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Started by Wau Holland
Mon, 11 Aug 1997 00:00
Netzaudio: langsamer, besser, billiger
Author: Wau Holland
Date: Mon, 11 Aug 1997 00:00
Date: Mon, 11 Aug 1997 00:00
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/emp 10.08.97 - GEZ-Gebuehrenpflicht fuer PCs ohne Lautsprecher (denn Bruellwuerfel koennen "leicht" installiert werden) ist ein Sommerlochknaller 1997. Der Entwurf stammt aus einer undichten Schublade des SDR und sorgte fuer Aufregung. Dabei ist der Entwurf haltlos, weil Audiodienste im Internet zwar alles moegliche sein koennen, nur kein Rundfunk im Sinne der juristischen Definition desselben. Aber Vorsicht: mit Gesetzen ist vieles moeglich. So wurde im Wahlgesetz festgelegt, dass die Stimmzettel in _viereckige_ Urnen geworfen werden muessen. Ein Mathematiker klagte gegen das Gesetz. Da die Abgeordneten bis drei zaehlen konnten, wurde anschliessend eine Neuinterpretation der Zahl vier noetig und es wurde festgelegt, dass auch achteckige Kaesten als Urnen im Sinne des Viereck-Gesetzes zu betrachten sind. Alles ist halt Anschauungssache... Bei der Definition von "Rundfunk" waere fuer das Internet eine "Abrundung" des Begriffes moeglich. Diese verdient Widerspruch. Festzustellen bleibt derzeit, dass die oeffentlich-rechtlichen Sender bei der Versorgung derzeit nicht einmal naeherungsweise "Rundfunk" liefern, sondern hoechstens ein paar Bits gemaechlich bis an die naechste Ecke karren lassen. Und im Unterschied zu den frei rumduesenden Funkwellen zahlt auch noch der Empfaenger fuer den Transport; entweder pauschal oder Bit fuer Bit. Derzeit reicht die Kapazitaet von "Bayern5" gerade einmal fuer den gleichzeitigen Zugriff von 200 "Netzhoerern". Die Zahl ist interessant, denn jeder sogenannte "Fuellsender", wie es sie in bergigem Gelaende zur Versorgung abgelegener Doerfer gibt, hat eine hoehere technische Reichweite als ein "nationaler" Server, der - als Landesmedium - "nur" fuer Bayern zustaendig sein darf. Bei einem Netzzugang ueber "Pseudo-Provider" wie metronet kommen noch ganz andere Probleme hinzu und der Versuch, am Internet "Radio" zu hoeren, scheitert in der Regel klaeglich. Die Audiobits beim Versuch, mit einem 16 MHz 386er eine Multimedia-CD mit Film zu betrachten, "ruckeln" weniger als etwas "Bayern5" per Modem. Die "Radio"-Nutzung am Internet laesst sich am ehesten vergleichen mit dem Abholen einer digitalen Tonkonserve, die zeitversetzt und zerhackt geliefert wird. Die juristische Bedeutung von Verzoegerungen ist aus anderen Bereichen bekannt. So sind manche Scannertreiber deshalb "langsam" programmiert, weil der Lieferant die Abgabe von Urheberrechtsgebuehren umgehen will. Und beim Monopolbereich des Telefons haben die Anbieter von Mehrwertdiensten (z.B. Dialoge bei 0190er Systemen) die Sprache digital gespeichert und verzoegert wiedergegeben. Denn durch diese Verzoegerung waren "Echtzeitdialoge" nicht moeglich und das Telefonmonopol wurde nicht verletzt. Der Sommerlochknaller "Rundfunkgebuehr fuer PC ohne Lautsprecher" ist jedoch durchaus ernst gemeint und der SDR mit dem Gesetzentwurf in der Schublade an der Spitze. Der falsche Weg ist es jedoch, zum Boykott von Internet-Radios aufzurufen. Denn in der Konsequenz foerdert die Idee, beim Provider Netzzugaenge zu derartigen Internet-Angeboten zu sperren, auf diesem Umweg die Netzzensur. Denn erforderlich ist das, was in Singapur freundlicher formuliert als "large scale content management" bekannt ist und das auch nicht funktioniert. Frei nach dem Motto von Walter Ulbricht "Ueberholen ohne einzuholen" kann man den SDR-Juristen mit Langsamkeit in die Quere kommen. So ist es denkbar, die Auslieferung von Audio-Bits beim Provider um etwa eine Sekunde zu verzoegern. Das reicht aus zur Abschaffung des "Rundfunks" im Sinne der gesetzlichen Definition. Auch wenn die Anstalten sich Riesenserver hinstellen, um die derzeitige techische Reichweite so zu steigern, dass mehr Teilnehmer in der BRD zugleich erreicht werden koennen als mit jeder kleinen doerflichen Gemeinschaftsantennenanlage, sorgt die Verzoegerung dafuer, dass kein Rundfunk stattfindet; dafuer ist das Internet ungeeignet. Vorteile fuer Nutzer haette die Verzoegerung, weil der Datenstrom weniger abgehackt waere als beim Versuch, die Audiobitfluten ueber begrenzte Bandbreite zu quetschen, meint Wau Holland fuer eMailPress, die agentur gegen den strich... -- # GNU Crosspoint 4.5.6 gamma #
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