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3 messages
3 total messages Started by Frank Sun, 20 Apr 1997 00:00
! Die Kultusminister wollen regionale Leistungsunterschiede von Sch�lern unter der Decke halten !
#268
Author: Frank
Date: Sun, 20 Apr 1997 00:00
179 lines
7169 bytes
Hi folks,
folgender Artikel stand in der Wirtschaftswoche,
geschrieben von Silke Wettach.

Was denkt Ihr dar�ber?

Viele Gr��e

Frank

---------------------------------------------------------------
NR. 17 / 17.4.1997 WIRTSCHAFTSWOCHE 25
---------------------------------------------------------------

ANGST VOR DEM ABSTIEG

/Die Kultusminister wollen regionale Leistungs-
unterschiede von Sch�lern unter der Decke halten./


�ber die Mathematikkenntnisse von
Schulabg�ngern macht sich Bern-
hard Fleischhauer keine Illusionen.
"Den meisten fehlt jegliches Ver-
st�ndnis f�r Zahlen", moniert der Sie-
mens-Ausbildungsleiter f�r den Bereich
Nordrhein. "Wenn man ihnen den Ta-
schenrechner wegnimmt, dann stehen sie
im dunkeln." Ganz andere Erfahrungen
macht dagegen Fleischhauers Kollege
Karl-Heinz Peters in M�nchen: "Wir ha-
ben viele Bewerber mit guten Rechenfer-
tigkeiten."
Das mathematische Nord-S�d-Gef�lle,
das die beiden Siemens-Ausbilder beob-
achten, wurde nun durch eine gr��ere
Studie best�tigt. Bayrische Achtkl��ler ha-
ben gegen�ber ihren Altersgenossen in
Nordrhein-Westfalen einen Wissensvor-
sprung von eineinhalb Jahren in den F�-
chern Mathematik, Physik und Biologie,
hei�t es in der vertraulichen Fassung der
"Third International Mathematics and
Science Study" (TIMSS). Bei diesem Ver-
gleich wurden das Leistungsverm�gen
von �ber 550000 Sch�lern aus 45 L�n-
dern in Mathematik und Naturwissen-
schaften getestet.
Schlechte Noten f�r die Sch�ler aus
Nordrhein-Westfalen verteilt auch die
Wirtschaft an Rhein und Ruhr. Rund ein
Drittel der Schulabg�nger sei nicht bef�-
higt, eine normale duale Ausbildung zu
durchlaufen, sch�tzt der Gesch�ftsf�hrer
der regionalen Vereinigung der Industrie-
und Handelskammern, Hans Georg Cro-
ne-Erdmann.
Doch anstatt die regionalen Unter-
schiede in den Leistungen von Sch�lern
und Schulen transparenter zu machen,
mauern die Kultusminister. Dem interna-
tionalen TIMSS-Projekt stimmten sie nur
mit einer Auflage zu: keine Aufschl�sse-
lung nach Bundesl�nderrn. Im offiziellen
Bericht steht folgerichtig das schwache
Abschneiden der deutschen Sch�ler im
internationalen Vergleich im Mittelpunkt:
Platz 23 in Mathematik und Platz 18
in Naturwissenschaften, so das wenig
schmeichelhafte Ergebnis (Wirtschafts-
woche 5/1997).
Die brisanten Angaben
�ber die regionalen Lei-
stungsunterschiede in
Deutschland fielen unter
den Tisch. Sie seien - ge-
messen an den Abst�nden
zu den TIMSS-Spitzenrei-
tern Singapur, Japan und
S�dkorea - "geringf�gig
und von nachgeordneter
Bedeutung", schw�cht die
Studie nun ab. Projektleiter J�rgen Bau-
mert vom Max-Planck-Institut f�r Bil-
dungsforschung in Berlin rechtfertigt das
mit statistischen Schwierigkeiten. Doch er
r�umt ein, da� die Unterschiede zwi-
schen den Bundesl�ndern "nicht trivial"
sind.
Aufschlu� �ber die unterschiedlichen
Niveaus der schulischen Ausbildung h�tte
bisher auch eine Auswertung des Tests f�r
Medizinische Studieng�nge (TMS) nach
Regionen geben k�nnen. Aber dem zu-
st�ndigen Institut f�r Test- und Bega-
bungsforschung (ITB) sind die H�nde ge-
bunden. "Ihr k�nnt machen, was ihr
wollt, aber um Himmels willen keine l�n-
derspezifischen Untersuchungen", lautet
die Vorgabe aus der Kultusministerkonfe-
renz, so der stellvertretende ITB-Direktor
Ernst Fay. F�r Hans J�rgen Brackmann,
Leiter des Bildungsreferats bei der Bun-
desvereinigung der Deutschen Arbeitge-
berverb�nde (BDA), liegen die Gr�nde der
Geheimniskr�merei der Kultusminister
auf der Hand: "Wir haben keine Bundes-
liga, weil sich kein Land in der Abstiegs-
zone wiederfinden will."
Damit leistet sich Deutschland als ei-
nes der wenigen Industriel�nder einen
wettbewerbsfreien Raum in der Ausbil-
dung. In Gro�britannien werden die Er-
gebnisse aller Schulen bei den einheitli-
chen "Standard Assessment Tests" jedes
Jahr in der Zeitung ver�ffentlicht. In den
USA wird im Rahmen des "National As-
sessment of Educational Progress" der
Wissensstand von rund 60 000 Sch�lern
eines Jahrgangs untersucht. In Deutsch-
land bleiben regionale Vergleiche ein Pri-
vatvergn�gen. Philologenverbandsvorsit-
zender Heinz Durner hat bei Dienstreisen
immer Klassenarbeiten aus seiner Heimat
Bayern im Gep�ck: "In anderen Bundes-
l�ndern ist das Staunen �ber das hohe
Niveau meist gro�."
Die Wirtschaft sorgt sich inzwischen
�ber den Verfall der schulischen Ausbil-
dung. "Was wir brauchen, ist schlicht ein
Deckel nach unten", sagt der BDA-Bil-
dungsexperte Brackmann. "Sonst wird die
Angelegenheit zum Standortfaktor."
Viele Unternehmen haben begonnen,
selbst die Wissensl�cken ihrer Lehrlinge
aufzuf�llen. So erhalten Azubis in der
D�sseldorfer Siemens-Niederlassung im
Rahmen des Fachkundeunterrichts zu-
s�tzliche Mathematiklektionen. Was die
Gro�unternehmen aber
noch in Eigenregie ausb�-
geln k�nnen, wird zum
Problem f�r mittlere und
kleinere Betriebe, die sich
keine Nachhilfe leisten
k�nnen. Nach Ansicht von
Bildungsexperten hat eine
ganze Reihe von Betrieben
in Nordrhein-Westfalen die
Lehrlingsausbildung einge-
stellt, weil die Qualit�t der
Bewerber nicht den Anforderungen der
Firmen entsprach.
Bayerns Sch�ler sind da besser dran.
Alfred Heigl, beim Bayerischen Industrie-
und Handelskammertag f�r Ausbildungs-
betreuung zust�ndig, erkl�rt die relativ
entspannte Lehrstellensituation im Frei-
staat mit den guten Erfahrungen der
Lehrherren. "Da f�llt es uns leicht, diese
Betriebe als Ausbildungsunternehmen bei
der Stange zu halten."
SILKE WETTACH �

NR. 17 / 17.4.1997 WIRTSCHAFTSWOCHE 25

�Wenn die
Schulausbildung
weiter verf�llt,
wird sie bald
zum Standort-
problem�

________________________________
gescannt + gepostet von
Frank
fwa@orgaplus.de
________________________________
Re: ! Die Kultusminister wollen regionale Leistungsunterschiede von Sch�lern unter der Decke halten !
#269
Author: Frank
Date: Mon, 21 Apr 1997 00:00
110 lines
4835 bytes
___________________________________________________________
Carsten Witt <Carsten.Witt%p42.f1900.n500.z55@kids.netzservice.de>
hat eine interessante Antwort zu dem von mir geposteten Artikel
gegeben. 

Er antwortete leider nicht als follow-up.
Deshalb habe ich sein Posting hiermit als follow-up geforwarded, damit
es in allen newsgruppen im Verteiler des Threads erscheint.
(sorry f�r doppel-posting in schule.allgemein)

Frank
___________________________________________________________

> Original Date: Sun, 20 Apr 1997 12:45:09 GMT
 "Frank" postete am Sonntag diesen Artikel aus der Wirtschaftswoche
Nr. 17
 vom 17.4.1997:
>
>
> [...]
> "Den meisten [Auszubildenden] fehlt jegliches Ver-
> staendnis fuer Zahlen", und  "Wenn man ihnen den Ta-
> schenrechner wegnimmt, dann stehen sie
> im dunkeln."

Peinlich. Das kommt davon, wenn man den TR in der 9. Klasse einf�hrt.
Ist ja auch nicht ganz unpraktisch!

> Schlechte Noten fuer die Schueler aus
> Nordrhein-Westfalen verteilt auch die
> Wirtschaft an Rhein und Ruhr.
> [...] Dem interna-
> tionalen TIMSS-Projekt stimmten sie [die Kultusminister] nur
> mit einer Auflage zu: keine Aufschluesse-
> lung nach Bundeslaenderrn.

   - !!! -

> Im Bericht steht [...] das schwache
> Abschneiden der deutschen im
> internationalen Vergleich im Mittelpunkt:
> Platz 23 in Mathematik und Platz 18
> in Naturwissenschaften [...]
> Sie [die brisanten Angaben ueber Bildungsgefaelle] seien - "geringfuegig
> und von nachgeordneter
> Bedeutung", schwaecht die
> Studie nun ab.
  - International gesehen, vielleicht. Auf D bezogen sind diese
Unterschiede gar nicht mehr gerinfuegig!

> [...]
> Fuer Hans Juergen Brackmann (BDA): "Wir haben keine [Bildungs-]Bundes-
> liga, weil sich kein Land in der Abstiegs-
> zone wiederfinden will."

Ich sehe darin wirtschaftliche Gruende, siehe unten

> [...]
> "Was wir brauchen, ist schlicht ein
> Deckel nach unten", sagt Brackmann. "Sonst wird die
> Angelegenheit zum Standortfaktor."  [...]
> Nach Ansicht von
> Bildungsexperten hat eine
> ganze Reihe von Betrieben
> in Nordrhein-Westfalen die
> Lehrlingsausbildung einge-
> stellt, weil die Qualitaet der
> Bewerber nicht den Anforderungen der
> Firmen entsprach.
 So wird es auch in anderen Bundeslaendern mit weniger gutem
Bildungsniveau
 laufen, ich moechte wissen, wie es in SH oder NS oder HH oder MVP
 aussieht!
> [...]
> SILKE WETTACH �

 Ich finde das ziemlich katastrophal. Standortproblem bedeutet, dass
sich
 Betriebe ueberlegen werden, wo sie betriebe mit Ausbildungsplaetzen
 eroeffnen. Naemlich genau dort, wo die Bildung besser ist. Deswegen
wollen
 die Kultusminister -denke ich- die Geheimhaltung, um ohnehin schon
 wirtschaftlich schwachen Laendern (z.B. SH) nicht noch Nachteile zu
 bringen. Das ist ja ganz loeblich - aber das kann nicht die Loesung
sein,
 vor allem nicht bei einer solchen Bildungspolitik, wie sie m.V. hier
in SH
 betrieben wird!

 Andersrum werden Grossbetriebe vielleicht Werke in regionen
schliessen, wo
 die nachtraegliche Ausbildung der Azubis zu teuer kommt. Mittel- und
 Kleinbetriebe bleiben vollstaendig auf der Strecke, sterben
buchstaeblich
 aus...

 Die Grossbetriebe werden also nach Bayern gehen, vielleicht sogar in
 Grenzregionen, wo gut gebildete Arbeitskraefte aus dem Ausland
 beschaeftigt werden koennen. Arbeitslosigkeit in Deutschland?

 Das Problem kann nur schulisch geloest werden.

 Im Uebrigen moechte ich gern wissen, wie das Bildungsniveau in den
 noerdlichen Bundeslaendern eingeschaetzt wird - weiss darueber jemand
 Bescheid?

 CU

 Carsten Witt
Re: Bildung oder Ausbildung?
#270
Author: Mark Obrembalski
Date: Sat, 26 Apr 1997 00:00
60 lines
3492 bytes
Frank wrote:

> Wer etwas unternimmt, sucht sich passende Begleiter.
> Der Unternehmer sucht sich passende Mitarbeiter.

Mitarbeiter als "Begleiter"? Ziemlich ungleiche Begleiter w�rde ich 
sagen.

[...]

> Dazu werden f�hige Menschen gebraucht. Menschen mit
> technischem und wirtschaftlichem Sachverstand.

Oder mit anderen Arten von F�higkeiten. Es kommt darauf an, was 
gearbeitet wird. Nur mit technischen und wirtschaftlichen F�higkeiten 
lassen sich viele wichtige Aufgaben nicht erf�llen. Nicht in manchen 
Betrieben, noch weniger im nichtkommerziellen und �ffentlichen Bereich.

> Die wird sich der Unternehmer suchen. Findet er sie in Deutschland
> wird er sie in Deutschland f�r ihren Dienst bezahlen.

Die findet er auch in Deutschland. Ich w��te jedenfalls nicht von 
Stellen, die wegen erwiesener Unf�higkeit aller BewerberInnen unbesetzt 
geblieben w�ren. Allerdings sollte der Unternehmer bereit sein, sie f�r 
ihren Dienst in einer H�he zu bezahlen, die dem deutschen Preisniveau 
entspricht.

> Findet der deutsche Unternehmer sie nur woanders, wird er sie
> woanders bezahlen - wenn er wirtschaftlich stark genug ist, ins
> Ausland umzusiedeln

Ins Ausland siedeln Unternehmen wohl eher aus anderen Gr�nden um:

- niedrige L�hne
- miese Sozialstandards
- N�he zu Absatzm�rkten (hier hat halt schon jeder einen K�hlschrank und 
kauft deswegen nicht so schnell wieder einen)

S�dkoreanische Unternehmen siedeln in letzter Zeit �brigens gelegentlich 
nach Gro�britannien um, weil die L�hne dort inzwischen niedriger sind.

> 
> ...naja was solls, machen wir mal weiter mit Religion und Sport das
> Abitur

Was hast Du gegen diese beiden F�cher? Zumindest kommst Du da garantiert 
nicht mit dem stumpfen Auswendiglernen von Formeln zu guten Ergebnissen. 
In Physik und Mathematik unter Umst�nden schon. Au�erdem machst Du Dein 
Abitur nicht in zwei F�chern sondern in fast allen - die Leistungen im 
Laufe der letzten beiden Schuljahre z�hlen n�mlich mit. Und auch die 
Abipr�fung selbst legt mensch in vier F�chern ab.

 und lesen BILD-Zeitung...

Nicht die beste Lekt�re, um auf eine Abiklausur in Religion vorbereitet 
zu sein.

Gru�,
Mark
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