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Article #12428Re: GAU in Frankreich...
From: Olaf Wagner
Date: Mon, 03 May 1993 09:35
Date: Mon, 03 May 1993 09:35
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Da hier sonst kaum jemand die comlink (cl) Hierarchie zu lesen scheint,
poste ich hier einfach mal zwei Artikel aus cl.atom.akw, die ein
wenig mehr Information enthalten, in der Annahme, dass es einige
interessiert. Hier gleich der erste:
(Er ist dummerweise ziemlich unleserlich in Spalten gesetzt.)
> From: j.poehlmann@link-n.nbg.sub.org
> Reply-To: j.poehlmann@link-n.nbg.sub.org
> Distribution: zer
> Message-Id: <4zu1zhqoUk@LINK-N.zer.sub.org>
> Newsgroups: cl.atom.allgemein
> Subject: Was Lefft 139: Artikel Super GAU Versuch
> Organization: Z-Netz Germany
> X-Gateway: NETCALL3.8 UU uzercp.zer.sub.org [UZERCP V4.00beta2]
> Content-Length: 8912
> Lines: 136
Vorabdruck aus der Erlanger Stadtzeitung
WAS LEFFT Nr. 139 Mai/Juni 1993
Nachruck gegen Belegexemplar frei.
Nichgt formatierte Version auf Anfrage
Kontakt:
Was Lefft,
Feldstrasse 22,
W-8520 Erlangen
Fax 09131 - 205020
Tschernobyl offiziell
Marsaille sehen und dann sterben- gar nicht geben konnte.
Damals hatten die
Franzoesiche Atomwissenschaftler basteln an Atomexperten definiert,
dass der "groesste
zweitem Tschernobyl anzunehmende Unfall"
(GAU) darin bestehe,
50km noerdlich von Marsaille in Bouches-du-Rh�ne dass die
soll zu Forschungszwecken ein schwereres Atom- Kuehlwasserleitung
Unglueck als in Tschnobyl herbeigefuehrt werden. reisst, das Kuehlwasser
Natuerlich ist alles durch mehrfache Schutzhuellen samt darin enthaltenen
gesichert. Kritiker halten die Versuche fuer radioaktiven Stoffen
gefaehrlich, selbst der Leiter des Projektes, verdampft, und so der
Maurice Haessler, haelt die Versuche nur fuer Reaktorkern nicht mehr
"sicher, aber nicht absolut sicher". Bisher regt gekuehlt wird. Nach
sich kaum Protest, die deutschen Massenmedien deutscher
schweigen mit Ausnahme der taz, obwohl die Sicherheits"philosophie
Meldung ueber die Deutsche presse Agentur dpa " kommt dann die
lief. Atomspaltung zum
Erliegen, da sie die
Im man so weit, in einem Anwesenheit eines
Atomforschungszentrum kleinen Stoffes wie z.B. Wasser
Cadarache, 50km Forschungsreaktor alle zwischen den
noerdlich von Marsaille Komponenenten eines Brennstaeben
planen solchen Unfalles zu voraussetze. Wasser
Atomwissenschaftler ein "simulieren". Neu sei soll als sogenannter
"Super GAU Experiment". auch, dass bereits "Moderator" die
Im 14 Jahre alten Ver- bestrahlte ausgeschleuderten
suchsreaktor "Phebus" Brennelemente verwendet Teilchen soweit
soll nicht nur der Kern wuerden. (Diese abbremsen, dass sie
schmelzen, sondern auch enthalten eine Vielzahl weitere Atomkerne
saemtliche radioaktiver spalten koennen. Bei den
Sicherheitssysteme Spaltprodukte). neuen plutoniumhaltigen
ausfallen. Waehrend sich Wenn bei den Versuchen MOX - Brennelementen
der atomare Brennstoff "nichts passiert", ist das uebrigens nicht
auf ueber 2500 Grad bleibt die mehr ganz so klar, denn
erhitzt, sollen Radioaktivitaet in Plutonium kann auch von
Messgeraete erforschen, diversen Druckbehaeltern schnellen Teilchen
was bei einem solchen gefangen. Falls einer gespaalten werden, und
"Super- GAU" passiert. dieser Behaelter oder braucht deshalb kein
Die an "M. LEFFT, WAS" eine dazwischen Wasser fuer die Kern-
gefaxte liegende Rohrleitung spaltung.
Pressemitteilung versagt, bleibt als Der ungekuehlte
erlaeutert freimuetig das "Sicherheit" nur noch Reaktorkern habe zwar
Umfeld der geplanten das "Containment", d.h. eine hohe "Restwaerme",
Versuche. Die Unfaelle eine Betonhuelle. Nach aber das sei technisch
von Harrisburg und den Versuchen soll der beherrschbar.
Tschernobyl haetten die Reaktor zerlegt wrden, Ein Unfall, bei dem
Notwendigkeit gezeigt, um seine Teile zu der Reaktorkern so heiss
ueber die Ablaeufe bei untersuchen. Dabei wird, dass er schmilzt,
schweren Atomunfaellen duerfte eine Menge hiess Super - GAU, und
besser Bescheid zu Radioaktivitaet in die wurde als unmoeglich
wissen, insbesondere aeussere Huelle gelangen, angesehen. Bis in
ueber das Verhalten der falls sie nicht einfach Tschernobyl der
freigesetzten in die Umwelt entlassen Reaktorkern schmolz und
Radioaktivitaet. wird. sich durch mehrere
Seit 10 Jahren liefen Stockwerke des Gebaeudes
Experimente dieser Art, Was ist ein frass.
eines davon in Kernschmelzunfall ? Wenn der Reaktorkern
Deutschland unter dem so heiss ist, dass er
Namen SASCHA. Nun sei Etwas, das es bis schmilzt, dann schmilzt
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auch alles unter ihn. auftreten. Das be- Reparaturauftraege fuer
Daher die amerikanische deutet, dass die Ost - AKW's an Land
bezeichnung "China - Brennelemente auf 2000 ziehen moechte.
Syndrome". Grad aufgeheizt werden. Dass diese Nachruestung
Das kann so weit Dabei bildet sich etwas bringt, muss also
gehen, dass der Kern im Wasserstoff, der bei wissenschaftlich
Boden versinkt, bis er dieser Temparatur untermauert werden. In
das Grundwasser explodiert, sobald Luft der Pressemitteilung
erreicht. Dann kommt es dazutritt. (Auch in des KfK wird diese
zu einer gewaltigen Tschernobyl gab es am Absicht ganz offen
Dampfexplosion, bei der Anfang der Katastrophe ausgesprochen (Zitat):
die Teile des eine Gerade fuer den WWER
Reaktorkernes und die Wasserstoffexplosion) Reaktortyp gibt es aus
eingeschlossene Nach der deutscher Sicht
Radioaktivitaet in der Pressemitteilung des interessante
Umwelt verteilt werden. Kernforschungszentrums Perspektiven zur
Karlsruhe wurden Verbesserung der
"kontrollierte solche Experimente Sicherheitsreserven.
Kernschmelze" bereits mit Brennele- Die franzoesische
menten westlicher Atommafia ist da schon
Tschernobyl war ein Druckwasserreaktoren ehrlicher: Sie
Fall, in dem die durchgefuehrt. Dabei erforscht den
Kernschmelze habe sich gezeigt, dass "undenkbaren" Super -
"kontrolliert" blieb, eine Ueberschreitung der GAU, und will als
denn der geschmolzene "Auslegungstemperatur" naechsten Schritt
Reaktorkern erreichte von 1200 Grad nicht Experimente zur Sanie-
das Grundwasser nicht. zwangslaeufig zu einer rung verseuchter Boeden
Die Radioaktivitaet aus unkontrollierten und Oberflaechen
dem Reaktorkern Kernschmelze fuehren veranstalten.
gelangte aber auf an- muesse. Wissenschaft zur Gewoeh-
derem Weg in die Es lohnt sich, diesen nung an das Undenkbare
Umwelt. Der Begriff Satz zweimal zu lesen: ?
kontrolliert ist mit Eine Ueberschreitung von
anderen Worten 1200 Grad fuehrt nicht
Augenwischerei. "zwangslaeufig" zur Quellen:
"unkontrollierten"
Experimente auch in Katastrophe. Die Kata- Hinweise von Andre
Deutschland strophe kann also auch Brimont, NADESHA.ZER
mal in "kontrollierter" (Dankeschoen)
Auch in Deutschland Form auftreten. (s.o) taz 18.3. 93 S.6
gibt es solche VDI - Nachrichten,
Versuche: Im Wozu der deutsche Super 29.1.93, S.19
Kernforschungszentrum GAU- Versuch ? New Scientist 1851,
Karlsruhe findet ein 12.12.92, S. 22
"Sicherheitsexperiment Nach Tschernobyl ist IPSN, �Le Programme
mit Nachbildungen genug Zeit ins Land Phebus PF�
russischer Kernreaktor gegangen, um die KFZ Karlsruhe,
- Brennelmente" statt. Atomkraft in presseinformation 5/93
Dort soll in der Deutschland wieder
Versuchsanlage CORA ein salonfaehig zu machen.
Unfall simuliert Nach dem Schock von
werden, bei dem es Tschernobyl muss einiges
durch Kuehlmittelverlust zur Imagepflege getan
zu schweren Kernschaeden werden. Wichtig ist
kommt. Brennelemente dazu, den Unfall von
eines russischen Tschernobyl als Folge
Reaktors vom Typ WWER- "fehlender westlicher
1000 sollen Bedingungen Sicherheitsmassnahmen"
unterworfen werden, wie zu verkaufen. Dies
sie bei Beginn eines insbesondere, da die
Kernschmelzunfalles deutsche Atomindustrie
Und hier der zweite Artikel:
> Date: Fri, 17 Apr 1993 07:31:00 CET
> From: h.kaulbach@gaia.zer.sub.org
> Reply-To: h.kaulbach@gaia.zer.sub.org
> Distribution: zer
> Message-Id: <4-05gqs9ZM@gaia-07.gaia.zer.sub.org>
> Newsgroups: cl.atom.allgemein
> Subject: Super-GAU-Experiment in Frankreich
> Organization: Z-NETZ BBS Network, FRG
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> Content-Length: 4674
> Lines: 87
Neue Osnabruecker Zeitung Seite 3
Freitag, 16. April 1993
DER SUPERGAU WIRD INSZENIERT
============================
VERSUCH IN FRANZOeSISCHEM REAKTOR SOLL ZIVILSCHUTZ AUF DEN
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ERNSTFALL VORBEREITEN.
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Von Wolfgang Proissl
Paris, 15.04.93
Was andere Laender um jeden Preis vermeiden, wird in Frankreich
aktiv vorbereitet: Im Versuchsreaktor Phebus bei Marseille soll
erstmals ein Super-GAU provoziert werden (GAU: groesster anzunehmen-
der Unfall). 20 verstrahlte Brennstaebe sollen schmelzen und explo-
dieren. Radioaktives Gas wird so freigesetzt. Kuehlwasserzufuhr und
Sicherungssysteme fallen aus. Radioaktivitaet dringt durch das
Schutzgebaeude des Reaktors nach draussen.
Doch die Versuchsorganisatoren vom Institut fuer Nuklearschutz
und -sicherheit (IPSN) wollen nicht etwa die Mittelmeerregion ver-
seuchen. Ein zweiter Bau ueber dem Schutzgebaeude mit 50 Zentimeter
dicken Stahlbetonwaenden soll die ausgetretene Strahlung abfangen.
"Wir wollen die Menge der radioaktiven Schadstoffe messen, die bei
einem Atomunfall austreten, wenn alle Sicherheitsvorkehrungen ver-
sagt haben", erklaert ISPN-Versuchsleiter Alain Tattegrain. Sechs
GAU-Versuche sind in den kommenden zehn Jahren geplant.
Die Ergebnisse aus dem inszenierten GAU, der 5000mal kleiner ist
als die Nuklearkatastrophen von Harrisburg und Tschernobyl, sollen
den Zivilschutz auf den Ernstfall vorbereiten. Ausserdem wollen die
franzoesischen Atommanager anhand der neuen Daten festlegen, ab
wann sie die Oeffentlichkeit ueber einen Unfall informieren. "Falls
nach einem Unfall keine Notwendigkeit besteht, die Bevoelkerung zu
evakuieren, sollte man auch keine Informationen nach aussen geben,
die den Schluss zulassen, dass evakuiert werden sollte", sagt Pierre
Bacher, Vizepraesident des franzoesischen Atomkraftwerkbetreibers
Electricite de France (EdF).
Mit seinen 56 Kernreaktoren (in Deutschland gibt es 20) und als
groesster Atomstaat nach den USA hat Frankreich starkes Interesse an
den erwarteten Informationen. Drei Viertel des franzoesischen
Strombedarfs werden aus Atomenergie gedeckt (ein Drittel in
Deutschland). Risse in mehreren Reaktordeckeln liessen in den ver-
gangenen Monaten Zweifel an der Sicherheit der franzoesischen Anla-
gen aufkommen. Deshalb traegt Frankreich 55 Prozent der Versuchsko-
sten von 900 Millionen Franc (265 Millionen DM). Deutschland ist
ueber die Europaeische Gemeinschaft an dem Experiment beteiligt, die
30 Prozent der Kosten traegt. Die Nuklearstaaten USA, Kanada, Japan
und Korea zahlen die restlichen 15 Prozent.
Doch das franzoesische Amt fuer Sicherheit von Nuklearanlagen
(DSIN) hat die letzte Genehmigung fuer die kontrollierte Katastro-
phe noch nicht erteilt. "Wir ueberpruefen den Versuch noch auf Ex-
plosionsrisiken", sagt die DSIN-Sprecherin Michelle Benabes. Denn
bei der Kernschmelze kann Wasserstoff entstehen, wie ein ungenann-
ter DSIN-Mitarbeiter dem britischen Wissenschaftsmagazin "New
Scientist" im Dezember erklaerte. Falls der Wasserstoff dann auf
Sauerstoff trifft, besteht Explosionsgefahr. Die Simulation koennte
damit zur richtigen Katastrophe werden. Dennoch sind die Organisa-
toren der IPSN sicher, spaetestens Anfang Mai die Genehmigung in
der Tasche zu haben.
Mycle Schneider vom Weltweiten Energie Informationsdienst (WISE)
in Paris sieht in den Versuchen eine neue Strategie zur Beruhigung
der Oeffentlichkeit: "Nach Atomkatastrophen wie etwa Tschernobyl
kann niemand mehr sagen, dass Nuklearunfaelle unmoeglich sind. Mit
den Versuchen geben die Atomkraftwerkbetreiber vor, selbst nach
einem GAU durch Unfallmanagement alles unter Kontrolle zu haben.
Doch das ist eine Illusion."
Raymond Sene, Physiker am College de France und Mitglied der
Forschergruppe fuer Informationen ueber Nuklearenergie, sieht die
inszenierten Unfaelle pragmatisch: "Es ist unverantwortlich, dass
diese Versuche nicht schon vor 20 Jahren gemacht wurden. Denn so-
lange man nicht den Ausstieg aus der Kernenergie beschliesst, muss
man sich auch auf die Gefahren der Atomkraft vorbereiten."
--Ende--
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