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Article #73Re: WiN-Anschluss des Deutschen EUnet
From: Carsten Rossenhoevel
Date: Tue, 18 Aug 1992 19:00
Date: Tue, 18 Aug 1992 19:00
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clauberg@rrz.Uni-Koeln.DE (Axel Clauberg) writes:
> Flames auf das EUnet allgemein in dieser Gruppe helfen glaube ich nicht
> weiter. Die dort Verantwortlichen wissen -denke ich- sehr wohl um den
> Zustand ihres WiN Anschlusses.
Ich habe mich vor einiger Zeit mit mehreren EUnet-Mitarbeitern ueber
das Thema unterhalten. Sicher ist ihnen bekannt, dass der WiN-Anschluss
"ueberlastet" ist -- was das fuer den Kunden bedeutet, kann aber
offensichtlich niemand ermessen, der nicht selbst einmal in der
Situation war, eine Mail nach Kanada sieben Tage nach dem Absenden
zurueckzubekommen ("cannot send for 7 days"), oder ein Papier aus der
Schweiz oder Frankreich wochenlang nicht per FTP holen zu koennen.
Vielen EUnet-Mitarbeitern fehlt die Erkenntnis, dass sich an der
Situation SOFORT etwas aendern muss.
Andere Mitarbeiter meinen, der WiN-Anschluss sei nicht mehr zu retten --
alle Bemuehungen, den Traffic in ertraeglichen Grenzen zu halten, seien
entweder wegen zu vieler Aufgaben (Mail & News vom EUnet, Transit nach
Amsterdam) oder wegen schlechter Preis- gestaltung (Unis sollten eigent-
lich ab N MB Volumengebuehren zahlen) unmoeglich.
Aus dieser Weltuntergangsstimmung heraus sind sie auch nicht fuer
Verbesserungsversuche zu gewinnen. Sie verweisen auf die viiel bessere
Situation nach der Gruendung der EUnet GmbH, deren Auswirkungen aber
noch einige Zeit auf sich warten lassen werden (meine Meinung).
Die Leitung des EUnet ist offensichtlich (verstaendlicherweise aus
Sicht des Nicht-Betroffenen, aergerlich aus Sicht des Kunden) immer noch
mit der Firmengruendung beschaeftigt.
Sie ist fuer den Kunden praktisch nicht greifbar (schon gar nicht
ueber News).
Alle diese Gruppen haben also keinen unmittelbaren Drang, die Situation
zu verbessern, obwohl das meiner Meinung nach mit einem Buendel an
Massnahmen moeglich waere (die hab ich schon mal aufgezaehlt, wenn sie
jemanden interessieren, poste ich nochmal eine Zusammenfassung).
> > Moeglicherweise ist es aber ja Firmenpolitik des EUnets
> > die Universitaeten an die Konkurrenz abzugeben, da sie vielleicht nicht
> > genug Geld bringen. Dann faende ich es allerdings besser, wenn sie das
> > sagen und nicht die WiN-benutzenden Kunden 'vergraulen'.
> Vergraulen will das EUnet die Hochschulen sicher nicht, eine solche Behauptung
> ist einfach unfair.
Nein, Claus, die Behauptung ist keineswegs unfair. Meines Wissens
(besser ohne Zitate) waere es durchaus im Sinne des EUnet, einige
Grosskunden, die ihr IP-Kontingent kontinuierlich ueberstrapazieren,
loszuwerden. Aus meiner Sicht ist problematisch und vom EUnet noch
nicht bemerkt, dass die mittelgrossen Kunden sich _gemeinsam_ mit den
sehr grossen Traffic-Erzeugern zu anderen Providern orientieren werden,
weil sie alle die gleiche unbefriedigende Situation erleben und weil
die grossen Unis Vorbildcharakter haben.
Nur mit kleinen Firmen als Kunden kann das EUnet aber keinen Gewinn
machen, weil der Verwaltungsaufwand zu hoch ist.
> Gibt es in Berlin eigentlich irgendwelche Absprachen,
> die bestehende ISDN SPV von netmbx nach Dortmund mitzunutzen?
Die TU hat netmbx' Leitung im Rahmen eines Betriebsversuches kurzzeitig
mitbenutzt. Es war wie im Paradies. ;-) :-((
Ralf Moritz wollte der TU die Kapazitaet aber nicht voellig umsonst
zur Verfuegung stellen. Da die entscheidenden Hirselfreds vermutlich
noch nie Mails an andere Mitarbeiter als MAILER-DAEMON geschickt haben,
ist ihnen die Bedeutung einer guten Leitung nicht so klar, befuerchte ich.
> Ich weiss nur, dass es wohl mal ein Angebot von netmbx an die
> TU gab, die Leitung mitzunutzen, die TU aber wohl kein grosses Interesse zeigte.
Das mag der Ausseneindruck gewesen sein; die Leute im ZRZ und erst
recht im Fachbereich Informatik, die ISDN nicht wie "NOS/BE"
buchstabieren, hatten sehr grosses Interesse.
> Sicher muss
> man da auch etwas zahlen, m.E. ist das Geld dort aber besser angelegt,
> als es anderen IP Anbietern fuer einen nicht unbedingt besseren Service
> zu bezahlen.
Voellig richtig, ich glaube auch nicht, dass das DFN die Wollmilch-
dingens ist. Andererseits sind so viele Kommunikationsversuche mit
dem EUnet gescheitert (eine Erfahrung aller Beteiligten), dass langsam
eine na-gut-sie-habens-nicht-anders-gewollt-Stimmung aufkommt.
Schliesslich zahlen auch die Unis Geld ans EUnet -- fuer Dienst-
leistungen, die de facto nicht mehr erbracht werden.
Sicher ist das EUnet bzw. die Noch-Informatik-Rechnerbetriebsgruppe
ein Opfer widriger Umstaende. Es reicht aber nicht aus, sich dafuer
zu entschuldigen, wenn trotzdem 12.000 DM (so um den Dreh) fuer wenig
Leistung verlangt werden.
> Genau hier liegt das Problem beim WiN. Ein Upgrade auf 256 oder 512 kbps
> waere fuer viele (auch das EUnet ?) ausreichend und
> wohl auch irgendwie finanzierbar.
Besteht denn die Chance, dass das EUnet weitere WiN-Anschluesse erhaelt?
Soweit ich weiss, ist mindestens ein weiterer WiN-Anschluss schon
lange beantragt.
Ich hab mal Geruechte gehoert, dass der DFN-Verein nach Gruendung der
EUnet GmbH mit Vergnuegen auf die akademische Ausrichtung des WiN
hinweisen wuerde...
> Aus den guten Erfahrungen, die wir mit unserer ISDN SPV (64k) nach Dortmund
> gemacht haben [..] kann ich eigentlich nur dazu raten, sich kurzfristig
> zusammenzuschliessen und ueber die Mitnutzung bestehender Leitungen zu
> reden.
Der Fachbereich Informatik hat vor sechs Monaten eine eigene
ISDN-Leitung nach Dortmund bestellt (ob die anderen Unis die mitbenutzen
duerfen, weiss ich nicht). Hier hakt sich jedoch die DBP Telekom ein.
Semipermanente ISDN-Fernverbindungen werden aller Erfahrung nach nur
sehr zoegerlich bewilligt, weil die Einnahmen bei 24-Stunden-Benutzung
einer SPV gegenueber gleicher Nutzung als Waehlleitung um 75 % geringer
sind.
(Nein, wir koennen nicht in der Zwischenzeit Wahl-ISDN benutzen, weil
die Telekom die Leitung erst gar nicht gelegt hat.)
netmbx.de hat die ISDN-SPV nach Dortmund auch erst bekommen, nachdem
Ralf Moritz sich gemeinsam mit dem EUnet bei den Oberpostdirektionen
massiv beschwert hat.
Es ist richtig, dass ein Zusammenschluss der ans WiN angeschlossenen
Berliner Institutionen sehr sinnvoll waere, und, nebenbei, auch eine
ganz ansehnliche Marktmacht haette (drei Unis, etliche Grossforschungs-
einrichtungen). Leider fehlt es an Initiative, weil die fuer Aussen-
verbindungen zustaendigen Rechenzentren von der alten Garde geleitet
werden, und weil es keine Betreiberfirma gibt, die die Netzkapazitaeten
verwalten und warten koennte.
*seufz*, Carsten
PS: Ich bin kein Angestellter einer Uni, sondern nur normaler Student.
..........................................................................
Carsten Rossenhoevel {cross,gnu,ftpadm}@cs.tu-berlin.de
{caro,newsmaster}@specs.de
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