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6 messages
6 total messages Started by Agon S. Buchholz Wed, 15 May 1996 00:00
MUD/MOO fuer den Unterricht?
#208
Author: Agon S. Buchholz
Date: Wed, 15 May 1996 00:00
26 lines
1518 bytes
Hi,

MUDs (eigentlich "Multiple User Dungeons", heute eher "text-based  
virtual reality anvironments") gelten als ideale Lernumgebung mit extrem  
hohem didaktisch-paedagogischem Potential. Amy Bruckman experimentiert  
am MIT Media Lab in Massachusetts beispielsweise mit einem speziellem  
MUD fuer Kinder (MOOSE Crossing).

Nach meiner bisherigen Uebersicht gibt es deutschlandweit *nicht* *eine*  
*einzige* *Schule*, die MUDs fuer den Unterricht nutzt -- glauben kann  
und will ich das aber nicht.

Bitte melden, wenn jemand etwas ueber MUDs an bundesddeutschen Schulen  
weiss, Danke!!

mfg -Agon


PS:

 - Publikationen von May Bruckman ueber MUD/MOO etc. (engl.):
   Anon-FTP media.mit.edu/pub/asb/papers/

 - Grundlagenartikel zu MUDs an Schulen: "Computer und Unterricht" 19/
   1995, S. 40 ff. (dt.)
Re: MUD/MOO fuer den Unterricht?
#276
Author: Timm Baumeister
Date: Thu, 30 May 1996 00:00
52 lines
3781 bytes
Agon S. qu�lte am 27.05.1996 folgenden Text 
aus seiner Tastatur heraus:

> Bitte "Realitaetsverlust" definieren, mir ist der Begriff unklar.
> 
> Die Altersgruppe der 14-29-jaehrigen sieht durchschnittlich 108 Min. TV- 
> Programme pro Tag (Untersuchungszeitraum Mo-So, 06:00-06:00 Uhr, Zahlen  
> lt. GfK); geht die Realitaet von Kindern mit dem Einschalten des  
> Fernsehers verloren? Wo ist die Realitaet, wenn ein Kind/Jugendlicher  
> ein Buch liest? ...oder im Schlaf traeumt?
> 
In Ordnung, wenn sich dei p�dagogische Anwendung nur auf �ltere Jugendliche
und Erwachsene bezieht, b.z.w. wie eine andere Reply andeutete z.B. auf
Informatikstudenten, die OOP lernen k�nnten, so ziehe ich meine Kritik
zur�ck. In j�ngeren Jahren( ich denke an die Altersgruppe 8-16) ist die Pers�nlichkeit
jedoch sehr viel schw�cher gesfetigt und Erlebnisse haben weitreichendere Konsequenzen. 
Eine Gewaltzunahme bei Judendlcihen durch brutale Fernsehsendunegn, die 
ihre Gewalthemmschwelle abbauen ist unumstritten.


> > aufersteht, unvernuenftiges Handeln in Muds, das dort keinerlei (reale)
> > Bestrafung hervorruft.
> 
> Ist eine Geldstrafe wegen Falschparkens eine "reale" Bestrafung? Was  
> sind die "Punkte" in Flensburg? Muss eine "reale" Bestrafung mit dem  
> Abhacken einer Hand (islam. Recht) oder dem Pranger verbunden sein? Oder  
> koennte es moeglicherweise Formen von Strafe ohne "reale" -- also  
> koerperliche -- Gewalt geben? Warum sollte es solche Formen nicht in  
> einem MUD geben?
Es gibt verschiedene Theorien dar�ber was Strafe ist und wie sie wirkt. Im 
allgemeinen mu� man allerdings bei aller Naivit�t zum Thema "Der mensch
besitzt Moral und ein schlechtes gewissen, das geweckt werden mu�" zugegeben,
da� Strafe in aller Regel nur durch einen negativen Effekt auf das zu bestrafende
Individuum wirkt. Was nichts anderes als ein Abschreckungeffekt ist.
Nun gut, die schlimmste Strafe im Mud ist rausgeschmissen zu werden. Ein
negativer Effekt ist hier nicht vorhanden. Der die das Mud (welchen genus
hat eigentlich dungeon im Deutschen?) sch�tzt sich damit selbst, wirkt jedoch
nicht abschreckend. Der Verstossene findet im Internet hundert weitere
muds in denen er sich austoben kann. Das ganze ist ungef�hr so wie ein
Polizist, der den Verbrecher in die Nachbargemeinde abschiebt, um endlich
seine Ruhe zu haben.
Kinder f�llen Grenzen sehr viel weiter aus, als Erwachsene, da sie in der
Regel (noch) weniger Vernunft und Anstand besitzen. Entdeckt ein Kind, da�
es im Mud Dinge tun kann, die ihm in der Realit�t verboten sind, so wird
durch die Ausf�hrung solcher T�tigkeiten auch die Hemmschwelle f�r diese 
Handlungen in der Realit�t herabgesetzt.
So produziert man potentielle Gewaltt�ter.
Gru�
          Timm Baumeister - timm@thunder.art-line.de 

Not all the kookies are in the jar.
Medienwirkungen auf Jugendliche
#277
Author: Agon S. Buchholz
Date: Sat, 01 Jun 1996 00:00
52 lines
3245 bytes
timm wrote with the Subject "Re: MUD/MOO fuer den Unterricht?":

[ --Subject changed-- ]

> [...] Eine Gewaltzunahme bei Judendlcihen durch
> brutale Fernsehsendunegn, die ihre Gewalthemmschwelle abbauen ist
> unumstritten.

In muss Dir leider auch in diesem Punkt widersprechen. Ich habe mich
relativ intensiv mit Medienwirkungsforschung beschaeftigt; es gibt in  
der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft keine serioese Studie,  
die einen kausalen Zusammenhang von "Medienkonsum" und "Gewaltausuebung"  
nachweist, alle mir bekannten Studien haben mehr oder minder eklatante  
methodische Maengel, welche die Validitaet der Ergebnisse bezweifeln  
lassen. Aktueller Stand ist, dass es durchaus Medienwirkungen geben  
*kann*, insbesondere bei *einzelnen* Individuen mit einer bestimmten  
Disposition. Staerkere Aussagen sind wissenschaftlich nicht tragfaehig;  
das gilt uebrigens auch fuer die beliebte Katharsishypothese ;)

Ebenfalls widerlegt wurde die Inhibitionshypothese (Gewaltdarstellungen  
bewirken eher Angst als Aggression). Was mich besonders ueberraschte:  
Selbst Langzeitwirkungen (z.B. Kultivierungshypothese) sind nicht sicher  
nachweisbar.

Natuerlich gibt es jede Menge Gesinnungsaufsaetze aus der religioesen  
und moralischen Ecke -- von Theologen, Besserwissern, Eltern, Paedagogen  
usw.; dabei handelt es sich jedoch ausschliesslich um Meinungen, die  
nicht empirisch bzw. experimentell beweisbar sind.

Uebrigens gibt es jede Menge Hinweise, dass die Medienwirkungen nicht  
nur in Bezug auf Mediengewalt, sondern auch in anderen Bereichen (z.B.  
Beeinflussbarkeit des Waehlerverhaltens durch Fernsehsendungen) weitaus  
geringer ist, als bisher angenommen wurde.

Natuerlich ist es verlockend, simplizistische kausale Zusammenhaenge zu  
uebernehmen, die pausenlos wiederholt werden; dennoch sollte man nach  
dem Stand der wissenschaftlichen Forschung zumindest in Erwaegung  
ziehen, dass Medienwirkungen nicht so simpel sind, wie man auf den  
ersten Blick annehmen koennte. Die Tatsache, dass der gegenwaertige  
Stand der Medienwirkungsforschung nur noch sehr vorsichtige Aussagen  
ueber Mediwnwirkungen erlaubt, bedeutet natuerlich nicht zwingend, dass  
es sich hierbei um eine absolute Wahrheit handelt; weitreichendere  
Medienwirkungen *koennten* durchaus moeglich sein, sind sind jedoch  
bisher nicht nachweisbar.

mfG -Agon


PS: Schoene Uebersichten zur Medienwirkungsforschung gibt es bei M.  
Kunczik (z.B. in den "Media Perspektiven"). Es lohnt sich, solche  
Artikel zu lesen, man entledigt sich garantiert einiger Vorurteile ;)
Re: Medienwirkungen auf Jugendliche
#278
Author: J0L0
Date: Sun, 02 Jun 1996 00:00
13 lines
951 bytes
Hi!

[ Quoten geht leider z.Zt. nicht :-( ]

Nur eine Frage dazu: Wo, glaubst Du, hat die erhoehte  
Gewaltbereitschaft dann ihren Ursprung?

cuX
J0L0

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Re: Medienwirkungen auf Jugendliche
#279
Author: Agon S. Buchholz
Date: Thu, 06 Jun 1996 00:00
30 lines
2172 bytes
jolo wrote with the Subject "Re: Medienwirkungen auf Jugendliche":

> Nur eine Frage dazu: Wo, glaubst Du, hat die erhoehte
> Gewaltbereitschaft dann ihren Ursprung?

Ich nehme mal einfach an, dass Du Kindern und Jugendlichen eine erhoehte  
Gewaltbereitschaft unterstellst; oder meinst Du's noch allgemeiner?

IMHO multifaktorielle Ursachen mit Wechselwirkungen, ein komplexes  
Bedingungsgefuege. Nur einige Beispiele: Perspektivlosigkeit ("wozu  
existiere ich?", "was kann ich ueberhaupt bewirken"?), soziale/ 
okonomische/oekologische/strukturelle Unsicherheit ("was wird aus mir?",  
"werde ich mein Leben noch akzeptabel bestreiten koennen?", "werde ich  
arbeitslos sein?", "werde ich draussen einen Ozon-Schutzanzug tragen  
muessen?"), Reaktion auf Konsumismus/Konsumorientierung ("alles ist  
kaeuflich, aber ich kanns nicht bezahlen", "ist wirklich alles  
kaeulich?"), Fehlen von Utopien ("das kann doch nicht alles sein?"),  
Entfremdung von Natur ("was fuer ein Baum ist das gruende Ding vor  
meinem Fenser ueberhaupt?"), allgemeiner Wertverlust ("Politiker luegen,  
Lehrer luegen, Wissenschaftler luegen, meine Eltern/Bekannten/Freunde  
luegen, warum soll ich nicht auch...") usw. Das alles bewirkt ein  
Gefuehlt der Orientierungs- und Machtlosigkeit, und das koennte wieder  
in hilflose Aggression umschlagen (so aehnlich wie der  
"Verzweiflungskampf" im Verhalten einige Saeugetiere).

Das ist aber meine eigene, private, individuelle, persoenliche Meinung  
und durch nichts empirisch abgedeckt. ;)

mfG -Agon
zentrale Klassenarbeiten in Ba-Wue (was: Re: Medienwirkungen auf Juge)
#280
Author: J0L0
Date: Wed, 12 Jun 1996 00:00
48 lines
2168 bytes
Buh!
At 06 Jun 96, Agon wrote about Re: Medienwirkungen auf Jugendliche...

>> Nur eine Frage dazu: Wo, glaubst Du, hat die erhoehte
>> Gewaltbereitschaft dann ihren Ursprung?
>
> Ich nehme mal einfach an, dass Du Kindern und Jugendlichen eine
> erhoehte Gewaltbereitschaft unterstellst; oder meinst Du's noch
> allgemeiner?
>
> IMHO multifaktorielle Ursachen mit Wechselwirkungen, ein komplexes
> Bedingungsgefuege. Nur einige Beispiele:
>
> [...]
>
> Das ist aber meine eigene, private, individuelle, persoenliche
> Meinung und durch nichts empirisch abgedeckt. ;)

Du kommst auf meinen Mailfilter... Aber auf den Positiven!!

Gestern, am Dienstag hat ganz Ba-Wue in den 10. Klassen die zentralen  
Klassenarbeiten geschrieben. Die 1. Aufgabe lautete folgendermassen:

--------------------[cut here]--------------------

In den Medien wird in letzter Zeit ueber eine zunehmende  
Gewaltbereitschaft Jugendlicher gegenueber Sachen und Personen  
berichtet.

Zeigen Sie, in welchen Formen sich diese Gewalt aeussern kann und  
worin Ihrer Meinung nach die Ursachen liegen.
Welche Moeglichkeiten sehen Sie, diesem Problem zu begegnen?

--------------------[cut here]--------------------

Du kannst Dir ja vorstellen, dass ich den gesamten Kommentarbaum in  
die Arbeit (9 Seiten lang!) gepackt habe ;-))


Danke nochmal!!


cuX
J0L0

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