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Article #71

Re: Patente nuetzen allen - UNTER GEWISSEN UMSTÄNDEN

#71
From: Christoph Müller
Date: Fri, 29 Jan 1999 00:00
108 lines
6203 bytes
bakoe schrieb:
 
> Christoph M�ller schrieb in Nachricht <36AECF87.32543F7@bingo.baynet.de>...
> >Litscher Andreas schrieb:

> das ist qualitativ nicht anders, als bei jeder anderen Investition auch...

Normalerweise geht man bei Investitionen davon aus, dass sie sich
sp�testens in einem �berschaubaren Zeitraum amortisiert haben -
zumindest, wenn es um Gesch�ftsleben geht, wie das bei Patenten typisch
sein sollte. Sie sind schlie�lich keine "Konsumg�ter".

> was w�re die Alternative? nicht investieren?

Erst mal ermitteln, was die Idee �berhaupt wert ist, bevor man zum
teuren Patentanwalt l�uft. Daf�r gibt es die DIN 34 -
Geheimhaltungserkl�rung. Man gehe zu einem potentiellen Interessenten,
lasse sich diese Erkl�rung unterzeichnen und spricht dann offen �ber das
Thema. Auch dar�ber, dass man selbstverst�ndlich zur Konkurrenz gehen
wird, um sich auch da etwaige Angebote einzuholen.

Beist keiner an (d�rfte in �ber 90% der Fall sein), war die Idee wertlos
und somit auch kein aufwendiges Patentverfahren wert. Denn die
potentiellen Interessenten wussten ja, was kommen wird. H�tte die Idee
einen Wert gehabt, dann h�tten sie versucht, die Idee f�r sich zu binden
um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Sie h�tten der Idee
einen Wert beigemessen, der in W�hrung auzudr�cken w�re.
Die Idee kann nun durch Fachaufs�tze noch wenigstens zu einem
Anerkennungsbetrag und etwas Werbung f�r sich selbst f�hren.

Ist die Idee gut, werden die Interessenten bieten. Dann kann man
gemeinsam ein Patent anmelden. Dann macht das Sinn. Das Risiko des
Patentverfahrens sollte der �bernehmen, dem die Idee am Meisten wert
ist.

Das gebetsm�hlenhaft immer wiederkehrende Argument (v.a. seitens der
Patentanw�lte), dass man an einen b�swilligen Interessenten ger�t, der
die Idee dann �ber eine Tochterfirma selbst anmeldet, mag zwar schlecht
zu entkr�ften sein. Wenn man an einen solchen ger�t, dann wird man MIT
einem Patent aber genauso �ber's Ohr gehauen, wo sich eine Gelegenheit
dazu bietet. Der Patentschutz bietet da nur geringe Vorteile, die
statistisch die Sache auf keinen Fall wert sind. Mit solch �blen Leuten
oder Firmen Gesch�fte zu machen, sollte man so oder zu vermeiden suchen.
Das gilt ja schon f�r die kleinste Hilfskraft und nicht nur f�r
Ideenlieferanten.

> Und das
> >verlorene Geld bewegt sich durchaus im 5-stelligen Bereich.
> 
> ah, geh:
> 
> das Patentamt hatte mir unter 1 TDM berechnet. Wenn man andere beauftragt
> kann es  - wie sonst auch immer - nat�rlich teurer werden.

Solch selbst gestrickte Patente w�rde ich bestenfalls unter "Werbung"
laufen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, damit wirklich Geld zu verdienen,
ist sehr gering. Da sollte man sich keinen falschen Hoffnungen hingeben.

Ist deine Idee niemandem etwas wert, dann hast du au�er den
Patentgeb�hren keine weiteren Kosten zu f�rchten.

Ist die Idee aber gut, kannst du davon ausgehen, dass deine Idee ein
Anderer "schon l�ngst" hatte. Selbst wenn das Patent bereits erteilt
ist. Du wirst dich dann also auf mindestens einen Prozess einlassen
m�ssen. Zum Zwecke der Einsch�chterung wird da erst mal der Streitwert
in gigantische H�hen geschraubt. I.d.R. verunsichert das geh�rig. Die
meisten knicken dann ein. Dann sind sie sowohl das Geld f�r ihr Patent
und auch ihre Rechte los. Oder aber man riskiert Haus und Hof und
Sozialhilfe bis ans Lebensende. Das Risiko kann sich lohnen - aber oft
gen�gen schon kleine Fehler... Ist das die Sache wirklich wert? Da muss
man m.E. schon eine beachtliche Spielernatur sein, um ein solches Risiko
einzugehen. Es sei denn, der Gegner ist etwa gleichwertig. Dann macht
ein solcher Streit noch Sinn.

> >Meldet man seine Ideen
> >NICHT an, bleibt das Know-How wenigstens im Haus. Per Anmeldung wei� es
> >sp�testens nach einem Jahr jeder und man steht sich somit selbst im Weg.
> 
> dem kann ich nicht folgen, wieso ich mir dadurch im Wege stehen sollte.

Alles, was offengelegt ist, gilt als vorbekannt und somit nicht mehr als
patentf�hig. Ein Jahr nach Anmeldung musst du also wissen, wie es mit
der Idee weiter geht.

> Mir fallen da eher andere Beispiele ein.
> 
> >Eines der gr��ten Probleme mit den Patentanmeldungen ist die Tatsache,
> >dass man sie eigentlich zu einer Zeit anmelden m�sste, zu der man i.d.R.
> >noch gar nicht wei�, ob die Idee TATS�CHLICH �berhaupt etwas wert ist.
> 
> s.o.: wie bei jeder Investition in Innovation...

Das stimmt doch �berhaupt nicht. Die meisten Ideen, die verwertet
werden, sind irgendwelche pfiffigen Kleinigkeiten, die keine gro�en
Investitionen erfordern. Das ist mal, ein Blech einfach woanders zu
befestigen, eine Leiterbahn etwas anders zu verlegen usw. Derlei
Innovations-Investitionen w�rden nicht mal in der Portokasse auffallen.

> >Und f�r wertloses Zeug f�nfstellige Summen hinbl�ttern? Das scheint
> >tats�chlich Standard zu sein!
> 
> nein, ist es nicht

Wie erkl�rst du dir dann, dass �ber 90% aller Anmeldungen nie genutzt
werden?

Christoph M�ller
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From: Christoph Müller <cm737@bingo.baynet.de>
Subject: Re: Patente nuetzen allen - UNTER GEWISSEN UMSTÄNDEN
Date: 1999/01/29
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