien bestimmt wird. Das ist ansich richtig (sonst haetten wir schnell eine Diktatur), fuehrt aber (nicht nur gelegentlich) dazu, dass sich die Politik und die Oeffentlichkeit mit photogenen aber unwesentlichen Tatbestaenden beschaeftigt und dabei viel wichtigere Sachverhalte aus den Augen verliert. Etwas sichtbares, filmbares, anschaubares wie einige Tonnen verstrahlte Molke erlaubt es Journalisten (im Interesse der Auflagen-/ Zuschauerzahl) grossen Druck auf Politiker auszuueben. Diese sehen sich dann zu Handlungen genoetigt, die den Steuerzahler irrsinnig viel Geld kosten. Im Fall der Caesium-Molke waere es sicher voellig unbedenklich gewesen, diese z.B. zu verklappen, da ja ohnehin rundrum die millionenfache Menge Caesium in den Wasserhaushalt gelangt ist und nicht von Kuehen gefressen worden ist. Die Folgen waeren, wenn man es richtig macht, nicht mal messbar gewesen. Die Schuld an diesem Dilemma sehe ich in erster Linie in unserer Medienlandschaft. Sensationshascherei und oftmals erschreckend mangelndes Fachwissen von Journalisten (mir faellt nur wieder gerade der traurige Artikel ueber 'archie' als subversives Hackertool in der letzten 'Chip' ein ...) fuehrt dazu, dass wir von vielen Vorgaengen ein sehr verzerrtes Bild durch die Medien bekommen. Die Loesung waere IMHO in erster Linie eine besseres Verantwortungs- bewusstsein unter Journalisten. Politiker koennen in solchen Faellen eher weniger dafuer, da sie falls sie nicht auf den journalistischen Druck eingehen schnell ausselektiert (d.h. zum Ruecktritt genoetigt) werden. Markus -- Markus Kuhn, Computer Science student ��o�� University of Erlangen, Germany Internet: mskuhn@cip.informatik.uni-erlangen.de | X.500 entry available
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