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Article #210

Re: Offener Brief an die Redaktion der c't

#210
From: Olaf Titz
Date: Mon, 28 Sep 1992 10:44
96 lines
5508 bytes
In <1992Sep25.120658.6528@esfra.sub.org> holger@esfra.sub.org writes:

>  In <1992Sep24.091525.26830@eurom.rhein-main.de> misch@eurom.rhein-main.de (Michaela Schoebel) writes:
>...
>  >Die Firma "CadSoft" hat sich einer strafbaren Handlung bedient, um
>  >Raubkopierern auf die Schliche zu kommen. [...]
>  
>  Wenn Du der Meinung bist, dass die Firma CadSoft sich strafbar gemacht
>  hat, kannst Du sie ja anzeigen. Nach meiner Meinung ist es aber das
>  Recht eines jeden, sein Eigentum zu schuetzen, und genau das hat CadSoft
>  getan - mit einer wirklich einfallsreichen Methode. 

Es ist nicht das Recht eines jeden, sein Eigentum mit allen, auch
rechtswidrigen, Mitteln zu sch"utzen. Meiner Meinung verst"osst das
Vorgehen von CADsoft eindeutig gegen die Vorschriften des STGB,
Stichwort 'Datenaussp"ahung'.

>  Es kann sich kaum um ein "Ausspaehen" von Daten handeln, da die eigentliche
>  Rueckmeldung an CadSoft nicht automatisch geschah, sondern von dummen
>  Raubkopierern, die in ihrer Gier auch noch ein Handbuch haben wollten.

Doch, da das versandte Programm ein Trojanisches Pferd enthielt,
dessen Aufgabe es war, Daten aus dem Speicher des Rechners ohne Wissen
des Anwenders an Dritte zu "ubermitteln. Wo das (ob mit Unterst"utzung
des Opfers oder ohne ist egal) geschah, ist es eine vollendete
Handlung, sonst zumindest ein Versuch.

>  Bei diesen Leuten handelt es sich kaum um "Mal-gucken-was-das-Programm-
>  so-alles-kann" - Usern, die alles aufrufen wollen, was .EXE heisst,
>  sondern hoechstwahrscheinlich um Leute, die ihre Arbeit (inklusive
>  Geldverdienen) mit der Software erleichtern wollen. Auf Kosten anderer.

Deren Unrecht macht das CADSoft-Unrecht nicht rechtens. Wir sind nicht
im Wilden Westen mit uneingeschr"ankter Selbstjustiz.

>  >Warum nicht ein MiniWord
>  >mit eingeschraenkten Moeglichkeiten fuer weniger als 100 DM?
>  
>  Ja, warum nicht? Eigentlich wuerde ich erwarten, dass sich ein
>  _leistungsfaehiges_ Programm fuer diesen Preis verkaufen wuerde
>  wie warme Semmeln um 7.00 Uhr frueh. Nur: Wer will sich dann 
>  mit den Benutzeranfragen rumschlagen, weil mal wieder jemand nicht
>  weiss, wie man einen Absatz formatiert? Wer liefert das noetige
>  Kleingeld, um das Programm weiterzuentwickeln? Wer finanziert die
>  Werbung, den Versand etc.? 

Warum sind heutige professionelle Programme so teuer? Zwei gewichtige
Kostenfaktoren sind 
- die vollkommen sinnlose, "ubertriebene Reklame (guck mal in einer
g"angigen Fachzeitschrift nach ganzseitigen Anzeigen von
Softwarefirmen, versuche den Inhalt zu finden und sieh dann im
Impressum nach Anzeigenpreisen) und
- so vorhanden, der 'Kopierschutz', gerade bei CAD-Software.

>  Billige Software kann heute fast nur noch von Hobbyisten geschrieben
>  werden, und wenn diese Software mit (sag ich jetzt einfach mal
>  pauschal) Profi-Software konkurrieren muss, sieht sie von wenigen
>  Ausnahmefaellen abgesehen fast immer schlecht aus. 

So wenige sind das nicht mehr. Der Prozentsatz ist vielleicht gering
aber die Qualit"at sehr hoch. Was w"urdest Du f"ur EMACS oder GCC
zahlen, wenn diese Programme auf dem heute "ublichen Niveau vermarktet
w"urden? Ich sch"atze ersteren auf 800DM, letzteren auf 1500DM,
gemessen am Niveau vergleichbarer Programme, auf DOS wohlgemerkt, auf
Unix ist das F"unf- bis Zehnfache "ublich (Leider).

>  Software-Entwickler wollen schliesslich auch Geld verdienen. Und wenn
>  ich ein Programm fuer unter 100 Mark verkaufe, muss ich es im Monat
>  etwa 150 mal verkaufen, wenn ich nach Abzug aller Unkosten noch was
>  dran verdienen will. Wie soll das gehen?

Du verkaufst es sicher nicht 150 mal, wenn es 3000 statt 100 DM kostet.

>  >Ich muss ein Programm kaufen ohne es vorher getestet haben zu duerfen.
>  
>  Natuerlich ist das aergerlich. Aber was spricht dagegen, vor einer
>  Investition von meistens ueber 1000 DM bei anderen Benutzern mal
>  ueber die Schulter zu schauen? Standardsoftware ist weit genug ver-
>  breitet. Und bei Spezialloesungen gibt es (wie bei CadSoft!) auch
>  haeufig Demo-Software, oder ein ruehriger Vertreter kommt mal vorbei.

Unterst"utzung des Anwenders bedeutet IMHO dass es selbstverst"andlich
ist, dass vor einer Investition in dieser H"ohe *auf jeden Fall* ein
vom Hersteller/H"andler aktiv unterst"utzter Test m"oglich ist.
W"urdest Du ein Auto ohne Probefahrt kaufen? ('Such Dir jemanden, der
das gleiche Modell hat, und fahr mal bei dem mit'????)


MfG,
        Olaf
-- 
    o     Olaf Titz - comp.sc.student - univ of karlsruhe - germany
 _ /<_    s_titz@iravcl.ira.uka.de - uknf@dkauni2.bitnet - praetorius@irc
(_)>(_)   +49-721-60439 - did i forget something?
What high-level language should one use for system programming? The only
 reasonable candidate today is PL/I. - Fred Brooks (1975)
Technical Details
Message-ID: <1992Sep28.104445.11734@rz.uni-karlsruhe.de>
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From: S_TITZ@iravcl.ira.uka.de (Olaf Titz)
Subject: Re: Offener Brief an die Redaktion der c't
In-Reply-To: holger@esfra.sub.org's message of Fri, 25 Sep 92 12: 06:58 GMT
Message-ID: <1992Sep28.104445.11734@rz.uni-karlsruhe.de>
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Date: Mon, 28 Sep 1992 10:44:45 GMT
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