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Article #30

HINTERGRUENDE Nr.1: Die koloniale Geschichte der arabischen Region

#30
From: Stefan Merten
Date: Tue, 26 Feb 1991 12:54
88 lines
5431 bytes
Dieses Flugblatt ist das erste einer Serie von Flugbl\"attern des
Kaiserslauterer Friedensplenums. Wir m\"ochten mit dieser Reihe
Informationen zu den Hintergr\"unden des Konflikts am Golf
liefern.
In kurzen Abst\"anden (einw\"ochig oder sogar h\"aufiger) m\"ochten wir
Flugbl\"atter zu einzelnen, ausgew\"ahlten Themen herausbringen.
Dort sollen Informationen gebracht werden, die in der aktuellen
Berichterstattung wenig oder keinen Platz finden, die aber zum
tieferen Verst\"andnis der Situation am Golf unerl\"a{\ss}lich sind.
Zu den Themen, die wir bearbeiten wollen geh\"oren z.B. die UNO,
Israel, die Rolle der Medien und die des Islam. Um m\"oglichst
fundierte Informationen liefern zu k\"onnen, bitten wir alle
Menschen, die zu solchen Themen etwas sagen k\"onnen, mit uns
Kontakt aufzunehmen.


Die koloniale Geschichte der arabischen Region


Die Politik der arabischen Region ist seit dem Niedergang des
islamischen Gro{\ss}reichs von fremden Herrschern gepr\"agt.

Die Aufteilung des Osmanischen Reichs

Bis nach dem Ersten Weltkrieg geh\"orte der gr\"o{\ss}te Teil Arabiens
zum Osmanischen Reich, das in dieser Zeit aber schon recht
schwach war. Nachdem im Ersten Weltkrieg das Osmanische Reich
als Verb\"undeter Deutschlands zu den Verlierern geh\"orte, teilten
die Sieger, vor allem Frankreich und Gro{\ss}britannien, dieses
Gro{\ss}reich auf.
Sie erfanden dabei Nationalstaaten, deren Grenzen nur Geraden im
Sand waren. Diese Teilung in Nationalstaaten war und ist
unnat\"urlich und nahm nur wenig R\"ucksicht auf gewachsene
Strukturen.

Die Geschichte Iraks

Durch diese Aufteilung entstand auch das Gebilde Irak. Bei der
Aufteilung des Osmanischen Reichs fiel das Gebiet an die Briten,
die es ab 1921 als V\"olkerbund-Mandatsgebiet verwalteten. Schon
die von den Briten eingesetzte Monarchie forderte \"ubrigens eine
Angliederung Kuwaits an den Irak.
1930 wurde der Irak zwar formell unabh\"angig, blieb aber
weiterhin eng an Gro{\ss}britannien gebunden. Diese enge Bindung
wurde erst 1958 endg\"ultig gel\"ost, als ein Putsch das K\"onigshaus
t\"otete und vertrieb.
Nun begann eine Abkehr vom Westen und eine Hinwendung zur
Sowjetunion. In den 60er Jahren f\"uhrte ein Aufstand der Kurden
zu schweren inneren Auseinandersetzungen. 1968 geriet durch
einen Putsch der noch heute regierende Fl\"ugel der Baath-Partei
an die Macht. Seit 1979 regiert Saddam Hussein mit \"au{\ss}erster
Brutalit\"at.

Die Geschichte Kuwaits

Schon vor der Aufteilung des Osmanischen Reichs hatten die
Briten 1899 das Gebiet Kuwaits besetzt. Sie erkl\"arten das zur
osmanischen Provinz Basra geh\"orende Gebiet unter Protest der
osmanischen Zentralregierung zu ihrem Protektorat. Sie setzten
die Beduinenf\"ursten als Emire ein, die in dieser Gegend schon
vorher einen gewissen Machtfaktor gebildet hatten. \"Ahnliche
Vorg\"ange gab es im \"ubrigen um die anderen Emirate am Golf.
Damals spielte f\"ur die Briten vor allem die strategisch g\"unstige
Lage am Golf und damit der Zugang zum Indischen Ozean eine
Rolle. Es darf vermutet werden, da{\ss} man hier auch gezielt dem
sp\"ateren Irak den Zugang zum Golf erschweren wollte. \"Uber diese
Gegend der Welt stellten die Briten vor Bau des Suez-Kanals die
Verbindung zu ihren Kolonien in Indien her.
Das Anfang des Jahrhunderts entdeckte Erd\"ol erh\"ohte den Wert
Kuwaits f\"ur die Briten betr\"achtlich. Sie sicherten sich
praktisch alle Zugriffsrechte (Konzessionen nur an Briten,
etc.).
Als die Briten 1961 Kuwait formal in die Unabh\"angigkeit
entlie{\ss}en, mu{\ss}ten sie bereits Truppen einsetzen, um die Iraker
an einer Annexion zu hindern.
Die seit 1963 in Kuwait existierende konstitutionelle Monarchie
hat nur wenig mit den in Europa gewohnten Demokratiema{\ss}st\"aben
gemein. Nur ein kleiner Teil der Kuwaitis, die ohnehin nur 40%
der Gesamtbev\"olkerung ausmachen, ist wahlberechtigt. Das den
M\"annern vorbehaltene Wahlrecht \"uben so nur 4% der
Gesamtbev\"olkerung aus. Das so entstehende Parlament spielt aber
auch nur eine untergeordnete Rolle, da jede vorsichtige Kritik
vom Emir abgeschmettert wird. So wurde z.B. ein
Parlamentsbeschlu{\ss} zum Anschlu{\ss} an den Irak vom Emir mit einer
Aufl\"osung des Parlaments beantwortet.

         ViSdP: Stefan Merten f\"ur Kaiserslauterer Friedensplenum,
                            Buchenlochstr.37, 6750 Kaiserslautern
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