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Thread View: de.sci.paedagogik
6 messages
6 total messages Started by Karl Dietz Thu, 18 Feb 1999 00:00
Unterstuetzen statt erziehen
#127
Author: Karl Dietz
Date: Thu, 18 Feb 1999 00:00
50 lines
3071 bytes
fuer die nichtsurfer hier noch zwei seiten zur info. viele gruesse. karl


===begin of forwarded message============================

http://www.free.de/fmk/AMICAT1.HTM


                        Unterstuetzen statt Erziehen
   ______________________________________________________________________

   Der postpaedagogische Erwachsene wendet sich von der Erziehung ab -
   nicht jedoch vom Kind. Er betritt das Land des Kindes mit den vielen
   Facetten seiner Persoenlichkeit, mit Ideen, Vorschlaegen, Kritik,
   Erklaerungen, Ermutigung, Hoffnungen, Grenzen, Aengsten, Mut..... Er
   kommt - frei von jeglicher Erziehung - authentisch, ohne List, als
   Person.

   Der postpaedagogische Erwachsene fragt nicht mehr wie der paedagogische
   Erwachsene: "Was ist gut fuer das Kind?" Er hat des Kopf davon frei und
   dadurch die Kraft zu fragen: "Was ist gut fuer mich? Was kommt mir zu?
   Was will ich?" Er stellt sich dabei zugleich die tieferliegende Frage:
   "Wer bin ich?" Er kuemmert sich also um sich selbst. Sein Erkennen,
   sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im Mittelpunkt. Er
   verlagert nicht sein Energiezentrum in das Kind. Er gelangt zu
   Kongruenz und Authentizitaet.

   Der postpaedagogische Erwachsene uebernimmt fuer die Person
   Verantwortung, die ihm zuallererst anvertraut ist: fuer sich selbst.
   Auch dann, wenn er in Beziehung zum Kind tritt. Die Hinwendung zu sich
   selbst bedeutet keine Abwendung vom Kind und keine egoistische
   Nabelschau: Der postpaedagogische Erwachsene sucht seinen Weg zum Kind
   vom Ich her. Er verfehlt das Kind nicht, denn die Frage, die das "Wer
   bin ich?" begleitet, ist: "Wer bist Du?" Diese Frage ist von einer
   Einfuehlung begleitet, die jenseits der Paedagogik existiert. Empathie
   ist eine lebendige Groesse postpaedagogischer Kommunikation.

   Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit des Menschen (Homo
   Educandus) gilt nicht mehr. Es stehen sich nicht mehr Erzieher und
   Zoegling im paedagogischen Bezug gegenueber, sondern Erwachsener und Kind
   begegnen sich gleichwertig in einer offenen Situation von Person zu
   Person. Menschenbildung und Formanspruch, Erziehungsziele und
   Erziehungsmethoden - all das, was in der paedagogischen Kommunikation
   mit muehevollem und kraeftezehrendem Einsatz realisiert wird, entfaellt.
   Der Erwachsene ist unendlich befreit. Der postpaedagogische Erwachsene
   wendet sich von der Erziehung ab - nicht jedoch vom Kind.....
   ______________________________________________________________________


## CrossPoint v3.11 ##
"Es gibt keine Gewalt" (H.v.Schoenbeck) (war Re: Unterstuetzen statt erziehen)
#128
Author: Mike Weimann
Date: Sat, 20 Feb 1999 00:00
21 lines
1321 bytes
Karl Dietz schrieb:

> fuer die nichtsurfer hier noch zwei seiten zur info. viele gruesse.
> karl
>

Ich m�chte die Surfer und Nichtsurfer darauf hinweisen, da� Karls
Nachricht sich hier befindet, weil die Kritik �ber seinen Verein jetzt
unter dem alten Betreff ( "Es gibt keine Gewalt" (H.v.Schoenbeck) ) ins
Netz gestellt wurde. Durch Karls Betreff�nderung kann der neue Leser den
Zusammenhang nicht verstehen.

Also bitte auch unter diesem Thread nachlesen und nat�rlich unter:


http://www.crosswinds.net/berlin/~fmkkreis

Mike
--
Mike Weimann, Winsstra�e 4, 10405 Berlin,
Tel +49 30 4422169, Fax +49 30 4439248
Re: Unterstuetzen statt erziehen
#129
Author: Peter Rachow
Date: Fri, 19 Mar 1999 00:00
96 lines
5765 bytes
Hallo liebe Leute...

Karl Dietz schrieb (Entschuldigung, ich zieitre lieber mal den ganzen Text,
weil ich nicht sicher bin, ob alle News-Server im Moment die
Originalnachricht f�hren)

(*------------------------------------*)
Procedure KarlDietzText;
Begin

                        Unterstuetzen statt Erziehen
   ______________________________________________________________________

   Der postpaedagogische Erwachsene wendet sich von der Erziehung ab -
   nicht jedoch vom Kind. Er betritt das Land des Kindes mit den vielen
   Facetten seiner Persoenlichkeit, mit Ideen, Vorschlaegen, Kritik,
   Erklaerungen, Ermutigung, Hoffnungen, Grenzen, Aengsten, Mut..... Er
   kommt - frei von jeglicher Erziehung - authentisch, ohne List, als
   Person.

   Der postpaedagogische Erwachsene fragt nicht mehr wie der paedagogische
   Erwachsene: "Was ist gut fuer das Kind?" Er hat des Kopf davon frei und
   dadurch die Kraft zu fragen: "Was ist gut fuer mich? Was kommt mir zu?
   Was will ich?" Er stellt sich dabei zugleich die tieferliegende Frage:
   "Wer bin ich?" Er kuemmert sich also um sich selbst. Sein Erkennen,
   sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im Mittelpunkt. Er
   verlagert nicht sein Energiezentrum in das Kind. Er gelangt zu
   Kongruenz und Authentizitaet.

   Der postpaedagogische Erwachsene uebernimmt fuer die Person
   Verantwortung, die ihm zuallererst anvertraut ist: fuer sich selbst.
   Auch dann, wenn er in Beziehung zum Kind tritt. Die Hinwendung zu sich
   selbst bedeutet keine Abwendung vom Kind und keine egoistische
   Nabelschau: Der postpaedagogische Erwachsene sucht seinen Weg zum Kind
   vom Ich her. Er verfehlt das Kind nicht, denn die Frage, die das "Wer
   bin ich?" begleitet, ist: "Wer bist Du?" Diese Frage ist von einer
   Einfuehlung begleitet, die jenseits der Paedagogik existiert. Empathie
   ist eine lebendige Groesse postpaedagogischer Kommunikation.

   Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit des Menschen (Homo
   Educandus) gilt nicht mehr. Es stehen sich nicht mehr Erzieher und
   Zoegling im paedagogischen Bezug gegenueber, sondern Erwachsener und Kind
   begegnen sich gleichwertig in einer offenen Situation von Person zu
   Person. Menschenbildung und Formanspruch, Erziehungsziele und
   Erziehungsmethoden - all das, was in der paedagogischen Kommunikation
   mit muehevollem und kraeftezehrendem Einsatz realisiert wird, entfaellt.
   Der Erwachsene ist unendlich befreit. Der postpaedagogische Erwachsene
   wendet sich von der Erziehung ab - nicht jedoch vom Kind.....
 End;
(*-----------------------------------*)


Wenn man diesen Text durchliest, stellt sich unweigerlich die Frage "Um wen
geht es hier eigentlich?" Ich denke, hier geht es weniger um Kinder als um
die Bew�ltigung einer inneren Leere beim postp�dagogischen Erwachsenen. Der
postp�dagogische Erwachsene fragt sich also ""Was ist gut fuer mich? Was
kommt mir zu?  Was will ich?". Und daf�r ben�tigt er das Kind als eine Art
Katalysator f�r die Entdeckung seiner innersten W�nsche, Bed�rfnisse und
Befindlichkeiten??? Dies k�nnte er genauso gut auf 1000 anderen Wegen
erzielen.

Der postp�dagogische Erwachsene "kuemmert sich also um sich selbst. Sein
Erkennen,  sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im
Mittelpunkt.", Aha, selbstversunken sitzt der postp�dagogische Erwachsene
also dem Kind gegen�ber und spiegelt sich eifrigst in diesem. Nur, was hat
das Kind denn davon? Hilft ihm das selbstversunkene Verhalten des
postp�dagogische Erwachsenen bei der Findung und Festigung von Wertungen und
Haltungen in einer Zeit wo Werte immer beliebiger und diffuser werden?
Erkl�rt es ihm die Welt? Nein, der postp�dagogische Erwachsene versucht erst
mal sich selbst alles zu erkl�ren und ist offensichtlich vom Proze� der
Sinnfindung und Selbstwahrnehmung so in Anspruch genommen, da� er das Kind
nolens volens sich selber �berlassen mu�.

Weiter schreibt Karl "Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit des
Menschen (Homo Educandus) gilt nicht mehr.". Lieber Karl, ich w�rde Dir
empfehlen mal in eine Schule, einen Kindergarten, ein Kinderheim
hineinzusehen, um zu erkennen, da� gerade heute die Erziehungsbed�rftigkeit
von Kindern noch nie so gro� war, und da� die Diskrepanz zwischen
Erziehungsbed�rftigkeit und Erziehungsrealit�t noch nie so gro� war wie
heute.

Angesichts der heutigen gesellschaftlichen Probleme (Vernachl�ssigung von
Kindern durch Eltern, Mediatisierung, zerfallende Familien- und
Sozialstrukturen) in bezug auf Kinder und deren Erziehungsbed�rftigkeit
halte ich es nicht nur f�r unverantworltich, den R�ckzug der Erwachsenen aus
der Erziehung zu propagieren, es ist m. E. fatal.

Viele Gr��e

Peter Rachow

--
Peter Rachow
76199  Karlsruhe
e-mail: peter.rachow@metronet.de
Private Homepage: http://home.t-online.de/home/peter.rachow
Re: Unterstuetzen statt erziehen
#130
Author: Andreas Weigel
Date: Sat, 20 Mar 1999 00:00
122 lines
6805 bytes
Peter Rachow wrote:
 
>>                         Unterstuetzen statt Erziehen
>>    Der postpaedagogische Erwachsene wendet sich von der Erziehung ab -
>>    nicht jedoch vom Kind. Er betritt das Land des Kindes mit den vielen
>>    Facetten seiner Persoenlichkeit, mit Ideen, Vorschlaegen, Kritik,
>>    Erklaerungen, Ermutigung, Hoffnungen, Grenzen, Aengsten, Mut..... Er
>>    kommt - frei von jeglicher Erziehung - authentisch, ohne List, als
>>    Person.

Ich finde es immer wieder fatal "Erziehung" und Einflussnahme als
absolut negativ darzustellen. Die Verdr�ngung der Macht- und
Abh�ngigkeitsstrukturen aus dem Bewusstsein schr�nkt die notwendige
Reflektion der Beziehung m.E. gef�hrlich ein.

>>    Der postpaedagogische Erwachsene fragt nicht mehr wie der paedagogische
>>    Erwachsene: "Was ist gut fuer das Kind?"

Diese Frage sollte nicht die einzige sein die er P�dagoge sich stellt.
Ein f�r mich akzeptabler Umgang w�re diese Frage mit dem Kind zu
kommunizieren um unterst�tzen zu k�nnen. Solange ich die Frage nur mir
Stelle und nicht dem Kind, bleibt es blinde Raterei die wenig
konstruktiv ist.

>>    Er hat des Kopf davon frei und
>>    dadurch die Kraft zu fragen: "Was ist gut fuer mich? Was kommt mir zu?
>>    Was will ich?" Er stellt sich dabei zugleich die tieferliegende Frage:
>>    "Wer bin ich?" Er kuemmert sich also um sich selbst. Sein Erkennen,
>>    sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im Mittelpunkt. Er
>>    verlagert nicht sein Energiezentrum in das Kind. Er gelangt zu
>>    Kongruenz und Authentizitaet.

Wenn ich die Frage nach dem Wohlbefinden meines Umfeldes ignoriere habe
ich Egozentrismus pur, welcher gleichwertige Beziehungen unm�glich
macht. 

[...]

>>    Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit des Menschen (Homo
>>    Educandus) gilt nicht mehr. Es stehen sich nicht mehr Erzieher und
>>    Zoegling im paedagogischen Bezug gegenueber, sondern Erwachsener und Kind
>>    begegnen sich gleichwertig in einer offenen Situation von Person zu
>>    Person.

Da stellt sich f�r mich die Frage nach dem Alter. Nach meinem Wissen
beginnt das Leben eines S�uglings in der totalen Abh�ngigkeit der f�r
ihn _verantwortlichen_ Personen. Er ist zwar in der Lage seine
Bed�rfnisse zu �ussern, aber nicht sie selbst�ndig zu befriedigen. Das
Ziel einer gleichwertigen (wozu eigentlich) Beziehung als vorhandene
Tatsache vorrauszusetzen ist einer Entwicklung dahin abtr�glich.

> Wenn man diesen Text durchliest, stellt sich unweigerlich die Frage "Um wen
> geht es hier eigentlich?" Ich denke, hier geht es weniger um Kinder als um
> die Bew�ltigung einer inneren Leere beim postp�dagogischen Erwachsenen. Der
> postp�dagogische Erwachsene fragt sich also ""Was ist gut fuer mich? Was
> kommt mir zu?  Was will ich?". Und daf�r ben�tigt er das Kind als eine Art
> Katalysator f�r die Entdeckung seiner innersten W�nsche, Bed�rfnisse und
> Befindlichkeiten??? Dies k�nnte er genauso gut auf 1000 anderen Wegen
> erzielen.
> 
> Der postp�dagogische Erwachsene "kuemmert sich also um sich selbst. Sein
> Erkennen,  sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im
> Mittelpunkt."

So sollte es w�hrend seiner Ausbildung und in notwendigen Ruhephasen
sein.

> Aha, selbstversunken sitzt der postp�dagogische Erwachsene
> also dem Kind gegen�ber und spiegelt sich eifrigst in diesem.

Und erh�lt durch die Pers�nlichkeit des Kindes ein verzerrtes Bild
seines Selbst.

> Nur, was hat das Kind denn davon? 

Erst mal nichts, aber er st�rt das Kind auch nicht. Die Frage ist wie
der postp�dagogische Erwachsene auf die verzerrte Reflektion reagiert.
Er poliert die Oberfl�che des Spiegels ("erzieht" doch) oder er
ignoriert das gesehene Bild, da er weiss wenn er sich in sich selbst
betrachtet ist alles wieder "in Ordnung". 

> Hilft ihm das selbstversunkene Verhalten des
> postp�dagogische Erwachsenen bei der Findung und Festigung von Wertungen und
> Haltungen in einer Zeit wo Werte immer beliebiger und diffuser werden?

Dies ist kein Ziel, da in der angestrebten Unabh�ngigkeit andere Werte
nicht von Belang sind.

> Erkl�rt es ihm die Welt? Nein, der postp�dagogische Erwachsene versucht erst
> mal sich selbst alles zu erkl�ren und ist offensichtlich vom Proze� der
> Sinnfindung und Selbstwahrnehmung so in Anspruch genommen, da� er das Kind
> nolens volens sich selber �berlassen mu�.

Wenn man von einer absoluten Autonomie des Kindes ausgeht, w�rde man
durch erzieherischen Vorgriff die Entwicklung beschr�nken, dies ist als
Manipulation abzulehnen.
> 
> Weiter schreibt Karl "Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit des
> Menschen (Homo Educandus) gilt nicht mehr.". Lieber Karl, ich w�rde Dir
> empfehlen mal in eine Schule, einen Kindergarten, ein Kinderheim
> hineinzusehen, um zu erkennen, da� gerade heute die Erziehungsbed�rftigkeit
> von Kindern noch nie so gro� war, und da� die Diskrepanz zwischen
> Erziehungsbed�rftigkeit und Erziehungsrealit�t noch nie so gro� war wie
> heute.

Unterschreib
 
> Angesichts der heutigen gesellschaftlichen Probleme (Vernachl�ssigung von
> Kindern durch Eltern, Mediatisierung, zerfallende Familien- und
> Sozialstrukturen) in bezug auf Kinder und deren Erziehungsbed�rftigkeit
> halte ich es nicht nur f�r unverantworltich, den R�ckzug der Erwachsenen aus
> der Erziehung zu propagieren, es ist m. E. fatal.

Um den Erziehungsgegnern vorzugreifen mein Verst�ndnis von Erziehung
beinhaltet den Einsatz von "Machtmitteln". Mein Ziel ist es die Kinder
da abzuholen wo sie stehen und sie einen Teil ihres Weges zu begleiten.
Und nicht wie im postp�dagogischen Ansatz an einen Punkt zu gehen und
hoffen das Kinder da sind. In der von Erziehungsgegnern abgelehnten
Variante der Erziehung "Ich schicke die Kinder wohin ICH will" gehe ich
mit den Gegnern konform.

Andreas
Re: Unterstuetzen statt erziehen
#131
Author: Ilja Schmelzer
Date: Tue, 23 Mar 1999 00:00
56 lines
3016 bytes
Peter.Rachow@t-online.de (Peter Rachow) writes:
> Wenn man diesen Text durchliest, stellt sich unweigerlich die Frage "Um wen
> geht es hier eigentlich?"

Um die Beziehung zwischen Kind und Erwachsenem.

> Ich denke, hier geht es weniger um Kinder als um
> die Bew�ltigung einer inneren Leere beim postp�dagogischen Erwachsenen.

Weder noch.

> Der postp�dagogische Erwachsene fragt sich also ""Was ist gut fuer
> mich? Was kommt mir zu?  Was will ich?". Und daf�r ben�tigt er das
> Kind als eine Art Katalysator f�r die Entdeckung seiner innersten
> W�nsche, Bed�rfnisse und Befindlichkeiten???

Nein, ueberhaupt nicht. 

> Der postp�dagogische Erwachsene "kuemmert sich also um sich selbst. Sein
> Erkennen,  sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im
> Mittelpunkt.", Aha, selbstversunken sitzt der postp�dagogische Erwachsene
> also dem Kind gegen�ber und spiegelt sich eifrigst in diesem. Nur, was hat
> das Kind denn davon?

Nun, der Erwachsene sitzt keineswegs selbstversunken da, sondern
moechte eine Beziehung zum Kind.  Und das Kind moechte eine Beziehung
zum Erwachsenen.  Beide haben was davon.

Der Unterschied zum Erziehungsideal ist folgender: der ideale Erzieher
ist selbstlos, er fragt zuerst, was "gut" fuer das Kind ist, danach
kommt lange nichts, und wenn dann irgendwann das eigene Interesse
kommt, dann nur unter Schuldgefuehlen wegen niedriger egoistischer
Triebe.  Also eine von vornherein neurotisch veranlagte Beziehung.

> Hilft ihm das selbstversunkene Verhalten des postp�dagogische
> Erwachsenen bei der Findung und Festigung von Wertungen und
> Haltungen in einer Zeit wo Werte immer beliebiger und diffuser
> werden?  Erkl�rt es ihm die Welt?

Klar. Macht doch jeder gerne.

> Weiter schreibt Karl "Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit
> des Menschen (Homo Educandus) gilt nicht mehr.". Lieber Karl, ich
> w�rde Dir empfehlen mal in eine Schule, einen Kindergarten, ein
> Kinderheim hineinzusehen, um zu erkennen, da� gerade heute die
> Erziehungsbed�rftigkeit von Kindern noch nie so gro� war, und da�
> die Diskrepanz zwischen Erziehungsbed�rftigkeit und
> Erziehungsrealit�t noch nie so gro� war wie heute.

Ich wuerde eher von Beziehungsbeduerftigkeit sprechen. Erziehung ist
eher das Gegenteil.

Ilja
-- 
I. Schmelzer,  D-10178 Berlin, Keibelstr. 38, <ilja@cyberpass.net>
http://www.cyberpass.net/~ilja
Re: Unterstuetzen statt erziehen
#132
Author: Ilja Schmelzer
Date: Tue, 23 Mar 1999 00:00
47 lines
2895 bytes
Andreas.Weigel@t-online.de (Andreas Weigel) writes:
> Ich finde es immer wieder fatal "Erziehung" und Einflussnahme als
> absolut negativ darzustellen. Die Verdr�ngung der Macht- und
> Abh�ngigkeitsstrukturen aus dem Bewusstsein schr�nkt die notwendige
> Reflektion der Beziehung m.E. gef�hrlich ein.

Den Postpaedagogen eine Verdraengung der Abhaengigkeit vorzuwerfen ist
IMO voellig unberechtigt.  

Eher das Gegenteil ist der Fall.  Die Rechtfertigung dieser
Abhaengigkeit - die These von der Notwendigkeit von Erziehung - wird
verneint und dadurch ueberhaupt der Weg freigemacht dafuer, sich die
Abhaengigkeitsstrukturen bewusst zu machen.

> >>    "Wer bin ich?" Er kuemmert sich also um sich selbst. Sein Erkennen,
> >>    sein Bewerten, sein Fuehlen, sein Handeln stehen im Mittelpunkt.
> 
> Wenn ich die Frage nach dem Wohlbefinden meines Umfeldes ignoriere habe
> ich Egozentrismus pur, welcher gleichwertige Beziehungen unm�glich
> macht. 

Uebliches Missverstaendnis. Fuehlst du dich in einer Umgebung wohl, in
der die anderen sich nicht wohlfuehlen?  Nein.  Ich jedenfalls nicht.
Und eins macht selbst ein Sadist nicht: das Wohlbefinden des Umfeldes
zu ignorieren.

> >>    Die Leitidee von der Erziehungsbeduerftigkeit des Menschen (Homo
> >>    Educandus) gilt nicht mehr. Es stehen sich nicht mehr Erzieher und
> >>    Zoegling im paedagogischen Bezug gegenueber, sondern Erwachsener und Kind
> >>    begegnen sich gleichwertig in einer offenen Situation von Person zu
> >>    Person.
> 
> Da stellt sich f�r mich die Frage nach dem Alter. Nach meinem Wissen
> beginnt das Leben eines S�uglings in der totalen Abh�ngigkeit der f�r
> ihn _verantwortlichen_ Personen. Er ist zwar in der Lage seine
> Bed�rfnisse zu �ussern, aber nicht sie selbst�ndig zu befriedigen. Das
> Ziel einer gleichwertigen (wozu eigentlich) Beziehung als vorhandene
> Tatsache vorrauszusetzen ist einer Entwicklung dahin abtr�glich.

Gleichwertige Beziehung bedeutet das alle Beteiligten gleich viel wert
sind.  Die Mama ist keineswegs verpflichtet, auf alle ihre
Beduerfnisse zu verzichten.  Es muss ein Kompromiss gefunden werden.

Ilja
-- 
I. Schmelzer,  D-10178 Berlin, Keibelstr. 38, <ilja@cyberpass.net>
http://www.cyberpass.net/~ilja
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