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Article #5

Re: Der Sinn von News (Stuttgarter Server)

#5
From: Wolfgang Ksoll
Date: Fri, 20 Dec 1991 00:38
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In article <1991Dec19.084505.8257@rusmv1.rus.uni-stuttgart.de> zrhk0390@awsws4.rus.uni-stuttgart.de (Andreas Wierse) writes:
>Meiner Meinung nach geht die ganze Diskussion ueber die Abschaffung
>einzelner news-groups am Kern der Sache vorbei:
>
>Was ist eigentlich der Sinn von News?
>
>Nach dem was ich so mitbekommen habe (wenn es nicht stimmt, dann
>betrachtet den Rest des Artikels als gegenstandslos), ist News bzw.
>das zugrundeliegende Netz zu dem Zweck geschaffen worden, dass
>Wissenschaftler der ganzen Welt auf einfache und schnelle Weise
>miteinander kommunizieren koennen, richtig? Dass diese Kommunikation
>ueberwiegend mit ihrer Arbeit zu tun haben sollte, ist auch klar, oder?
>(Gigantische Teilchenbeschleuniger werden ja auch nicht finanziert,
>damit die Wissenschaftler sie fuer ihr Privatvergnuegen nutzen (wie auch
>immer !?!).) Dass diese Kommunikation nicht nur mit ihrer Arbeit zu tun
>hat, ist natuerlich auch in Ordnung. (Auf Tagungen und Kongresse faehrt
>man ja auch, um Kontakte zu knuepfen.) Es duerfte auch von vorneherein
>klargewesen sein (oder sich zumindest schnell gezeigt haben), dass eine
>gewisse arbeitsunabhaengige Komponente dazugehoert, sogar dazugehoeren muss.

Boese ausgedrueckt koennte ich sagen, dass Deine Meinung schon nach dem
Ergebnis zensierter Informationspolitik aussieht. Vielleicht erzaehlt Dir
Dein Informationsmanager nicht alles, weil es nicht in sein Weltbild passt.

Aber dafuer gibt es ja News: dann erzaehlt es Dir vielleicht ein anderer.
Also: News gibt es schon ewig lange. Manche sagen auch USENET-News dazu.
Das USENET ist entstanden aus einer Vereinigung von Unix-Anwendern (Hochschu-
len, Commercials, Private). Unter Unix ist es ziemlich einfach mitt UUCP,
ein paar Modems sich heftig zu vernetzen. Das wird auch heute noch so
gemacht (mir faellt als Privater zum Beispiel netmbx in Berlin ein).
Manche haben ueberhaupt nichts mit oeffentlich bezahlten Hochshulen zu tun.
Die machen das auf eigene Kosten. Wenn Dich das naeher interessiert, kannst
Du auch die Anmerkungen von Altvater Tanenbaum nachlesen, so der nicht
in Stuttgart auf dem Index steht.

Die Hochschulen haben im Wesentlichen drei Phasen durchlaufen, um Wissenschaft-
lern moderne Kommunikationsmethoden an die Hand zu geben:

1) Das IBM gesponserte BITNET (diesseits des Wassers EARN). Standleitungen
   von Hochschule zu Hochschule. Mailinglisten (LISTSERV). Schon ganz
   gut, aber nicht so leistungesfahig wie News, weil durch die Distribu-
   tion als Einzelbriefe eine erhebliche Bandbreite verbraten wird.

2) Vom DFN-Verein kam das WIN (BMFT gesponsert). Das war frueher orthodox
   OSI-getriggert (bis auf X.29). Aber da gab es auch keine geeigneten
   Werkzeuge, um eine leistungsfaehige Massenkommunikation zu ermoeglichen.
   Juengstes beispiel ist die zusammengebrocheneSun von Toerless in 
   Erlangen. Dort wurde die dnet.inet Newsgruppe in eine X.400-Mailingliste
   crossgepostet. Der erhebliche verkehr (induziert durch den Emma-Artikel)
   fuehrte zum Einstellen der Liste.

3.) Mit dem WIN kam auch die Moeglichkeit auf, IP auf den Netzen zu fahren.
   Parallel zur Entwicklung im WAN kam auch das rapide Anwachsen von UNIX-
   Maschinen im LAN-bereich. Da war es natuerlich naheliegend die leistungs-
   faehigen Mechanismen der News zu nutzen. Man brauchte nur die unterliegenden
   Transportprotokolle (UUCP) gegegn TCP/IP zu tauschen und hatte an zigtausend
   Arbeitsplatzen schnell ein leistungsfaehiges Kommunikationsmedium.
   Also haben sich die Hochschulen an vielen Orten in die seit Jahren 
   bstehenden Infrastrukturen eingehaengt.

Daraus jetzt zu schliessen, dass die News den von Dir erdachten Sinn haetten
ist erstmal falsch. Und wie Du schon richtig bemerkst, ist es dann muessig
auf deine Schlussfolgerungen einzugehen, die auf falschn Voraussetzungen auf-
bauen.
Aber da Du schon wieder auf absurde Kostendiskussion eingehst, moechte ich 
Dich bitten auf dem Teppich zu bleiben. Was braucht man fuer einen 
Newsserver fuer eine Hochshule: einen SPARC-nachbau, eine 1GBPlatte
eine Lizenz von Sun (zusammen < 20 TDM) plus die Personalkosten von
Barbara (<200 TDM/a). Fuer wieviel Tausend Studenten und Mitarbeiter?
Die Kosten von Beschleunigern liegen im Milliardenbereich. Also machen
bei meiner konservativen Schaetzung die Newskosten nur Promille von
den im Desy, Cern und sonstwo ausgegeben aus. Carola hatte auch so einen
besoffenen Vergleich.
Auch der Vergleich mit den Tornados zeigt ein recht naives Verhaeltnis zum
Geld. Wenn Du das mit den Kosten und dem Steuerzahler ernst meinst,
dann langweile uns doch mal mit nuechternen Zahlen: was zahlt die Universitaet
Stuttgart fuer den NEWS-bezug? Den Vergleich mit anderen Kosten kann ja dann
jeder fuer sich selbst machen, um die Relevanz Deiner Aussagen zu eruieren.
...
>
>Wenn der Oeffentlichkeit bekannt wird (wie im Emma-Artikel geschehen),
>dass es gewisse *Ungereimtheiten* bei der Benutzung von News gibt
Was denn fuer Ungereimheiten? Weiss man bei Euch in Stuttgart nicht, dass
da Pornos distributiert werden? In Ulm weiss es sogar der Rektor.
Wird bei Euch die Oeffentlichkeit auch so gegaengelt wie die Newsleser?
Wird bei Euch etwa in der UNI-Bibliothek Emma geschwaerzt?
...
>
>
>
>P.S.: Die Bemerkungen in dieser news-group ueber Frau Burr sind wirklich
>absolut laecherlich. Wer auf Grund eines Artikels solche Aeusserungen
>taetigt, ohne die Hintergruende zu kennen, sollte sein Verstaendnis von
>Menschenrechten noch einmal ueberdenken.
Welche Bemerkungen jetzt? Die zur Ehrenrettung, Deine oder die wegen der
Zensur von sexuellen und militaerischen Themen?

Auf jeden fall besteht noch Hoffnung: Noch hat Dir Dein Rektor ja nicht
verboten, zu gewissen Themen deine Meinung zu sagen. Und, haste schon
einen Account in einer privaten Mailbox, wenn das bei Euch mit den News
noch schlimmer wird?
Gruss
Wolfgang Ksoll
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From: woks4000@mailszrz.zrz.tu-berlin.de (Wolfgang Ksoll)
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