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Started by David Kastrup
Sat, 19 Dec 1992 09:15
Schachprogramme und KI
Author: David Kastrup
Date: Sat, 19 Dec 1992 09:15
Date: Sat, 19 Dec 1992 09:15
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Eigentlich ist die Yberschrift schon verkehrt. Bei der heutigen Entwicklung were der Ausdruck menschliche Phantasielosigkeit angebrachter als KI. Ich betrachte es als ein Armutszeugnis, dasz alle Anstrengungen in die Richtung laufen, dieselben Brute-Force-Algorithmen mit immer schnelleren Spezialhardwares neu zu implementieren. Ziel der Sache ist es dann, irgendwann mal ein Programm mit Groszmeisterniveau spielen zu lassen. Irgendwie kommt mir da eine Analogie in den Sinn: ein Haufen Wissenschaftler (die das Prinzip als funktionierend erkannt haben), monieren immer gr0szere Dusentriebwerke auf einem Felsquader. Und wenn sie es dann schlieszlich doch geschafft haben, mit roher Gewalt das Ding sich in mehr als Leufergeschwindigkeit bewegen zu lassen, verkynden sie den Sieg der Maschine yber den Menschen. F"ur die Wissenschaft were es sinnvoller, als so auf ein Kurzziel mit stets derselben Methode hinzuarbeiten (weil es eine Art Prestige- sache ist), mal neue Konzepte in Angriff zu nehmen, die NICHT unbedingt in kurzer Zeit zum nechsten "Erfolg" fyhren. Die sture nachdenkensfreie Verbesserung bestehender Systeme hat bei den Computern beispielsweise dazu gefyhrt, dasz aberwitzig komplexe Prozessoren in wahnsinnigen Geschwindigkeiten immer nur einen Befehl auf einmal abarbeiten, anstatt dasz yber parallele Betriebssysteme, Programmiersprachen, Compiler, etc. nachgedacht wird, die diesen Namen verdienen. So were zum Beispiel es sinnvoll, Hybridchips zu bauen, die einen simplen RISC-Rechner mit Datenfluszrechnerehnlichen Konzepten und Interfaces mit einer moderaten Menge RAM (64kByte) und einem Lastverteilungsmechanismus, der getrost 3/4 der Chipkapazitet fressen darf, so auszufyhren, dasz man einfach eine SMD-Platine mit solchen (bitte BILLIGEN Teilen) zupflastern kann, um beachtliche, skalierbare, billige Rechenleistung zu erzielen. Im Moment steckt eine Riesenmenge an Transistoren und somit potentieller Rechenleitung in Speichern, die nichts machen auszer die Informationen festhalten. Und je gr0szer diese werden, desto gr0szer wird auch das Verheltnis von passiven zu gerade aktiven Bestandteilen eines Systems.
Re: Schachprogramme und KI
Author: Alexander Horz
Date: Tue, 22 Dec 1992 14:48
Date: Tue, 22 Dec 1992 14:48
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dak@kaa.informatik.rwth-aachen.de (David Kastrup) writes: > ... >Ich betrachte es als ein Armutszeugnis, dasz alle Anstrengungen in die >Richtung laufen, dieselben Brute-Force-Algorithmen mit immer schnelleren >Spezialhardwares neu zu implementieren. Ziel der Sache ist es dann, >irgendwann mal ein Programm mit Groszmeisterniveau spielen zu lassen. > ... Davids Einschaetzung ist mir sympatisch; als (ehemaliger) Turnierschachspieler bin ich zur Informatik (bzw. KI) gekommen, weil mir klar wurde, dass Schachprogramme "keinen Plan haben". Die Haerte von Davids Aeusserung kann ich jedoch nur bedingt nachvollziehen: worum geht es tatsaechlich bei der Konstruktion von Schachprogrammen? Unterstellt man den Programmierern das naheliegende Ziel, *irgendwie* eine "gute" Schachmaschine auf die Beine zu stellen, dann sind sie doch wohl ziemlich erfolgreich gewesen. Analog sind ja auch die Konstrukteure von Fortbewegungsmaschinen - ueblicherweise "Autos" genannt - ziemlich erfolgreich gewesen, obwohl diese Form der Fortbewegung nichts mit der "natuerlich menschlichen" gemein hat; aehnliches gilt fuer Arithmetikmaschinen, genannt "Taschenrecher". Andererseits koennte man ein "computational model" menschlicher Schachspielkompetenz anstreben; aus akademischem Interesse oder weil man glaubt, dass "kognitiv adeaquate" Programme viel besser sein wuerden als die ueblichen Brute-force Ansaetze. Nach einigen Jahren Arbeit im Bereich "KI-Planen" habe ich (noch ?) nicht den Mut, letzteres zu behaupten. Alexander --- Alexander Horz, horz@gmd.de, (+49 2241) 14-2203 German National Research Center for Computer Science (GMD) Postfach 1316, W-5205 Sankt Augustin 1, Germany
Re: Schachprogramme und KI
Author: Peter Rainer
Date: Wed, 23 Dec 1992 14:08
Date: Wed, 23 Dec 1992 14:08
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>dak@kaa.informatik.rwth-aachen.de (David Kastrup) writes: >> ... >>Ich betrachte es als ein Armutszeugnis, dasz alle Anstrengungen in die >>Richtung laufen, dieselben Brute-Force-Algorithmen mit immer schnelleren >>Spezialhardwares neu zu implementieren. Ziel der Sache ist es dann, >>irgendwann mal ein Programm mit Groszmeisterniveau spielen zu lassen. >> ... Ich kann hier aus mehreren Gruenden nicht zustimmen : Es ist sicherlich nicht der Fall, dass alle Anstrengungen in Richtung Implementierung auf Spezialhardware laufen, diese ist doch nur fuer einen sehr eingeschraenkten Personenkreis verfuegbar. Auf der Computerschach WM im Nov. 92 war von 22 Teilnehmern ein Pgm. (B*Hitech) da, welches Spezialhardware benutzte. Die nach aussen sichtbaren Erfolge der Spezialhardware erwecken lediglich den Eindruck, dass hier die gesamte Anstrengung einfliest. Dies wird aller Voraussicht nach auch so bleiben, da methodische Verbesserungen natuerlich auch von schneller Harware positiv beeinflusst werden. Zum anderen ist das Spiel auf Grossmeisterniveau sicher nicht das einzige Ziel. Wichtig sind vielmehr die Methoden die es gestatten dort anzukommen. Falls Brute-Force genuegt, so hat selbst dies eine Aussagekraft, denn Schach steht nicht fuer sich allein. Ausserdem ist spaetestens seit Berliners Experimenten mit HiTech und LoTech (siehe Advances in Computer Chess 5) klar, dass es voellig ohne Knowledge wohl nicht gelingen wird, etwas vernuenftiges auf die Beine zu stellen. Peter Mysliwietz
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