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Article #245Re: Gericht stoppt Bundesauftrag an Microsoft
From: Theo Schmidt
Date: Mon, 08 Jun 2009 17:39
Date: Mon, 08 Jun 2009 17:39
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Stefan Werner schrieb: ... > Ich finde, es ist ein gigantischer Trugschluss und führt direkt in die > Sackgasse, dass FOSS nichts kosten soll. Es heisst nirgends, dass es nichts kosten soll, zumindest bei den üblichen GPL-artigen Lizenzen. Du kannst dein Programm zu einem beliebigen Preis verkaufen. Aber da die Quellen freigegeben werden müssen, kann jemand anders dasselbe günstiger verkaufen. Deshalb muss, um etwas zu verdienen, nicht die Software selbst verkauft werden, sondern Extras wie Dienstleistungen dafür. Oder die Hardware dazu. > Die Euphorie klingt bereits ab. Wir scheinen tatsächlich im "Trough of Dissillusionment" zu sein, der "Kater nach dem Fest", der jedem "Hype-Cycle" der übersteigerten Erwartungen folgt. In der Regel folgt dann eine Erholung auf realistische Werte. Dabei sind nicht alle Produkte am selben Punkt. ... > StarOffice und MySql wurden von Sun aufgekauft, und Sun inzwischen von > Oracle - Zwei Firmen, die den FOSS-Weg gegangen sind, werden von einem > Closed-Source-Riesen aufgekauft, weil offensichtlich zuwenige bereit > waren, für die FOSS zu bezahlen. Das ist auch für mich wenig erfreulich, aber noch zu früh, um zu sagen was daraus wird. Auf jeden Fall schützt die GPL diese zwei Produkte und dank ihrer Popularität werden sie überleben. Das ist gerade die Stärke von FOSS. > Die Vorstellung, dass die riesige Arbeit, die in einem guten > Softwareprodukt steckt, einfach gratis sein soll, ist ja eigentlich von > vornherein albern. Sie ist ja auch nicht gratis. Am Linux Kernel arbeiten Profis, die zu 90% oder so dafür bezahlt werden, habe ich kürzlich gelesen. Viele Projekte werden durch Amateure betreut, das sind also Leute, welche ohne Bezahlung ihre Zeit dafür geben. Das ist nicht albern. Die Währung ist einfach anders. Z.B. Dank und Anerkennung statt Geld. Oder sogar nur eigene Genugtuung, wie das bei den meisten Wikipedia-Autoren der Fall ist, ein Projekt welche vergleichbare kommerzielle längst hinter sich gelassen hat. > Dass der Enthusiasmus der Protagonisten nachlässt, > ist abzusehen. Was dann bleibt ist FOSS von minderer Qualität, die von > einzelnen Schülern, Studenten und Freaks in der Freizeit > zusammengehackt und nach Abschluss des Studiums oder Kennenlernen einer > neuen Freundin nicht mehr supported wird. Das ist falsch. Viele hervorragende Projekte werden tatsächlich vom Hauptentwickler fallengelassen. Wenn es Wert ist, greifen es andere auf. Oft entstehen jedoch ähnliche bessere Projekte. QTparted ist so ein Beispiel. Das war Jahre lang ein gelungenes Partitionierungs-Tool. Heute gibt es Gparted und eine ganze Live-Distribution darum herum: Parted Magic. ... > Im Prinzip schon. Andererseits: Wenn die Bundesverwaltung auf ABIWord > Setzt, und AbiWord wird nächstes Jahr eingestellt, dann war's das mit > der günstigen FOSS. Abiword kann wie viele andere Programme ODF. Deshalb spielt es keine grosse Rolle. Allerdings gibt es heute noch Probleme damit, wie die verschiedenen Programme ODF umsetzen, aber es wird immer besser. > Es ist noch nichtmal so leicht, jemanden zu finden, > der sich verantwortlich fühlt. Offenbar hat eine Firma namens > "SourceGear" damit angefangen, es dann aber "donated". Tja, wer ist > jetzt zuständig? Aha: "The Community". Hm, und wenn jetzt jemand von > "The Community" einen Trojaner einschmuggelt, wen kann man dann > verantwortlich machen? Das geschieht eben nicht, da verschiedene Leute daran arbeiten und es sehr unwahrscheinlich wäre, dass eine dunkle Macht gleichzeitig alle korrumpiert (durchaus auch bildlich zu verstehen). Das ist ja gerade der Vorteil von FOSS: solche Dinge können innerhalb eines offenen Projektes (fast) nicht passieren. Natürlich können Projekte sterben, wenn dem Hauptentwickler zu einem ungünstigen Zeitpunkt etwas passiert. Das ist wohl mit dem Dateisystem Reiser passiert, da Hans Reiser jemand umbrachte und verurteilt wurde. Aber das ist wohl eher selten. ... > Sag jetzt nicht sie sollen halt OpenOffice nehmen ;-) > Das Problem liegt bei vielen FOSS-Produkten ganz ähnlich. Ich denke OpenOffice hat schon eine Sonderstellung, weil es mächtiger ist als alle anderen integrierten Office Programmen. Deshalb verwenden es die meisten Leute mit aktuellen PCs trotz des Resourcen-Hungers. ... > Das ist richtig. Der Trade-Off ist: Wenn Zeit/Arbeit günstig ist, dann > ist die TCO von FOSS tiefer. Wenn qualifizierte Arbeitszeit aber teuer > ist, dann ist sie höher. (Bei uns verlangt ein einigermassen kompetenter > IT-Fachmann 180.- pro Stunde. Wenn er drei Stunden kommen muss, um Linux > zu installieren und konfigurieren, dann bin ich mit dem vorinstallierten > Windows halt einfach deutlich günstiger.) Der Vergleich finde ich nicht richtig. Eine 180.-/h Person braucht vielleicht 30 Minuten, um ein Linux zu installieren, welche einem OEM-Preinstall-Windows entspricht. Und dann sind eben die Standard-Programme auch schon installiert, während sie bei Windows erst individuell nachinstalliert werden müssen. Das Windows ist in der Regel teurer auch ohne die Lizenzkosten zu berücksichtigen. Dort wo Windows glänzt und Linux teuer wird, ist wenn der Kunde spezielle Hardware oder Software hat, die nur auf Windows und nicht auf Linux zugeschnitten ist. Aber das ist ja logisch. > Es ist nicht "zuviel Geld vorhanden" (zumindest nicht in meinem > Portemonnaie), sondern qualifizierte Arbeit ist gteuer im Vergleich zu > guten kommerziellen Produkten. Ja, so meinte ich das. Bei uns ist Arbeit sehr teuer während Resourcen und Energie sehr billig sind. Theo
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