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Article #200

Re: Re+Flame: Stuttgarter Server und PorNo

#200
From: Toerless Eckert
Date: Tue, 10 Dec 1991 00:42
135 lines
7430 bytes
From article <5784@kassandra.cs.tu-berlin.de>, by carola@opal.cs.tu-berlin.de (Carola Gerke):
> 
> Eigentlich halte es fuer Zeitverschwendung in einer derartig emotional 
> gefuehrten Diskussion, an der ohnehin nur ein winziger Bruchteil der 
> Betroffenen beteiligt ist, weitere Proteste zu schueren. 

Typische Einstellung von jemanden, der seine Meinung am liebsten beibehaelt.
Der Stil der Diskussion ist unter anderem durch Aktionen wie Dein
gepraegt - ganz abgesehen natuerlich von fachlich versierten 
Formulierfreudigkeit der Emma Redakteurin.
(aeh: Fachgebiet Propaganda natuerlich)

Uebrigens habe ich den Eindruck dass es meistenss die wichtigen
Diskussionen emotional gefuehrt werden.

>     (als Journalistin schien sie sogar von den Kommunikationsmoeglichkeiten 
>     dieses Mediums fasziniert zu sein).
> Logischerweiser. Es kann naemlich auch sehr sinnvoll sein, wenn man
> von der Pornographie oder von Rassismus oder ... absieht. 

Warum akzeptierst du bei einem Medium dessen Grundgedanke die geistige
Unabhaengigkeit ist nur das, wass fuer Dich positiv besetzt ist ?

> Es gibt einen AS Beschluss (demokratisch herbeigefuehrt, einstimmig), 
> der im ZRZ missachtet wird. Tja, wer im Glashaus sitzt (oder sass) ...
> 
> Ausserdem waren es nicht die   D A M E N im Fachbereichsrat, sondern
> Frauen am Fachbereich, Frauen an der TU unterstuetzt von Frauenbeauftragten,
> die die Initiative ergriffen haben.

Gibt es da eigentlich auch Maennerbeauftragte ? Aeh, ok, lassen wir
das, ich habe wieder das Drehbuch nicht aufmerksam gelesen, da stand
irgend was von fester Rollenzuteilung mit gut und boese ....
> - Wie kam es damals zum Abbestellen von news-goups? 

> Als Frauenbeauftragte wurden mir Faelle von verbalen Belaestigungen 
> in oeffentlich zugaenglichen Terminalraeumen zugetragen. Die Belaestigungen 
> traten im Zusammenhang mit dem Lesen/ Betrachten von Pornographischen Materialen
> am Bildschirm auf.

Wer will kann ueberall einen Zusammenhang konstruieren. Jemand der
sexuell belaestigend ist, ist das in allen moeglichen Situationen, in
denen er enthemmt ist, etwa wenn er in einer groesseren Gruppe ist oder
Alkohol getrunken hat. Habt Ihr in eurem Entscheidungsgremien auch
daran gedacht, den Alkoholkonsum und die Zusammenrottung von
Chauvinisten zu verbieten ? Wuerde auf eurer Linie liegen,
nicht die Ursachen, sondern die Begleiterscheinungen zu eliminieren.

> Ein Paragraph des Berliner Landesantidiskrimierungsgesetzes legt fest,
> dass der Arbeitgeber bereits moegliche Ursachen fuer sexuelle Belaestigungen 
> ausschalten muss. Es ist weiterhin geregelt, dass verbale Aeusserungen 
> bereits eine sexuelle Belaestigung darstellen koennen.

Das sind bloss leider keine Ursachen, das sind Dinge, die individuell
unterschiedlich wirken. Kuechenmesser wirken bei Skinheads oft 
koerperlich verletztend - Weg mit Kuechenmesser, zurueck zum Muesli !!
Es ist ein typischer Effekt autoritaerer Verhaltensweise, die Freiheit
einer Allgemeinheit dadurch einzugrenzen, dass die Projektion auf eine
Minderheit als Argument fuer Verbote herhalten muss.

> Die Newsgroups wurden abbestellt, auch alt.sex. Uns war bekannt, dass
> auch nicht-pornographschie Diskussionen aufgefallen darin enthalten waren; 
> (sie waren jedoch auch groessten Teils nicht besonders informativ, 
> wie z.B. jene langatmige Diskussion ueber Namen fuer Penisse.)

Der Informationswert steht hier ueberhaupt nicht zur Diskussion.

> - Wie wurde die angebliche "Zensur" ausgeuebt?
> 
> Es wurden alle uns bekannten News-groups abbestellt, in denen pornographische 
> (meist auch gewaltsame) Materialen auftauchten/existierten. 
> Da niemand sich in der Lage sah gewisse "Grauzonen" als pornographisch bzw. 
> nicht pornographisch einzustufen, d.h. eine wirkliche Zensur durchzufuehren, 
> wurden die gesamte Gruppe "abbestellt", so z.B. alt.sex 
> (An Jutta Degener: Die ich sehr wohl gelesen hatte. Dort befanden sich 
> textuelle Stories, die kaum weniger brutal waren als manche SM-Pornos)

Du kennst Dich mit sowas natuerlich nur gezwungenermassen aus, privat
kennst Du sowas nur vom wegschauen. Das Sendungsbewusstsein von selbsternannten
Moralaposteln ist ja nun nichts neues.

> Die Begruendung hier lautete: Es geht schliesslich nicht um die Abschaffung
> der Pornographie im Allgemeinen, sondern um die Abschaffung der Pornographie
> an (oeffentlichen) Studien- und Arbeitsplaetzen. Und das ist
> meiner Meinung nach ein grosser Unterschied. 
> (Mir wurde bei den Protesten damals wie heute der Eindruck vermittelt, 
> als waere ich in die Privatwohnung mancher Leute eingebrochen, 
> um Pornohefte zu stehlen.)

Freie Kommunikationsmoeglichkeoiten zu versperren, inhaltsabhaengig
ist ZENSUR, was immer du dagegen sagst. 

Toleranz. Ursachen bekaempfen. Diskutier mit denen, die sexuell
Belaestigend wirken. Schalte dort notfalls die Polizei ein.
Die Freiheit der Meinung un des geschriebenen Worts muss auch in
einer Arbeitsumgebung gewahrt bleiben. Der Missbrauch von Einrichtungen
des Arbeitsgebers darf nicht abhaengig von Inhalten sein, soweit diese
den Arbeitsbereich nicht beruehren.

> Alle Diskussionen um die Pressenfreiheit (eigentlich geht es da zwar nur
> nachrichtliche Berichterstattung), um sexuelle Freiheiten, 
> Pruederie etc. greifen hiermit  nicht mehr. 

Ohne Begruendung wirken solche Aussagen natuerlich am besten.

> Zur Diskussion steht einzig und allein die persoenliche Freiheit 
> versus die Grenzen der persoenlichen Freiheit in einer Gemeinschaft. 

Hier gehts eigentlich irgendwie bloss um Redefreiheit und diejenigen,
die sich dafuer Massstaebe ausdenken (Dich).

> - Was hat Pornographie mit Vergewaltung zu tun? 
> 
> Zur Frage von Rene Stolp: Ich sah vor einiger Zeit eine Reportage ueber 
> Frauenhaeuser-Gewalt gegen Frauen. Dort wurden Querbezuege hergestellt. 
> Du kannst sicherlich mehr Informationen von den Frauenhaeusern erhalten,
> falls ich Dich weiter interessiert.

Toll, ich habe auch schon mal Fernsehen geschaut. Soweit ich mich erinnere
ist schon eine ganze Menge mehr noetig, bevor enthemmende Literator
entscheidend auf die Reaktion einer Person Einfluss nimmt, siehe
auch weiter oben. Pornographische Schriften sind ja wohl nun nicht
hypnotisch unterlegt und wirken ja auch nicht wie Drogen. Es
ist einfach nun mal Bevormundung, was Ihr macht.

> - Wie ist das mit dem Pauschalpreis?

Oh Gott, die Kostendiskussion, dazu sag ich nix mehr (sonst fallen mir
bloss zig Millionen und Milliarden ein, die verschwendet werden).

---

             Toerless.Eckert@informatik.uni-erlangen.de
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 If a trainstation is where train stops, what is then a workstation ?
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Subject: Re: Re+Flame: Stuttgarter Server und PorNo
Message-ID: <1991Dec10.004209.2865@informatik.uni-erlangen.de>
Date: 10 Dec 91 00:42:09 GMT
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