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Article #692Das real existierende Christentum. WAR: Re: Wer glaubt hier was?
From: Werner Deiwiks
Date: Wed, 01 May 1996 00:00
Date: Wed, 01 May 1996 00:00
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U.KAHL@BIONIC.zerberus.de (Ulrich Kahl)
meinte am: 29.04.96
im : /CL/GLAUBEN/DISKUSSION
zum Thema: *Re: Wer glaubt hier was?*:
Hallo, Uli;
UK> BM> Bei n�chterner Betrachtung kommt hier eher
UK> BM> die relogi�s verbr�mte Eroberungsgeschichte
UK> BM> des Volkes Israel vor (auch mit gelegentlichen
UK> BM> Niederlagen, versteht sich). Liest man die
UK> BM> Bibel als Geschichtsbuch, wird alles ver-
UK> BM> staendlich.
UK> Geschichte wurde also religi�s gedeutet, aber
Bruno sagte/meinte: "religi�s VERBR�MT, nicht: 'GEDEUTET'
UK> Beliebt ist immer das Beispiel von den Amalekitern
UK> (1.Sam 19), deren vollkommene Vernichtung Gott dem
UK> Saulus befohlen haben soll. Ein Stueck Eroberungs-
UK> geschichte Israels?
Vielleicht meinst Du die Stell 1.Sm.15,35:
'Samuel aber sprach [zu Agag, dem K�nig von Amalek]:
"Wie Dein Schwert Frauen ihrer Kinder beraubt hat, so soll
auch deine Mutter der Kinder beraubt sein unter den Frauen."
Und Samuel hieb den Agag in St�cke vor dem HErrn in Gilgal...'
UK> In der heutigen Forschung wird eher angenommen, dass es
UK> diesen Krieg historisch nie gegeben habe, sondern pries-
UK> terliche Erfindung einer viel sp�teren Zeit sei.
UK> "Sitz im Leben": Mutmachen fuer einen bevorstehenden
UK> Kampf. Das ist ethisch zwar auch nicht viel besser,
UK> ist in der Geschichte aber immer wieder nachzuweisen,
UK> dass die Kriegsparteien jeweils fuer ihre Sache Gott
UK> und die Religion in Anspruch genommen haben.
Was die heutige Forschung betrifft, tritt sie in der Wirksamkeit zu-
r�ck hinter der Tatsache, da� die Geschichten der Bibel als 'Wort
Gottes' gelehrt und damit als unumst��liche Tatsachen angesehen wer-
den. ("Und die Bibel hat doch recht").
Da� die Bibel zu gro�en Teilen ein Mischmasch aus Mythen, Mutmach-
geschichten, Abschreibfehlern und (zum kleinen Teil) aus historisch
fast richtigen Beschreibungen besteht, hat die moderne Theologie je-
doch l�ngst festgestellt. Das kapitale Verbrechen der heutigen Kir-
chen besteht darin, da� sie dies nicht �ffentlich laut zum Ausdruck
bringen, sondern immer noch von der 'Heiligen Schrift' reden und die
blutr�nstigen Eroberungsz�ge Israels religi�s VERBR�MEN d.h. f�lschen.
UK> BM> Wenn aber daraus Gott verifiziert werden soll,
UK> BM> dann mu� dieser Gott zwangsl�ufig ein m�rderi-
UK> BM> scher Gott sein. Und au�erdem hat er nach der
UK> BM> Schrift nur das eine Volk erw�hlt, keinesfalls
UK> BM> aber Europ�er. So steht es mehrfach geschrieben.
Ps.33,12:
" ... dem Volk, das er zum Erbe erw�hlt hat."
Jes.14,1:
"... Israel noch einmal erw�hlen und sie in ihr Land setzen."
Man merke f�r die n�chste Bundestags-Wahl:
Jes.41,24: *Euch erw�hlen ist ein Greuel! :-)*
1.Mak.7,37-38:
"Du hast dieses Haus erw�hlt, da� es deinem Namen geweiht und f�r
dein Volk ein Haus des Betens und Flehens sei. �be Vergeltung an
diesem Menschen und seinem Heere, da� sie durch das Schwert fal-
len! Gedenke ihrer L�sterungen und verleih' ihnen keinen Bestand!"
Apg.13,17-43;
"...Der Gott dieses Volkes Israel hat erw�hlt unsere V�ter..."
UK> Mir gefaellt die Interpretation Blochs ganz gut,
UK> der innerhalb des AT eine Entwicklungsgeschichte
UK> Gottes sieht, weg vom "W�sten- und R�chergott"
UK> hin zu einem "Freundgott" und Gef�hrten des Menschen.
UK> Diese Entwicklung sieht er schon innerhalb des
UK> Exodus angelegt, sp�ter dann (z.B. in Hiob) weiter-
UK> gefuehrt. Und da wird das Christentum dann leicht
UK> ankn�pfen k�nnen.
Theologen und Philosophen sophistisieren an Schriften solange herum,
bis sie ihr 'Theo'rien-Netz flechten k�nnen. Ist die Geschichte Is-
raels chaotisch und ohne roten Faden, wird die 'Software' Bibel so-
lange geknetet, bis sie zum derzeitigen Erkenntnisstand pa�t.
Geschichtsklitterei nennt man so etwas. Einerseits 'sollen sie das
Wort stahn lassen', andrerseits wird solange gebogen, gekn�pft und
gefeilt ... bis erneute Widerspr�che zur Realit�t entdeckt werden.
Das Ganze ist dann aber kein 'Wort Gottes' mehr (was es auch nie war),
sondern ein Spiegel der 'Geschichte der Theologie'.
"Theologen sind die einzigen Experten ohne Ahnung von ihrem
Forschungsobjekt" [KH. Deschner]
UK> BM> �berhaupt stellt sich in diesem Zusammenhang
UK> BM> die Frage, ob der streng orthodoxe Jude Jesus
UK> BM> von Nazareth jemals einer christlichen Kirche
UK> BM> beitr�te. Es ist eher zu vermuten, da� er alle
UK> BM> Christen aus dem Tempel jagen w�rde, wie er es
UK> BM> den berichten nach mit (anderen) H�ndlern be-
UK> BM> reits getasn hat.
UK> Ach Bruno, Du wetterst schon seit ein paar Jahren
UK> unerm�dlich in verschiedenen Netzen (aeusserlich)
UK> sehr vernunftsbetont und aufkl�rerisch gegen das
UK> Christentum, solche S�tze tun dem Niveau aber
UK> dann doch einen entschiedenen Abbruch.
UK> Der Gegensatz zwischen der strengen Orthodoxie Jesu
UK> und dem Christentum wirkt doch sehr konstruiert, wenn
UK> Du ihn an der Tempelreinigung und Jesu Kritik an der
UK> Kommerzialisierung der Religion konkretisieren wilst.
UK> Dieser Nachtrag hat doch �berhaupt nichts mit dem
UK> Thema zu tun und ist nur eine unerlaubte Diffamierung
UK> durch den Vergleich der Christen mit den j�dischen
UK> H�ndlern.
Bruno geht es m.E. weniger um das Niveau (im Traktieren und Fr�mmeln)
sondern um die Einheit der 'Gottessohn'-Attribute (Humanismus, Liebe)
mit der Praxis des real existitierenden Christentums. Da hier kein
roter Faden auszumachen ist, bleibt nur die vernichtende Kritik an
der Bibel, an der Kirche, an der angeblichen 'Gottessohnschaft'.
Die Parallele des Verh�ltnisses "Jesus und die H�ndler" zu unserer
heutigen Zeit ist un�bersehbar. Und da� Bruno schon 'ein paar Jahren
unerm�dlich' aber offensichtlich erfolglos gegen die Taubheit Deines-
gleichen 'wettert', liegt weniger an Brunos 'Niveau', sondern an Dei-
nem/eurem (Glaubens-) Beton im Kopf.
m.E. mach Bruno's Nachtrag die Irrelevanz der 'Schrift' deutlich: Was
ein fiktiver 'Gott' schon bei den Juden nicht schaffte, schafft 'er'
auch bei Europ�ern nicht. Auserw�hlt hin auserw�hlt her: Menschen
sind und waren �berall und zu jederzeit gleich.
UK> Wahrscheinlich ist die �ffnung hin auf alle Menschen
UK> erst das Ergebnis des nach�sterlichen Streites zwi-
UK> schen Paulus und Petrus gewesen, also entwicklungs-
UK> geschichtlich bedingt.
Aber sicher ist die Bibel [durch irgendwas] 'bedingt' und nicht 'un-
bedingtes Gotteswort'. Wenn wir uns auf 'Menschenwerk' einigen k�nn
ten, wie es 'Die Buddenbrooks', die Atombombe und das Elend Afrikas
sind und auf dem 'menschlichen Teppich' bleiben k�nnten, so h�tte
Brunos Eintreten f�r (seine) 'Vernunft' ein positives Ergebnis gezei-
tigt.
mfG
Werner
** W.Deiwiks@LINK-K.gun.de * (Werner Deiwiks) **
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