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Article #34

HINTERGRUENDE Nr.5: Das Erdoel

#34
From: Stefan Merten
Date: Tue, 05 Mar 1991 12:00
108 lines
6571 bytes
Dieses Flugblatt geh\"ort zu einer Serie von Flugbl\"attern des
Kaiserslauterer Friedensplenums. Wir m\"ochten mit dieser Reihe
Informationen zu den Hintergr\"unden des Konflikts am Golf
liefern, die in der Berichterstattung wenig oder keinen Platz
finden, die aber zum tieferen Verst\"andnis der Situation am Golf
unerl\"a{\ss}lich sind. Der hei{\ss}e Krieg wurde zwar inzwischen
eingestellt, doch darf dieser Krieg nicht in Vergessenheit
geraten, wenn wir auch nur die Chance haben wollen, weitere
solcher Gewaltausbr\"uche zu verhindern und die Welt insgesamt
friedlicher, menschlicher und wahrhaft gerechter zu machen.
Wir m\"ochten daher bis auf weiteres weiterhin jede Woche ein
Flugblatt zu einem ausgew\"ahlten Thema bringen. Dabei ist, wie
bisher, die Meinung der Autoren einzelner Flugbl\"atter nicht
unbedingt identisch mit der Meinung aller derer, die sich zum
Kaiserslauterer Friedensplenum z\"ahlen. Wir werden zuk\"unftig die
gesammelte Reihe auch im Buchladen "Blaue Blume", (Richard-
Wagner-Str. 46) und im AStA der Universit\"at Kaiserslautern
vorr\"atig halten, so da{\ss} Interessenten hier auch \"altere
Flugbl\"atter erhalten k\"onnen.
Nach wie vor sind wir daran interessiert, Mitarbeiter zu finden.
Sollte also jemand der Meinung sein, da{\ss} er zu einem Thema im
Zusammenhang mit diesem Konflikt etwas beitragen kann, so melde
er sich bitte bei der unten angegebenen Adresse oder komme zu
einem unserer Treffen. Sollte jemand am Nachdruck der Reihe
interessiert sein, sollte er sich ebenfalls mit uns in
Verbindung setzen. Au{\ss}erdem sei noch auf das unten angegebene
Spendenkonto verwiesen...


Das Erd\"ol


Anla{\ss} f\"ur die Invasion

Die Gr\"unde, warum Saddam Hussein Kuwait \"uberfallen hat, sind
vielschichtig. Einige davon h\"angen direkt mit dem Erd\"ol
zusammen.
Praktisch einziges Exportgut sowohl Kuwaits als auch Iraks (95%)
ist Erd\"ol. Der Irak hatte sich w\"ahrend des achtj\"ahrigen Krieges
gegen den Iran vor allem bei den reichen \"Olscheicht\"umern, Kuwait
und Saudi-Arabien hoch verschuldet und war daher an hohen
Weltmarktpreisen f\"ur \"Ol interessiert. F\"ur Kuwait hingegen, da{\ss}
einen Gro{\ss}teil seiner Erd\"olgewinne bei westlichen
Industrieunternehmen investiert hat (so z.B. bei Daimler Benz
und Hoechst), sind niedrige \"Olpreise vorteilhafter um eine
florierende Wirtschaft zu gew\"ahrleisten. Durch \"Uberschreitung
der zwischen den OPEC-Staaten abgesprochenen F\"orderquoten
dr\"uckte Kuwait immer wieder die Weltmarktpreise f\"ur diesen
Rohstoff. Kuwait erzielt so seit einigen Jahren mehr Gewinne aus
Dividenden westlicher Unternehmen als aus dem \"Olverkauf.
Des weiteren pumpte Kuwait aus dem gr\"o{\ss}tenteils irakischen
\"Olfeld Rumalia unterirdisch Erd\"ol ab, ohne Irak am Gewinn zu
beteiligen.

Die \"Olabh\"angigkeit der Industriestaaten

Erd\"ol ist die wichtigste Energiequelle der Industriestaaten.
Au{\ss}erdem ist Erd\"ol der Grundstoff in der gesamten
petrochemischen Industrie mit ihrer breiten Produktpalette
(Kunststoffe, Kunstd\"unger, Waschmittel, Pflanzenschutzmittel,
Kosmetika, Pharmazeutika, Farbstoffe und anderes). Als am 2.
August 1990 der Irak in Kuwait einfiel und der UN-Sicherheitsrat
kurz darauf das Wirtschaftsembargo verh\"angte, wurde in den
westlichen Staaten die bange Frage gestellt, ob unsere
Wirtschaft einen \"Olschock wie 1973 und 1979 \"uberhaupt noch
verkraften kann.
So kamen im Jahre 1987 in der BRD 40% der verbrauchten
Prim\"arenergie aus Erd\"ol (Kohle 28%, Erdgas 17%, Atomkraft 13%).
Gr\"o{\ss}ter Energieverbraucher sind Privathaushalte und
Kleinverbraucher mit 40%, die Industrie verbraucht 32% und der
Anteil des Verkehrs war im Jahre 1989 auf 28% gestiegen.

Die Interessen der USA

Weltmeister im Energieverschwenden sind die USA. Ein US-
Amerikaner verbraucht statistisch fast doppelt so viel \"Ol wie
ein Deutscher und zw\"olf mal mehr als ein Afrikaner. Die USA
importieren derzeit 50% ihres Erd\"olbedarfs, insgesamt werden 82%
der verbrauchten Energie aus Erd\"ol gewonnen. Zwar beziehen die
USA nur einen geringen Anteil ihres \"Ols aus dem Irak und aus
Kuwait, doch l\"angerfristig wird f\"ur sie diese Region an
Bedeutung zunehmen. Zwei Drittel der derzeit bekannten
\"Olreserven liegen im Nahen Osten, ihre eigenen Vorkommen haben
die USA bald aufgebraucht.
George Bush machte daher in seiner "Rede zur Lage der Nation" am
29.1.91 auch keinen Hehl daraus, da{\ss} es bei dem Einsatz
amerikanischer Soldaten am Golf nicht zuletzt um die Sicherung
des "american way of life" geht.
Auch die Japaner, die den Krieg mit bislang 11 Mrd. Dollar
wesentlich mitfinanzieren, wissen um ihre Abh\"angigkeit vom Erd\"ol
und somit von denen, die dieses Erd\"ol kontrollieren.

Keine Wende in der Energiepolitik

Am 12. Februar dieses Jahres legte die US-Regierung einen
Gesetzentwurf f\"ur die zuk\"unftige Energiepolitik der USA vor, der
auf Energieeinsparung und Nutzung regenerativer Energiequellen
weitgehend verzichtet. Statt dessen soll, um die \"Olimporte zu
verringern, zuk\"unftig auch im Nationalpark von Alaska nach \"Ol
gebohrt werden.

     ViSdP: Sven Dernedde f\"ur Kaiserslauterer Friedensplenum, c/o
            Stefan Merten, Buchenlochstr. 37, 6750 Kaiserslautern
-- 
My name is Stefan Merten and you can reach me at <merten@informatik.uni-kl.de>
"Socialism or barbarity" -- Rosa Luxemburg
"Radical (from radix: root!) thinking and moderate acting YES,
      fanaticism or dogmatism NO!" -- Stefan Merten
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Date: 5 Mar 91 12:00:39 GMT
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