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Article #575Re: Wer glaubt hier was?
From: Giesela_H�lling
Date: Sat, 04 May 1996 00:00
Date: Sat, 04 May 1996 00:00
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Leider liegt mir (als Netzneuling) der Ausgangspunkt der Diskussion nicht vor. Sicherlich ist Religion eines der interessantesten Themen, aber wer sich wirklich damit auseinandersetzt, mu� zu dem Schlu� kommen, da� es sich bei der Religiosit�t um eine Art geistige Krankheit der Menschen handelt, verbunden mit dem Wunsch, endlich doch noch Einflu� zu nehmen. Carol Travis schreibt in ihrem Buch �ber die Wut, da� es nicht nur der Gesellschaft, sondern auch vergewaltigten oder mi�handelten Frauen selbst leichter f�llt, zu glauben, sie, die Opfer, seien irgendwie an dem Geschehen schuld, als zu begreifen, da� jedem/jeder so etwas einfach passieren kann. Schuld haben hei�t n�mlich auch "Einflu� (gehabt zu) haben". Wenn da Schuld ist, l��t sich die Gefahr abwenden, indem man sich (sp�testens beim n�chsten Mal) anders verh�lt. Daraus erkl�rt sich der Wille in unserer Gesellschaft, den Opfern zu allem Ungl�ck auch die Schuld zuzuschieben. Man denke an des Psychologen Skinners Tauben. Innerhalb weniger Minuten brachte er ihnen bei, zu glauben, da� beispielsweise das Einknicken eines Beines oder Sch�tteln eines Fl�gels bewirkt, da� ein Korn auf sie herabf�llt. (Weil Skinner es im passenden Moment warf.) Bleibt das Korn aus, �berlegt auch die Taube, was sie beim Fl�gelsch�tteln wohl falsch gemacht hat und gibt sich gr��ere M�he. Ich mag diese Forschungen nicht, aber ich kann nicht umhin, R�ckschl�sse auf sich hinwerfende, knieende, endlos vor sich hinmurmelnde Menschen zu ziehen. Die Parallelen sind offensichtlich. Das erstaunliche daran ist nur, da� die Menschen, die das jetzt noch tun, an die Korn- Erfahrungsberichte ihrer Urahnen glauben. (Jeder Aberglaube beruht auf dem zuf�lligen Aufeinandertreffen nicht zusammengeh�render Ereignisse. Skinners Tauben sind insofern realistischer, weil Skinner ja die K�rner tats�chlich warf - oder auch Stromst��e verteilte, was immer.) Man bedenke aber auch, da� die Tauben sich nur so verhielten, weil sie in Gefangenschaft und unter Entbehrungen gehalten wurden. Eine freie Taube in der Natur w�re einfach davongeflogen. Es sind die H�rten des menschlichen Lebens, Entbehrungen und Unfreiheit bzw. die Angst davor, die den Menschen religi�s machen. Was nun Jesus und andere Heilige betrifft, so haben sich J�nger immer deren Charisma zunutze gemacht, um selbst Ansehen zu gewinnen (gew�hnlich auch erst, wenn der Held gestorben war). Viele Heilige predigten �brigens eine neue Freiheit, die den Machthabern �berhaupt nicht ins System pa�te. Aber bei Argumenten f�r die Religion f�llt mir immer ein wundervolles Wort ein, ob nun von Jesus stammend oder nicht, n�mlich: "Nicht an ihren Worten, an ihren Taten werdet ihr sie erkennen." Und da erkennen wir ganz deutlich, was vor allem christliche Religion bedeutet. Wir brauchen nur in alle von Christen heimgesuchten L�nder zu schauen: Von urspr�nglich 60 Millionen amerikanischen Ureinwohner gibt es heute noch etwa 700.000, welche am Rande der Gesellschaft als sch�bige Sozialhilfeempf�nger leben (von v�llig ausgerotteten Kulturen z. B. den Feuerlandmenschen einmal abgesehen). Afrika ist zerr�ttet, seines Reichtums und seiner urspr�nglichen Kultur beraubt, die als Sklaven in fremde L�nder verstreuten Nachkommen suchen bis heute vergeblich Gleichberechtigung und irgendetwas, worauf sie stolz sein k�nnten - sprich eigene Identit�t. Indien, ein vormals reiches Land, ist ausgebeutet bis aufs Blut, von der alten Kultur sind nur noch Ruinen vorhanden, Eskimos gab es nach 1970 noch etwa 50 echte. ... Von Millionen verbrannten Hexen und Ketzern auf unserem Terrain, dem v�lligen Verlust der urspr�nglichen Kultur, von Kreuzz�gen bis hin zur immer noch vorhandenen seelischen Verkr�ppelung der christlichen Menschen einmal abgesehen. Wahrlich, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen! Ich bin gern bereit, mich �ber sog. christliche Entwicklungshilfe, wie die Einrichtung von Schulen und Krankenh�user zu unterhalten, inwieweit solche Einrichtungen n�mlich nicht Hilfe, sondern weiterer Ausdruck von �berheblichkeit sind und dem Willen, andere zur eigenen Lebensweise zu bekehren. Giesela H�lling (alias Charlotte Halink - Schriftstellerin) ## CrossPoint v3.1 R ##
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