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Article #640Re: Polytheismus / Monotheismus
From: Wolfgang
Date: Fri, 05 Apr 1996 00:00
Date: Fri, 05 Apr 1996 00:00
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B.ALBERT@LINK-F.rhein-main.de mailte am 02.04.96 zum Thema "Re: Polytheismus / Monotheismus": Hallo Bernhard, > Die Frage ist was hat die Durchsetzung z.B. des Islam ausgel�st und > kann z.B. mit irgendeinem Recht behauptet werden, da� Christentum sei > Ausl�ser und Grund seiner Durchsetzung gewesen? Nein, das Christentum sicherlich nicht. M�glicherweise der vorherrschende Polytheismus. In den ersten Mohammed-Biographien finden sich immer wieder Anspielungen auf die Verzweiflung Mohammeds �ber die Morallosigkeit und den G�tterglauben seiner Mitmenschen. Sicherlich suchte er nach einem Weg, diese Zust�nde zu beenden. Damit will ich garnicht die g�ttliche Offenbarung/Inspiration des Koran anzweifeln, doch der Ursprung der Suche nach einem Weg/Religion scheint mir schon bei Mohammed zu sein. Dazu kann ich Dir die Biographie von Ibn Ishaq empfehlen, denn sie ist ca. 30 Jahre nach Mohammeds Tod geschrieben worden und gilt als historisch gesichert. Die Aussagen sind klar: Mohammeds gr��ter Kummer war der G�tzenglaube, wie auch sein wichtigstes Lebensziel die Vertreibung der G�tzen aus dee Kaaba in Mekka war. Der Koran selbst sagt nat�rlich f�r die Offenbarung gibt es einen g�ttlichen Ursprung, daher ist auch g�ttlicher Wille dabei im Spiel. Ich w�rde also sagen: Ausl�ser zur Durchsetzung des Islam: Aufforderung durch eine h�here intuitive Einsicht, auch g�ttliche Offenbarung genannt. Doch Notwendigkeit einer Offenbarung war der Polytheismus und die Notwendigkeit einer alles umfassenden Gesellschaftsordnung (die ja in Arabien noch nicht vorhanden war!). W>> Diese These h�rt sich sehr christlich-theologisch an. Als W>> wenn der Islam eine Rechtfertigung f�r sein Dasein br�uchte. > Das habe ich mir auch gedacht - wobei wir nicht nach der Rechtfertigung > der Religionen suchen sollten, sondern nach dem Kontext ihrer Entstehung > und Durchsetzung vor einem historischen Hintergrund. Welche Wissenschaftsmethodik wendest Du bei Deinen Untersucheungen an ? Du hast nat�rlich v�llig Recht, da� gerade die politische Komponente des Islam in heutiger Zeit genaue Untersuchung erfordert. Sonst verkaufen die islamischen L�nder eine Politik als Religion, und rechtfertigen ihr Handeln mit einer h�heren Macht. Da fehlen nat�rlich die Argumente. Wenn auch die einfachen Muslime Religion und Politik nicht trennen, werden die in Europa geschulten Intellektuellen dies dennoch tun. W>> Au�erdem war das Christentum wie auch das Judentum niemals W>> eine allgemeinakzeptable Religion im Arabischen Raum ! Du W>> darfst nicht vergessen, nach dem Christntum kam erst noch W>> Mani mit dem Manitheismus, der sich auch sehr schnell W>> verbreitete, jedoch wieder verschwand. �brigens die einzig W>> untergegangene Weltreligion in der Religionsgeschichte. > Interessant - habe nie davon geh�rt - geh�rt weder zum Standrepertoir des > Politologen, noch fanden es die Katholiken in ihrem immerhin 10 Jahren > andauernden Religionsunterricht f�r n�tig ihn zu erw�hnen. Du siehst im Islam also in erster Linie den politischen Aspekt ? Du darfst bei Deinen �berlegungen nicht vergessen, da� die Politik im Islam an die Religion gebunden ist, also sozusagen von den Muslimen als heilige Durchsetzung der Rechte und des Willen Gottes gesehen wird. Da wird es nat�rlich schwer politische Motive zu erkl�ren. Somit k�nnen islamische Politiker alles machen, ohne ihre pers�nlichen Motive darzulegen (die ja sicherlich auch jeder einzelene hat!). Das Problem ist einfach die wissenschaftliche �berpr�fbarkeit des Anspruchs einer g�ttlichen Offenbarung (was f�r Christus als Sohn Gottes und den Koran als Wort Gottes gilt). Ich studiere Religionswissenschaft (keine Theologie!), da untersuchen wir nat�rlich in erster linie die religi�sen Handlungen der Menschen. Das ist im Islam sehr schwer von nicht-religi�sen Handlungen zu trennen, denn die Sekularisierung kennen die Muslime nicht, und sie ist in unseren Gedanken so tief verwurzelt, da� alle unsere Betrachtungen mit dem christlich- sekularen Bewu�tsein nicht treffend sind. Du kannst den Islam nicht erkennen, wenn Du ihn von au�en betrachtest. Alle Betrachtungen sind einseitig. Ja, der Manitheismus ist wohl die unbekannsteste Religion der Welt. Obwohl die Offenbarungsschrift von Mani immer noch existiert. Sie ist �hnlich umfassend wie der Koran, eine mit einigen zarathrustianischen Einfl�ssen. Die zweitunbekannteste Religion der Welt ist sicherlich der Islam, und dazu kommt noch, da� die westlichen Medien derartig einseitig berichten, da� es manchmal schwer f�llt, nicht eine b�se Absicht dahinter zu vermuten. W>> Der Islam ist, wenn �berhaupt, eine Reaktion auf den im W>> vorislamischen Arabien noch praktizierten *Polytheismus*, wie W>> auch die Z�gellosigkeit der Menschen gewesen, was auch im W>> Koran selbst angef�hrt wird. > Das w�re zu �berpr�fen - welche Z�gellosigkeit - warum hat die geschadet - > gab es keinen anderen Weg - gab es �konomische Voraussetzungen - ...? haha, was f�r eine Fragestellung ... Du vergi�t den g�ttlichen Anspruch der ganzen Geschichte. Ein Gl�ubiger braucht keine Rechtfertigung f�r seine Religion, sie ist ihm von Gott als Geschenk gegeben. Aber Du hast nat�rlich Recht. Nur so habe ich eben noch nie eine Religion untersucht. Eine v�llig neue Perspektive f�r mich ! > Selbst wenn Du von echtem Prophetentum ausgehst und an einen oder mehrere > G�tter oder G�ttinnen glaubst, w�rde ich mal sagen es gab, sofern es > �berhaupt solche gab, einen Propheten auf tausend, der Beachtung fand und > das hat Ursachen. (Randbemerkungen: Gab es Prophetinnen und wenn nein, > warum nicht?). Hm Prophetinnen ? Im Islam gibt/Gab es viele Mystikerinnen (die Heiligsprechung gibt es im Islam nicht!). Weltreligionsverk�ndende Prophetinnen gibt es in der historisch erfassten Zeit nicht. Mohammed als Politiker zu untersuchen ist sicherlich interessant. Denn er hat das am schnellsten wachstene Reich der Welt geschaffen. Innerhalb nichtmal 100 Jahre wurde der Islam ein gewaltiges Imperium. (Ich kenne keine Vergleichszahlen zum R�mischen Reich.) Sicherlich ein Grund f�r die wachsende Angst im Westen vor dem Islam. Er scheint doch die letzte Bedrohung f�r den Kapitalismus zu sein. > Es ist immer die Frage ob man versucht eine Lehre aus sich selbst heraus > zu erkl�ren oder vor der Folie ihres gesellschaftlichen und �konomischen > Hintergrunds. Hm, stimmt. Als Religionswissenschaftler betreibe ich Sinnfindung. Als Politologe betrachtest Du sicher den gesellschaftlichen Kontext. Wollen wir uns eine Diskussionsgrundlage erarbeiten ? Ich f�nde den Austausch mit einem Politologen �ber den Untersuchungsgegenstand Islam sehr interessant. Wolfgang
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