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Article #184Re: Re+Flame: Stuttgarter Server und PorNo
From: Carola Gerke
Date: Mon, 09 Dec 1991 15:02
Date: Mon, 09 Dec 1991 15:02
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Eigentlich halte es fuer Zeitverschwendung in einer derartig emotional
gefuehrten Diskussion, an der ohnehin nur ein winziger Bruchteil der
Betroffenen beteiligt ist, weitere Proteste zu schueren.
Axels neueste News empfinde ich als ausserordentlich provozierend,
so dass ich nun doch Einiges aus meiner Perspektive beschreiben moechte.
Ich bin die damalige Frauenbeauftragte, die dafuer sorgte, dass an der TU-Berlin
einige Gruppen untersagt sind.
----- Nun etwas polemisch -----
From axel@cs.tu-berlin.de Fri Dec 6 19:12:33 1991
Bei uns am Fachbereich war damals - auf Betreiben unserer damaligen
Frauenbeauftragten - auch eine Radioreporterin, der ich in die Haende
fiel (d.h. vors Mikrofon lief).
Sorry Axel, das war, wie du wissen solltest kein Zufall, ich brachte sie zu Dir,
weil sie einen "Gegner" sprechen wollte.
Ich bemuehte mich sehr darum, der Frau klarzumachen was das
Usenet/Internet ist. Die Tatsache, dass nicht nur
Pornographie ueber das Netz verbreitet wurde, sondern alt.sex.* nur
ein winziger Teil des Newsangebots ist, war fuer sie eine ziemliche
Ueberraschung.
Nein, das wusste sie bereits.
(als Journalistin schien sie sogar von den Kommunikationsmoeglichkeiten
dieses Mediums fasziniert zu sein).
Logischerweiser. Es kann naemlich auch sehr sinnvoll sein, wenn man
von der Pornographie oder von Rassismus oder ... absieht.
Nichtsdestoweniger war die ausgestrahlte Version des Interviews eine
Verzerrung, die mich als grossen Verfechter von Netzpornographie
dastehen liess.
So hast Du dich schliesslich auch implizit dargestellt.( Ich war dabei.)
Kann es sein, dass Du es nicht verkraften kannst, dass Du sie trotz langatmigen
Vortraegen doch nicht ueberzeugen konntest?
Eine Erfahrung ist, dass es offenbar schwer ist in
dieser Frage eine sachliche Auseinandersetzung zu fuehren.
Dieselbe Erfahrung habe ich auch. (s.u.)
From: axel@cs.tu-berlin.de (Axel Mahler) vom 9.12.91
Barbara, ich glaube Du weisst nicht was Du tust ! Offenbar fehlt Dir
die demokratische Reife den Job zu machen, den Du anscheinend machst.
und
Was Du getan hast - offenbar aus einem emotionalen, unreflektierten
Impuls heraus - ist in hoechstem Masse verantwortungslos. Ich kann nur
hoffen, dass Du soviel Zivilcourage aufbringst, *Deine* Entscheidung
(auf welcher Grundlage ? mit welchem Recht ?) schnellstens rueckgaengig
zu machen.
In dem Massen, wie hier anderen schriftlich zugesetzt wird, frage ich mich
wo denn die "Zivilcourage" und der "Einsatz" derer ist, die das Abbestellen
so sehr angreifen, bzw. fuer die grosse Freiheit eintreten: Wo warst Du denn,
als wir eine Diskussion bei der mann persoenlich erscheinen musste, angesetzt
hatten? Es war die nicht wichtig genug, sagtest Du mir.
(Ausserdem war es Montag morgens um 10 Uhr, war das auch ein Grund?).
From: woks4000@mailszrz.zrz.tu-berlin.de (Wolfgang Ksoll)
Was ist das fuer eine Welt, wenn man zum Einrichten einer Newsgroup
genaue Spielregeln hat und Basisdemokratie uebt und auf der anderen Seite
das moralische Emfinden eines einzelnen und schlechte Artikel in der
Boulevard-Presse ausreichen, um eine Newsgruppe zu entfernen.
Es gibt einen AS Beschluss (demokratisch herbeigefuehrt, einstimmig),
der im ZRZ missachtet wird. Tja, wer im Glashaus sitzt (oder sass) ...
Ausserdem waren es nicht die D A M E N im Fachbereichsrat, sondern
Frauen am Fachbereich, Frauen an der TU unterstuetzt von Frauenbeauftragten,
die die Initiative ergriffen haben.
---- Nun wenig polemisch -------------
- Wie kam es damals zum Abbestellen von news-goups?
Als Frauenbeauftragte wurden mir Faelle von verbalen Belaestigungen
in oeffentlich zugaenglichen Terminalraeumen zugetragen. Die Belaestigungen
traten im Zusammenhang mit dem Lesen/ Betrachten von Pornographischen Materialen
am Bildschirm auf.
Ein Paragraph des Berliner Landesantidiskrimierungsgesetzes legt fest,
dass der Arbeitgeber bereits moegliche Ursachen fuer sexuelle Belaestigungen
ausschalten muss. Es ist weiterhin geregelt, dass verbale Aeusserungen
bereits eine sexuelle Belaestigung darstellen koennen.
Die Newsgroups wurden abbestellt, auch alt.sex. Uns war bekannt, dass
auch nicht-pornographschie Diskussionen aufgefallen darin enthalten waren;
(sie waren jedoch auch groessten Teils nicht besonders informativ,
wie z.B. jene langatmige Diskussion ueber Namen fuer Penisse.)
- Wie wurde die angebliche "Zensur" ausgeuebt?
Es wurden alle uns bekannten News-groups abbestellt, in denen pornographische
(meist auch gewaltsame) Materialen auftauchten/existierten.
Da niemand sich in der Lage sah gewisse "Grauzonen" als pornographisch bzw.
nicht pornographisch einzustufen, d.h. eine wirkliche Zensur durchzufuehren,
wurden die gesamte Gruppe "abbestellt", so z.B. alt.sex
(An Jutta Degener: Die ich sehr wohl gelesen hatte. Dort befanden sich
textuelle Stories, die kaum weniger brutal waren als manche SM-Pornos)
Die Begruendung hier lautete: Es geht schliesslich nicht um die Abschaffung
der Pornographie im Allgemeinen, sondern um die Abschaffung der Pornographie
an (oeffentlichen) Studien- und Arbeitsplaetzen. Und das ist
meiner Meinung nach ein grosser Unterschied.
(Mir wurde bei den Protesten damals wie heute der Eindruck vermittelt,
als waere ich in die Privatwohnung mancher Leute eingebrochen,
um Pornohefte zu stehlen.)
Alle Diskussionen um die Pressenfreiheit (eigentlich geht es da zwar nur
nachrichtliche Berichterstattung), um sexuelle Freiheiten,
Pruederie etc. greifen hiermit nicht mehr.
Zur Diskussion steht einzig und allein die persoenliche Freiheit
versus die Grenzen der persoenlichen Freiheit in einer Gemeinschaft.
- Was hat Pornographie mit Vergewaltung zu tun?
Zur Frage von Rene Stolp: Ich sah vor einiger Zeit eine Reportage ueber
Frauenhaeuser-Gewalt gegen Frauen. Dort wurden Querbezuege hergestellt.
Du kannst sicherlich mehr Informationen von den Frauenhaeusern erhalten,
falls ich Dich weiter interessiert.
- Wie ist das mit dem Pauschalpreis?
Es wurde hin und wieder arumentiert, dass news schliesslich ueber
einen Pauschalpreis bezahlt wird, und somit die Menge egal ist.
Wenn ich da mal an die (gehaltsbezogenen) Pauschalpreise der oeffentlichen
Krankenkassen denke, dann faellt mir doch auf, dass ich immer mehr zahlen
muss, wenn allgemein mehr oder teurere Leistungen auftreten, und
zwar unabhaengig davon, wieviel ich persoenlich in Anspruch genommen habe.
So ist das naemlich mit Pauschalpreisen.
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