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Article #529

Re: TU Berlin: Rechter Praesident gewaehlt

#529
From: Jens Bolten
Date: Tue, 28 Jan 1997 00:00
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Halloechen!

Olaf Brandes <brandes@cs.tu-berlin.de> hat geschrieben:
>Es gibt ahnungslose Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und
>Studenten. 
Richtig. Nur: der Anteile der ahnungslosen Professorinnen und
Professoren unter den Gremienmitgliedern uebertrifft den der
ahnungslosen Studierenden bei weitem (so zeigt das zumindest meine
persoenliche Erfahrung).
Es gibt Professorinnen und Professoren an dieser Hochschule, die nicht
mal wissen, was die Grundordnung denn ueberhaupt ist. Und solche Leute
sitzen in Fachbereichsraeten, im Senat, etc... und treffen
Entscheidungen, die ueber 30.000 Studierende betreffen. Und sie
verwalten einen Haushalt, der durchaus die Dimension des Haushaltes
der Stadt Aachen hat (ueber 1.000.000.000 DM pro Jahr!). Und das
vielfach, ohne auch nur eine kleine Vorstellung davon zu haben, welche
rechtlichen Rahmenbedinungen sie zu beachten haben.

>Er tritt fuer eine Strukturaenderung insgesamt ein, nicht fuer den 
>Rausschmisz der Studenten aus den Gremien, der ja, wie Du unten behauptest, 
>ohnehin keine Konsequenzen haette, also auch keiner weiteren Aufregung 
>bedarf, nicht wahr?
Dazu zwei Dinge:
a) Die Strukturen der deutschen Hochschulen waeren voellig ok, wenn
mensch sie nur konsequent benutzen wuerde. Die studentischen
Gremienvertreter hier in Aachen versuchen immer wieder, die
vorhandenen Strukutren so gut wie moeglich zu nutzen.
Wenn wir ein dringendes Problem sehen, dann lassen wir ganz einfach
eine Sondersitzung des Gremiums einberufen. Warum Professorinnen und
Professoren das nicht machen, stattdesen auf die naechste planmaessige
Sitzung warten und sich hinterher darueber beklagen, dass das alles
viel zu lange dauert ist mir ein Raetsel.
Aber vielleicht helfen da ja Hochschuleingangspruefungen fuer
Professorinnen und Professoren weiter? ;-)
b)Natuerlich haette der Rausschmiss der Studierenden aus Gremien
Konsequenzen. Denn auch wenn wir keine echte "Macht" haben, so helfen
doch stettige Nadelstiche in Form von Diskussionen die Professorinnen
und Professoren langsam in die richtige Richtung zu draengen.
Das funktioniert zwar nur sehr langsam, aber es funktioniert. ;-)

>Die Gruppe der Professoren ist sich im allgemeinen nicht unbedingt
>einig. 
Zumindest in meiner Fakultaet gibt's nur hoechst selten mal ein nicht
einstimmiges Abstimmungsergebnis unter den Professoren.

>Auszerdem ist es schon eine ganze Menge Spielraum, die den
>studentischen Vertretern zukommt, weil a) kaum einer waehlen geht und
>die Gremien grundsaetzlich "links" besetzt sind und b) ihnen trotzdem
>eine breite Masse glaubt, wenn sie mal wieder die Werbetrommel
>ruehren. 
30%, z.B. bei den Wahlen zu den akademischen Gremien in meinem
Fachbereich, sind also "kaum einer"?
Und wenn Gremien "links" (was immer das auch bedeuten soll) besetzt
sind, dann ist das automatisch gefaehrlich oder gar schlecht?
Ich an Deiner Stelle wuerde mit mal Gedanken darueber machen, warumes
keine "rechten" (d.h. z.B. CDU-nahen) Gegenkandidatinnen oder
-kandidaten gibt. Das koennte naemlich daran liegen, dass solche Leute
lieber fuer sich selber als fuer andere arbeiten.

>Der AStA vertritt keineswegs die Interessen
>der Studenten, sondern die seiner egozentrischen Dogmatiker.
Wenn dem so sein sollte, dann waehlt doch einfach beim naechsten mal
einen anderen AStA. ;-) Jede Studierendenschaft hat genau den AStA,
den sie verdient.

>Wenn Du so fuer Solidaritaet bist, dann geh' bitte sofort auf die
>Strasze und demonstriere dafuer, dasz Meisterbriefe umsonst zu haben
>sind und nicht mehrere Tausend Mark kosten.
Es gibt schon (oder gibt's demnaechst?) "MeisterBAfoeG", und ich halte
die Idee, dass eine Ausbildung zum Meister genauso Foerderungswuerdig
ist wie ein Studium fuer voellig richtig.

>Du _wirst_ Einflusz nehmen, indem Du Dir die Universitaet aussuchst,
>an der Du studierst, zum Beispiel. Auszerdem soll das Geld umgelegt
>werden, aber das scheint Dich nicht weiter zu interessieren. Das
>Modell von Ewers zwingt vor allem die Universitaeten dazu, zu
>wirtschaften und sich um Studenten zu kuemmern. 
Wie wird denn so ein "Wirtschaften" aussehen? 
Also hier an der RWTH wuerde wohl folgendes passieren:
Die RWTH gibt sich ein Profil als technische Hochschule.
Sie stellt fest, dass die philosophische Fakultaet (die bei uns alles,
was mensch als "Geisteswissenschaft" bezeichnen koennte beherbergt)
eigentlich nicht in dieses Profil passt. Sie stellt weiter fest, dass
die philosophische Fakultaet eigentlich nur Geld kostet. Sie schliesst
also diese Fakultaet. Und die/der Studierende einer tech. Fachrichtung
hat keine Moeglichkeit mehr, den ethischen Aspekt ihrer/seiner
spaeteren Arbeit auszuleuchten. 
Dann doch leiber eine unwirtshaftliche Hochschule, die die
Moeglichkeit bietet, sich zu bilden statt einer wirtschaftlichen, die
nur noch ausbildet.

>Warum die Ausbildung, die mich dorthin bringt, auf keinen Fall etwas 
>kosten darf, muszt Du mir erst noch erklaeren.
Also, erstens wird mensch an einer Hochschule nicht ausgebildet
(Grrr!) (s.o.) und zweitens darf die Hochschulbildung mich sehrwohl
etwas kosten. Aber bitte erst _nach_ meinem Studium, wenn ich von
dieser Bildung profitiere. Eine Finanzierung vor oder waehrend des
Studiums teilt die Studierwilligen unweigerlich in die, die es sich
leisten und koennen und den grossen Rest.
Die Finanzierung von Bildung ist fuer mich eine der zentralen Aufgaben
eines Staates. Aus dieser darf er sich auch deshalb nicht
zurueckziehen, weil er ein gleichmaessig _hohes_ Bildungsniveau an
allen gleichartigen Bildungseinrichtungen gewaehrleisten sollte.

Ciao
  Jens


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From: Jens.Bolten@post.rwth-aachen.de (Jens Bolten)
Subject: Re: TU Berlin: Rechter Praesident gewaehlt
Date: 1997/01/28
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