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Article #63Re: Stuttgarter Server und PorNo
From: Ruggero Costantini
Date: Tue, 10 Dec 1991 18:20
Date: Tue, 10 Dec 1991 18:20
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In article <1991Dec6.211019.24220@rusmv1.rus.uni-stuttgart.de> infoadm@rusmv1.rus.uni-stuttgart.de (Barbara Burr) writes: >Ab heute gibt es auf dem Stuttgarter Server die Gruppen >unter alt/sex nicht mehr. Ausserdem fehlen die Gruppen, >sci.military und comp.simulation.military. Ich bin in Bonn :-))))) >Ich habe diese Gruppen in Absprache mit dem Rechenzentrumsleiter >geloescht. Wenn er diese Entscheidung mitgetragen hat, sind meine Fragen auch an ihn gerichtet. >Wenn ich koennte, wuerde ich alle Gruppen, die einen militaristischen, >sexuellen, kriminellen oder rassistischen Inhalt haben, loeschen. >Ich bin mir voll bewusst, dass dies nur ein Flicken an den Symptomen >ist, aber ich w i l l einfach nicht, dass Bilder auf dem Rechner >sind, auf denen Frauen oder auch Maennern Gewalt angetan wird. Ich glaube die Argumente sind zum Teil hier schon vorgetragen worden, aber nochmal: 1) Wer entscheidet bei Euch nach welchen Kriterien, welche Inhalte gelesen werden duerfen? Ist dies ein demokratischer Prozess? Ich verstehe, dass es Inhalte gibt (zB. Rassimus) die gesetzlich definiert und - mit gutem Grund - verboten sind. Der Verbot von Inhalten (zB. Sexuellem) ist grundsaetzlich ein Eingriff in grundgesetzlich geschuetzte Grundrechte (Informations- freiheit!). Zensur bedarf in einer Demokratie einer guten Legitimation. Persoenliches Missfallen ist dafuer in keinem Fall ausreichend. 2) In alt.sex wird *wichtiges*, naemlich die menschliche Sexualitaet diskutiert. Dabei ist leider das Signal/ Rauschen-Verhaeltnis sehr schlecht. Es kommt auch vor, dass sich Teilnehmer rassistisch aeussern oder Minderheiten diskrimiert werden. Solchen Aeusserungen wird aber innerhalb von alt.sex regelmaessig heftig widersprochen! Es findet dort also auch ein positiver paedagogischer Prozess statt. Militaristisches oder kriminelles Gedankengut habe ich dort nie wahr- genommen, sexuelles immer (klar ;-). Trotzdem, die Gruppe bietet eine freie und oeffentliche Aussprache die weltweit einmalig ist und in der in erster Linie eine *Chance* zu sehen ist, Sexualitaet von rassistischem und frauen-/maenner- feindlichem zu befreien. Diese Gruppe abzubestellen, weil sie rassistische, Minderheiten diskriminierende Aeusserungen enthaelt ist unberechtigt. Der Charakter der Gruppe ist liberal. Sie ist *kein* Instrument der Diskriminierung von Minderheiten oder Rassen. Andersherum wird da schon eher ein Schuh draus. 3) Fuer alt.sex.bondage gilt gleiches wie fuer alt.sex. In dieser Gruppe ist nach meiner Erfahrung der moralische Standard noch um einiges hoeher als in alt.sex. Im Vordergrund der Diskussion um Sado-Masochismus stehen immer wieder das Prinzip des gegen- seitigen Einverstaendnisses und der Sicherheit des Masochistischen Partners. Darin drueckt sich innerhalb dieser Minderheitengruppe ein hohes Verantwortungsgefuehl aus. Ein Verbot einer solchen - wiederum weltweit einmaligen - Dis- kussionsgruppe ist in meinen Augen ein klarer Fall von Diskri- minierung einer sexuellen Minderheit, der Sado-Masochisten. Dies ist wegen des gebotenen Minderheitenschutzes weitaus schlimmer als ein Verbot von alt.sex. alt.sex.bondage ist ein wichtiges Instrument der Emanzipation von Sado-Masochisten, einer Gruppe die immer noch aehnlich unter- drueckt und gesellschaftlich ausgegrenzt wird, wie zB die Homo- sexuellen. Dein Abschaffen dieser Gruppe in Stuttgart ist eine weitere Massnahme der Ausgrenzung und Diskrimierung. 3) Die Gewalt in den Bildern liegt immer im Auge des Betrachters: Eines was ich in alt.sex.bondage gelernt habe, ist das der Unter- schied zwischen einer aeusserst grausamem Vergewaltigung und einer schweren sado-masochistischen Szene das Einverstaendnis der Akteure ist. Die Vergewaltigung geschieht gegen den Willen der (des) ver- gewaltigten Frau (Mannes). Die Sado-Masochistischen Handlung und Lust beruht auf dem Einverstaendniss/ dem Wunsch *beider* Partner, auch wenn das fuer einen aussenstehenden, unerfahrenen Betrachter nicht so scheinen mag. Der Punkt auf den ich rauswill ist: Einem Bild von einer (einem) gefesselten Frau (Mann) kann ich die Freiwilligkeit nicht ansehen. Es haengt also entscheidend von der Phantasie des Betrachters ab, ob er in dem Bild Gewalt sieht oder nicht. Daher der einleitende Satz. 4) Ich kann verstehen, das Du etwas gegen militaristische, rassis- tische oder kriminelle Inhalte hast. Wobei ich letzteren im Usenet noch nicht begegnet bin. Aber was hast Du gegen sexuelle Inhalte? Ich empfinde es als falsch und es empoert mich, wenn Sexuelles auf einer Ebene mit Militarischtischem, Rassistischem und Kriminellem zu nennen. Das ist einfach nicht mehr der aktuelle Stand der Dis- kussion zum Thema Sex. Ich hoffe, wir sind da schon weiter! >Wenn ich ausserdem daran denke, wie ich fuer jedes Megabyte Plattenplatz >kaempfe und wie schwer es ist, mich gegen nicht so gut informierte >Kollegen mit meinen staendigen Wuenschen nach Netzdurchsatz durchzusetzen, >dann faellt mir meine o.g. Entscheidung noch viel leichter. Ich kann das Argument verstehen, dass die *picture* Gruppen einfach zu viel Ressourcen (Plattenplatz) belegen. Dies ist aber mit Sicher- heit kein Argument fuer die Diskussionsgruppen! >Wer dieses Sorte von Texten und Bildern konsumieren will, findet >sie bestimmt irgendwo anders (Ja ich weiss ....). Nein, die Texte findet man eben nicht irgendwo anders. Hast Du alt.sex/ alt.sex.bondage gelesen, bevor Du sie abgeschafft hast? Hast Du die Nutzer dieser Gruppen gefragt? >Barbara Burr -- Ruggero Costantini (costanti@eos.cs.bonn.edu)
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