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Started by Reinhard Puls
Sun, 21 Apr 1991 00:13
"Elektronische Werbung"
Author: Reinhard Puls
Date: Sun, 21 Apr 1991 00:13
Date: Sun, 21 Apr 1991 00:13
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91 Zeilen
W E R B U N G U E B E R E L E K T R O N I S C H E M E D I E N :
W A S J E T Z T N O C H E R L A U B T I S T
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Aufkleber wie "Bitte keine Werbung!" halten schon seit laengerem Ihren
Briefkasten frei. Jetzt koennen Sie sich auch gegen die ungewollte
Flut aus Telefon, Telex, Fax und Btx wehren.
Neueste Entscheidungen der Gerichte bieten Ihnen die Rechtsgrundlage.
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Werbung ueber elektronische Medien wie Telefon, Telex, Fax und Bild-
schirmtext (Btx) wird immer beliebter. Sie ermoeglichen es, den Kunden
direkt anzusprechen und mindern Streuverluste. Unternehmen, die "Tele-
fonmarketing" oder aehnliches als Geschaeftsgegenstand angeben,
spriessen wie Pilze aus dem Boden. Aber nicht alles, was den Werbe-
erfolg erhoeht, ist auch erlaubt. Die "werblichen" Taetigkeiten unter-
liegen strengen Wettbewerbsvorschriften, die in letzter Zeit mehrfach
durch hoechstrichterliche Entscheidungen praezisiert wurden.
H I E R wird Ihnen die neueste Rechtslage dargestellt!
TELEFAX und TELEX:
Das neue Faxgeraet hilft Ihnen, schnell und zuverlaessig Informationen
zu verschicken und jederzeit erreichbar zu sein. Deshalb ist es beson-
ders aergerlich, wenn ein Geraet staendig durch Werbeschreiben blok-
kiert wird. Wichtige geschaeftliche Mitteilungen kommen nicht an, und
beim Aussortieren von Geschaeftspost und Werbung geht viel Zeit verlo-
en. Um diesen Aerger kuenftig zu vermeiden, verklagte ein Unternehmer
ein werbendes Versandhaus auf Unterlassung. Und bekam vor Gericht in
allen Punkten recht.
Die Richter sprachen: Der Fax-Besitzer ist interessiert, seinen
Schriftverkehr zu rationalisieren. Er will seine Geschaeftspartner
schnell und zuverlaessig erreichen, beziehungsweise erreichbar sein.
Der zeitliche Aufwand beim Durchblaettern und blockierte Geraete be-
wirken aber gerade das Gegenteil. Deshalb gilt: Der Telefax-Besitzer
muss mit der Werbung einverstanden sein oder an ihr Interesse haben.
Ein solches Interesse vermuten die Richter NUR bei sachbezogener Wer-
bung. Sie gehen dabei von den Beduerfnissen des Empfaengers oder des-
sen Geschaeftsbetrieb aus. Werbung ist also, gemaess dem Urteil des
Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 4 U 22/90) sachbezogen, wenn die
Angebote fuer den Geschaeftsbetrieb nuetzlich sind.
Aus den gleichen Gruenden ist nach der Rechtsprechung auch die nicht
sachbezogene Werbung mit Telex unzulaessig (Bundesgerichtshof, Akten-
zeichen I ZR 54/71).
BILDSCHIRMTEXT:
Die Methode, ueber den Mitteilungsdienst der Deutschen Bundespost zu
werben, ist grundsaetzlich belaestigend. Denn als Besitzer eines Btx-
Geraetes koennen Sie anhand des Inhaltsverzeichnisses Werbung nicht
von Information unterscheiden und ungewollte Werbung einfach loeschen
(Oberlandesgericht Muenchen, Aktenzeichen 6 U 5241/89).
TELEFON:
Hier unterscheiden die Juristen zwischen geschaeftlichen und privaten
Anschluessen. Durch einen Anruf dringen Sie immer in die Privatsphaere
ein. Da diese vom Gesetzgeber besonders geschuetzt ist, sind Anrufe
bei Privatpersonen zu Werbezwecken grundsaetzlich nicht zulaessig.
Ausnahmsweise erlaubt sind sie nur, wenn diese Privatpersonen vorher
mit einer telefonischen Betreuung einverstanden waren.
ABER ACHTUNG: Werbung wird nicht dadurch zulaessig, dass sie brieflich
angekuendigt wurde oder Informationsmaterial angefordert wurde. Bei
Geschaeftsleuten sind Anrufe dieser Art nur dann erlaubt, wenn sie vom
Telefoninhaber erbeten wurden oder sich auf dessen geschaeftliche
Taetigkeit beziehen (Bundesgerichtshof, I ZR 55/88- KG).
HINWEIS FUER DIE GESCHAEFTSINHABER UNTER DEN LESERN:
Gezielt und sachbezogen koennen Geschaeftsleute auch in Zukunft wer-
ben. Bei werbemaessigen Rundumschlaegen und Wettbewerbsverstoessen
koennen Sie sich aber mit Abmahnungen oder gerichtlichen Klagen weh-
ren. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn gibt ein Merkblatt zu
diesem Thema heraus, das die wichtigsten Regeln und Urteile zusammen-
fasst. Es kann kostenlos bei der IHK Bonn, Bonner Talweg 17, W-5300
Bonn, angefordert werden.
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w
Story zu "Elektronische Werbung"
Author: INFOAC-Operator
Date: Tue, 23 Apr 1991 09:16
Date: Tue, 23 Apr 1991 09:16
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Obwohl die Telefonwerbung an eine bestehende Geschaeftsbeziehung
gebunden ist, kommen natuerlich tgl. viele Anrufe auch hier an. Das
Strickmuster ist so gleich, dass man gleich merkt worum es geht. Diese
Zeitdiebe haben immer eine gute Offerte: obskure Auslandsaktien, tolle
Warentermingeschaefte mit riesigen Renditen, Betreuung schon lange
laufender Projekte gegen maessige Gebuehr.
Uebliche, eingeuebte Sprueche wie: Fuer Ihre Zukunft{Altersversorgung |
Vermoegenswachstum | ...} werden Sie doch wohl {5 Minuten Zeit haben |
mindestens 15.000 DM uebrig haben | ...}.
Ueblicherweise beginnt ein Gespraech ohne die Nennung des eigenen Namens
und Anliegens mit dem forschen Spruch: "Kann ich mal den Inhaber haben?"
Ist dieser nicht zu haben, weil die Firma den behalten will, dann ...
Aber dazu gleich. Ist das antelefonierte Unternehmen eine GmbH entsteht
die Frage, wen will der sprechen ? Einen Gesellschafter, einen
Geschaeftsfuehrer oder was? Ueberhaupt, "das ist ein privates Gespraech
und persoenlich", einen Namen kennt der Anrufer nicht.
Gut, nun kommen wir zu der eigentlichen Story. Die Anrufer sind sehr
agressiv und wenn der Telefonbediener den "Inhaber" nicht nennen will
und auch nicht mit ihm verbindet, beginnt der eigentliche Spass. Frauen
erhalten nun die aufregensten sexuellen Hinweise auf andere gewerbliche
Taetigkeiten. Maenner werden in tollster Weise angegriffen: Der Anrufer
gibt sich zu "erkennen": Ich bin vom Finanzamt, Herr xyz, Zimmer
306, und wenn Sie nicht morgen um 09 Uhr hier antanzen, koennen Sie was
erleben. Dann .... - Dienstaufsichtsbeschwerden ueber diesen
"Mitarbeiter" werden sofort vom Leiter des Finanzamtes mit einem
Telefonanruf gekontert: Tut uns leid, bitte entschuldigen Sie das ruede
Verhalten, aber a) ein Zimmer 306 haben wir nicht, b) einen Herrn xyz
haben wir auch nicht und c) selbstverstaendlich noetigen wir niemanden
telefonisch am naechsten Tage zu erscheinen. (Aber das war doch klar,
oder?)
Nun, das sind keine Einzelfaelle und hoffentlich mit zunehmender
Verbreitung von ISDN wird es Herren vom "Finanzamt" nicht mehr moeglich
sein, unerkannt zu bleiben.
-rm
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Re: Story zu "Elektronische Werbung"
Author: Bernd Hennig
Date: Thu, 25 Apr 1991 00:09
Date: Thu, 25 Apr 1991 00:09
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root@infoac.rmi.de (INFOAC-Operator) writes:
>Uebliche, eingeuebte Sprueche wie: Fuer Ihre Zukunft{Altersversorgung |
>Vermoegenswachstum | ...} werden Sie doch wohl {5 Minuten Zeit haben |
>mindestens 15.000 DM uebrig haben | ...}.
Ist mir auch mal passiert, als Filialleiter eines beruechtigten Aachner
Computerschrotthaendlers, meine Reaktion:
15.000,--DM ? (2 Min anhaltendes Lachen) - ich konnte mich in dem Moment
echt nicht mehr zurueckhalten, das war so absurd. Anscheinend hat das
die Gegenseite aus dem Konzept gebracht (oder es war ein Anfaenger),
als ich dann noch im Prusten meinte, er solle nach meinem naechsten
Bruch anrufen, hat er einfach aufgelegt :-(
--
Bernd Hennig | Eibenweg 4| 6500 Mainz | 06131/366721 | bernd@pfm.rmt.sub.org
Man sollte seinen Feinden verzeihen - aber nicht, bevor sie am Galgen haengen
Heinrich Heine 1797 - 1856
Re: Story zu "Elektronische Werbung"
Author: Arnulf Mester
Date: Thu, 25 Apr 1991 15:34
Date: Thu, 25 Apr 1991 15:34
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In article <1991Apr23.091608.130@infoac.rmi.de>, root@infoac.rmi.de (INFOAC-Operator) writes:
|> Ueblicherweise beginnt ein Gespraech ohne die Nennung des eigenen Namens
|> und Anliegens mit dem forschen Spruch: "Kann ich mal den Inhaber haben?"
|> Ist dieser nicht zu haben, weil die Firma den behalten will, dann ...
|> Aber dazu gleich. Ist das antelefonierte Unternehmen eine GmbH entsteht
|> die Frage, wen will der sprechen ? Einen Gesellschafter, einen
|> Geschaeftsfuehrer oder was? Ueberhaupt, "das ist ein privates Gespraech
|> und persoenlich", einen Namen kennt der Anrufer nicht.
Das kann schon laestig werden. Vor allem, wenn am Tag mehrere solcher
Anrufe eingehen. In einer frueheren Beschaeftigung hatten wir da mehrere
Moeglichkeiten genutzt, um daraus wenigstens ein wenig Spass zu haben
(und unsere eigenen Chefs nicht von der Arbeit abzuhalten -- es sei denn,
sie haben mitgehoert und sich mitamuesiert...):
a) Auf die obligatorische Frage nach dem Geschaeftsfuehrer/Inhaber entweder
sich selbst darstellen oder an einen Kollegen vermitteln.
Dieser/oder selbst nach ca. 1/2 Minute, wenn die ersten Worte ueber
'Geld' fallen, ganz naiv fragen:
"Ja dies ist ja alles ganz schon --- aber nehmen Sie auch unser Geld?"
Anrufer: "Ihr Geld, wieso (verdutzt)?"
"Wir sind doch eine Uebungsfirma. Sie etwa auch?"
Der Anrufer wird schnell auflegen ...
b) Einen fiktiven Geschaeftsfuehrer einfuehren (bei uns hiess der immer
'Knackefuss'). Bei solchen Telefonaten war dann Herr Knackefuss nie
da --- mal in New York, mal in Moskau, mal mit dem Privatjet in
Italien, mal auf Kreuzfahrt ...
Es dauert etwas laenger, bis die Anrufer hier aufgeben ---
jedoch hatten wir unseren Spass zu sehen, wie der Telefonverkaeufer
immer heisser wurde, an diesen potentiellen 'Geldesel' heranzukommen.
Viel Erfolg.
P.S. Keine Flames von wegen Fiesigkeiten!
Die Telefonmarketing-Masche ist doch wohl schon fies genug ...
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