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Article #20

Troj. Pferd z. verk.

#20
From: Harald Schneider
Date: Sun, 06 Sep 1992 16:33
173 lines
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Hallo Leute !

Es folgt ein weiterer Artikel aus dem Magazin "DER SPIEGEL":


-<CUT>-                        

			TROJANISCHES PFERD

mit einem gatarnten pc-programm durchsuchte ein software-hersteller
die computer von privatanwendern und sicherheitsbehoerden nach illegalen
raubkopien

als die kleine botschaft nach dem programmstart auf seinem pc-bildschirm
erschien , dachte sich christian fricke zunaechst nichts boeses .
`sie koennen`, wurde dem kazfmann aus hamburg auf dem monitor mitgeteilt
, `das neue handbuch zur version 2.6 kostenlos anfordern !`
gerne folgte fricke der aufforderung des programmherstellers , dessen
fromular-datei (name: `order.txt`) ausdrucken und den gutschein dann,
handschriftlich ausgefuellt , `so schnell wie moeglich` zurueckzuschicken.

das attraktive gratisangebot entstammte einer ebenfalls kostenlosen
software-probe , die edv-fachmann fricke unbestellt von der kleinen frima
cadsoft aus dem bayrischen pleiskirchen zugesandt worden war . die pc-
diskette mit dem gelben etikett `eagel layout-software` enthielt eine
nur eingeschraenkt funktionfaehige sogenannte demo-version eines spezial-
programms zum rechnergestuetzten entwerfen und gestalten von computer-
platinen.

fuer den eingesandten gutschein allerding erhielt fricke dann nicht das
erhoffte handbuch , sondern ueberraschende post von den cadsoft-rechts-
anwaelten. `es ligen inzwischen beweise vor`, so wurde dem hamburger
mittels serienbrief mitgeteilt , `dass sie mit einer raubkopie des pro-
gramms eagle unserer partei arbeiten.`

als fricke (`ich bin hundertprozentig schuldlos`) daraufhin ebenfalls ein-
nen anwalt einschaltete , bestaetigte sich sein arger verdacht , dass
`mit der demo-version etwas nich in ordnung` sei. `die kostenlos zuge-
sandte demo-diskette`, legten die cadsoft-anwaelte nach ,`war u.a. dahin-
gehend programmier , dass sie raubkopien und geknackte versionen des pro-
gramms unserer partei ausfindig macht.` das sei , empoerte sich der kauf-
mann , schlicht `einbruch per computerprogramm`.

fricke ist kein einzelfall , rund 10000 exemplare des als schnuppersoft-
ware getarnten schnueffelprogramms wurden in den vergangenen monaten von
der firma cadsoft and kleinanwender , aber auch an grosse frimen , hoch-
schulen und bundesbehoerden versandt - ein `unmoegliches vorgehen`,
kritiesiert peter schaar , referatsleiter der hamburger datenschutzbe-
hoerde.

sobald die arglosen empfaenger das unverdaechtige cadsoft-werbeprogramm
auf ihrem personalcomputer installierten , setzten sie damit auch die 
blitzschnelle durchsuchung des pc-festplattenspeichers nach raubkopien
in gange. bei vermeintlichen `treffern` wurde der verlockende gutschein
ausgegeben , der - harmlos verschluesselt - den `durchsuchungsbericht`
fuer cadsoft enthielt . brav zurueckgeschickt wurde der handbuch-bon von
beinahe 400 benutzern , darunter matarbeiter des bundesinnenministeriums,
des bundesamtes fuer verfassungsschutz in koeln sowie des bundesamtes
fuer wehrtechnik und beschaffung , arsenalbetriebe kiel.

als `notwehr gegen raubkopierer` rechtfertigte cadsoft-chef rudolf hofer
die private durchsuchungsaktion, die `technisch und juristisch wohldurch-
dacht` gewesen sei . als unbekannte software-diebe im fruehjahr 1991 den
asugekluegelten kopierschutz seines erfolgsprogramms `eagel` (preis:
2998 mark) genackt haetten , sei der umsatz `schlagartig um 30 prozent
gesunken`.

einen `drastischen anstieg` stellte die frima hingegen bei den bestel-
lungen fuer die `abgespeckte` demo-version (25 mark) fest , die mit voll-
staendigen handbuch des originalprogramms verschickt wurde - fuer hofer
`ein indiz , dass wir auch noch die bedienungsanleitung liefern sollten`.

sein verdacht genuegte dem firmenchef , im darauf mit seinem programmier-
rern und rechtsanwaelten einen trickreichen wie problematischen plan 
gegen den software-klau aufzubauen . `wenn man so etwas anfaengt`,
erklaert hofer,`muss man es voll durchziehen.`

um den benutzern von raubkopien auf die schliche zu kommen , ver-
wendete cadsoft ein bewaehrtes hacker-werkzeug , mit dem bei-
spielsweise auch deutsche datenspione im auftrag des sowjetischen
geheimdienstes kgb westliche rechner ausgespaeht hatten. die neue
demo-software wurde als `trojanisches pferd` programmiert - eine
harmlose scheinende anwendung , in der ein komplexer befehlscode
mit `geheimauftrag` verborgen liegt.

mit dem digitalen danaer-geschenk wurden dann alle diejenigen be-
glueckt , die auch die letzte eagle-schnuppersoftwareprobe (mit
handbuch) bezogen hatten , ohne spaeter das kostspielige vollpro-
gramm zu ordern - fuer cadsoft-chef hofer waren sie damit `alle
verdaechtig`.

sobald die ahnungslosen empfaenger die neugierige werbesoftware
auf ihrem personalcomputer starteten , wurden programmgemaess im
verborgenen der geheime durchsuchungsbefehl fuer den pc-speicher
exekutiert: aufgespuert werden sollten spezielle dateien , die
charakteristische merkmale von bekannten eagle-raubkopien auf-
wiesen.

fand das programm nun den `anfangsverdacht` bestaetigt , er-
stellte es prompt - wein ein pflichbewusster polizeibeamter -
einen durchsuchungsbericht. den liesses sich von dem nichts-
ahnenden pc-benutzer handschriftlich abzeichnen - den gutschein
- `fuer 1 kostenloses handbuch`.

die einzelnen ergebnisse der druchsuchung , etwa angaben ueber
den durchsuchten computer sowie anzahl und versionen raubkopier-
ter dateien , wurden in einem zwoelfstelligen code verschlues-
selt , den einsendern fuer die seriennummer seines bons halten
musste.

so entnahmen die cadsoft-kundschafter beispielsweise einem gut-
schein aus dem `bundesministerium des inneren , referat ic3`
mit der `seriennummer` feaf110100fb deutliche hinweise auf den
eingesetzten rechner sowie , an stelle 6 des codes , die anzahl
der aufgespuerten raubkopien: `1`. cadsoft habe , erklaert hofer,
mit diesem nachweis rund 100 ruecksender `zu einer guetlichen
einigung bewegen` koennen.

die geheime datenschnueffelei koennte das software-unternehmen
allerding teuer zu stehen kommen. `opfer von software-piraterie`,
stelltt professor ulrich sieber von der universitaet wuerzburg
fest , koennten haeufig `keine wirksame staatliche hilfe erwaten`.
`weitgehend ungeklaert`, erlaeutert der experte fuer computer-
strafrecht , seien aber die rechtlichen folgen fuer derartige
digitale `selbsthilfe`. so kaemen beispielsweise die straftatbe-
staende des ausspaehens von daten , der datenveraenderung sowie
des geheimnisverrates in betracht.

fuer `straeflichen leichtsinn`, kein strafbestand , haelt sieber
dagegen das verhalten von behoerdenmitarbeitern , nicht oder nur
unzureichend sicherheitsgepruefte software auf ihren computern
einzusetzten. so kann beispielsweise auch nicht ausgeschlossen
werden , dass ein solches programm die funktionen wertvoller 
dateien beeintraechtigt oder diese sogar zerstoert.

selbst wenn die `durchsuchten` nachtraeglich informiert wuerden,
warnt datenschuetzer schaar , sei `schliesslich ueberhaupt nicht
sicher , was das programm sonst noch angestellt hat`.

im cadsoft-fall gab es beispielsweise eine nachwirkung , die von
den programmieren bestimmt nicht beabsichtigt war. ausgerechnet
bei einem mitarbeiter des bundesamtes fuer verfassungsschutz 
(bfv) aus bergheim 3 fuehrte die aussicht auf ein kostenloses 
handbuch zu einem gesteigerten mitteilungsbeduerfnis. so wurden
sogar betriebsinterna freiwillig preisgegeben.

ungefragt offenbarte der verfassungsschuetzer in einem post-
skriptum fuer cadsoft auf dem gutschein seine begeisterung fuer 
die eagle-software. `nach dem test der demo`, gab er preis ,
`habe ich die version 2.05 fuer die behoerde (bfv) , bei der ich
arbeite gekauft !.`


-<CUT>-

Die Frage ist, ob derart beschaffte Informationen wirklich ein
Beweismittel darstellen. Ferner ist es verblffend, wer denn so
alles Raubkopien verwendet ...






Bye,

Harald



-> "The only way to multitask with MS-DOS: Run IBeM twice on an AMIGA." <-

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