🚀 go-pugleaf

RetroBBS NetNews Server

Inspired by RockSolid Light RIP Retro Guy

Article View: de.comp.security
Article #56

Re: LIST zum drohenden Verschluesselungsverbot

#56
From: Hans-Peter Stoerr
Date: Mon, 23 Oct 1995 02:07
65 lines
3962 bytes
On Sun, 22 Oct 1995 18:55:12, Holger Bruns <holger@deep.hb.provi.de> wrote:
> [...]
> Ueberleg doch mal: Wenn mir jemand aus den 
> USA eine PGP-verschluesselte Mail schickt, und in den USA ist PGP erlaubt, 
> waere ich dann der Verbrecher, wenn ich den Zeichensalat zum Privatgebrauch 
> sichtbar mache? Absurd. 

Und? In Frankreich ist PGP verboten. Wenn er PGP benutzt um die Mail zu
entschluesseln, dann macht er sich eben strafbar. Sein Problem. Er kann sich
ja die Mail auch unverschluesselt schicken lassen. Oder mit irgendwelchen
staatlich verkrueppelten Verfahren.

> Zweitens: PGP schuetzt nicht vor systematischem 
> Abhoeren, wohl aber vor Gelegenheitszugriffen. Wenn PGP im Netz verboten ist, 
> wieso sind dann die Briefumschlaege bei der SnailMail noch erlaubt? Wandert ab 
> demnaechst jeder Papierverkaeufer fuer fuenf Jahre ins Gefaengnis? Ich denke, 
> dass sich die Ueberwachungshysteriker hier fuer sich selbst eine Logikfalle 
> gebaut haben.

Wie kommst Du eigentlich auf die Idee, das Gesetze logisch sind? Ich habe
nicht den Eindruck, dass das jemals ein Kriterium war. Abgesehen davon, dass
Deine Logik auch recht fraglich ist. Immerhin koennen Briefumschlaege von
den staatlichen Stellen leicht geoeffnet werden. (Und nicht nur von diesen.
:-) Und niemand verlangt vom Gesetzesgeber bis zum absurden konsequent zu
sein.

> Hilfsweise behaupte ich dreist, dass PGP kein Verschluesselungsprogramm ist, 
> sondern Computerkunst. Da sollen mir mal die Paragraphenreiter kommen und die 
> Sache technisch diskutieren wollen. Wetten, dass ich Recht behalte? 

Geh mal nach Frankreich und probiers. Was fuer Argumente willst Du da
uebrigens bringen? Du kannst zwar viel behaupten, aber es muss Dir
schliesslich auch jemand glauben.

> >Natuerlich ist es moeglich, Daten  
> >auf anderen Wegen (kodiert) zu uebertragen z. B. nicht wahrnehmbare  
> >Nebengeraeusche in Sounddateien oder Videodateien. Um diese zu  
> >dekodieren, wuerden dann spezielle Programme benoetigt werden (deren  
> >Besitz dann natuerlich auch illegal waere). Vor Gericht ist es dann sehr  
> >schwer, festzustellen, ob nun eine chiffrierte Nachricht vorliegt, oder  
> >nicht.
> 
> Es ist nicht nur schwer, sondern sogar unmoeglich, wenn die versteckten Daten 
> auch noch verschluesselt sind. Welcher Geheimdienst-Fuzzi kann denn solcherlei 
> Material noch vom Rauschen unterscheiden, dass in allen digitalisierten 
> Analogsignalen steckt?

Da taeuschst Du Dich. Das Rauschen in Analogsignalen ist weit von dem
perfekten weissen Rauschen entfernt, das Kryptographie erzeugt. Es ist also
sogar recht einfach festzustellen, dass da was faul ist. Klar, man kann das
auch so gut machen, dass es kaum noch festzustellen ist, aber das ist sehr
schwer.

Insgesamt gesehen: Dein Optimismus in Ehren, aber ich halte die Lage fuer
sehr ernst.

Greetings,

Haps

-- 
#!/usr/local/bin/perl -s-- -export-a-crypto-system-sig -RSA-in-3-lines-PERL
($k,$n)=@ARGV;$m=unpack(H.$w,$m."\0"x$w),$_=`echo "16do$w 2+4Oi0$d*-^1[d2%
Sa2/d0<X+d*La1=z\U$n%0]SX$k"[$m*]\EszlXx++p|dc`,s/^.|\W//g,print pack('H*'
,$_)while read(STDIN,$m,($w=2*$d-1+length($n||die"$0 [-d] k n\n")&~1)/2)
Technical Details
Message-ID: <46etdr$cod@irz401.inf.tu-dresden.de>
Path: arc1-ca.pugleaf.net!x12r5a.wh3.tu-dresden.de!haps
References: <5wEH659-jSB@argo.rhein-main.de> <46d038$t70@samson.mbis.de> <5wKZ4LPGCHB@dwater.north.de> <holger.452.0012EC1E@deep.hb.provi.de>

Show Full Headers
Complete Article Headers
Path: arc1-ca.pugleaf.net!x12r5a.wh3.tu-dresden.de!haps
From: haps@x12r5a.wh3.tu-dresden.de (Hans-Peter Stoerr)
Newsgroups: de.comp.security,ct.diskussion,de.soc.netzwesen,de.comm.internet,de.comm.isdn,de.comm.misc,de.etc.lists,de.org.ccc
Subject: Re: LIST zum drohenden Verschluesselungsverbot
Date: 23 Oct 1995 02:07:55 GMT
Organization: Dept. of Computer Science, TU Dresden, Germany
Message-ID: <46etdr$cod@irz401.inf.tu-dresden.de>
References: <5wEH659-jSB@argo.rhein-main.de> <46d038$t70@samson.mbis.de> <5wKZ4LPGCHB@dwater.north.de> <holger.452.0012EC1E@deep.hb.provi.de>
NNTP-Posting-Host: atlantis.wh2.tu-dresden.de
Mime-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1
Content-Transfer-Encoding: 8bit
X-Newsreader: slrn (0.7.8.1)