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Article View: de.sci.electronics
Article #1201

Re: 1MHz AM Sender

#1201
From: Thomas Schaerer
Date: Fri, 12 Jun 1998 00:00
73 lines
4565 bytes
In de.sci.electronics Andreas Beermann <beermann@sdr.de> wrote:
>> Versuche mal mit einem handelsueblichen MW-Radio den Schweizer Sender
>> auf 531 kHz (Musikwelle-531) irgendwo tagsueber in Europa ausserhalb
>> von 200 km Radius zu empfangen. Der Empfang wird, wenn ueberhaupt,
>> ziemlich verrauscht sein. Dieser Sender hat eine 1000-fache
>> Sendeleistung......

> da war sie wieder eimal - die leider zu haeufig vergessene Tatsache,
> dass heutzutage die Reichweite eines Senders _nicht_ mehr wesentlich von
> seiner Leistung sondern fast ausschliesslich von den Frequenzen und der
> Lage der Nachbarsender abhaengt. Stichwort: Interferenz.

Wobei die lokalen Nachbarsender u.v.a. auch aus
Phasenschnittsteuerungen, aus Schaltnetzteilen, TV- und
Computermonitoren und andern HF-traechtigen Signalen auf dem 230V-Netz
bestehen. All diese Stoerquellen heben das Gesamtrauschen
betraechtlich an.

Dazu kommt die glorreiche Erfindung von Einbaunetzfiltern, welche das
ankommende HF-Stoersignal reflektieren und nicht absorbieren. Dies
fuehrt dazu, dass die Stoersignale eher auf den 230V-Netzen erhalten
bleiben, auch wenn sie das Interne eines Geraetes nicht erreichen.

Ich weiss von einer Firma, welche absorbierende Einbaunetzfilter
entwickeln wollte. Weil sie etwas teurer geworden waeren als die
herkoemmlichen "reflektierenden" Netzfilter, starb das Projekt. Das
war vor bald etwa 10 Jahren. Und wie so oft, es bleibt alles beim
alten....


> Ein schlauer Professor an der Uni Karlsruhe hat nachgewiesen, dass
> sich in Europa die Empfangsbedingungen auf der Mittelwelle deutlich
> verbessern liessen, wenn _alle_ relevanten Sender (also auch die in
> Nordafrika, naher Osten etc.) die Sendeleistung _halbieren_ wuerden!

Ich erinnere mich wieder zurueck in die 60er-Jahre. Damals war es mir
moeglich mit einer Zimmerdrahtantenne mitten am Tag halb Europa ueber
Mittelwelle zu empfangen. Das kann man heute glattweg vergessen. Dazu
kommt, dass damals alle MW-Sender noch viel schwaecher waren.

Der von mir erwaehnte MW-Sender auf 531kHz hatte urspruenglich eine
Leistung von nur 150kW. Das war noch in den 50er- und 60er-Jahren. Er
hiess damals noch "Schweizerischer Landessender Beromuenster". Dann
spaeter wurde er auf 300kW verdoppelt. Irgendwann anfangs der
70er-Jahren hatte Algerien die Unverschaemtheit ein sehr starker
Sender auf der selben Frequenz einzurichten. Da man diesen nachts in
der Schweiz hoeren konnte und den Landessender stoerte, wurde abends
nach 18:00h die Leistung stets noch einmal auf 600kW verdoppelt. Dies
hatte dann zur Folge, dass im Umkreis von vielleicht 50 km des
Senders, der algerische Stoerenfried "zugestopft" war. Etwas weiter
weg, war aber das Eintopfgericht aus Beromuenster und dem
Allah-ist-der-Groesste-Sender nicht mehr zu geniessen. Diese 600 kW
war verpuffte Energie, mehr nicht.


> Er hat dann auch ausgerechnet, wieviel Energie damit eingespart
> wuerde - war eine ziemlich grosse Zahl.

Ich weiss, ich habe diesen Artikel auch gelesen. Das Leide ist, dieser
Prof wird ungehoert bleiben, denn diese Sender-Kilowatt sind Politik
und Prestige und daher nicht weg zu kriegen. Dazu kommt, dass die
Energie halt und leider noch immer viel zu billig ist.

So, damit haetten wir's. Guten Tag noch...
						Thomas

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    * Thomas Schaerer   >>> schaerer@isi.ee.ethz.ch <<<   |||   *
    * Swiss Federal Institute of Technology Zurich, ETHZ  |||   *
    * Signal and Information Processing Laboratory ISI   / | \  *
    * Sternwartstr. 7  CH-8092 Zurich, Switzerland      /  |  \ *
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From: Thomas Schaerer <schaerer@isi.ee.ethz.ch>
Subject: Re: 1MHz AM Sender
Date: 1998/06/12
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Sender: Thomas Schaerer <schaerer@isiphus.ethz.ch>
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