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Article #12427Re: Fragen zu Radioaktivitaet/Strahlenbelastung
From: Wulf-Burkhard Goehmann
Date: Wed, 09 Feb 1994 17:24
Date: Wed, 09 Feb 1994 17:24
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In Deinem Interesse will ich mal annehmen, dass da ein kleines
'm' fuer Milli- (= 10^-3) und nicht
'M' fuer Mega- (= 10^6) stand oder gemeint war.
'R' ist die Abkuerzung fuer Roentgen, eine veraltete Einheit der
Ionendosis, die sich nicht ohne weiteres in SI-Einheiten umrechnen laesst.
Es gilt (nach Mende/Simon: Physik):
"Einer beta- oder gamma- Strahlung mit der Exposition (Ionendosis)
1 R (Roentgen) entspricht in Wasser oder weichem tierischem Gewebe
eine Energiedosis von 102 x 10^-4 Gy" (Gray, Einheit fuer die Energiedosis).
Um die biologische Wirkung verschiedener Strahlungsarten zu
beruecksichten, wird diese Energiedosis mit einem Faktor gewichtet ( = 1
fuer Beta- und Gammastrahlung) und man erhaelt die Aequivalentdosis in
Sievert (Sv).
[1 Sv = 100 rem (radiation equivalent man, veraltete Einheit)]
also:
0,015 Milliroentgen/h
= 0,015 x 10^-3 Roentgen/h
= 0,000015 Roentgen/h | 1 R ist ca. 0,01 Gy (s.o.)
= 0,00000015 Gy/h | mit Bewertungsfaktor 1 multiplizieren
= 0,00000015 Sv/h
= 0,15 Mikrosievert/h | 1 Sv = 100 rem
= 15 Mikrorem/h | (weil noch sehr gebrauechlich)
= 0,015 Millirem/h | oder: (1 Jahr=8760h)
= 130 Millirem/a
Die mittlere jaehrliche Strahlenbelastung in Deutschland betraegt ca. 200
mrem (2 mSv) pro Jahr.
* Natuerliche Strahlenbelastung (durch Kosmische-, Terrestrische
Strahlung, Inkorporation v. Radionukliden): 110 mrem/a
Ist unterschiedlich, wo Du wohnst; in den Bergen ist die
Strahlenbelastung durch kosmische Strahlung hoeher, die
terrestrische Strahlung schwankt auch:
Schleswig-Holstein 14 mrem/a
Kaiserstuhl 160 mrem/a
Menzenschwand 1800 mrem/a (frag mich nicht, wo das liegt!)
Sao Paulo (Bras.) 8700 mrem/a)
* Kuenstliche Strahlenbelastung (Medizin, Kernenergie Bomben-Fallout
etc.): 60 mrem/a
Das heisst, wenn es sich um Milliroentgen/h gehandelt hat, sind 130 mrem/a
keine erhoehte Strahlenbelastung, wenn allerdings Megaroentgen/h
gemeint waren, musst Du alle Belastungen mal eine Milliarde nehmen:
0,015 mrem/h | x 10^9
= 15000 rem/h !!!
Die maximal zulaessige Jahresdosis fuer beruflich strahlenexponierte
Personen Kategorie A betraegt 50 mSv pro Jahr (5 rem/a); bzw. 400 mSv
im Leben (40 rem).
==> Deine Jahresdosis haettest Du nach 1,2 Sekunden weg! (Und da Du das
Schild ja bis zum Ende gelesen hast (in kyrilischer Schrift dauert's ja
etwas laenger), haettest Du diese Frage dann aber nicht mehr posten
koennen, denke ich mal).
1-5 Cu/km^2 soll wohl heissen: 1-5 Ci (Curie)/km^2
^^ ^^
Curie = SI-fremde Einheit der Aktivitaet;
1 Ci = 3,7 x 10^10 Bq (Becquerel, Zerfaelle pro Sekunde)
(1...40) * 3,7*10^10 / (1000m*1000m) = 37.000 ... 1.480.000 Bq /m^2
Das sind in der Tat recht beeindruckende Werte, in der Bundesrepublik sind
sie direkt nach Tchernobyl an manchen Stellen bis auf 30.000 Bq/m^2
angestiegen, aber damals war ja alles gaaaanz ungefaehrlich, nicht?
Die Zahl der Zerfaelle pro Sekunde sagt allerdings gar nichts ueber die
Energie- oder Aequivalentdosis aus. Wenn da z.B. nur Alpha-Strahler
zerfallen, kommt die Strahlung noch nicht mal durch ein Blatt Papier, das
heisst, auch wenn die Aktivitaet wahnsinnig hoch ist, braucht Dich das
nicht weiter zu kratzen, wenn Du die Nuklide nicht inkorporierst (Staub,
Nahrung, ..).
Fazit: Ich denke mal: Don't worry! [wenn ich mich nicht verrechnet habe,
es ist jetzt 3:30 Uhr morgens!(wird morgen geposted)]
Gruss, Wulf-Burkhard.
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