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Article #209

Re: DTP-Fuehrerschein

#209
From: Olaf Titz
Date: Fri, 06 Nov 1992 17:46
88 lines
4692 bytes
In article <1034@watzman.quest.sub.org> harm@quest.sub.org writes:
>...
>>In der "Prae-DTP-Zeit" war das weit weniger schlimm. Ich bezweifle
>>wie gesagt nicht, dass DTP in den richtigen Haenden gute Ergebnisse
>>hervorbringen kann. Aber das ist wohl mit fast jedem Programm so.
>
>Neben Zustimmung hier noch ein kleiner Opinion-Input:
>Ich kenne *nur* technische Dokumentation, die mit TeX erstellt wurde und
>kann diese an Hand des Layouts sofort als mit TeX erstellt identifizieren.
>Dadurch, dass hier anscheinend immer der gleiche "style" verwandt wurde,
>erscheint das Layout auf Dauer langweilig.

\documentstyle[german,a4]{article}
oder gar
\documentstyle[12pt,german,a4]{book}

Gr"asslich! (IMHO.)

Aber das ist kein Problem von TeX, sondern allgemein von
vorgefertigten 'style sheets' aller Art, ob f"ur DTP-Software oder
f"ur LaTeX. (Dieses Standardlayout, insbesondere mit jeder
"Uberschrift in einer anderen Gr"osse, hauptsache fett, das kommt von
den mit LaTeX mitgelieferten styles, und ist somit keine
TeX-Eigenart. Mir gefallen diese styles gar nicht, und ich verwende
meine eigenen. Damit bin ich aber im Source immer noch kompatibel zu
den Standardteilen.) Bei den meisten Benutzern scheint mir die Erkenntnis,
dass man nicht nur eigene styles definieren kann (o.k., daf"ur muss
man sich etwas besser auskennen; das ist aber auch nicht unm"oglich
oder nur f"ur Cracks erreichbar) noch zu wenig verbreitet.

>...
>Da meiner Ueberzeugung nach die Schwemme von aesthetisch anekelnden
>Publikationen auf die *Fehlbedienung* von DTP zu fuehren ist, also die
>Aussage "Mit dies und das wird es *automatisch* schlechter" obsolet ist, 
>ging ich auf die restlichen Unterscheidungsmerkmale DTP<>TeX ein, was
>fuer mich insbesondere im Werksatz Faehigkeiten zur Buchorganisation,
>Quesrverweisen, Fussnotenverwaltung, Indexerstellung etc. sind.
>Deshalb verstehe ich die Verwendung von TeX *besonders* im Werksatz nicht,
>da z.B. technische Handbuecher in erster Linie *funktionieren* muessen,
>also einfach zu lesen, exakt durchnummerierte Kapitel etc. sein/haben
>muessen. (... zu koennen, geworden, sollen sein ... ;-) )

TeX ist gerade fuer den Werksatz ideal. Ohne viel Rumfummeln an den
Grund- (nicht Stil-) Parametern erzeugt es funktionierenden, das
heisst in erster Linie leicht lesbaren, Satz. Besonders deutlich wird
dies bei den mathematischen Formeln. Eine Formel, die in TeX 'einfach
so eingehackt' wird, sieht nach dem Ausdrucken mit TeX einfach
*richtig* aus. (vielleicht nicht immer im mathematischen Sinn bezogen
auf den Inhalt :-) aber hier geht es um Typographie.)

>Vergl. hierzu meine Forderung nach dem DTP-Fuehrerschein.

Der ich mir nur anschliessen kann. Dabei spielt die Funktionsweise der
verwendeten Software weniger eine Rolle als die F"ahigkeit, daraus
herauszuholen, was zu machen ist, *und* ein brauchbares Ergebnis dabei
zu produzieren.

>...
>Frage: Wie bringt SGML den Leistungsumfang von allen Systemen unter einen
>Hut ohne zum intermedialen Format zu verkuemmern, was nur die 
>Basisinformation abbilden kann.

Nach allem, was ich dar"uber weiss, ist SGML genau das:
Basisinformation bestehend aus Text und Hinweisen, 'was was ist'.
Praktisch wie LaTeX. 

Da f"allt mir ein, dass viele Anwender auch LaTeX nicht richtig
verwenden. Anstelle der Gliederungsbefehle, die den richtigen Style
von sich aus bestimmen, werden allzu gerne typographische Anweisungen
wie bei Plain TeX eingesetzt. Eine Zwischen"uberschrift k"onnte lauten

\subsubsection{Von der Kritzelei zur Kalligraphie}

wird aber, trotz LaTeX, gerne so geschrieben:

\\[5mm]
{\bf Von der Kritzelei zur Kalligraphie} \\[5mm]

Genau so ist es aber NICHT vorgesehen! Auch so etwas muss man erst
einmal lernen, genau wie die richtige Anwendung leistungsf"ahiger
DTP-Systeme... hier sind wir gar nicht so weit auseinander, wir
bevorzugen lediglich unterschiedliche Software :-)

Olaf
-- 
| Olaf Titz - comp.sc.student  |   o     | uknf@dkauni2.bitnet | old address |
| univ. of karlsruhe - germany |  _>\ _  | s_titz@ira.uka.de   | is still    |
| +49-721-60439                | (_)<(_) | praetorius@irc      | valid       |
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Message-ID: <1deb19INNee9@iraul1.ira.uka.de>
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From: s_titz@ira.uka.de (Olaf Titz)
Newsgroups: de.comp.misc
Subject: Re: DTP-Fuehrerschein
Date: 6 Nov 1992 17:46:17 GMT
Organization: Fachschaft math/inf, Uni Karlsruhe, FRG
Lines: 88
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