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Article #77Re: IP connections and Germany
From: Christoph Weber-Fahr [KIT]
Date: Sun, 23 Aug 1992 21:05
Date: Sun, 23 Aug 1992 21:05
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eckert@immd4.informatik.uni-erlangen.de (Toerless Eckert) writes:
Hallo,
>Fro macht meiner Meinung nach wenig Sinn, diese Diskussion in
>ein Service-Provder Bashing ausarten zu lassen. Meiner Erfahrung
>nach waren und sind all Anbieter, mit denen wir zu tun hatten, immer
>sehr bemueht, auf technischer Ebene den besten und stabilsten
>Dienst zu liefern, der ihnen moeglich ist.
>In Wirklichkeit ist doch das Problem, ueber das disutiert werden
>sollte, das, wie die Struktur der Netzwerkverbindungen jeweils
>abgestimmt auf die Beduerfnisse der Benutzer aussehen muss, und
>die Aergernisse kommen doch vor allem daher, dass hier die Meinungen
>auseinandergehen, und existierende Dienste vielleicht fehlangepasst
>an die Beduerfnisse der Benutzer sind.
Da ist durchaus etwas dran. Aber, bezogen auf IP, koennte
man die Beduerfnisse der Benutzer unter "soviel wie moeglich, so billig
wie moeglich, und das moeglichst gestern" subsummieren.
Als technologieorientiertes Land sollten wir unsere Universitaeten mit
einem brauchbaren Mass an "Connectivity" ausstatten. M.E. sollte man dabei
vom vernuenftig technisch moeglichen ausgehen - und da kann ein Blick
ueber den Zaun nicht schaden.
In den Vereinigen Staaten, mit denen man sich hier sehr wohl vergleichen
sollte, ist ein T1-Anschluss (das sind etwa 1,5 MBit) unter Universitaeten
seit einiger durchaus verbreitet. Die naechste Generation (im
Glasfaserbereich) wird vielerorts bereits anvisiert.
Vor diesem Hintergrund erscheint mir der hoffnungsvolle Blick auf 2 MBit WIN
etwas zu beschraenkt.
Dazu noch einmal Toerless Eckert:
>o Das WiN ist als Netzdienst von einem Anbieter (Telekom) das
^^^^^^^^^
> preisguenstigste, was zu haben war. Andere Anbieter sind teurer.
> Wer meint, das WiN mit 2Mpbs sei teuer, der sollte sich mal ausrechnen,
> wie teuer ein 2Mbps basierend auf Monopolleitungen waere
^^^^^^^^^^^^^^^^
> (aber nicht vergessen: Geraete und Leute, die das Netz betreiben
> brauchts auch).
Da liegt der Hase im Pfeffer. Es ist angesichts der derzeitigen Entwicklung
bereits abzusehen, dass auch eine 2 MBit-Verbindung fuer eine durchscnittliche
Universitaet nicht ausreichend ist. Zieht man weiterhin in Betracht, dass
bereits jetzt dem Vernehmen nach einigen kleinen Universitaeten beim
2MBit-Win finanziell die Puste ausgeht, dann sollte man doch vieleicht das
Gesamtkonzept "WIN" einmal in Frage stellen.
Hauptproblem ist wohl, dass bei der Wahl des Anbieters Telecom die
Universitaeten sich dem Postmonopol bzw. den damit verbundenen Preisen,
gebeugt haben. Ich habe ehrlich gesagt keinerlei Verstaendnis dafuer, dass
ein 2MBit-Anschluss heute so viel teurer sein soll als 64 K vor 4 Jahren.
Angesichts der enormen Entwicklung im Glasfaserbereich sollten eher viel
hoehere Durchsaetze guenstiger verfuegbar sein.
Ich zitiere dazu mal einen Artikel der RWTH Aachen, die 89-91 dort ein
FDDI-basiertes Uni-LAN ueber oeffentliches Gebiet realisiert hat:
(Hervorhebungen von mir)
"Tarife
Diese Problem erschien zunaechst unueberwindlich. Die normalen Tarife
der Deutschen Bundespost fuer Hochgeschwindigkeitsstrecken waren
VOELLIG AUSSERHALB UNSERER FINANZIELLEN MOEGLICHKEITEN.
Durch lange und intensive Verhandlungen mit der Deutschen Bundespost
konnte hier ein Durchbruch erziehlt werden, der unter der Bezeichnung
"Aachener Modell" bundesweit bekannt geworden ist und inzwischen als
Vorbild fuer viele andere FDDI-Projekte in der Bundesrepublik
Deutschland dient.
Grundlage des Aachener Modells ist, dass die Verkabelung von der
Bundespost durchgefuehrt wird (...) und dass dieses Kabel der TH Aachen
zur Nutzung ueberlassen wird. Die Hochschule bezahlte die Ersteinrichtung
des Kabels und danach nur noch einen kleinen monatlichen Betrag waehrend
einer Gesamtlaufzeit von 10 Jahren."
(Otto Spaniol in: RWTH-Themen 1/91, S. 108ff)
Es IST also moeglich, ausserhalb der monopolistischen Preisgestaltung der DBP
Hoschulen zu vernetzen. Gelaenge es beispielsweise durch hinreichenden
politischen Druck, die DBP zu Bereitstellung von "dark fiber" zum
Selbstkostenpreis zu veranlassen, waere ein derart betriebenes Forshungs-
netz durchaus eine kostenguenstigere Alternative. Irgendwie finanziert
Baden-Wuerttemberg ja auch das BelWue.
Das das Ganze dann noch nach der IP_ueber_X25-Methode betrieben wird, ist
bestenfalls noch ein Witz am Rande, aber nicht das wesentliche Problem.
Dazu Toerless Eckert:
>o Das WiN ist sehr ueberlastet, weil die Einfuehrung des
> 2Mbps WiN sich so verzoegert hat. Die grauenhaften Antwortszeiten
> bei IP haengen aber auch stark damit zusammen, dass es
> Implementierungsprobleme mit den existierenden IP/X.25
> Routern gibt (siehe die Diskussion ueber queueing in der Cisco).
> Ruediger wuerde dazu sagen, dass das ganze IP/X.25 Quatsch ist ;-)),
> Im Endeffekt glaube ich, dass es ein starkes Defizit dadrin gibt,
> technische Details im WiN zu verbessern, etwas, was eigentlich
> ueberall in den Netzen als Massnahme verwendet wird, um den
> Dienst zu verbessern. Fuer das WiN ist das wohl hauptsaechlich
> das IP/X.25, dass noch besser werden muss, und die vielen
> schlecht auf dem laufenden gehaltenen Router Installationen.
Fein. Sind 20 % Performancesteigerungen wirklich eine Loesung ?
Oder verschieben sie den Zusammenbruch noch um 3 Monate?
Multimedia steht vor der Tuer. Jedermann forscht in verteilten Systemen.
In 5 Jahren sind diese 2Mbit-Leitungen das, was heute eine 9600er Verbindung
ist - ganz nett, aber nichts fuer normale Durchsaetze. Gleichzeitig
steigt der Netznutzer-Kreis in den Unis staendig.
Die Rechenzentren werben vielerorts geradezu um Nutzerschichten ausserhalb
der technisch-naturwissenschaftlichen Fachbereiche, die ja ihre "Kundschaft"
von morgen sind. Dienstleistungsbereiche wie z.B. Bibliotheken integrieren
sich ueber Universitaeten hinweg.
Wo sind die Konzepte dafuer? Wer plant das 100-MBit-WIN ? So mancher
ist bereit, auch unbefriedigende Zustaende zu ertragen, wenn er weiss, dass
es sich in absehbarer Zeit verbessern wird. Aber ich fuerchte, bei der
jetzigen Entwicklung wird es eher schlechter. Es liegt mir fern, einzelne
oder den DFN-Verein verantwortlich zu machen - aber durch Ignorieren
wurde selten ein Problem geloest.
Gruss
Christoph Weber-Fahr
P.S. BelWue fuer alle !!! :-)
--
Christoph Weber-Fahr | E-Mail: weber@rhrk.uni-kl.de
Universitaet Kaiserslautern, KIT | S-Mail: Postfach 3049
Tel. 0631/205-3391 | D-6750 Kaiserslautern
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