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Article #609Re: Glaube
From: martina muck
Date: Fri, 24 May 1996 00:00
Date: Fri, 24 May 1996 00:00
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SCHINAGL@CBRA.kbbs.org am 22.05.96
> Darauf: "Glaube" deckt sich semantisch durchaus nicht
> mit "glauben". Glauben ist eine Seelenkraft, Glaube ist
> mehr "kopfig", hat Basta- Charakter und wird gern als
> Waffe gebraucht: "Ihre Erfahrungen widersprechen ganz
> klar meinem Glauben." Das ist ein anderer Duktus als:
> "Ihre Erfahrungen decken sich nicht mit dem, was ich
> glaube (oder bisher glaubte f�r wahr halten zu sollen)."
> Wenn sich "mein Glaube" nicht mit den Tatsachen deckt, -
> desto schlimmer f�r die Tatsachen... :-) Ich frage
> mich, ob dieses Substantiv nicht zu ganz bestimmten
> Zwecken komponiert und in Umlauf gebracht worden ist...
>
Ach so. Naja gut. Aber frueher war ja wohl auch Glaube gewissermaszen
gleichgesetzt mit Tatsachenwissen. Ich hab mich erst letztens gewundert,
wie das z.B. Heisenberg beschreibt, aber irgendwie macht es schon auch
Sinn. Er meinte, dasz der Glaube (an dessen Anfang das religioese Erlebnis
-das Gewahrwerden einer "hoeheren Welt"- einzelner stehe) sich, wenn er
"echt ist", sozusagen von selbst auf andere uebertrage (so wie Liebe) +
somit dann die Wirklichkeit der Glaeubigen bestimme: "Von der Wahrheit
wird nicht mehr gefordert, dasz sie objektiv, sondern dasz sie fuer alle
verbindlich sei."
Und diese "oberste Schicht der Wirklichkeit" haelt er fuer viel
maszgeblicher als die "objektivierbare Schicht der Wirklichkeit", mit der
sich nur ein Bruchteil der Wirklichkeit erfassen lasse; die
"schoepferische Kraft der Seele" verwandele die Wirklichkeit.
> Wir schludern allzuoft mit unserer Sprache. Und wenn wir
> etwas nur oft genug h�ren, dann kommt die "normative
> Kraft des Faktischen" ins Spiel. "Das widerspricht dem
> christlichen Glauben" - was soll das? Ich kann doch
Das weisz ich nicht - fuer den christlichen Glauben bist Du doch
zustaendig. ;)
> nicht glauben, was mir jemand auftr�gt zu glauben; ich
> kann allenfalls glauben, was ich "innerlich ergriffen"
> habe. Und das wiederum braucht nicht das G�tesiegel
> einer Lobby. Ob und wie ich mich auf Christus einlasse,
> steht in keinem Katechismus geschrieben. �bereinstimmung
> wird nicht herbeigef�hrt, sie ergibt sich zwanglos. "Wo
> zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind...", -
> darunter kann ich mir etwas vorstellen. Bei zwanzig-
> oder drei�igtausend gleicht�nenden Bekennern habe ich
> schon erhebliche Schwierigkeiten. Ich suche
> Seelenverwandtschaft, nicht Partei.
>
Schoen. :)
Martina
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