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Article #36

HINTERGRUENDE Nr.7: Israel

#36
From: Stefan Merten
Date: Mon, 18 Mar 1991 09:30
124 lines
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Israel


Die Vorg\"ange, die zur Gr\"undung des Staates Israel f\"uhrten,
lassen sich bis ins 19. Jahrhundert zur\"uckverfolgen. Damals
begannen j\"udische Immigranten sich in Pal\"astina anzusiedeln und
dort einen eigenen Macht- und Verwaltungsapparat aufzubauen
(z.B. Polizei, Justiz, Schulen).

Der Zionismus

Unabh\"angig voneinander forderten der j\"udische Arzt L. Pinsker
(Kommitee des "Chibbat Zion") und der Pariser
Auslandskorrespondent Theodor Herzl die Bildung eines
Judenstaates, um die in der ganzen Welt verstreut lebenden Juden
in einem Land zusammenzuf\"uhren. Dabei gab es erhebliche
Rechtfertigungsprobleme, da wesentliche Voraussetzungen f\"ur eine
Nation nicht gegeben waren. Vor allem fehlte eine gemeinsame
Sprache und Kultur, sowie ein zentrales Siedlungsgebiet. Bis zum
Zweiten Weltkrieg war die zionistische Bewegung auch unter den
Juden nicht sehr popul\"ar.
Pal\"astina, zu 91% von Arabern besiedelt, lebte vor dem
Zusammenbruch des osmanischen Reichs unter dessen
Fremdherrschaft und wurde 1917/18 von britischen Truppen
erobert. Am 25.4.1920 wurde Pal\"astina vom Rat der Alliierten
unter britisches Mandat gestellt, das jedoch die Einhaltung der
Balfour-Deklaration von 1917 beinhaltete, die den Juden die
Errichtung einer "nationalen Heimatst\"atte" verspricht. Dieses
Mandat, das f\"ur den gr\"o{\ss}ten Teil der Bev\"olkerung negative
Auswirkungen hatte, wurde 1922 vom V\"olkerbund anerkannt und
bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
W\"ahrend dieser Zeit begann sich der Konflikt zwischen Juden und
Arabern immer mehr zuzuspitzen. Ausgehend von fr\"uheren
\"Uberlegungen versuchte die UN-Generalversammlung diesen Konflikt
von au{\ss}en durch einen Teilungsplan zu l\"osen. Diese Teilung wurde
am 29.11.1947 unter dem Einflu{\ss} des amerikanischen Pr\"asidenten
Truman, der die zionistische Bewegung bef\"urwortete, beschlossen.

Konflikte mit den arabischen Nachbarn

Die arabische Bev\"olkerung versuchte daraufhin ihre Rechte zu
wahren, was zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und schlie{\ss}lich,
nach der Ausrufung des Staates Israel am 14.5.1948, zum Krieg
zwischen Israel und der arabischen Liga f\"uhrte. Im
Waffenstillstandsabkommen 1949 wird die Teilung Jerusalems
festgelegt, das westliche Jordanland f\"allt an Jordanien, der
Gazastreifen an \"Agypten.
Im Juli 1956 verstaatlichte \"Agypten den Suezkanal, garantierte
jedoch freie Durchfahrt und entsch\"adigte die meist britischen
und franz\"osischen Aktion\"are. Daraufhin griff Israel, unterst\"utzt
von britischen und franz\"osischen Truppen, im Oktober 1956
\"Agypten an und besetzte den Gazastreifen und die Sinaihalbinsel.
Die Truppen mu{\ss}ten sich wieder zur\"uckziehen, nachdem UN und USA
die Besetzung verurteilt hatten und die Sowjetunion drohten sich
einzuschalten.
Im Sechs-Tage-Krieg, der vom 5.-10.6.1967 dauerte, k\"ampfte
Israel, unterst\"utzt von den USA, gegen \"Agypten, Syrien und
Jordanien. Dieser Krieg, der durch die starke milit\"arische
\"Ubermacht der Israelis gepr\"agt war, hatte die erneute Besetzung
des Gazastreifens und der Sinaihalbinsel zur Folge; hinzu kam
die Besetzung des westlichen Jordanlands und der syrischen
Golanh\"ohen. In den damals besetzten Gebieten gab und gibt es
seitdem eine intensive israelische Siedlungspolitik.
Der Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 mu{\ss} als ein
Stellvertreterkrieg zwischen USA und UdSSR angesehen werden, da
beide Seiten stark finanziell und milit\"arisch unterst\"utzt
wurden. Als Folge der Drosselung der arabischen \"Olf\"orderungen
entstand daraus eine weltweite \"Olkrise.
Im Juni 1981 zerst\"orten israelische Kampfflugzeuge den ersten
irakischen Kernreaktor in Osirak. Im Dezember 1981 beschlo{\ss} das
israelische Parlament die Annexion der besetzten Golan-H\"ohen. Im
Juni 1982 besetzten israelische Truppen den S\"ud-Libanon und
vertrieben die PLO aus Beirut. Der Truppenabzug zog sich bis
1985 hin.

Politischer und milit\"arischer Aufbau

Die vier Millionen Israelis werden von ihrem Parlament,
(Knesset) mit Sitz in Jerusalem regiert. Bis heute hat Israel
keine geschriebene Verfassung; als Ersatz dienen elf
Grundgesetze, die teils recht religi\"os gef\"arbt sind.
Die Wehrpflicht betr\"agt f\"ur M\"anner drei, f\"ur ledige Frauen zwei
Jahre, wobei die aktive Dienstzeit auch eine landwirtschaftliche
Ausbildung umfa{\ss}t. Im Kriegsfall betr\"agt die St\"arke der
israelischen Armee 400 000 SoldatInnen.
Heutige Sch\"atzungen gehen davon aus, da{\ss} Israel inzwischen \"uber
ca. 200 Atombomben verf\"ugt. Offiziell wird dies aber
abgestritten, schon deswegen, weil sonst aufgrund eines
US-Gesetzes die amerikanische Unterst\"utzung f\"ur Israel
eingeschr\"ankt werden m\"u{\ss}te.

Au{\ss}enpolitik

W\"ahrend die diplomatische Unterst\"utzung von Seiten der USA schon
w\"ahrend und nach der Staatsgr\"undung wichtig war, setzte die
milit\"arische erst nach dem Sechs-Tage-Krieg ein. Die starke
wirtschaftliche Unterst\"utzung begann nach dem Jom-Kippur-Krieg.
War Israel zur Zeit der Regierung Eisenhower noch eher eine
B\"urde, so entwickelte es sich mehr und mehr zum
partnerschaftlichen Verb\"undeten.
Obwohl die UdSSR der Teilung Pal\"astinas zustimmte, war das
Verh\"altnis von Anfang an gespannt. Ein Grund daf\"ur war
sicherlich der starke Emigrationswille der sowjetischen Juden,
ein anderer das gespannte Verh\"altnis zur USA. Bis 1986 blieb
Rum\"anien der einzige Ostblockstaat mit diplomatischen
Beziehungen zu Israel. Unter Gorbatschow beginnen die
Beziehungen seit 1985 aufzutauen.
Bis M\"arz 1956 hatten die BRD und Israel keine diplomatischen
Beziehungen au{\ss}erhalb der Wiedergutmachungsverhandlungen. Ab
diesem Zeitpunkt versuchte man immer wieder Gespr\"ache
aufzunehmen, zum wirklichen Beginn kam es jedoch erst im Mai
1965, nachdem die umstrittenen Fragen \"uber die Verj\"ahrung der
NS-Verbrechen, der Beziehungen zu \"Agypten (deutsche
Raketenspezialisten in \"Agypten) und der Waffenlieferungen an
Israel gekl\"art schienen.

        ViSdP: Barbara Haller f\"ur Kaiserslauterer Friedensplenum,
                           Buchenlochstr. 37, 6750 Kaiserslautern

-- 
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"Radical (from radix: root!) thinking and moderate acting YES,
      fanaticism or dogmatism NO!" -- Stefan Merten
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