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Article #42HW-Schaeden durch SW (was Re: Computervirus als Kunst?)
From: Martin Weitzel
Date: Tue, 12 Jan 1993 13:56
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In article <1993Jan2.130451.17866@solaris.rz.tu-clausthal.de> injc@asterix.rz.tu-clausthal.de (Joerg Czeranski) writes: [....] >Es ging vor Jahren das Geruecht um, es gebe fuer den C64 eine Routine, >die mit Hilfe undefinierter OpCodes einige Chips durchbrennen solle. >Der Programmierer wollte das als ne Art Kopierschutz verwenden: Wenn >das geschuetzte Programm merkt, dass es raubkopiert worden ist, ruft es >die Routine auf, und der Rechner ist im Eimer. Solche Geruechte gehen immer wieder mal um, und neben dem kurzfristigen Effekt der Kundenverunsicherung wirkt sich der langfristige Effekt meist dahingegehend aus, dass niemand das Produkt mehr haben will. Hier ein Beispiel: Nehmen wir mal an irgend eine hypothetische Software erfordert eine Serialisierung und auf vernetzten Rechnersystemen tauschen die einzelnen Kopien geheime Nachrichten aus und wenn sie feststellen, dass zweimal das Produkt mit derselben Seriennummer laeuft, dann passiert etwas viel schlimmeres, als dass eine der beiden Versionen nicht verwendbar ist. Nun unterscheiden wir zwei Faelle: a) Dass dies passieren kann und auch WAS GENAU in diesem Fall passiert, ist voll dokumentiert und vor dem Kauf des Produkts bekannt. b) Der zerstoererische Effekt ist mit Absicht im Produkt vorhanden, aber nicht dokumentiert. Im Fall a) wird jeder kommerzielle Kunde mit halbwegs gesundem Menschenverstand auf ein Kokukrrenzprodukt ausweichen, so es eines gibt, selbst zu hoeheren Kosten, denn das Risiko, dass durch eine kleine Nachlaessigkeit ein viel groesserer Schaden angerichtet wird, ist einfach zu hoch. (Szenario: Einer der vernetzten Rechner hat einen irreparablen HD-Schaden, es muss neu installiert werden, das ganze vielleicht nur mit Telefonunterstuetzung durch den gerade nicht anwensenden Systemverwalter, jemand erwischte die falsche Serialisierung, ... anschliessend bricht das Chaos auch auf den nicht betroffenen Rechnern aus.) Delikater und juristich noch interessanter halte ich aber Fall b). Viele SW-Lieferanten schliessen ja jegliche Haftung fuer durch die Verwendung der SW erzeugte Schaeden aus. (Bei genauer Lektuere des Kleingedruckten wird man oft sogar finden, dass jeder Anspruch darauf dass die Software ueberhaupt funktioniert, ebenfalls ausgeschlossen ist.) Solche Haftungsausschluesse unterliegen nach meinen rudimentaeren juristischen Kentnissen aber gewissen Einschraenkungen, wenn grobe Fahrlaessigkeit oder gar Vorsatz im Spiel ist. Und Vorsatz liesse sich im obigen Fall ja nicht abstreiten. Wenn also obiges Szenario (ver- sehentlich falsche Serialisierung ==> sehr grosser Schaden auch an Daten, die mit der Sache ueberhaupt nichts zu tun haben) eintritt, dann bestehen IMHO ganz gute Chancen, dass der Vertreiber des so gut geschuetzen Progamms in die Haftung genommen wird! (Und wenn die Firma, bei der es zum Schaden kommt, wirtschaftlich um einiges maechtiger ist als der SW-Hersteller und entsprechend gute Anwaelte hat, koennte ich mir sogar vorstellen, dass selbst bei absichtlich eingesetzten Raubkopien im Fall b) der SW-Hersteller den Schaden zahlen muss, lediglich unter Anrechnung des ihm durch die Verwendung der Raubkopien entgangenen Gewinns.) Um noch eins draufzulegen: Wir alle wissen, dass kaum ein groesseres Programm absolut fehlerfrei ist. Was also, wenn der Zerstoerungs- mechanismus mal zuschlaegt, obwohl gar kein Grund dafuer besteht? Und diesem Punkt sollte man ganz besonders bei der Frage eines HW- Selbstzerstoerungsmechanismus beruecksichtigen: Lohnt sich dieses Risikos angesichts der Moeglichkeit, dass dieser Mechanismus unter irgendwelchen Bedingungen versehentlich zuschlaegt und damit eines Tages vielleicht eine Lawine von Garantiefaellen auf den HW-Hersteller zukommt? P.S.: Ich will mit diesem Artikel nicht bezweifeln, dass es Firmen gibt, die eine so paranoide Angst vor entgangenem Gewinn durch Raubkopien haben, dass sie ueber vergleichbare Sicherungsschemata nachdenken. Ich will auch nicht in Frage stellen, dass solche Schmata vereinzelt realisiert wurden. Aber ich denke, dass das allermeiste in diesem Zusammenhang in den Bereich moderner Legenden gehoert. -- Martin Weitzel, email: martin@mwtech.UUCP, voice: 49-(0)6151-6 56 83
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arc1-ca.pugleaf.net!sparky!uunet!zaphod.mps.ohio-state.edu!howland.reston.ans.net!spool.mu.edu!sol.ctr.columbia.edu!ira.uka.de!Germany.EU.net!mikros!mwtech!martinReferences:
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